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Elisabeth Gollackner

Elisabeth Gollackner

Subjektivitäten, Identitäten und andere feine Unterschiede.

25. 1. 2009 - 13:34

Staatskörper und Frauenkörper

Am dritten Tag der "neuen Ära der Verantwortung" setzt Obama ein Zeichen für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Und trifft damit eines der Themen, die in den vergangenen Jahrzehnten am härtesten diskutiert wurden.

Das Volk, vor allem das weibliche, ist ja bekanntlich dumm und stinkt. Und in seiner Unmündigkeit staunt es nicht schlecht, als Barack Obama bereits nach drei Tagen Präsidentschaft die sogenannte "Gag Rule" außer Kraft setzt, und das noch mit den Worten: "Ich fühle mich weiter dem Recht der Frau auf freie Entscheidung verpflichtet."

Das Capitol in Washington mit einem Transparent im Vordergrund. Die Aufschrift: 3500 americans aborted daily.
Pro Life

Barack Obama fürchtet sich nicht vor kontroversen Themen – und vor allem bei diesem muss er auf einen Krieg mit der Neuen Rechten gefasst sein. Die "Gag Rule", 1984 vom republikanischen Präsidenten Ronald Reagan eingeführt, besagt, dass im Gesundheitswesen tätige Einrichtungen, die finanzielle Zuschüsse der Bundesregierung für Serviceangebote im Rahmen der Familienplanung beziehen, Frauen in Abtreibungsfragen nicht beraten dürfen. Ebenso wenig erlaubt sind öffentliche politische Äußerungen zum Thema oder das Anbieten oder die Durchführung von Abtreibungen.*

Money talks

*Siehe: Sarah Diehl "Deproduktion" (Alibri Verlag)

Neben dem Wunschdenken "Worüber man nicht redet, das existiert auch nicht", wurde durch die Gag Rule das Recht auf straffreien Schwangerschaftsabbruch in den USA (und den Ländern, in denen US-amerikanische Organisationen "Entwicklungshilfe" leisten) massiv in Frage gestellt.

Sobald Abtreibung kriminalisiert wird, staatliche Förderung, Unterstützung und Informationsmöglichkeiten wegfallen, regiert die Sprache des Geldes. Wer es sich leisten kann, "überredet" willige ÄrztInnen. Frauen aus ärmeren Schichten (und in diese Gruppe fallen sehr oft Migrantinnen) verlieren dadurch sichere Möglichkeiten, eine ungewollte Schwangerschaft abzubrechen. Die Folgen sind katastrophal: Laut WHO stirbt alle sieben Minuten auf der Welt eine Frau an den Folgen eines illegal oder medizinisch nicht korrekt durchgeführten Schwangerschaftsabbruchs.

Ping Pong

Demonstration für das Recht auf Abtreibung. Schild mit der Aufschrift Keep Abortion Legal im Hintergrund
Pro Choice

Bill Clinton war sich dieser Tatsachen scheinbar bewusst, denn auch er setze die Gag Rule 1993 bereits außer Kraft. Nicht so unser guter Freund George W. Bush. Auch ihm war es gleich bei Antritt seiner Präsidentschaft ein Anliegen, die Verordnung wieder zu ändern - und nicht genug: Er unterzeichnete 2003 auch noch den "Partial Birth Abortion Ban Act", der das "unveräußerliche Recht auf Leben und Menschenwürde" noch einmal hervorhob. Dieser Act war ein Zugeständnis an die Neue Rechte und ihren Kampf gegen Abtreibung. Und er war die Basis für eine Verschärfung der Situation. So wurde beispielsweise bei Minderjährigen die Einwilligung der Eltern verlangt, die Kosten für Schwangerschaftsabbrüche wurden in die Höhe getrieben, und es wurde eine gesetzliche Wartepflicht von 24 Stunden zwischen Konsultation und Eingriff eingeführt (für viele Frauen zeitlich und reisetechnisch noch schwerer machbar). Die New York Times sprach 2003 von einem "Krieg gegen Frauen", den Bush führe.

