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Musik, Film, Heiteres

Martin Blumenau

Martin Blumenau

Geschichten aus dem wirklichen Leben.

28. 1. 2009 - 15:12

Journal '09: 28.1.

Schwierig.

Noch einmal zu etwas, was im Umfeld des FM4-Fests passiert ist, einer Rand-Geschichte, die mich inhaltlich wirklich unangenehm berührt hat - im Gegensatz zu der Debatte der letzten Tage, die sich (zumindest in meinem Kopf) eher abstrakt abgespielt hat.
Ich erwähne den Anlassfall, obwohl mir klar ist, dass sich wieder die Mehrheit derer, die reagieren, dran festkrallen und nicht davon runter- oder loskommen werden: zu tief sind die Simplifizierungen und Personalisierungen in der österreichischen Seele angelegt, als dass es zu der im angloamerikanischen Raum aber auch in Frankreich und sogar in Deutschland präsenten Leichtigkeit der Versachlichung von Diskussionen über Lebens- und Handlungs-Prinzipen kommen könnte.

In der großen Arena-Halle trat ein sehr junges Trio aus Hamburg auf, die 1000 Robota, eine mit Vorschusslorbeeren fast schon zugedröhnte Band, die in der Tradition von Gang of Four (Musik), Fehlfarben (Texte) oder auch MG Telekommander (Zwiesprechgesang) agieren und damit, aber auch mit Ungewöhnlichkeiten wie einem akkordbetriebenem Bass erstaunlich komplexes Niveau erreichen.

Das mit der "schwierigen" Band

der drummer der 1000 robota

Weil sie verdammt jung sind (1x17, 1x18 Prä-Abitur, 1x18) kommen sie in ihren öffentlichen Äußerungen (Interviews, Auftrittswirkung) zwangsläufig noch nicht an die Dichte und Intensität ihrer Textwelten heran. Das hat sie im Vorfeld dazu gebracht, sich selber als "schwierige" Band zu bezeichen. Das hat sich im Verlauf des Samstag-Abends dann auch mit seltsamem Beef mit der Technik und einer von Anfang an nicht friktionsfreien Begegnung mit einem von Franz Ferdinand und den Puppetmastaz in sehr positive Stimmung gebrachtem Publikum gesteigert.
Denn die 1000 Robota sind nicht positiv oder witzig, sie sind in einer sehr jugendlichen Blase des Sich-Selbst-Ernstnehmen-Müssens gefangen, die sie davor beschützt, per Kindchenschema vereinnahmt zu werden, wo sie das nicht wollen, sie sind (absichtlich) Geiseln ihrer eigenen Ernsthaftigkeit. Und darin sind sie wunderbar unverrückbar.

Das was mir dann unangenehm aufgestoßen ist, war nicht die (verhaltene) Reaktion vorort, sondern das erklärende Gerede am Tag danach. Kollege Robert Glashüttner hatte in seiner Hallen-Rückschau den Robota-Spruch von der "schwierigen" Band, die sie halt seien, thematisiert, und prompt fand sich der Begriff dann auch im Forum wieder.
Und zwar als Ausrede dafür, warum diese komische Band, mit der man - gerade zu diesem Zeitpunkt des gesamten Abends - nicht so viel anfangen konnte, endgültig abzuhaken wäre. Klar, "Schwierig, my ass..."

Das ist der dümmste Knieschuss, den ich seit langem vernommen habe.
Weil etwas "schwierig" ist, ist es leicht beseitezuschieben. Weil etwas "schwierig" ist, braucht es keine Auseinandersetzung, sondern kommt in eine entsprechende Schublade.
Mit dem dankbar aufgegriffenen "zu schwierig"-Modus lässt sich nämlich sowieso bereits alles, was sich nicht an den simplen Kritieren des angewandten Populismus (dem nicht nur das Mainstream-Publikum, sondern mittlerweile scheinbar alle verfallen sind), der Simpli/Personifizierung orientiert, wegdrücken als wär es eine depperte Hausaufgabe.

Ich halte diese Einstellung für verheerend.

