Erstellt am: 6. 3. 2009 - 14:21 Uhr
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Wenn da ab und an eine Künstlerin hingeht und Musik veröffentlicht, die sich ein klein wenig neben der Spur der üblichen Hörgewohnheiten eines jeden aufrechten Indierockers bewegt, ist schnell der ewige Vergleich aus dem Hut gezaubert. "Irgendwas mit Frau" und "so komischer Stimme", das muss dann in etwa schon immer so heißen: "Oje, das wird anstrengend. Björk für ganz Arme! Zu weinerlich und pseudokünstlerisch - Nr. 12 ist total krank. Der Titel 'Liebesstimmung für Luftleere' sagt alles." Hat so der deutsche Schlager- und Popmusiker Frank Zander in der aktuellen Ausgabe des "Musik und so"-Magazines Intro im Rahmen der Rubrik "Platten vor Gericht", in der mehr oder weniger aktuell relevanten Musikern neue Alben vorgespielt werden, über Soap&Skins demnächst erscheinendes Debütalbum "Lovetune For Vacuum" gesagt. Willkommen in der Referenzhölle.
Darauf hat die halbe Welt gewartet: Musikpresse, eh klar, national und international, und Feuilleton, die Lover und die Hater, die im Schaffen von Soap&Skin Emo für Konservatoriumsbesucher vermuten wollen. Die Geschichte der 1990 geborenen Anja Plaschg, die im 2000-Einwohner-Dorf Gnas in der Steiermark aufgewachsen ist, hat sich mittlerweile durch den Blätterwald gefressen, in FAZ und taz war davon zu hören. Früh schon hat sie zu komponieren begonnen, bald die Schule abgebrochen, ist mit 16 zum Kunststudium in Wien gelandet.
Karge Pianomelodien und Knister-Elektronik
Zwischenzeitlich veröffentlicht sie beim vornehmlich für Rabauken-Elektronik bekannten Berliner Label Shitkatapult ein Stück und überreicht irgendwann im Freigeisterlokal Rhiz am Gürtel Kollegen Ostermayer eine gebrannte CD mit eigenen Stücken. Im Sumpf - wo sonst? - war es dann auch zum ersten Mal radiotechnisch zu vernehmen, Soap&Skins wohlig verstörendes Gewebe aus kargen Pianomelodien, Knister-Elektronik und verhuschtem Gesang. Auftritte und Verzückung sollten folgen, vergangenes Jahr ist eine wunderbare EP erschienen, aufgefettet durch einen Remix von Laptop-Topmann Fennesz und einer Coverversion von Nico, erklärte Verweisgröße für Soap&Skin. Dass Plaschg in Folge in einer Theaterproduktion von "Nico. Sphinx aus Eis", Nico, ja, verkörpern sollte, mag dann womöglich, Gott bewahre, irgendwie geschickt eingefädelt und gut hingecastet gewesen sein, vor allem aber war es eins: ziemlich beeindruckend.

Bezüglich Soap&Skin war über Wunderkinder, Pophoffnungen, fragile Divas, jugendliche Genies und Endstation Todessehnsucht in letzter Zeit schon anderswo genügend zu lesen und, dass Musik, ausschließlich im künstlerischen, ähm, Vakuum, abgekoppelt von Bezugsrahmen und Außeneinflüssen, entsteht, glauben mittlerweile nicht einmal mehr die, für die es schon immer mindestens ein ordentlicher Blues-Rock sein muss, gespielt von Männern, die das so richtig gut können, das Gitarre spielen. Neben der freilich berichtenswerten Vita Plaschgs ist aber auch ein großartiges Album abgefallen. "Lovetune For Vaccum" hält den hohen Erwartungen locker stand, und spielen, das kann Plaschg ja sowieso.
Leben und Leiden
Man muss nicht immer gleich mit Björk um die Ecke kommen. Man könnte "Lovetune For Vacuum" auch, um ein wenig abzuschweifen, in einem frei imaginierten Universum zwischen dem spinnerten Dreampop der US-Amerikanischen Gruppe Grouper oder dem Geisterfolk der finnischen Band Paavoharju, und so ziemlich allen Veröffentlichungen auf deren Heimatlabel Fonal, verorten. In Wahrheit aber ist "Lovetune For Vacuum" eine Platte geworden, die man ausnahmsweise dann schon einmal so nennen darf: eigenständig. Im Vordergrund stehen da nach wie vor die filigranen Pianofiguren Plaschgs und ihr Gesang, der sich am Leben im Leiden abarbeitet. Im zentralen Stück der Platte, dem auch als Single veröffentlichten "Spiracle" singt Plaschg: "When I was a child / Foes pushed me hard / In my neck / In my waist / In my butt.“
Lovetune For Vacuum

Soap&Skins Debütalbum ist vor Kurzem auf Rough Trade erschienen
Das elektronische Schnaufen der Maschinen hat Plaschg ein wenig nach unten geschraubt, einzig das Stück "DDMMYYYY" lässt das Klackern und Poltern der mittelfrühen Autechre im Proberaum erahnen. Dafür gibt's im Hintergrund Streicher und Geflöte zu vernehmen. Soap&Skin ist so mit "Lovetune for Vacuum" eine fließende Todesfuge gelungen, die sich durch dichte Nebel des Enchantments hangelt, über dezente Orchestralausstaffierung - alles selbst in Heimarbeit eingespielt - bei spröden Minimalballaden angelangt, die Plaschg auch weiterhin die große Cat Power als Vergleich in die Biografie schreiben werden. Was ja auch nicht gerade das Schlechteste ist. Kopf hoch, believe the hype, don't believe the hype, in schönster Schönheit sterben.

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