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Musik, Film, Heiteres

Andreas Gstettner

Andreas Gstettner

Vertieft sich gern in elektronische Popmusik, Indiegeschrammel, gute Bücher und österreichische Musik.

24. 1. 2009 - 19:18

We're lucky, so lucky lucky!

Das FM4 Geburtstagsfest mit Clara Luzia, den Rakes, Deichkind, Franz Ferdinand, Torten und noch mehr Wahnsinn.

Mehr!

Alles rund ums FM4 Geburtstagsfest

Schon bei meiner Ankunft verdichten sich Gefühle, die sich den ganzen Tag aufgebaut hatten. Martin Blumenau hat es in seinem heutigen Journal gut getroffen. Es ist das Gefühl, sich mitverantwortlich zu fühlen, wie jeder gute Gastgeber sich sorgt, die geladene Gesellschaft möge auf der Dinnerparty einen denkwürdigen Abend verbringen.

FM4 Piratenfahne weht über der Arena

Nach einem fast schon frühlingshaft anmutenden Nachmittag stehe ich ein paar Stunden später in der dunklen, mit Trockeneis vernebelten, halb gefüllten Arena und wundere mich über die Einflugschneise zum Schwechater Flughafen, auf der sich ein Flugzeug nach dem anderen unmittelbar hinter dem schön angeleuchteten Arena Schornstein auffädelt.

Dann wäre da noch der süße Punschduft, der mir von hinten in die Nase steigt und mich kurz in die Adventszeit versetzt. Aber nur für ein paar Sekunden, denn schon drängt sich an mir ein Typ vorbei, der trotz der Kälte mit einer Drei-Viertel-Hose bekleidet seine weißen Tennissocken mit rot-blauen Kringeln am oberen Ende zur Schau stellt. Alle scheinen gespannt und voll freudiger Erwartung an den heutigen Abend, als endlich um Punkt achtzehn Uhr Clara Luzia die Bühne betreten.

Die emotionale Startrampe

Alle Augen sind auf die schwarze Haube, die eng anliegende dunkle Jacke, die Gitarre und die fingerfreien Handschuhe gerichtet. Clara Luzia beginnen ihr Set zart und zurückhaltend mit zerbrechlichem Timbre.

Clara auf der großen Bühne

Jedes Wort zeichnet sich im Weiß ihres gefrierenden Atems gegen die Dunkelheit ab. Würde man die Formulierung "großes Gefühlskino" ins Spiel bringen wollen, so wäre dieses Konzert eindeutig ein französischer Streifen mit emotionalem Tiefgang bei gelichzeitiger lebendiger Leichtigkeit. Denn auch wenn Clara bei Liebesbekundungen aus dem Publikum durch Schreie oder mitgesungene Textpassagen lächelnd ihre Bandkollegen anblickt und danach etwas schüchtern zu Boden blickt, kann der Gastposaunist sogar sie zum Tanzen bringen.

Clara Luzia mit Gitarre

Ein perfekter und stimmungsvoller Anfang, leise und intensiv zugleich. Genau die richtige Rampe für die Wildheiten, die schon vorprogrammiert sind.

We freeze together

Als ich etwas verspätet aus dem Backstage Bereich vor die Bühne eile, knallen schon die schnellen Bassdrum-Schläge in die Masse; mittlerweile hat sich der Open Air Bereich sichtlich gut gefüllt. Die Londoner, oder besser Exil-Berliner The Rakes befeuern mit ihrem Sound mein ohnehin schon durch die oben beschriebene freudige Spannung hochaktives neurales Netz. Hab' ich nicht gerade da die Jungs von Deichkind in hochzeitsartiger Tanzschlange in ihren Neo-Müllsäcken durchs Publikum hüpfen sehen? Vielleicht waren es auch nur Elektro-Spaßvögel, die auf ihre Technohelden warten.

Wie die Blitzlichter von der Bühne schießen Assoziationen durch meinen Kopf. Rakes-Sänger Alan Donohoe spielt nämlich bei neuen Stücken erheblich mit seinem Stimmumfang, sodass nicht nur sein hohes, theatralisch gepresstes Singen zur Geltung kommt, auch Interpol-artige Passagen schlängeln sich durch das an sich extrem schnelle und tanzbare Live-Set.

Die Rakes auf der großen Bühne

Auch die Strokes-Synapsen werden bei dem neuen Material durch einen Sechzehntel-Bass, grob-groovige Dance-Beats und Single-Note Gitarrenmelodien über die Hemmschwelle aktiviert. Immer wieder wirkt das drahtige Herumwirbeln von Alan, der mit seinen roten Handschuhen wie ein Pantomime den Sound seiner Band auf der Bühne nachzeichnet, wie Jarvis Cocker auf Speed, was mich wiederum an den Pulp Vergleich von Eva Umbauer erinnert.

Alan Donohoe, Sänger der Rakes

Nach diesem rohen, rockigen und nicht minder spannenden Gig darf man auf das neue Rakes Album also wirklich gespannt sein. Das war die zweite Base. Bei der nächsten Stufe wird noch eins draufgesetzt.