Ausschließlich das Schwierige ist der Motor für sämtliche zivilisatorische Errungenschaften, das Schwierige, das Sich-Stellen und die Überwindung, das Begreifen, das Lernen damit und daraus.

der bassist der 1000 robota

Alles andere, das Leichte, das Glatte, das Einfache dient dazu den Status Quo zu befüttern, die Stagnation zu erleichtern, den Stillstand zu befürworten.
Natürlich ist das die bequeme Lösung.
Und genau deshalb fällt der Populismus auf so fruchtbaren Boden: den menschliche Ur-Instinkt sich vom "Schwierigen" fernzuhalten mit entprechender Anfeuerung unterstützen; alles Komplexe als Blödsinn für Eierköpfe zu diffamieren; die pipi-einfachste aller Lösungen abzubieten und dabei auch noch ein gutes Gefühl zu vermitteln.

Sich mit diesem Mitteln inhaltlich von der Zivilisations-Entwicklung abzukoppeln ist nicht nur ein dreister und offener Rückschritt in überkommene Zeiten, es ist auch infam.
Die Infamität besteht darin, die animalische, antisoziale, unsolidarische Grundtendenz des Homo Sapiens nicht nur anzusprechen, sondern auch noch sie als eigentlichen Lebenszweck zu promoten. Das gesamte populistische Marketing ist auf diesen dumpfen Mechanismus programmiert.

Weil sich das, was oft genug gesagt wird, irgendwann in die Wahrheit verwandelt (wir erinnern uns an den entsprechenden Ausspruch des großen Weisen Andreas Khol), fällt es auch den alphabetisierten, besser ausgebildeten, meinungsmachenden und womöglich sogar diskursfähigen Menschen zunehmend schwerer, sich der Faszination der "neuen Leichtigkeit" zu entziehen. Ich sehe durchaus kluge und für die Debatte in diesem Land wichtige Menschen dabei zu, wie sie zunehmend drauf reinkippen, wie "das Schwierige" immer mehr zum Schimpfwort im Sinn der Erfinder wird, wie das Avancierte zunehmend zu einer No-Go-Area verkommt, die nicht nur von der konsumistischen Masse, sondern zunehmend auch von den sich als kritisch einschätzenden Verbrauchern als solche gelabelt wird.

der gitarrist der 1000 robota

Einschub: Vielleicht merkt der eine oder die andere, dass das Wesen, der diskussionswürdige Kern dieses heutigen Journal schon längst nichts mehr mit dem Anlassfall zu tun hat - das nur als Erinnerung, den zweiten Absatz betreffend...

Schwierig vs Leicht, Entwicklung vs. Stagnation

Dass derlei auch im FM4-Umfeld auftaucht, darf nicht verwundern. Ich halte es nur für notwendig dann (also jetzt) sofort festzuhalten, wie widersinnig die Verwendung dieser neuen scheinbar so praktischen Instant-Ideologie in einem Umfeld ist, das sich per definitionem mit dem Schwierigen, Nicht-Einfachen und Nicht-Glattem auseinandersetzt.
Klar liegt die Unterscheidung im Auge des Betrachters. Für viele normale Österreicher aber sind zb auch schon Franz Ferdinand "schwierig". Und für viele, die sich im Popkontext ein bissl auskennen, ist zb Antony die Grenze. Und wieder andere halten alles außer der eigenen (radikalen) Ansicht für glatt/einfach/böse (letztere waren gestern abend freilaufend und bei einer Diskussion zu Sneaker Stories generalversammelt - dazu diese Woche wohl noch mehr).
Gemeinsam ist den halbwegs kritischen Usern der dunklen Seite des Popkultur-Mondes (die sich durch Autorenschaft anstelle des puren kommerziellen Kalküls von der der Erde zugewandten Seite abgrenzt) wohl bloß das Bewusstsein, sich am zivilisatorischen Entwicklungs-Prozess beteiligen zu wollen.

Das sollte aber nicht nur Option oder Pflicht, sondern Aufgabe und Kür sein.

