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Musik, Film, Heiteres

Philipp L'Heritier

Philipp L'Heritier

Ocean of Sound: Rauschen im Rechner, konkrete Beats, Kraut- und Rübenfolk, von Computerwelt nach Funky Town.

27. 3. 2009 - 12:10

Rhumba mit drei Herren

Obacht: Kanonisierung! Post-Punk ist Wire. Live

1992, sie war ihrer Rolle als Vorzeigefrau, die im Hintergrund Gitarre spielen darf, müde geworden und hatte gerade die Heroin-Popper von Suede verlassen, schaltete Justine Frischmann ein Inserat im Musikblatt Melody Maker. Eine neue Band muss her. Was stand da zu lesen? "Guitarist wanted, influences the Fall, the Stranglers, Wire". Nach der erfolgreichen Rekrutierung der Bandmitglieder im Zeichen solch deutlicher Ansage kam dabei am Ende ein Band heraus, die sich Elastica nannte und sich mit einem Album voller kleiner, frech Power-Pop und Punkeinflüsse verschneidender Hits ihre paar Minuten Gloria abholten durfte. Und, nicht zuletzt, ständig mit Plagiatsvorwürfen zu leben hatte.

Die Band Wire im Jahr 1978
Wire, 1978

Die Liste, wen, was und wie die englische Post-Punk-Institution Wire, die dieser Tage Österreich heimsuchen wird, sozusagen, beeinflusst hat, ist eine lange. Das 1976 in London gegründete Quartett war Post-Punk bevor Punk vorbei (ja, eh, die Grenzen sind IMMER fließend) war und mit künstlerischem Background im Lebenslauf von ¾ Bandgefüge nicht unerheblich an der Etablierung des Etiketts "Art School" als musikalischer Fußnote mitbeteiligt. Quasi als britisches Pendant zu den Talking Heads in New York. Bloß minus da Funk, den David Byrne und Kolleginnen im linken Knie hatten, und immer ein bisschen viel mehr böse. Stets im Herzen von Punk, dauernd den Tick zu artsy, um wirklich dazuzugehören. Was für Wire auch nie ein Thema gewesen ist.

What are your Influences?

Immer mühsam, an Tabellen abzulesen, wen denn eine Band geprägt haben soll und daraus eine Qualität herausdestillieren zu wollen, es war ohnehin schon immer alles vorher da. Wire selbst haben wahrscheinlich auch schon von den Ramones, den Stooges, Steve Reich oder The Velvet Undergound gehört. Im Falle von Wire aber ist die Anzahl der Musiker, die sich explizit und aus freien Stücken auf die Gruppe bezieht, nun ja: groß. Mit ihren ersten drei, zwischen 1977 und 1979 erschienen Alben, "Pink Flag", "Chairs Missing" und "154", allesamt 6 Sterne out of 5, hat sich die Band ins Plattenregal eines jeden Punkbuchhalters, der auf Vollständigkeit abzielt, gespielt.

Von zickigen 28-Sekunden-Krachern hin zu Melodien im Zeichen von Pop und Studiotüftelei in nur drei Jahren. Mitunter auch mit Synthie-Experimenten, sowas hatten nicht alle Punks immer gerne. Wire haben Hardcore mitgeprägt und, Liste unvollständig, R.E.M, The Cure und die Minutemen beeindruckt, von den Schampuselektronikern Fischerspooner sind sie gecovert worden, und die ganze Neo-Post-Punk-Angelegenheit um Franz Ferdinand, Futureheads und wieheißendienoch, die hätte ohne Wire ziemlich anders geklungen. Das Stück "Connection" von Elastica, das die Band so schön von Wires "Three Girl Rhumba" abgekupfert hat, ist dann auch ein mittelgroßer Hit geworden, die Streitigkeiten bezüglich der Urheberschaft hat man außergerichtlich beigelegt. So macht man das.

Die Band Wire an einem Hauseck stehend

Still Going

Bis heute hat sich die Band nie offiziell aufgelöst, immer wieder haben sich zwischenzeitlich die Wege der einzelnen Mitglieder verlaufen, wurde in diversen Neben- und Soloprojekten auf neuen Feldern geforscht: Musique Concrete, Elektronik, Industrial. Glückliche Fügungen, schillernde Interessen aneinandergeklatscht! Wenn die Band dann doch – mit Regelmäßigkeit – wieder zusammengefunden hat, sind dabei fast durchgehend gute bis ziemlich gute Platten abgefallen, beispielsweise die EP-Reihe "Read & Burn" oder das Album "Object 47" im vergangenen Jahr, an das Dreigestirn der Klassiker-Alben aus den frühen Jahren ist bislang nicht mehr anzuschließen gewesen. Drei immergrüne Platten in drei Jahren - danach kann man ruhig ein bisschen sparsamer mit der eigenen Genialität umgehen.

Nie langweilig

Wire sind am 27. März in der Fluc Wanne, Wien und am 28. März im Kino Ebensee zu sehen

Gründungsmitglied Bruce Gilbert hat Wire 2008 verlassen. Die drei Herren Colin Newman, Robert Gotobed und Graham Lewis machen als Trio weiter, live werden sie von Margaret Fiedler McGinnis unterstützt, die schon für das Postrock-Outfit Moonshake und die Indie-Elektroniker Laika gewerkt hat und bei Konzerten von PJ Harvey für die Bearbeitung der Gitarre zuständig gewesen ist. Was bei Auftritten von Wire genau zu erwarten ist, steht im Trüben: Oft hat sich die Band geweigert, alte Hits zu spielen (weil: laaangweilig), tat dann ebendies, wenn es sich niemand mehr erhofft hat, oder hat mit performativen Einlagen Dosenbier-Punks verschreckt. Wer schon einmal ein Konzert von Wire erlebt hat, beispielsweise im Wiener Flex vor einigen Jahren, weiß aber, dass mit Erweckungserlebnis, Erleuchtung und - vor allem - Entrückung zu rechnen ist. Auch für Atheisten.