Der Deichkind Massenworkout

Sie haben uns nicht zu viel versprochen und wir haben uns nicht zu wenig erwartet. Wer schon bei einem Deichkind-Konzert war, weiß, daß die Electric Super Dance Band mit Ursprung Hamburg es versteht, eine richtige Show zu machen. Während in der großen Halle von FM3000 der Papst angekündigt wurde, gab es Open Air einige Wellen musikalischer Erweckungen.

Zu Beginn steht fast schon programmatisch der Pyramiden-Workout, während nicht der wirtschaftliche Pleitegeier, sondern eher der Partyvogel über die Bühne flattert. Neonfarben treffen auf Müllsack Overalls, in denen akrobatische Sprünge und Raver-Posen am Trampolin vorgeführt werden. Während in digitaler Form die Technozukunft und New-Rave-Beats beschworen werden, tummelt sich auf der Bühne eine Ruder-Schwimmer-Szenerie, die eher an gute alte Schultheateraufführungen erinnert. Das obligate Schlauchboot-Crowdsurfing darf ebenso wenig fehlen wie die Glitzer-Glimmer-Leuchtlämpchenhüte, mit denen Kraftwerk auf stoische Art zitiert werden.

Deichkind-Remmi-Demmi auf der Bühne

Die Masse so zum Springen, Abgehen und Tanzen zu bringen, das kann nicht jede Band. Es liegt nicht zuletzt daran, dass Deichkind mit "Arbeit nervt" wohl genau den Nerv der Zeit getroffen haben, in der sich immer mehr Menschen einer korsettartigen Geldbeschaffungsmaschinerie unterordnen müssen. Aber bei solch einer exzessiven, elektronischen Party kümmert das ohnehin niemanden.

Deichkinds Bühnen-Wahnsinn

Die Torteneinlage von Deichkind hat da auch alles übertroffen, was ich bisher auf einem FM4 Geburtstagsfest erlebt habe. Nicht nur das Springen bei "Remmi Demmi" auf der rutschigen, getorteten Bühne sondern auch noch "gesektet und gefedert".

Das Publikum giert nach der Geburtstagstorte

Bei Franz Ferdinand werden die Federn da wohl eher in Gentleman-Manier fliegen.

Wir haben uns zwischendurch natürlich auch immer mal wieder umgehört, ob's eh allen gut geht. Ein paar Reaktionen und Glückwünsche, Impressionen von Deichkind, der Tortenzeremonie und Franz Ferdinand gibt's im folgenden Video.

They took us out

Nach dem Deichkind-Wahnsinn die gefüllte Arena zu befrieden, ist keine leichte Aufgabe. Da hilft es schon etwas, wenn man über guten Popgeschmack erhaben ist, wie unsere Lieblinge von der Art School. Meine Assoziationsmaschine, die sich bei der Hamburger Neon-Federnshow ausgeschaltet hat, kam auch bei Franz Ferdinand nicht mehr auf Touren. Robert Rotifer, das wandelnde Brit-Rocklexikon, könnte uns an dieser Stelle jedes einzelne Bass- und Gitarrenzitat der Schotten etymologisch nachweisen, mir hingegen blieben keine Referenznamen hängen. Ein Beweis dafür, dass Franz Ferdinand in einer eigenen Liga spielen, egal ob es um Sound oder Ästhetik geht.

Alexis Kapranos von Franz Ferdinand

Ihr erdiger und straighter New Wave Rock klingt für mich wie ein Blick in einen hippen Londoner Club durch eine schicke Designerbrille. Selbst wenn diese Analogie etwas hinkt, so trifft sie doch die musikalische Attitüde der Band.

Zwischen ihren Hits "Take Me Out", "The Dark Of The Matinée", "Michael" und "Do You Want To" streuten Franz Ferdinand neue Songs ein, die nicht ganz so geradlinig erschienen und mit mehr analogen Synthie-Sounds angereichert wurden. Im Prinzip klingen sie genau nach dem alten, aufgelassenen Theater, in dem sie aufgenommen wurden, und ihre Struktur lässt sich gut mit jener des schmucken Teppichs vergleichen, auf dem das Schlagzeug und die Verstärker aufgebaut waren, während die Mikrophone den neuen Sound aufnahmen.

Nochmal Alexis Kapranos

Alle Fotos von Flo Wieser

Vielleicht täuschen auch die Neuheit und das ungewohnte Hörerlebnis eines Open Air Live Sounds mich in meiner akustischen Wahrnehmung. Worin ich mich aber sicher nicht täusche ist, dass diese Band – egal ob auf einem Geburtstag eines Radiosenders oder auf den großen Rockbühnen dieser Welt – zurecht zu den Rettern des (wieder einmal) tot geglaubten Rock’n’Roll der britischen Inseln gezählt werden.

Ein würdiger und erhabener Abschluss des FM4 Winteropenairs.