Dafür wiederum ist die Beschäftigung mit dem "Schwierigen" unabdingbar. Weil nur die sicherstellt, dass wir nicht in der Gemütlichkeit des eigenen Safts verdummen. Weil nur das Knacken von harten Nüssen garantiert, dass wir die Winter der grassierenden Bewusstlosigkeit, die uns als "neue Leichtigkeit" lecker verkauft wird, überleben. Und jeder, der sich da mit genau dieser Ausrede, der Anstrengung mit dem Schwierigen dieser Beschäftigung verweigert, läuft Gefahr einzufrieren.

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  • herrk | vor 1109 Tagen, 11 Stunden, 15 Minuten

    sehr guter text!

    du hast es auf den punkt gebracht: schwierig vs leicht, entwicklung vs. stagnation.

    genau dieses thema ist die substanz, die mich tagtäglich zum kotzen bringt. es schmerzt, mitansehen zu müssen, wie fremdgesteuert, passiv und bequemlichkeitsgeil ein großteil der bevölkerung durchs leben eiert...

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  • reingrätsch | vor 1109 Tagen, 20 Stunden, 45 Minuten

    überbewerten?

    Es könnte doch durchaus sein, daß der genannte Begriff "schwierig" in diesem Fall auch als Höflichkeitsform für "beschissen klingend" verwendet wird. Warum soll ich mich mit etwas beschäftigen, das mir nicht gefällt, mich nicht berührt, mir nix sagt? Die Bereitschaft sich mit etwas auseinanderzusetzen muß halt irgendwie angestoßen werden- vielleicht reicht dafür eine Nomination fürs fm4 Fest nicht aus. Wenn dieser Öffner nicht da ist, bleibt das Ding halt "schwierig".

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    • blumenau | vor 1109 Tagen, 15 Stunden, 3 Minuten

      über dieses weiterführende thema und die entsprechenden gefahren gibt es hier im forum bereits einige abhandlungen - lies sie doch nach!
      das quasi als anstoßgeber...

  • teaparty | vor 1109 Tagen, 21 Stunden, 8 Minuten

    schwierig zu sagen

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  • niklaas | vor 1110 Tagen, 9 Stunden, 49 Minuten

    unglaublich gut geschrieben

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  • teilzeitjugendlicher | vor 1110 Tagen, 17 Stunden, 12 Minuten

    Ich denke, FM4 ist zwar österreichisch gesehen sicher (neben Ö1) der Sender, der sich mit eher "schwieriger" im Sinne von Nicht-Main-Stream Musik befasst. Innerhalb dieses "schwierig"-Segments herrscht aber auch ein Common-Sense vor, ich würde diesen mit "Alternative Mainstream" bezeichnen. Franz Ferdinand ist da geradezu ein Paradebeispiel, niemand würde sich im Alternativ-Mainstream zu sagen trauen, dass F.F. schlecht seien (ich finde sie gut, aber soooo super auch wieder nicht...).

    A.M.-Musik wäre dann die "typische FM4-Musik": immer nur ein paar wenige Hits von sehr vielen Bands, selten das Gesamtwerk gleichmäßig verteilt, dazwischen nette, aber belanglose Plauderei, kann man gut neben der Arbeit hören, wie früher Ö3.
    A.M. ist zwar schon kritisch, so generell, aber halt doch auch nur ein wenig, kaum Kapitalismus-kritisch, keine Probleme so prinzipiell mit dem ganzen Security-Wahn etc., irgendwie halt so Sozialdemokratisch. Schon gut und sind wir froh, dass wir es haben, aber eben das "schwierige", das soll doch bitte im Sumpf bleiben und nicht am FM4-Festl spielen, gell...

    Und dann gibt es aber noch ein anderes Segment: Das sind die eben nicht so brav angepassten Musikant/innen, deren Lieder halt eher vom MusicBox-Erben Ostermayer entdeckt und Sonntag Abend vorgespielt werden, manchen...

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    • anotherfruit | vor 1110 Tagen, 16 Stunden, 30 Minuten

      "Schon gut und sind wir froh, dass wir es haben, aber eben das "schwierige", das soll doch bitte im Sumpf bleiben und nicht am FM4-Festl spielen, gell..."

