Anja P. kommt aus einem Dorf in der Nähe von Graz, studiert an der Akademie der Bildenden Künste und nennt als Musikerin sich Soap&Skin. Anja ist 17 Jahre alt. Das sage ich nicht, um für die junge Frau einen öden Jugendbonus einzufahren, sondern weil es kaum zu fassen ist, wie ernst und erhaben die Songs klingen, die Anja als Soap&Skin komponiert. Und wie souverän sie diese interpretiert. Mit den unbeschwerten Attributen, die man der biologischen Phase Jugend vorschnell und leichtfertig zuschreibt, hat diese Musik nicht zu tun.
Es ist nicht pubertäre Depro-Seligkeit, die Soap&Skin von den dunklen Seiten der Existenz singen lässt. Die Welt ist schlecht und das Leben meistens nicht schön – das wissen ja nicht nur die Alten. Drum müssen diejenigen, die mit diesen Tatsachen nicht zurande kommen, sich das Leben schön trinken. Hilft zwar nicht auf Dauer, aber Eskapismus muss erlaubt sein. Wenn Soap&Skin ein Stück dem Kinderzimmertod widmet, dann trägt sie diese Erfahrung des beschädigten Lebens in sich, dann ist das kein Kokketieren mit den melancholischen Säften der Adoleszenz, sondern die prinzipielle Skepsis einer Künstlerin gegenüber einer Realität, die jedem halbwegs sensibel Gebliebenen immer wieder unerträglich erscheinen muss. Wenn die Alten sich das Leben trinkend aushaltbar machen, diese junge Künstlerin sich hingegen dem Elend stellt, dann kann man die Kluft zwischen beiden Polen mit Existentialismus füllen.
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Vor einiger Zeit, als ich Soap&Skin zum ersten Mal im Sumpf vorstellte, sagte ich den blöden Satz: „Wie Coco Rosie – nur viel besser“. Seither steht dieser Blödsinn gern auf Ankündigungen von Soap&Skin-Konzerten. Ich möchte mich für diesen billigen Sager aus dem Fundus der Promo-Texter sowohl bei Anja als auch beim Publikum entschuldigen. Erstens stimmt er nicht, zweitens hat Soap&Skin plump Plakatives nicht nötig und drittens würde ich die Künstlerin heute nur noch in der Nähe von Franz Schubert oder Clara Schuhmann verortet sehen wollen. Aber auch das ist ein Blödsinn – wenn auch kein an den Haaren herbeigezogener, also zumindest kein Haar sträubender.
Zitat: Fritz Ostermayer
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"Ich schenke dem Soundpark zwei Songcollagen.
Beide Stücke haben die Behandlung meiner Heimat gemeinsam.
"Gradient Ruin" entstand aus dem Fundus hunderter Tonband-Aufnahmen
aus den 60ern.
Darauf zu hören waren Tischgespräche, Tischgesänge, Gebete und
Gedichte von mir unbekannten Ahnen.
"Fleischwolf" besteht neben den Beats fast ausschließlich aus von mir
aufgenommenen Geräuschen unseres Schweinestalls, vorwiegend aus
Schweine-Geschrei."
SOAP&SKIN bei der FM4 Soundpark Studio2 Session.