Pro Life gegen Pro Choice

Obama setzt mit seinem neuerlichen Kurswechsel in der Abtreibungspolitik also das PingPong der politischen und fundamentalen Kräfte seines Landes weiter fort: Pro Life against Pro Choice. Es ist eine Debatte, die stets stark emotionalisiert und nur sehr schwer objektiv und sachlich geführt wird/werden kann.

"Hinzu kommt, dass die Abtreibungsdebatte zu großen Teilen enthistorisiert und enttextualisiert verläuft", wie Daniela Hrzan in ihrem Bericht "Weißer Terror" schreibt. Denn wirft man einen Blick in die jüngere Geschichte Amerikas, wird deutlich, dass der so vehement geforderte "Schutz des Lebens" etwas sehr Relatives ist.

Tod einer Nation

Frau in weißem Shirt mit der Aufschrift I had an abortion.
Women on waves: A Dutch non-profit organization concerned with women's human rights. Its mission is to prevent unwanted pregnancy and unsafe abortions throughout the world.

Es ist gerade mal 100 Jahre her, als Präsident Theodore Roosevelt angesichts der rückgängigen Geburtenzahlen bei weißen Frauen forderte, die "Reinheit der Rasse" müsse "bewahrt" werden. Seine 1906 verkündete "Erklärung zur Lage der Nation" enthielt den Wortlaut, dass die weiße Frau aus gutem Hause, die sich freiwillig der Sterilität unterwerfe, eine Sünde begehe, die mit dem Tod der Nation bestraft werde.

Für die schwarze Bevölkerung allerdings standen zur selben Zeit Zwangssterilisationen und die Einführung der verordneten Geburtenkontrolle auf der Tagesordnung der Politik. In einem Bericht von 1919 aus der Zeitschrift der "Amerikanischen Liga für Geburtskontrolle" war beispielsweise zu lesen, dass das hauptsächliche Anliegen der Bewegung sei, mehr Kinder von Tauglichen und weniger Kinder von Untauglichen zu produzieren. (Wer "tauglich" und wer "untauglich" war, bestimmten natürlich die Mitglieder der Liga.)

Staatskörper und Frauenkörper

Sobald das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung gesetzlich beschnitten wird, geht es niemals um die "Würde" der wachsenden Zellanhäufung im Körper der Frau, sondern immer um politische Einflussnahme auf dieses schwer greifbare Ding, das sich "Staat" oder "Nation" oder "Rasse" nennt. Der "Staatskörper" speist sich nun mal aus dem Frauenkörper. Und gerade deshalb ist letzterer so umkämpft.

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  • alpiarts | vor 1213 Tagen, 10 Stunden, 18 Minuten

    Meine "Mutter" wollte, aber durfte nicht abtreiben, meinem "Vater" war es egal. So entstehen In Between - Menschen. Wie Pakete, die zwar abgesendet, aber niemals entgegengenommen worden sind.
    Lost In Between.

    Auf dieses Posting antworten
  • konjunktiv2 | vor 1214 Tagen, 7 Stunden, 40 Minuten

    dass es legale möglichkeiten schwangerschaften abzubrechen geben MUSS, steht ja wohl außer frage, und zwar unabhängig davon aus welchen gründen sich betroffene dafür entscheiden. denn: das leben ist auch für wunschkinder und deren zeuger hart genug, es darf kein zwang bestehen sich diese wohl größtmögliche verantwortung (egal ob zwanzig jahre erziehung oder bloßes 'austragen') aufzubürden. einen abort wie einen sonntagsausflug darzustellen wirkt allerdings auch ein wenig fahrlässig und am grad des laissez-fair im umgang mit der thematik kann mensch wohl durchaus eine ahnung von ev. vorliegender verrohung oder dekadenz einer gesellschaft gewinnen. 'i had an abortion' wird kaum stolz wie ein akademischer titel herumgetragen werden, frauen sollten aber imho in ihrer entscheidung stets unterstützt und NIEMALS dafür kritisiert werden (im normalfall wird frau wahrscheinlich mit sich selbst mehr als genug zu kämpfen haben).
    für mich is' die ganze abtreibungsdebatte ja schon deshalb spannend und delikat, weil ich sie im grunde für die millionen-frage im philosophisch-ethischen diskurs halte. sie zwingt uns 'relativ' beliebig (klar: (pseudo)wissenschaftlicher tand schmückt eh alles) festzulegen, wann menschliches leben beginnt und wann die verpflichtung es zu schützen. ich würde aber anregen nicht unbedingt schon bei zygoten von kleinstlebewesen...