      Den Sumpfwelten alle Ehre, jedoch ist es nachvollziehbar, dass bei einer Geburtstagsparty primär Musik gespielt wird, die zum Feiern anregt.

      Wenn du fordernde Musik konsumieren willst, zap halt am Abend in die Genresendungen deines Geschmacks rein, oder greif' auf Netzradiosender zurück.

    • blumenau | vor 1110 Tagen, 15 Stunden, 11 Minuten

      die ostermayer-entdeckungen, die ins tagesprogramm kommen, kann ich gar nicht alle aufzählen, vor allem die österreicher/innen (soap & skin zuletzt), die fast alle zuerst dort größer auftauchen - dafür sind die spezialsendungen ja auch allesamt da, für die entdeckungen (ich sag nur, von wegen fm4-fest: hinterland).

      mir wäre es auch lieber, wenn sich mehr bands wie die noise conspiracy mit gepfefferten kritischen texten tummeln würden und wenn die, die sich als superkritisch erachten auch eine im schnitt bessere künstlerische qualität hätten - denn selbst der sumpf weigert sich ja (zurecht) künstlerisches mkittelmaß nur weil es "kritisch" ist, abzuspielen.
      im übrigen ist auch die ansicht, dass man fm4 problemlos nebenbei hören könnte eine hochsubjektive angelegenheit: 95% der österreicher können das nicht - ist ihnen zu schwierig...
      aber eigentlich ist das schon eine ganz andere diskussion...

    • evalie | vor 1110 Tagen, 14 Stunden, 48 Minuten

      ...dass diese Herrenmensch-Denke bei FM4 Einzug gehalten hat, ist im wesentlichen auch Blumenaus "Verdienst".

    • teilzeitjugendlicher | vor 1110 Tagen, 14 Stunden, 7 Minuten

      anotherfruit, da gebe ich Dir schon recht mit der "Geburtstagspartymusik". Natürlich ist schon die Frage zu stellen, warum (noch)-Nicht-Alternative-Mainstream-Musikanten wie 1000 Robota auf so einem Geburtstagsfest überhaupt spielen. Zwei mögliche Ansätze: Sie sind jung und brauchen das Geld. Oder sie sind quasi die "Quoten"-Schwierigen? Ich war ja nicht dort (Line up traf halt nicht so ganz meinen Geschmack...), aber irgendwie finde ich das auch ganz gut, dass die vorzeitig gegangen sind, wenn alles so ganz super professionell ohne Ecken und Kanten auf einem FM4-Fest abläuft, das wäre ja schon arg, da müsste man dann als Gast fast schon zwanghaft was Subversives anstellen. Schlimmer wäre es jedoch, wenn das "schwierige" inszeniert werden würde zwecks Disktinktionsgewinn für die Gäste.

      Blumenau: Muss euch FM4ler/innen doch auch einmal sehr große Blumen streuen, weil in Summe schafft's ihr den Spagat zwischen Alternativ-Mainstream und "Avantgarde" eh' recht gut (und wenn ich neben der Arbeit die Sümpfe hören müsste, würde ich nicht wirklich arbeitsmäßig was weiterbringen...)

      evalie: Wo siehst Du da Herrenmenschendenke? Das trifft mich doch ziemlich und ist mir gar nicht recht.

    • caveb | vor 1110 Tagen, 14 Stunden,

      @blumenau
      zitat: "die ansicht, dass man fm4 problemlos nebenbei hören könnte eine hochsubjektive angelegenheit: 95% der österreicher können das nicht"

      Da muss ich entschieden widersprechen!

      Wurde von mir mehrfach widerlegt am Beispiel verschiedener Gruppen im Freundes und Bekanntenkreis.

