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Musik, Film, Heiteres

David Pfister

David Pfister

Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

6. 2. 2009 - 13:26

Lux Interior, Frontmann der Cramps, ist tot

Hey, I’m On My Way, On A Journey Outta This World.

Lux Interior, Frontmann der legendären Cramps ist am Dienstag morgen im Alter von 62 Jahren an einer langjährigen Herzkrankheit gestorben.

Ich weiß nicht mehr, was das für eine Sendung war. Aber es war auf FS1. Ich war ungefähr 14 Jahre alt, hatte einen schwarz-weißen Fernseher zur Verfügung und es war Sommer und mitten in der Nacht. Den Fernseher hatte ich mit wilden Parolen, Doors-Zitaten und allerhand Symbolen quer durch den rebellischen Gemüsegarten beschmiert und man musste von Zeit zu Zeit fest auf ihn einschlagen, damit sich das Bild wieder stabilisieren konnte. In der Tat, man musste wirklich auf das Fernsehgerät dreschen, um ein einigermaßen akzeptables Bild gewährleisten zu können.

Ich drehe also in einer köstlichen Sommerlangeweile den alten Fernseher auf und da werde ich mit einer Performance konfrontiert, die mein Leben nachhaltig erschüttern und prägen sollte. Auf einmal windet sich am Bildschirm ein spindeldürrer Mann wie ein waidwundes Tier und ächzt und stöhnt lasziv. An hat der Gute nur eine unverschämt enge Lederhose, die von was auch immer schillernd beschmiert glitzert. Die Haare hängen dem Mann, den es scheinbar vor Lust und Schmerz schüttelt, zerzaust in alle Richtungen. Als hätte er sich noch niemals in seinem Leben gekämmt. Die Augen sind nach hinten gerollt und das Gesicht mit Make Up verschmiert. So etwas Intensives, Unverschämtes hatte ich noch nie gesehen. In meiner jugendlichen Entdeckungssucht hatte ich bereits Bekanntschaft mit Iggy, Mick, Jim und Sid geschlossen, aber die konnten sich mit diesem kriegsähnlichen Schauspiel nicht messen. Am Bildschirm schien sich potenteste und kompromissloseste Lebenslust zu manifestieren.

Lux Interior windet sich am Boden

Und dann die Musik. Als hätte man Elvis Presley mit Blut und Fleisch, statt mit Bananensandwiches gefüttert. Neben dem Sänger, der nicht müde wurde, sich in Spasmen über den Boden zu rollen, stand da noch eine Band auf der Bühne, neben der selbst Bowies "Spiders From Mars" traurig aussahen. Vampirella leibhaftig am Bass und die zwei Typen an der Gitarre und Schlagzeug wie zwei lebende Tote in glitzernde Fetzen gehüllt. Ein mörderisches Gitarrenriff elektrisiert den Sänger, von dem ich später erfahren sollte, dass er Lux Interior heißt, das Schlagzeug beginnt stumpf und primitiv zu holpern und der Bass kickt in den Unterleib. Und Lux Interior singt er wäre eine "Human Fly". Oh Yeah. Ein paar Monate Taschengeld später hatte ich zwei Platten von den Cramps, die ich aufgrund des eher progressiven Covers nicht allzu gern meiner Mutter gezeigt hätte.

The Cramps

Die Cramps wurden 1975 von dem Ehepaar Erik Lee Purkisher alias "Lux Interior" und Kristy Wallace alias "Poison Ivy" im amerikanischen Ohio gegründet. Die beiden setzen ihre gemeinsame Leidenschaft für alte Horror B-Movies, Bondage und Vampire in eine Musik um, die man getrost als unheilig bezeichnen darf. Klassischer Surf und Rockabilly wurde da mit Punk versetzt und in Betty Page-Pose serviert. 1976 gehen die Cramps mit Suicide auf Tour und in relativ kurzer Zeit sind die Cramps Ikonen eines neuen Genres, einer neuen amerikanischen Underground-Kultur. Ohne Cramps kein Psychobilly.