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    • konjunktiv2 | vor 1214 Tagen, 7 Stunden, 39 Minuten

      ...zu sprechen, schließlich erfüllt ein tropfen blut auch die bedingungen 'vollständiges humanes genom' + intaktes (lebendes?) zellgewebe. und abgesehen von einigen christlichen hardlinern käme bestimmt niemand auf die idee jeden männlichen onanisten des genozids millionen winzigster halbmenschen zu bezichtigen. hart aber in seiner kühlen rationalität bestechend sei house, staffel 3 episode 17 (fetal position), empfohlen: der super-doc versucht dabei eine stunde lang seiner schwangeren patientin alleine die sprachliche ungenauigkeit 'baby' abzugewöhnen, stattdessen 'fötus' oder gar 'tumor' (im sinne von: nicht näher definierte raumforderung) aufs aug zu drücken. take that.

    • aubrey | vor 1214 Tagen, 6 Stunden, 51 Minuten

      'i had an abortion'

      Bitte den dazugehörigen historischen Kontext zu beachten.
      [http://de.wikipedia.org/wiki/Ich_habe_abgetrieben]

  • weirdsista | vor 1214 Tagen, 13 Stunden, 12 Minuten

    nicht zu vergessen, dass in der politik meistens männer solche entscheidungen treffen. das an sich ist ja schon pervers.

    Auf dieses Posting antworten
    • eierbär74 | vor 1214 Tagen, 11 Stunden, 20 Minuten

      Warum ist das "pervers"? Die mesten Entscheidungen, welche Politiker treffen, betreffen sie selbst nicht. Politiker beschließen Gesetze, die Zuwanderer, Kinder, nur Frauen (oder nur Männer), Pensionisten, Flugzeugkapitäne, usw. betreffen ohne selbst einer dieser Gruppen anzugehören. So funktioniert eine repräsentative Demokratie. Im Fall des Schwangerschaftsabbruches ist, finde ich, in den meisten westlichen Demokratien dabei ein ganz tauglicher Kompromiss herausgekommen.

    • weirdsista | vor 1214 Tagen, 4 Stunden, 32 Minuten

      ich finde, menschen ohne uterus sollten uns frauen nicht vorschreiben, was sie mit dem ihren anstellen.

    • weirdsista | vor 1214 Tagen, 4 Stunden, 31 Minuten

      also was wir mit dem unsrigen anstellen, das war jetzt nicht deutsch.

    • buntewarenwelt | vor 1214 Tagen, 4 Stunden, 16 Minuten

      Genau

      Weil Frauen haben ja weder passives noch aktives Wahlrecht.

    • johnleehookerelectro | vor 1214 Tagen, 3 Stunden, 54 Minuten

      abegesehen von den ganzen stockkonservativen frauen in amerika die GEGEN die abtreibung wären wenn sie entscheiden würden...
      empathie is was feines und reicht daweil völlig aus ;)

    • johnleehookerelectro | vor 1214 Tagen, 3 Stunden, 47 Minuten

      soll heissen
      eine frau die ein politisches gesetz für andere frauen entwirft entscheidet genauso für andere frauen die sie im grunde überhaupt nicht kennt.
      hauptsache die option abtreibung gibts..es is ja nur ne option und kein zwang.insofern is es soo blunzn ob ein das ein dick entscheidet..ausser man glaubt an böses karma oderso..uu

    • weirdsista | vor 1213 Tagen, 13 Stunden, 37 Minuten

      natürlich bin ich dafür, dass es die option gibt, geben muss. eben weil sonst umso mehr frauen sich lebensgefährlichen pfuschereien aussetzen.
      ein anderes problem ist aber auch die aufklärung selbst. wenn fundamentalistische christen die enthaltsamkeit bis zur ehe als einzige verhütungsmethode anerkennen, geht das ja wohl an der lebenswirklichkeit geschlechtsreifer jugendlicher vorbei.