Schließlich leben Live-Darbietungen mit Beteiligung von Legenden nicht selten, das kann man ruhig so sagen, zu großen Teilen auch vom bloßen Glück der eigenen Anwesenheit. Egal, ob da nun scharfkantig runtergeschrubbte Riffs, elektronische Feldforschungen oder alles auf einmal ans Ohr tritt. Wire ist eine Punkband, langweilig wird sie nie.

Wire sind heute, 27. März, zu Gast in Connected (15-19)

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Forum

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  • nugatbit | vor 318 Tagen, 1 Stunde, 35 Minuten

    verdammt - verpasst! aber was bloß heute tun...?

    Auf dieses Posting antworten
  • camilleri | vor 318 Tagen, 5 Stunden, 58 Minuten

    Ich gestehe: mir ist so ziemlich jede in diesem Artikel als von Wire beeinflusst genannte Band lieber als Wire. Weil ich schlicht und einfach lieber Musik höre, die ich in ihrer Entstehungszeit besusst erlebt habe. Ausnahme: klassische Musik. Da gilt meine Devise: Mozart und alles davor.

    Auf dieses Posting antworten
  • karlll | vor 319 Tagen, 3 Stunden, 59 Minuten

    Alben

    154 ist ein Meisterwerk.
    Chairs Missing finde ich bis auf paar Songs hingegen eher durchschnittlich.
    Pink Flag kenne ich kaum.
    Damit's gesagt ist.

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  • diqits | vor 319 Tagen, 4 Stunden, 6 Minuten

    ich weigere mich diese Musikform als Punk zu bezeichnen.

    Auf dieses Posting antworten
    • karlll | vor 319 Tagen, 3 Stunden, 56 Minuten

      Dummer Biersäufer-Rumtata ist die Wire Musik nicht. Aber der konventionenbrechende Stil hat punk spirit in sich.

    • onpulse | vor 319 Tagen, 2 Stunden, 2 Minuten

      ist punk nicht eher attitude denn musikstil?

      ich ärger mich deshalb viel lieber ein bisschen über leute, für die bad religion der inbegriff von punk is....

    • nebraska | vor 319 Tagen, 1 Stunde, 49 Minuten

      ich

      muss kotzen

  • fleurquin | vor 319 Tagen, 6 Stunden, 35 Minuten

    Post-Punk Post-Punk Punk Post-Punk Post-Rock Punk Post-Punk Industrial Post-Punk Ist Punk Post-Punk Schubladisierung olé - Horizont bis zur Augenbraue.
    Artikel auf Schülerniveau, gebt den Wire ja nicht zum lesen, sonst passiert noch ein Unglück.....

    Auf dieses Posting antworten
    • kornundsprite | vor 319 Tagen, 5 Stunden, 37 Minuten

      altherrenposting

    • ondrusova | vor 319 Tagen, 2 Stunden, 46 Minuten

      @ fleurquin

      i want to ex you!

    • christianlehner | vor 319 Tagen, 2 Stunden, 46 Minuten

      merke fleurquin: du hast den reynolds nur gelesen, nicht geschrieben!

    • fleurquin | vor 319 Tagen, 1 Stunde, 2 Minuten

      # Alastair Reynolds (* 1966), walisischer Science-Fiction-Autor
      # Albert Reynolds (* 1932), irischer Politiker, ehemaliger Ministerpräsident
      # Andrew Reynolds (* 1978) US-amerikanischer Skateboarder
      # Blind Joe Reynolds (1900/4–1968), US-amerikanischer Bluesmusiker
      # Bruce Reynolds (* 1931), britischer Verbrecher
      # Burt Reynolds (* 1936), US-amerikanischer Schauspieler
      # Craig Reynolds (* 1953), Experte für Computergrafik, Programmierer von Boids
      # Debbie Reynolds (* 1932), US-amerikanische Schauspielerin
      # Foster Adolph Reynolds (1884–1960), US-amerikanischer Musik-Instrumentenbauer
      # Harry Reynolds (* 1964), US-amerikanischer Leichtathlet
      # Jody Reynolds (1932–2008), US-amerikanischer Rockabilly-Sänger, Gitarrist und Songwriter

      klär mich auf, mein lieber, ich kenn nur den burt reynolds...;-)

    • ondrusova | vor 319 Tagen, 54 Minuten

      SIMON! wikipedia is nicht alles nicht wahr.

    • lheritier | vor 319 Tagen, 51 Minuten

      simon reynolds

      musikjournalist: hat ein schönes buch über postpunk und andere schubladen geschrieben. rip it up and start again. beste grüße

    • fleurquin | vor 318 Tagen, 23 Stunden, 54 Minuten

      danke für den tip, werd ich mir besorgen....

    • christianlehner | vor 318 Tagen, 18 Stunden, 58 Minuten

      at lheritier: dein letztes comment in bezug auf "schublade" liest sich im abgleich zur größe dieses buches schon fast wie ein diss!

    • lheritier | vor 318 Tagen, 5 Stunden, 35 Minuten

      at smash: käme mir doch nie in den sinn, den reynolds zu dissen. ich hab mich da auf das erste comment vom fleurquin bezogen:)