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Musik, Film, Heiteres

Andreas Gstettner

Andreas Gstettner

Vertieft sich gern in elektronische Popmusik, Indiegeschrammel, gute Bücher und österreichische Musik.

15. 2. 2009 - 12:36

Oh, my Sophia!

Ein tiefer Blick in die zerbrechliche Seele von Robin Proper-Sheppard. Die FM4 Radiosession mit Sophia und Geigen.

Stille.

eingang zum konzertsaal im radiokulturhaus, ticketkontrolle und eintretende besucher
Der Andrang ist enorm. Ein paar Fans müssen leider draußen bleiben. Die meisten jedoch quetschen sich in der schönen Sendesaal.

Ein fast schon feierliches Schweigen hat sich über den großen Sendesaal des Radiokulturhauses gelegt. Nach der Ankündigung von Martin Blumenau wird das Licht langsam gedimmt und der Raum füllt sich mit Spannung und Erwartung. Als Robin Proper-Sheppard, Sänger, Songschreiber und Mastermind von Sophia, gefolgt von seinem Streichquartett auf die Bühne tritt, ist dem sympathischen Wahllondoner die Aufregung anzusehen.

"Bei der ersten Show in Berlin habe ich zwei Stunden gespielt und nur Blödsinn geredet. Es war eine witzige Show. Ein Tag später in Hamburg war es das traurigste Konzert, das ich jemals gespielt habe. Ich war danach so fertig, dass ich zu meinem Streichquartett gesagt habe: Ich kann das nicht machen. Ich war knapp an einer manischen Depression. Jetzt hat sich alles schon etwas eingependelt."

Der Grund für diese emotionale Achterbahnfahrt sind die schmerzvollen Erlebnisse, die Robin auf seinem neuen Album "There Are No Goodbyes" ungeschminkt und ohne doppeltem Boden Preis gibt. Er kann nicht mehr anders, als seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und ehrlich aus seinem tiefsten Inneren heraus zu sprechen. Auch bei dieser Radiosession nimmt Robin kein Blatt vor dem Mund, wenn es ums Leiden geht. Selbt am Valentinstag.

Robin Proper Sheppard, Sänger der Band Sophia, auf der Bühne im Radiokulturhaus

Death comes so slow

Sein linker Fuß ist meist nach innen verdreht und unterstützt die nach Innen gewandte Pose. Mit geschlossenen Augen scheint Robin während der Songs ganz in sich gekehrt und gleichzeitig gewährt er mit seinen sehr persönlichen Texten einen Blick in seine zerbrechliche Seele. Am Programm stehen gleich zu Beginn frühe Lieder von Sophia, die noch maßgeblich vom plötzlichen Tod seines Freundes und The God Machine Bassisten Jimmy Fernandez beeinflusst sind.

I turn of the light
But leave the television talking
Oh tonight I don't wanna be alone
I try to close my eyes
but I'm afraid of the dark
I see you everywhere

(Sophia - "So Slow")

Die fragile Gemütsverfassung Robins klingt auch in seiner Stimme durch. Jede seiner Bewegungen löst ein leises Knarren des Holzbodens aus, das sich mit dem gebrochenen Flüstern mischt, kurz bevor die Streicher einsetzen und einen festen Boden bieten, der den Frontman manchmal vor Tränen zu beschützen scheint.

Sänger der Band Sophia an der Gitarre, rechts daneben Streicher

Still believe in angels and footsteps in the snow

Die gefühlvollen Arrangements lassen ältere Sophia-Songs in neuem Licht erstrahlen. Dass die Kombination von Akustikgitarre, Streichquartett und Texten über gebrochene Herzen gut zusammenpassen, war schon vorher klar. Und trotzdem überrascht ein Song wie "Where Are You Now", der mit dieser reduzierten Instrumentierung federleicht durch den Saal schwebt.

Selbst durch die undurchdringlich wirkende Dunkelheit der Seelenwelt Robin Proper-Sheppards dringen immer wieder Lichtstrahlen, die eine ironische und humorvolle Seite des Sängers beleuchten. Man stelle sich vor: Einer der zwei Songs, die beim Spielen ein Gefühl der Freude bei Robin auslösen, ist ausgerechnet "Lost". Ein Lied, dass seiner Mutter gewidmet ist und die letzten fünf Tage ihres Lebens beschreibt, in denen sie im Krankenhaus an Krebs stirbt und Robin ihre letzten Atemzüge erlebt. Und selbst an dieser Stelle kann man nicht anders, als Sympathie und Mitgefühl zu empfinden.