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  • judo1 | vor 1112 Tagen, 14 Stunden, 13 Minuten

    Fotos..

    meine Fotos gibts hier zu sehn

    http://flickr.com/photos/judo10/tags/fm4fest/

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  • franziskaferdinand | vor 1112 Tagen, 15 Stunden, 1 Minute

    franz ferdinand

    waren echt superfantastisch.
    auf so einem super konzert war ich schon seit einem jahr nicht mehr!

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  • pretterebner | vor 1113 Tagen, 21 Stunden, 5 Minuten

    fotos auch unter

    www.thegap.at

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  • carlagreen | vor 1113 Tagen, 21 Stunden, 10 Minuten

    Deichkind - doch Zugabe

    Soeben lese ich Deichkind sind nochmals mit Remmi demmi auf die Bühne gekommen?!? Das ganze Konzert über hab ich auf meinen Lieblingssong gewartet u. gedacht, das war`s, als die FM4 Moderatoren anschl. mit der Torte kamen. Irreführung nenn` ich das! Was können wir daraus lernen? "Nie gleich davonrennen ...!!!*g*

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  • konjunktiv2 | vor 1113 Tagen, 22 Stunden, 43 Minuten

    ein bisserl mehr trivia, bitte!

    beim frühstück hat mich herr fluch sehr erheitert, mit seinem ff-resumee: "Ein etwas gewagteres Set mit mehr Zugeständnissen ans neue Album hätte der Darbietung nicht geschadet. Vielleicht war Kapranos aber auch etwas geschwächt. Zumal er kurz vor dem Auftritt eine heftige allergische Reaktion auf böse Erdnüsse hatte." das hat sich fm4 mit dem tollen myspace-gewinnspiel wohl selbst eingebrockt...

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    • lagioconda | vor 1113 Tagen, 21 Stunden, 45 Minuten

      Bitte?

      Haben eh 7 Songs vom neuen Album gespielt. Hat der Herr Fluch vielleicht nicht wirklich aufgepasst, hm?

  • ketu | vor 1114 Tagen, 12 Stunden, 35 Minuten

    fotos? fotos. Fotos! ^^

    bei interesse gibts noch a paar fotos
    http://flickr.com/photos/swatchonphotos/sets

    ... wobei noch nicht alle fertig sind.... .... große müdigkeit macht sich auf meiner couch breit.

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  • hariklia | vor 1114 Tagen, 13 Stunden, 16 Minuten

    ONE-WAY-TICKET???

    bitte fm4, ihr müsst das in den nächsten jahren wirklich mit der arena absprechen und ändern!

    man kann weder freunde holen, noch jemanden rausbringen, falls ihm schlecht wird, noch kurz zum bankomaten gehn. wenn man von 5 bis 5 am fest ist, ist das wirklich total fieß. man wird regelrecht eingesperrt, da man falls man raus will, nicht mehr reinkommt.

    ich hoff ihr könnt das irgendwie ändern (bänder, stempel...)

    ansonsten war das fest wirklich unfassbar toll (SCHWEFELGELB ist mein persönlicher favorit! die warn echt spitze!)

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    • alfaromeo147gt | vor 1114 Tagen, 13 Stunden, 10 Minuten

      aber sonst drinkst du dein bier draußen aus der dose und das ist nicht gut für die wirtschaft =)

    • hariklia | vor 1114 Tagen, 10 Stunden, 17 Minuten

      das stimmt. aber andere veranstaltungen schaffens doch auch immer noch genügend einzunehmen. und wenn sie nicht wolln dass außerhalb getrunken wird, dann sollten sie die preise evtl. auch nicht so hoch ansetzn...

    • alfaromeo147gt | vor 1113 Tagen, 13 Stunden, 52 Minuten

      du hast das system der freien marktwirtschaft nicht ganz verstanden..?
      es kann nie genug eingenommen werden..... =)

    • hariklia | vor 1113 Tagen, 13 Stunden, 31 Minuten

      lol :) danke.
      ich merks mir!

  • kirschensindambaum | vor 1114 Tagen, 13 Stunden, 40 Minuten

    hey... ich mag auch so eine piraten-fm4-flagge!!

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    • momopanda | vor 1114 Tagen, 8 Stunden, 21 Minuten

      wer nicht....
      da könnte Fm4 richtig kohle machen mit Flaggen verkaufen und dann machen sie's nicht. Darweil wird doch eh alles verhökert wo man ein Fm4 logo draufmachen kann (schnürsenkel, wtf!?)

    • richelieu | vor 1113 Tagen, 21 Stunden, 25 Minuten

      wenns jeder hat, dann ist sie ja nix besonderes

  • substanz | vor 1114 Tagen, 15 Stunden, 53 Minuten

    schade, dass es das Tortenkatapult von deichkind dann doch nicht ab....

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  • etcetera | vor 1114 Tagen, 16 Stunden, 34 Minuten

    "Rakes-Sänger Alan Donohoe spielt nämlich bei neuen Stücken erheblich mit seinem Stimmumfang."

    Hätte er meiner Meinung nicht machen sollen. Vielleicht lag's aber auch nur an den frostigen Temperaturen, dass er sich teilweise anhörte wie ein Frosch im Stimmbruch.

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