1977 wird Alex Chilton auf die Cramps aufmerksam. Alex Chilton war in den Sechzigern mit seinen Bands Big Star und Box Tops ein ewiger Geheimtipp, aber auch Garant für guten Geschmack. Chilton produziert mit den Cramps ein paar Singles, bündelt deren Energien ohne ihnen den Anarchismus auszutreiben und hilft so der wilden Truppe auf dem Weg zum Rock 'n' Roll-Mythos ein ordentliches Stück weiter. Der amerikanische Musikmanager Miles Copeland nimmt schließlich die Cramps für sein I.R.S. Label unter Vertrag, veröffentlicht die Singles-Compilation "Gravest Hits" und schickt die Cramps mit Police auf Tour. Danach erarbeiten die Cramps mit Alex Chilton das Monsteralbum "Songs The Lord Taught Us", auf dem die Cramps all ihre Talente und Fetische auf die Spitze treiben und so auf ewig ihr Horror-Image betonieren.

Und dann veränderte sich außer dem Line-Up gar nichts mehr. Und das war sehr gut so. Lux Interior und Poison Ivy rekrutieren immer wieder neue Mitstreiter für Gitarre und Schlagzeug (zum Bespiel Kid Congo Powers, der sollte auch noch mit Nick Cave Unfug treiben), bleiben sich und ihren Visionen aber immer konsequent treu.

Lux Interior R.I.P.

Lux Interior starb am Dienstag Morgen gegen 4:30 im kalifornischen Glendale Memorial Hospital. Die offizielle Presseerklärung spricht von den Folgen einer Herzerkrankung als Todesursache.

Bis 2004 veröffentlichen die Cramps unzählige Singles, Alben und Compilations die immer das hohe Trash-Niveau halten können. Selbst die letzte Platte aus dem Jahr 2004 "How To Create A Monster" ist eine aufregende Reise in eine Welt, in der hungrige Vampire auf Jagd nach Astronautengöttern gehen und Teenage-Werwölfe mit Catwoman auf der Toilette verschwinden.

Lux Interior war eine stürmische Naturgewalt, ein von seinen Leidenschaften beseelter Idealist. Todesblues, Zombiewalk und Psychedelic-Goth. Inspiration für Legionen und was noch wichtiger ist – mit seiner humorvollen Besessenheit tatsächlich ein Tonikum für unsägliche Stunden.

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  • bloodredbird | vor 1099 Tagen, 8 Stunden, 49 Minuten

    RIPlux

    die kreatur aus der schwarzen lederlagune hat jetzt ein date mit elvis.
    keiner war cooler, keiner härter, keiner promiskuitiver als lux, die alte psychobilly-latex-sau. schön, dass ich sie vor ein paar jahren in münchen noch mal live sehen konnte. die energie war ungebrochen, jedes lied ein wilder quicky mit seiner ivy. wow! rock on, du alte hippe!

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  • christianfuchs | vor 1101 Tagen, 3 Stunden, 8 Minuten

    life is short, filled with stuff...

    don't know what for, i ain't had enough...

    bin gerade auf konzertreise, deshalb jetzt erst ein verspätetes R.I.P.

    der grosse lux war für mich DER rock' n' roller schlechthin, mehr noch als der king (ohne sie gegeneinander ausspielen zu wollen).

    die cramps haben mit ihrem unpuristischen, extatischen und ganz speziellem zugang zum rock 'n' roll so viel beeinflusst, ein wahnsinn, bis hin zur peaches-ära.

    ich hab die cramps vor ewigkeiten einmal live gesehen, unvergesslich, wie er sich am ende gefühlte stunden auf der bühne wälzte, das mikro fast verschluckte, brüllte...und dabei wirkte er - im gegensatz zu vielen selbstzerstörerischen kollegen - immer noch total lässig und sexy. und hatte - ganz rar - humor.