  • jason21 | vor 1214 Tagen, 13 Stunden, 38 Minuten

    Ich kann den Schritt Obama's eigentlich nur begrüßen. Obwohl ich wohl zu den Abtreibungsgegner zu zählen bin. Dennoch zeigt die Realität, dass solche Verbote höchst problematisch sind und für Frauen oft in sehr schlechter Situation enden. Wenigstens wird jetzt der gefährlichsten aller US Gruppen, der christlichen Rechten, ein enormer Machtfaktor genommen.

    Dennoch erscheint mir hier eines sehr wichtig: Es gibt in entwickelten Ländern (wie USA) kein einziges stichhaltiges Argument für Abtreibung. Die Geburtenraten sinken drastisch, Adoptionen sind oft nicht möglich weil es schlichtweg keine Kinder gibt, der Staat und andere Organisationen haben und hätten die Aufgabe sich um ungewollte Kinder, die aber geboren wurden, zu kümmern und dabei spreche ich ethische und Moralische Themen noch gar nicht an. Dennoch: Verbote sind problematisch und kontraproduktiv. Freiheit aber dadurch zu definieren abtreiben zu dürfen ist aber noch viel viel problematischer. Sind Frauene die abtreiben wirklich immer so frei?

    Hut ab vor Obama, der eben nicht nur der ersehnte wirtschafts_Messias zu sein scheint. Vielleicht kommt ja auch bei der Todesstrafe so ein mutiger Vorstoß...

    Auf dieses Posting antworten
    • allthegoodnamesaregone | vor 1214 Tagen, 13 Stunden, 21 Minuten

      Gründe dagegen?

      Vielen Frauen geht es in der Schwangerschaft wirklich mies. Und in den letzten Wochen eigentlich fast allen.

      Die Geburt ist auch nicht gerade ein Honiglecken.

      Und wenn man das Kind dann zur Adoption freigibt, hat man erst vom Großteil der Menschen in der Umgebung den Stempel der Rabenmutter aufgedrückt bekommen, bevor man auch nur ansatzweise darlegen kann, dass man gerade etwas Selbstloses getan hat.

      Sprich: Scherereien, Schmerzen und Stigma. Tja. Seltsam, dass das nicht als Anreiz angesehen wird...

    • schwedenschwein | vor 1214 Tagen, 11 Stunden, 12 Minuten

      @allthegoodnamesaregone

      Das ist kein echtes Argument. Eine Abtreibung ist bestimmt auch kein Honig lecken bzw. sollte auch keines sein.

    • jason21 | vor 1214 Tagen, 10 Stunden, 19 Minuten

      @allthegoodnamesaregone

      Du bringst in der Tat kein Argument, dass nicht durch eine Systemverbesserung behoben werden könnte. Also wieder kein Absolutargument. Das mit der Rabenmutter liegt an der Ansicht der Gesellschaft. Das könnte durch Bewusstseinsbildung sehr schnell geändert werden. Genauso die Betreuung von Schwangeren um deren Befinden möglich optimal zu gestalten. Alles nur Dinge die leicht machbar sind/wären. Dabei lasse ich Dinge wie seelische Probleme nach Abtreibungen noch völlig außer Acht....

      Für mich wirds immer dann wirklich problematisch wenn Frauen ihrer Emanzipiertheit, die ich für wichtig erachte, durch Abtreibung propagieren.

    • allthegoodnamesaregone | vor 1214 Tagen, 8 Stunden, 50 Minuten

      Ich bin tatsächlich der Meinung...

      ... dass hier gehörig an der Gesellschaft und ihren Ansichten gearbeitet gehört.

      Wer ein Kind zur Welt bringt, nur um dem Kind ein Leben zu ermöglichen, gehört gefördert, nicht verurteilt.

      Sicherlich ist eine Abtreibung auch kein Honiglecken, aber ich habe noch von keiner gehört, die stundenlang dauert und die - vorausgesetzt, es treten keine Komplikationen ein - den Körper der Frau so nachhaltig verändern, wie es eine Schwangerschaft nun einmal tut.