      Am besten ersichtlich in der Arbeit. Ich Neuling komme in meiner Firma in eine Abteilung mit Unterschiedlichsten Leuten und Altersklassen. Sozial fest verankertes Gruppenverhalten inklusive.
      2 Monate mit Ö3.
      Habe es geschafft die Abteilung von Jahrzehnten Ö3 (KroneHit unter 2%), innerhalb einer Woche auf Fm4 umzustellen.
      Zwar war ihnen die Musik noch immr genauso Wurst wie vorher. Aber als "nebenbei hören" ist es (nun) 100% möglich.
      Umgekehrt hab ich bei "Schlag Alarm" regelmäßig einen Senderwechsel gemacht, 2008.

      @anotherfruit
      einige, Sumpf Jahrescharts sind mit 0,5-2 jahren verspätung in die FM4 Charts gekommen am Beispiel 2007: Okkervil River, Tocotronic, Arcade Fire, The Good The Bad And The Queen, LCD Soundsystem, Justice, M.I.A.

    • blumenau | vor 1110 Tagen, 13 Stunden, 41 Minuten

      cave - schon möglich, dass das in deinem bekanntenkreis so ist: aber die gesamtzahlen (aktueller radiotest) sprechen eine deutliche sprache...

    • caveb | vor 1110 Tagen, 13 Stunden, 23 Minuten

      @evalie:
      Herrenmensch ist etwas (sehr!) danebengegriffen in der wortwahl. Aber die Intention ist verständlich.

      @blumenau, nachdenken was mit Herrenmensch gemeint sein könnte.
      Könntest du dir vorstellen selbst in einer der Nischen zu sein die Fuchs beschreibt.

    • blumenau | vor 1110 Tagen, 13 Stunden, 10 Minuten

      über troll-posts wie die von evaluie nachzudenken - das spar ich mir.

      die von fuchs und mir angesprochenen nischen sind die in einer sehr hermetischen kunst-welt, also leute, die mich oder fuchs als reine kommerztrottel sehen würden. aber dazu (bzw zu etwas sehr verwandtem) gibts morgen eh ein journal.

    • anotherfruit | vor 1110 Tagen, 8 Stunden, 20 Minuten

      Ich wollte nicht andeuten, dass keinerlei Wechselwirkung zwischen den Genresendungen und dem Tagesprogramm vor sich geht.

      FM4 unter Tags nebenbei laufen zu lassen, funktioniert z.B. für mich nicht, weil ich zu dieser Zeit öfters über Tracks stolpere, die mir auf die Nerven gehen, womit ich dann aus meinem Code/Wordfenster wegmuss, um eben diese Tracks (oder brüllende Marktschreier in der Werbung) zu muten. Das klaut den Fokus und macht unproduktiv. (Nicht, dass man da bei anderen 'Old-School-Broadcastern' drum rumkommt). Unter Tags läuft halt ein Kompromissprogramm; kein Wunder, weil die entstandene Grätsche zwischen Nikitaman & Fennesz nun mal groß ist.

      Die Gruppe, die Evalie Scotch-Terrier-kläffend mit 'Herrenmenschen' umschreibt, soll wohl das Publikum sein, das mit FM4 mitgealtert ist, ein paar Jahre Spex & Co intus hat und in Folge Phänomenen wie Nikitaman, 3FS, usw. abgeklärt/hochnäsig gegenübersteht. Ja, das kann man wohl so stehen lassen. Ist aber imho verständlich und unvermeidbar.

      Ganz, ganz selten gibt es die wunderbaren Acts, die auf mehreren Ebenen funktionieren. Ich erinnere mich da z.B. an mein erstes Konzert der Mediengruppe zurück (Frequency), wo‘s doch tatsächlich Leute im Che Leiberl gab, die lautstark die sorgsam geschmiedeten Mediengruppenlyrics mitgebetet haben; für...

    • anotherfruit | vor 1110 Tagen, 8 Stunden, 13 Minuten

      ...
      die war das sicher ein deichkindeskes Erlebnis. Die zweite Ebene der Texte, die sie vermutl. mittlerweile entdeckt haben, erschließt sich ihnen dann später im Laufe der Popsozialisation und sorgt für den Aha-Effekt. Ein paar Jahre später sind sie es dann, die gegen die aktuellen Teenage-Acts wettern; und so dreht sich das Rad.