Streicher der Band Sophia, rechts daneben im Anschnitt Gitarre sowie Beine des Sängers Robin

Let's try a sad pop song

Falls es so etwas wie schwungvolle, aufheiternde und poppige Songs in dem Repertoire von Sophia gibt, dann zählt "Oh My Love" definitiv dazu. Harmonisch moduliert und nur mit akustischer Gitarre vorgetragen, kann man aufgrund der vielen, mitschwingenden Obertöne Streichermelodien heraushören, sodass ich mich einige Male mit einem Blick zum Quartett vergewissern muss, das hier wirklich nur Robin alleine spielt.

Auch das folgende "Pace" steht in der stripped down Version dem Original um nichts nach. Und als gegen Ende des regulären Sets dann endlich ein neuer Song, nämlich das wundervolle "Heartache", mit voller Streicherparcht intoniert wird, ist der traurige Funke auch bis in die letzten Reihen übergesprungen.

Cellistin sowie Sänger der Band Sophia

Are you waiting for the end before it begins

Die Zugaben beweisen einmal mehr, in welchem Gefühlschaos sich Robin befindet. Sein Selbstbewusstsein, großartige Songs zu spielen, wird nicht selten von einem inneren Saboteur attackiert.

"Ich gebe mir wirklich alle Mühe, die Songs fürs Radio perfekt zu spielen. Aber ich habe die Tendenz, alles zu vermasseln. Selbst wenn diese wundervollen Streicher dabei sind. Es tut mir leid."

Auch wenn man die zum Ausdruck gebrachten Fehler nicht mitbekommen hat, so ist die erneut gespielte Version von "Lost" wirklich noch um ein ganzes Stück besser als die erste, bei der sich Robin von seinen Emotionen forttragen hat lassen. So wie bei dem alten Stück "The Death Of A Salesman", das Robin abbricht, da die aufkommenden Erinnerungen an Bassist Jimmy und eine falsch gesungene Strophe ihn zu überwältigen drohen.

Final song

Den Abschluss bildet das neue Stück "Signs", das auch auf der neuen Platte mit Streichern eine sehnsuchtsvolle Stimmung entwickelt. Passenderweise singt Robin darin über ein Erlebnis an einem Valentinstag. Natürlich eines, bei dem seine Freundin mit ihm Schluss macht. Wie kann es anders sein.

Trotz der ganzen Schwere und Traurigkeit, die Robin ausstrahlt (ich habe leider nicht mitgezählt, wie oft die Worte sad und pain an diesem Abend gefallen sind, aber ich schätze, die Zahl liegt im oberen, zweistelligen Bereich), fasst er mit spitzem Humor und Selbstironie seine Moderationen zusammen:

"... bla bla bla - my life is shit - bla bla bla - valentines day - bla bla bla ..."

Wie kann man solch einen Menschen und seine ehrliche Musik nicht ins Herz schließen?

Das neue Sophia Album "There Are No Goodbyes" erscheint am 27. April 2009 bei City Slang.

im Anschnitt sichtbar der Sänger der Band Sophia mit Gitarre, unscharf rechts daneben eine Geigerin
Alle Fotos: Pamela Russmann

Playlist

  • Directionless
  • The Sea
  • So Slow
  • If Only
  • Where Are You Now
  • Birds
  • Lost (1st Version)
  • Oh My Love
  • Pace
  • Bastards
  • Heartache
  • Lost (2nd Version)

Encore

  • Last Night
  • The Death Of A Salesman
  • Razorblades
  • I Left You
  • Signs

Radiotipp

Die FM4 Radiosession mit Sophia wird am kommenden Mittwoch, 18. Februar 2009, ab 19 Uhr in der FM4 Homebase ausgestrahlt.

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Forum

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  • hawiline | vor 1091 Tagen, 22 Stunden, 42 Minuten

    ich kanns leider wahrscheinlich morgen nicht aufnehmen.
    könnte mir das bitte jemand zukommen lassen???