      Emanzipiertheit und Abtreibung... Ehrlich gesagt, mir ist beim Anblick des "I had an abortion"-Sujets etwas übel geworden. Das ist nichts, was man stolz und mit einem Lächeln in die Welt tragen muss.

      Schließlich - egal, wie sehr ich für die Möglichkeit einer legalen Abtreibung bin - ist sie nichts anderes als das Auslöschen eines potenziellen Lebens.

    • allthegoodnamesaregone | vor 1214 Tagen, 8 Stunden, 46 Minuten

      P.S.:

      Auch wer sein Kind abgibt, kann deshalb seelische Probleme bekommen. So ausgeschlossen ist das nicht.

    • sauvage | vor 1214 Tagen, 8 Stunden, 1 Minute

      @jason21: "Das mit der Rabenmutter liegt an der Ansicht der Gesellschaft. Das könnte durch Bewusstseinsbildung sehr schnell geändert werden." - Gesellschaftliche Veränderungen, gesellschaftliche Bewusstseinsbildung gehen NICHT schnell! Schau dir an, wie hoch die Wogen nach 30 Jahren Fristenlösung bei dem Thema immer noch gehen. Schau dir an, wie viele RassistInnen es immer noch gibt, auch wenn es mittlerweile auf der anderen Seite gottlob für einen halb schwarzen US-Präsidenten reicht. Wie lange rennt die Emanzipation? Und wie viele Menschen sind immer noch im Herzen von der Minderwertigkeit der Frau überzeugt? Veränderungen brauchen laaange, um zu greifen.

      Und Kinder sind dann womöglich schon geboren. Ungewollte Kinder. Ich bin wirklich die Letzte, die sagt: "Dann treib halt ab!" als Alternative zu "Dann nimm halt ein Kondom!". Aber wenn eine Frau, oder ein Mädchen!, ungewollt schwanger ist, dann soll sie dieses ungewollte Kind nicht bekommen MÜSSEN.

      Ich stehe im Zweifelsfall immer auf der Seite des Kindes, und ich weiß, das sagen die "Pro-Life"-VertreterInnen auch, aber: Kinder haben meiner Meinung nach ein RECHT darauf, in dieser Welt willkommen zu sein. Sie haben nicht darum gebeten, gezeugt zu werden. Sie können nichts, absolut nichts für ihre Entstehung...

    • sauvage | vor 1214 Tagen, 8 Stunden,

      ...Sie können nichts, absolut nichts für ihre Entstehung und, falls ausgetragen, ihre Existenz. Trotzdem kriegen Kinder immer alles ab. Und deshalb stehe ich radikal auf dem Standpunkt, besser abgetrieben als schwer traumatisiert. Babys kriegen ja schon im Mutterleib jede Emotion mit, d. h. selbst wenn sie zur Adoption freigegeben werden, haben sie schon mal neun Monate lang Ablehnung und Unerwünschtheit erfahren. Ist das gut für die psychische Entwicklung, das Selbstbild, die Bindungsfähigkeit, das Selbstwertgefühl? Gott, nein. Um das ausgleichen zu können, müssen Adoptiveltern wirklich ganz besonders gesund und warmherzig und einfühlsam sein. Das ist nicht immer gewährleistet. Es ist nicht einmal gewährleistet, dass das Kind adoptiert wird - womöglich landet's im Heim und das ist nun einmal nicht das Gleiche, wie in einer Familie groß zu werden.

      @allthegoodnamesaregone: Ich kenne eine Frau, die als Teenie ein Kind zur Adoption freigegeben hat. Sie leidet immer noch drunter und als sie das Kind, ich glaube, es war ein Sohn, dann wesentlich später getroffen hat, war es eine Katastrophe für beide, nur schmerzhaft - er voller Vorwürfe, sie voller Schuldgefühle.

      Ich glaube, es gibt keine Möglichkeit, ideal ungewollt schwanger zu sein. Es ist immer...

    • sauvage | vor 1214 Tagen, 7 Stunden, 59 Minuten

      Ich glaube, es gibt keine Möglichkeit, ideal ungewollt schwanger zu sein. Es ist immer wild, wenn es überhaupt nicht in Frage kommt, das Kind auszutragen. Deshalb: Verhütung, Leute! Verhütung, Verhütung, Verhütung, bis ihr ganz sicher ein Baby wollt - und dann gebt ein Fest, wenn's geklappt hat!