      _Die_ mediale Errungenschaft (für den Musikkonsumenten) der letzen Jahre ist, dass jegliche Musik ein paar Mausklicks entfernt zur Verfügung steht; für die wirklich Interessierten stellt sich nur mehr die Frage, woher sie die Bandnamen beziehen sollen. Wer sich die Mühe macht, die Blogs/Reviewseiten seines Vertrauens zusammenzusuchen, kann sich sein Programm selbst zusammenstellen. Die Qualität der Netzquellen ist teilweise der Redaktionsarbeit von kommerziellen Unternehmen mindestens ebenbürtig (Dusted Magazine), bzw. in Sachen Aktualität kaum zu übertreffen (Hype Machine). Das 2. Beispiel ist wohl das Pop-Paradebeispiel für Collective Intelligence. Diese Agilität (dieses Customizing) kann von einem Apparat wie FM4 nicht erfüllt werden. Plattformen wie Pitchfork oder Stereogum haben den Finger am Netz-Puls und picken sich dort die subjektiv gefühlten Perlen raus, um diese in Windeseile dem nicht-ganz-so-Netz-affirmativem Publikum zu servieren; Pitchfork mittlerweile auch in Form von Videobeiträgen. Die Frage, die sich...

    • anotherfruit | vor 1110 Tagen, 8 Stunden, 8 Minuten

      ... mir stellt, ist, wie lange FM4 noch diese Zielgruppengrätsche schafft (die ja immer größer wird), ohne von den Netz-Medien überholt zu werden. Als FM4 angekündigt hatte, den Internetauftritt neu zu gestalten, hatte ich die Hoffnung, dass es sich diese Netzmechanismen zu Nutze macht. Hier sind wohl die rechtlichen und/oder finanziellen Hürden so groß, dass das unmöglich ist. So, mittlerweile ist der Post wohl gänzlich Off-Topic, deswegen breche ich ab. Trotzdem würde ich mich über eine gelegentliche Wortspende zu dem Thema (da Mr. Blumenau ja grade schreibwütig ist ^^) freuen.

      (Liebe FM4/ORF Web-Menschen, bitte, bitte führt einen Max-Zeichen-Counter ein; sonst kriegt die Plattform noch mehr Aggro-Poster ab)

    • caveb | vor 1109 Tagen, 19 Stunden, 51 Minuten

      lieber orf, führt bitte ein neues CMS ein. Und nein, dieses gilt nicht als neu, nur weil es gepatcht wurde!

    • blumenau | vor 1109 Tagen, 14 Stunden, 50 Minuten

      die frage der grätsche ist, da hat anotherfruit völlig recht, die entscheidende. und ich finde sein beispiel hochinteressant.
      denn: zwischen Nikitaman & Fennesz bestehen gravierende unterschiede, was ansatz, herangehensweise oder auch musikalische tiefe betrifft. trotzdem sind die beiden im denken von 98% der österreicher ganz eng beinander (und damit sind sie es auch in der realität, die ja von der mehrheitsgesellschaft automatisch geschaffen wird: "arge" halt - was sich bei den einen in den texten, dem anderen im sound äußert.
      die kleine 2% restl-gruppe kann 500 tage lange problemlos an den großen unterschiedlichkeiten herumdeuteln und sie sicher auch richtig und analytisch aufdröseln - das wird an der 98% sichtweise nix ändern.
      die frage ist also: bleibt man/fm4 der versuch einer gemeinsamen platform der minderheiten oder marginalisiert man sich bewußt noch weiter um präziser zu werden (auf unter 1% was die lebensgrundlage gefährdet) oder öffnet man sich um vielleicht 8 oder 10% (was wiederum flottenintern auch nicht sinnvoll ist) zu erreichen?
      - ich spreche da immer von allen, nicht der 14-49-gruppe, wo wir diese zahlen teilweise ja haben.
      da österreich in der medialen entwicklung so weit hinterherhinkt sind all die dinge, die anderswo...