    Auf dieses Posting antworten
  • weirdolo | vor 1092 Tagen, 10 Stunden, 5 Minuten

    video

    wann kommt dann eigentlich das offiziele video von der session?
    auch am mittwoch abend, oda dauerts noch etwas länger ^^

    für alle die scho mal nen kleinen einblick haben wollen hier sin 2 lieder von mir gefilmt, 3 mal dürfts raten welche ;-)

    http://tinyurl.com/c4g5ep
    http://tinyurl.com/bj5kps

    Auf dieses Posting antworten
  • swane | vor 1092 Tagen, 12 Stunden, 21 Minuten

    Kritik

    Bin ich eigentlich der einzige der findet, dass das was Robin Proper-Shepard auf der Bühne betreibt ein bisschen zu sehr in Selbsbemittleidung ausartet? Hand aufs Herz, ich bin ein großer Sophia fan- und es braucht auch emotional tiefe erlebnisse um solche Musik machen zu können, aber für mich war das was er auf der Bühne aufgeführt hat leider schon mehr in die richtung eines emo-teenies... "och die Welt ist so scheiße und alles ist so schlecht etc. etc." - gut ausgedrückt durch seinen "bla-bla-life-is-shit-bla-bla" Einschub.
    Ich verstehe, dass tiefe emotionen mit seinen Liedern verknüpft sind, aber das so zu zelebrieren gleicht selbstverstümmelung. Um es mit seinen Worten- aus dem Kontext gerissen- zu sagen: "why don't you open your eyes, you might like what you find"

    Auf dieses Posting antworten
    • mikemills | vor 1092 Tagen, 10 Stunden, 45 Minuten

      you are not alone

      Nein, bist Du nicht.
      Auch ich fand die Art und vor allem die Häufigkeit überzogen (um nicht nervend zu sagen).
      Hab das am Anfang mit seiner Nervosität in Zusammenhang gebracht, dann nur noch gehofft, er möge sich auf die (wunderbaren!) Lieder konzentrieren.

  • northgirl | vor 1093 Tagen, 8 Stunden, 45 Minuten

    "Where are you now" mit Streichquartett, hach... und all die großen Emotionen...da schmerzt es gleich nochmal, nicht dabeigewesen zu sein.

    Auf dieses Posting antworten
    • pamphletear | vor 1093 Tagen, 8 Stunden, 27 Minuten

      ja

    • northgirl | vor 1093 Tagen, 7 Stunden, 31 Minuten

      Unverzeihlicherweise habe ich auf all Deine netten Worte noch nicht geantwortet, shame on me! Ich werde das in den nächsten 24 Stunden nachholen. Herzlichst, nmk

  • mattderfm4hört | vor 1093 Tagen, 11 Stunden, 19 Minuten

    danke fm4

    hey danke für die karten vom sophia konzert! war echt super! (:

    Auf dieses Posting antworten
  • daswortmitf | vor 1093 Tagen, 16 Stunden, 29 Minuten

    Danke...

    für dieses Wahnsinnskonzert...hab geheult wie ein Schlosshund...also beim nächsten Mal bitte Taschentücher verteilen;)...*hach*

    Auf dieses Posting antworten
  • iniquity | vor 1093 Tagen, 16 Stunden, 42 Minuten

    einige interviewte zuseher

    dürften in blankem voyeurismus geschwelgt haben. kein unterschied mehr zum publikum beim big brother ... doch ein wenig, da sind's wenige, dort viele, aber überall diesselben primitiven triebe :-(

    Auf dieses Posting antworten
    • hawiline | vor 1093 Tagen, 9 Stunden, 50 Minuten

      du scheinst voyeurismus und empathie zu verwechseln.

  • weirdolo | vor 1093 Tagen, 18 Stunden, 10 Minuten

    es war einfach nur

    unbeschreiblich. schön. traurig. melancholisch. ^^

    und die vielen zugaben dann auch noch und er hat auch alle meine "lieblingslieder" gespielt, bin so happy!

    und lol @ herr blumenau da haben sich unsere samstag abend programme wohl überkreuz: zuerst sophia und dann rex the dog im fluc, geil wars! ;-)

    Auf dieses Posting antworten
    • blumenau | vor 1093 Tagen, 9 Stunden, 45 Minuten

      mit robin p.-s. waren wir sogar drei!

    • weirdolo | vor 1093 Tagen, 9 Stunden, 34 Minuten

      ja habs eben im rex the dog beitrag gelesen ^^

      is mir aba ned aufgefallen der mr. sophia (leider!)

    • andreasgstettner | vor 1092 Tagen, 20 Stunden, 13 Minuten

      wenn

      ich nicht so extreme kopfschmerzen gehabt hätte!
      dann wäre ich wohl auch noch zum Rex mitgegangen...