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  • franvonkenstein | vor 1101 Tagen, 21 Stunden, 23 Minuten

    "Ohne Cramps kein Psychobilly."
    Das Zitat geht einem runter wie Öl, in Zeiten wie diesen.
    Ein Kapitel der R'n'R-Evolution wurde mit Lux' Tod unwiderruflich geschlossen.

    Manchmal tragen eben auch die guten Jungs schwarz.

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  • deathjrjr | vor 1102 Tagen, 1 Stunde, 8 Minuten

    kann mich noch ein meine erste begegnung erinnern. konzertmitschnitt auf wahwah, lux trinkt eine flasche rot auf ex, hämmert mit dem mikroständer ein loch in den holzboden der bühne, um, nachdem er sich in dieses versenkt hat, eben von dort unten herauszusingen. das hat auf mich damals alles schrecklich schlüssig gewirkt.
    you can´t dig him, you can´t dig nothimg.

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  • frankie1972 | vor 1102 Tagen, 2 Stunden, 4 Minuten

    so ein trauriger anlass,

    aber dann grab ich mal die alten vinylplatten aus und lass mich wohlig schaudern, dann vielleicht noch ein ramones-medley... ja live wärs ganz toll gewesen, ich genieß dann leider nur das grandiose doppelalbum...

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  • christianlehner | vor 1102 Tagen, 3 Stunden, 16 Minuten

    Lord Screaming Lux, Elvis, Hasil, Lux
    Cavin, Crazy Lux
    Mutant Zombie
    Lux

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    • christianlehner | vor 1102 Tagen, 3 Stunden, 15 Minuten

      die schwarze träne auf der tastatur: caven statt cavin ... rip-p-es

  • inkbot | vor 1102 Tagen, 4 Stunden, 40 Minuten

    Ist es unmoralisch, das Lesen eines Nachrufes so zu genießen?

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    • billyhunt | vor 1101 Tagen, 19 Stunden, 53 Minuten

      ja, isses!

    • inkbot | vor 1101 Tagen, 18 Stunden, 20 Minuten

      du sei still ;p

  • steve55 | vor 1102 Tagen, 5 Stunden, 49 Minuten

    Goodbye, Garbageman

    Eines der tollsten Konzerte die ich erleben durfte: 27. juni 81 in der peppermint lounge N.Y. Lux war sensationell, ivy einfach umwerfend und Kid "Congo" Powers damals an der Gitarre.
    Übrigens auch ein schöner Nachruf:
    http://www.nme.com/theoffice

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    • evaumbauer | vor 1102 Tagen, 5 Stunden, 23 Minuten

      1981

      Wow, you been there, man! Wenn ich ´81 die Cramps gesehen hätte in NYC, da hätt ich mich little girl wohl gefürchtet. ;-) Da hab ich noch nicht mal Boy George gehört, oder grade schon, aber sowas wie die Cramps, huiiiii ;-)
      Poison Ivy rules! Herzliches Beileid ihr!

    • novalues | vor 1102 Tagen, 5 Stunden, 12 Minuten

      +++

      Ja die arme Ivy...ach ich weiß nicht wie ich in so einem Moment nur an das wirklich oage Video von "Like a bad girl should" denken kann...obwohl Lux hätte es sicher so gewollt. ;-)

      Well, I tell you sinners, sinners
      You're gonna go down there, down there...

  • floki88 | vor 1102 Tagen, 8 Stunden, 23 Minuten

    I can't hardly stand it!!!!!

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  • novalues | vor 1102 Tagen, 8 Stunden, 27 Minuten

    +++

    Habs gestern gelesen und war am Boden zerstört. ich hab so gehofft sie noch einmal live zu sehen.
    R.I.P Lux

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    • zebulon | vor 1102 Tagen, 5 Stunden, 25 Minuten

      ja genau, das hab ich auch gehofft. sehr schade, sehr traurig.

    • evaumbauer | vor 1102 Tagen, 5 Stunden, 6 Minuten

      Live

      Ich hab sie auch nie live gesehen!