  • christianfuchs | vor 1110 Tagen, 17 Stunden, 54 Minuten

    upps...

    das kommt vom postingwahnsinn.

    jetzt sind meine kommentare in der falschen reihenfolge gelandet...hab das neue fm4-websys auch noch nicht im griff...

    1)prinzipielle zustimmung natürlich in diesem fall.

    2)darüber hinaus habe ich aber ein privates klitzekleines problem..

    3)ich sag das jetzt als jemand...

    Auf dieses Posting antworten
    • blumenau | vor 1110 Tagen, 15 Stunden, 18 Minuten

      seh ich eh auch so: die gefahr, dass "schwierig", besser "zu schwierig um das zu verstehen, du depp!" als ausrede daherkommt, ist gegeben; in den von dir und auch den von mir weiter unten in einem posting angesprochenen bereichen, von wegen hermetik...
      meiner meinung nach ist das aber eine dabette, die erst dann geführt werden kann, wenn über den hier angesprochenen punkt einigung erzielt ist, also eine folge-diskussion, die ich hier nicht führe/führen kann, weil ich 1) eh schon wieder viel zu lang bin und 2) nicht in jeder geschichte über ein komplexes thema alles drinstehn kann.
      kommt aber wohl anläßlich eines anderen aktuellen falls eh bald zur sprache.

  • winchester73 | vor 1110 Tagen, 17 Stunden, 56 Minuten

    fachjournalisten haben m.e. nach ein kleines problem

    sie fallen in ihren (ich unterstelle freundlich: geliebten) mikrokosmos, kommen dann jahre-, manchmal jahrzehntelang nimmer raus und rotieren darin wie die kochwäsche im finalen schleudergang. da entsteht ein tunnelblick, da wird dann der/die vermeintlichen fehler, die andere beim rezipieren und interpretieren gewisser ereignisse gemacht haben/gemacht haben sollen/gemacht haben könnten zur achse, um die sich die ganze welt dreht.

    es ist in dieser ganzen diskussion, die ich zufällig als (bis dato) stummer zaungast beobachte, auf beiden seiten einiges kluge und ebensoviel holler gesagt worden. aber unterm strich geht's um perihere randbereiche, quasi den mehlstaub auf der brotkruste.
    nicht, dass ich den nicht auch ernst nähme. trotzdem sollten sich alle gelegentlich die mühe machen und auf den tisch steigen, um die sache aus einer angedeuteten vogelperspektive zu betrachten. und vielleicht die erkenntnis zu gewinnen: irgendwie sind wir schon ein paar sektierer ;-)

    nix für ungut, wollte das nur loswerden.

    Auf dieses Posting antworten
    • blumenau | vor 1110 Tagen, 15 Stunden, 17 Minuten

      bist du sicher, dass du das im richtigen forum postest und dich nicht um einen, zwei tager geirrt hast?
      hier gehts nämlich keinen millimeter um fachjournalisten, sondern um eine alltags-philosphie von und für jedermann...

    • winchester73 | vor 1110 Tagen, 14 Stunden, 24 Minuten

      mag sein

      die einleitung "Noch einmal zu etwas, was im Umfeld des FM4-Fests passiert ist, einer Rand-Geschichte, die mich inhaltlich wirklich unangenehm berührt hat - im Gegensatz zu der Debatte der letzten Tage, die sich (zumindest in meinem Kopf) eher abstrakt abgespielt hat" hat mich wohl dazu gebracht, meinen zusammenfassenden gedanken hier abzuladen. wenn's der falsche platz sein sollte, wickel ich die wortmeldung gerne in altes zeitungspapier ein und nehm sie wieder mit nach hause, für den dachboden.

    • blumenau | vor 1110 Tagen, 13 Stunden, 40 Minuten

      aber nein, war ja gut zu lesen - war echt eine interessensfrage!