    • alpiarts | vor 1213 Tagen, 9 Stunden, 36 Minuten

      Danke für Deine Worte, Sauvage.

    • allthegoodnamesaregone | vor 1213 Tagen, 2 Stunden, 9 Minuten

      Wunderschönes...

      ... Schlusswort, sauvage!

  • kleinerrollhügel | vor 1215 Tagen, 2 Stunden, 9 Minuten

    ich find das ja auch irgendwie heuschlerisch, gleichzeitig die todesstrafe zu haben und abtreibungen zu illegalisieren.

    für mich ist, die art und weise wie ein land an diese zwei dinge herangeht ein gradmesser für die zivilisiertheit ebendieses

    Auf dieses Posting antworten
    • kleinerrollhügel | vor 1215 Tagen, 2 Stunden, 7 Minuten

      das komma da kann man streichen

    • arnonymous | vor 1214 Tagen, 5 Stunden, 35 Minuten

      warum ist es dann "besser" abtreibungen zu legalisieren, aber die todesstrafe nicht zu haben?

      heuchlerei ist sehr standpunktsbezogen.

      für mich ist die wirklich schwierige debatte nicht ob abtreibung per se, sondern bis WANN durchzuführen ist. ab wieviel zellen ist es mord bzw. totschlag? wo ist die grenze zwischen potentiellem leben und realem? warum dürfen frauen darüber bestimmen, die anderen zeugungshälften aber nicht (wenn die hälfte des genmaterials doch von ihnen kommt)?

      nein, ich hab keine antworten dazu.

  • sixsigma | vor 1215 Tagen, 2 Stunden, 13 Minuten

    schwere sache

    Wiegt das recht auf selbstbestimmung mehr als das recht leben? Ich hoffe nicht das sie das so sehen. Verabsäumt der staat nicht seine plicht das menschliches leben zuschutzen wenn er abtreibung straffrei setzt?
    Ich verstehe ihr argument dass ein zellhaufen kein mensch sei doch ist ist ein der mensche erst dann mensche wenn er den unterleib einer frau verlasst.
    Wollen wir den menschen über die vernunftbegabtheit definieren stoßen wir auch bald auf probleme. Schwer geistig behinderte sind sicher nicht vernunftbegabt dennoch sind sie ganz sicher menschen.
    warumdürfen behinderte kinder langer abgetriben werden? Sind das mensche 2. klasse?
    Ich finde man sollte in diese diskussion die freigabe zur adoption enbetten. Eine frau ist keine rabenmutter ober ein schlechterer mensch wenn sie ihr kind zur adoption frei gibt.
    Ich würde mich wesentlich wohler fühlen wenn ich wenn ich aus einer nicht gewollten schwangerschaft entstanden bin als nicht zu sein.

    Auf dieses Posting antworten
    • kathiwithani | vor 1215 Tagen, 1 Stunde, 54 Minuten

      leider keine zeit, auf dieses posting zu antworten

      aber eines sei gesagt: wenn du nicht wärst (das darfst du dir kursiviert vorstellen), könntest du dich nicht darüber beschweren, dass du nicht da bist. ganz sicher.
      (außer du glaubst an himmel/vorhölle oder so, aber letzteres hat ja der papst abgeschafft. was der alles kann!)

    • schreck | vor 1215 Tagen, 1 Stunde, 36 Minuten

      Medizinisch gesehen beginnt Leben eben erst nach einigen Wochen, deswegen die Fristenlösung. Deswegen kann frau nicht mit 8 1/2 Monaten abtreiben.
      Niemand wird zu eine Abtreibung gezwungen, wenn für die Christen und Christinnen Leben ab der Befruchtung entsteht, dann ist das ihr Privatsache. Sie sollten aber mit Gott reden, denn er ist der größte Abtreiber von allen, gehen doch viele Föten ganz natürlich in den ersten 2 Monaten ab.