  • christianfuchs | vor 1110 Tagen, 17 Stunden, 58 Minuten

    ich sag das jetzt als jemand, der aus diesem hochgradig schwierigen kommt (es aber nie als "schwierig" wahrgenommen hat, sondern eher als obsessiv, besessen, leidenschaftlich bis zur unvernunft), dieses "historische schwierig" aber heute eher als verstockt, begrenzt, unendlich stagnierend wahrnimmt.

    schwieriges thema auf jeden fall. irgendwie nur in den griff zu kriegen, in dem man verschiedene positionen verschiedenen leuten gegenüber einnimmt:

    gegenüber den vertretern des nie endenden indie-ballermann, des fahrstuhlmusik-pop und des einfachen/unkomplizierten heißt es natürlich für das schwierige kämpfen bis zum umfallen.

    auf der anderen seite wappne ich mich gerne gegen die in jeder hinsicht (menschlich, politisch, philosophisch, modisch) sterbenslangweiligen verfechter diverser selbstherrlicher schwierigkeitsfraktionen mit all den wahnwitzigen, euphorischen pop-explosionen, die derzeit feuerwerksartig explodieren und die wiederum die vertreter des schwierigen als sehr schwierig empfinden...

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  • christianfuchs | vor 1110 Tagen, 17 Stunden, 59 Minuten

    prinzipielle zustimmung natürlich in diesem fall.

    es haben sich die parameter dessen, was als schwierig gilt, hierzulande ja wirklich schon extrem verschoben, was man am besten am beispiel von FM4 sieht: was der eine als mehr angepasstheit versteht und kritisiert, ist für den anderen noch immer ein nerviger (zu schwieriger) ausschaltimpuls.

    da fällt auch die jahrzehntelange und noch immer fehlende richtige popkulturelle vermittlung durch die massenmedien (ich denke an boulevard/wochen-/monatsmagazine/tv) erneut schmerzhaft auf...tatsächlich & wie erwähnt gelten in bestimmten magazinumfeldern ja franz ferdinand als schwierig...

    also, wie gesagt, d'accord.

    Auf dieses Posting antworten
    • christianfuchs | vor 1110 Tagen, 17 Stunden, 59 Minuten

      darüber hinaus habe ich aber ein privates klitzekleines problem mit manchem, was als "schwierig" verdammt/gelobt/gefeiert wird.

      wenn das schwierige zur nische wird, in der es sich die anhänger des schwierigen gemütlich einrichten (ich nenne jetzt das universum um das magazin "wire" und alle davon beflügelten festivals & labels & lokale als ein beispiel) dann tritt schnell eine stagnation ein, die sehr muffig riechen kann.

      diese strengen hermetischen welten sind ansatzweise & von den mechanismen mit jenen der hochkultur vergleichbar (auch wenn die fließenden subventionen viel magerer sind), ein sich-dem-neuen-stellen, veränderungen und frisches orte ich dort aber nicht (mehr). was mich bei der konfrontation mit diesen nischen immer wieder mal deprimiert.

      Das schwierige, dass in diesen nischen verhandelt und gefeiert wird - und hier wird die sache noch schwieriger - ist auch oft ein historisches "schwierig".

      sprich, noiserock aus den spät-80er oder laptop-elektronik zb - wo man lange diskutieren kann, ob das heute noch einen subversiven charakter hat (im sinne der forderungen, die in dem artikel hier verlangt werden) oder ob es nicht auch nur eine weitere alternative kuschelige zone geworden ist. schließlich kann man auch mit musikalischen radikalismen kuscheln (die industrialszene beweist das...

  • raves | vor 1110 Tagen, 19 Stunden, 20 Minuten

    " ...sind nicht positiv oder witzig, sie sind in einer sehr jugendlichen Blase des Sich-Selbst-Ernstnehmen-Müssens gefangen ..."

    na gut, und wo ist das problem? das heißt doch nur, dass man sie, wenn man nicht mehr in einer solchen blase steckt, zurecht nicht ernst nehmen muss.

    Auf dieses Posting antworten
    • blumenau | vor 1110 Tagen, 15 Stunden, 23 Minuten

      "man" muß gar nichts - außer reflektieren anstatt drüberzufahren.

    • evalie | vor 1110 Tagen, 14 Stunden, 46 Minuten

      ..und wem gelänge das off- und on air besser als dir..