      Es geht übrigens um Pro-Choice, nicht um "Treibt alle Föten ab". Eine Frau muß das Recht haben sich entscheiden zu können und selbst über ihren Körper bestimmen können. Das ist ein Menschenrecht.

    • buntewarenwelt | vor 1214 Tagen, 4 Stunden, 20 Minuten

      Du machst es dir schon einfach

      Liebe/r Schreck, nachdem es keine eindeutige und allgemein anerkannte Definition von Leben gibt, ist das, was du als "medizinischen Fakt" verkaufst, keinesfalls unumstritten.

      Fakt ist hingegen, dass nach der Meiose (i.e. die erste Zellteilung) bereits ein eigener Genotyp (i.e. ein individueller Satz von Genen) vorliegt.

    • buntewarenwelt | vor 1214 Tagen, 4 Stunden, 18 Minuten

      Und mit 8 1/2 Monaten darf man noch abtreiben, wenn das Kind behindert ist. Siehe Fall Emil, der grade durch die Medien geistert.

  • prom000 | vor 1215 Tagen, 7 Stunden, 32 Minuten

    Dennoch sollte soviel wie möglich getan werden, dass es erst garnicht zur ungewollten schwangerschaft kommt.
    Interessant wirds auch am schluss wenns um diesen Staatskörper usw. geht.
    Das ist ja auch immer indirekt ein argument gegen "gay marriage".
    Das ganze ist ja Ö & D aufgrund der vergangenheit ein heikles Thema.
    Aber dann soll das bitte ma loffen diskutiert werden, würde auch helfen einige Vorurteile & Ängste bezüglich der "Überfremdung" abzubauen.

    Auf dieses Posting antworten
    • malefue | vor 1215 Tagen, 4 Stunden, 42 Minuten

      "Dennoch sollte soviel wie möglich getan werden, dass es erst garnicht zur ungewollten schwangerschaft kommt."

      natürlich. aber genau das hat die regierung bush versucht 8 jahre lang völlig zu verhindern. aufklärungsunterricht in den schulen wird von den republikanern immer noch großteils abgelehnt.

  • sauvage | vor 1215 Tagen, 9 Stunden, 43 Minuten

    Was ich ganz wichtig finde, ist, den Unterschied zwischen "Pro-Choice" und "Pro-Abortion" hervorzuheben. Da gibt es nämlich oft Verwirrungen. Man muss Abtreibungen per se nicht großartig finden, um absolut für das Recht einer Frau einzutreten, zu entscheiden, ob sie ein Kind austragen und für die nächsten 20 Jahre durchfüttern will. Natürlich sollten Abtreibungen in der westlichen Welt nicht nötig sein, Zugang zu Verhütungsmitteln blablabla, aber das Leben spielt halt nicht immer so und dann passiert's.
    Im Zweifelsfall bin ich der Meinung, dass eine Abtreibung die bessere Wahl ist, verglichen mit dem Seelenleid eines nicht gewollten Kindes, FÜR das sich niemand entschieden hat ("Pro-Choice"), sondern das bloß da ist, weil es nicht die Möglichkeit gab, sich DAGEGEN zu entscheiden.

    Auf dieses Posting antworten
    • tuneless | vor 1215 Tagen, 2 Stunden, 57 Minuten

      Stimm dir zu, aber trotzdem zwei Anmerkungen:
      * Verhütungsmittel blablabla [...] und dann passiert's: Abtreibungen gibt es IMHO viel zu viele. 40000-80000 Abtreibungen (vs 70000 Neugeborene) / Jahr. Mit dem ganzen blablabla sollte diese Zahl nicht so groß sein.
      * Man sollte nicht vergessen, dass es Alternativen zur Abtreibung gibt! Mehr gesellschaftliche Akzeptanz dafür wäre gut.

    • winterresidenz | vor 1215 Tagen, 2 Stunden, 30 Minuten

      bin da auch ganz eurer meinung. im angesicht dieser "pro choice" vs. "pro-abortion"-debatte find ich übrigens solche aktionen wie obiges "i had an abortion"-kleid ziemlich verfehlt. ich versteh ja den provokanten ansatz, aber das verklärt die ganze sache dann auch wieder.