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Felix Knoke

Felix Knoke Berlin

Verwirrungen zwischen Langeweile und Nerdstuff

6. 4. 2009 - 11:20

Frust-Tagebuch: Fleisch und Bananen

Ganz unerwartet schlägt der Provinzfrust im Supermarkt zu. Wie fühlt sich das an, plötzlich keine Auswahl mehr zu haben? Schlecht - aber hinter der Kasse geht es ja weiter.

Vorweg: Im Oktober 2008 zogen meine Freundin und ich von Hamburg nach Halle (Saale). Sie wollte hier studieren, ich arbeiten, gemeinsam wollten wir eine neue Stadt erforschen, neue Freunde finden und viele Abenteuer erleben. Dann packte uns der Provinzfrust. Davon handelt dieses Frusttagebuch. Was es können soll und was nicht, erklärt der Beipackzettel.

Die Nummer 40, so dreckig und abgenutzt, hätte mir eigentlich schon früher zu denken geben müssen. Nummer 40 steht für "Bananen". Der Supermarkt um die Ecke will, dass ich mein Obst und Gemüse selbst wiege. Bananen auf die Waage legen, die Bananentaste drücken und das On-demand-Bananenpreisschild auf die Bananen kleben. Drei Handgriffe, die der Supermarkt in Halle erfolgreich vor allem an den Bananenkunden outsourct.

Denn der Hallenser liebt Bananen, das beweist mir die Bananentaste: Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass Bananen so billig sind, oder ob sie so billig sind, weil sie so erfolgreich sind. Die Bananentaste jedenfalls ist abgenutzt, wie keine andere. Die Äpfeln, Orangen, Kiwis, Zitronen zugeordneten Tasten strahlen unberührt und weiß, während Bananennummer 40 eine schwarze Fingerabdruckkartei der hallenser Bananenfans ist. Und eine Warnung an den Zugereisten sein könnte: Erwarte Bananen und nicht viel mehr als Bananen.

Bananentaste
Oh Banänsche, du Südseegurke

Wäre da nicht die Fleischabteilung. Gäbe es eine Fleischtaste, dann wäre die Bananentaste in ihrer grindigen Abgewetzheit nicht so allein. Der Hallenser serviert zu seinen Bananen gern Fleisch. Nicht anders kann ich mir das massive Fleischangebot, die vielfältigen Fleisch-Werbeanzeigen, -Banner, -Werbesprüche erklären. Fleisch und Bananen, Halle und Saale. Vor dem "Frischemarkt" hing lange ein Schild: Schlackwurst im Angebot. Was ist Schlackwurst? Hat das was mit Bananen zu tun? Ich will es nicht wissen.

Bananen und Fleischfreunde können in Halle glücklich werden. Ich nicht. Zwar dürstet mir stets nach kühler Bananenmilch (mit ein wenig Vanillezucker und einer Prise Pfeffer), mit dem umwerfenden Fleischangebot fange ich als Vegetarier aber wenig an. Vegetarische Pizzas gibt es im Supermarkt um die Ecke in zwei Varianten, im anderen Billigmarkt gab es nicht mal eine schäbige Margharita. Tofu gibt’s manchmal in teuren Minimengen und dann nur in der teuren, meine Vernunft beleidigenden "Asia"-Abteilung.

Die schmerzt mir als größenwahnsinniger Großkunde eines hamburger Asia-Supermarktes und gefürchteter Olivenkäufer aller türkischen Gemüseläden besonders: Apothekenpreise für homöopathische Mengen Sojasoße, krümelweise Witz-Gewürze und vor allem: Fünfzehn Oliven für den Preis eines Kilos schwarzer Traumoliven von Ercan. Den Kümmer-Koriander darf ich nicht mehr kaufen; wegen Aggressionskontrolle. Und dann erst das Gemüse, diese halbvergammelten, angeschimmelten Carnivoren-Witze von Gemüse. Und zwei Sorten geschmacksneutraler Kartoffeln, Tennisball-große Salatköpfe und Äpfel aus einem vergangenen Jahrzehnt. Mein last ressort, die Käsetheke? Nur ein Hauch kaputter Milch.

Die einzigen Ausweichmöglichkeiten - wenngleich ja prinzipiell auch keine schlechten - sind der sündteure Ökomarkt oder die Gemüsekiste. Da gibt’s zwar auch keine Auswahl, dafür schmeckt das Ökogemüse wenigstens nach etwas. Aber das kann ich mir, meinem Hunger und meinen Bedürfnis nach abwechslungsreichem Essen entsprechend, schlicht nicht leisten.

Ganz zu schweigen davon, in Halle auszugehen. Fleischparadies, Vegetarierqual. In die "Ökoase" trau ich mich aus naheliegenden Humor- und prinzipielleren Wortwitzgründen nicht. Auch nicht in das Sushi-Restaurant. Die Diskussion darüber, ob Vegetarier mit gutem Gewissen Fisch essen sollten, will ich nicht führen. Wohl aber, dass ich mich im unterirdisch gelegenen Luxus-Supermarkt mal an der Fischtheke mit einer Goldbrasse versorgte, die sich trotz ungeheurem Kühlaufwand als wenig frisch und eher muffelig herausstellte. Mehr, als man das von einem eh schon toten Tier erwarten würde. Auch der Lachs, der Thun: Ein Trauerspiel. Wenn aber in diesem Markt auch der Sushi-Koch einkaufen geht ...

Was bleibt? Banane.

Banane - Du Südseegurke
Gelb und Gesund
Fast wie die Sonne
Nur nicht so rund

Banane - Schönheit am Baum
Länger als Breit
Krümmer als Grad
Dich essen macht g'scheit

Ohhh - Banane - Banänschen
Du und die Milch
So schönes Pärchen
Gut für mich und dilch

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  • svwoha | vor 1020 Tagen, 22 Stunden, 8 Minuten

    Der Brüller.....ich leg mich flach

    ne ne ne.... Knoke du bist der Held.. der sich totesmutig in die Gefahr stürtzt und unter lebensgefährlichen Umständen in Halle zu überleben versuchst. Da verblaßt ein Aufenthalt in dichtesten Dschungel zu einem Spaziergang. ...ich wünsche dir das du das alles unbeschadest überstehst. Ich wische mir in zwischen die Lachtränen aus den Augen....Ach so du kannst auch jeder Zeit rufen....ich bin ein Held holt mich hier raus....

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  • advseb | vor 1035 Tagen, 23 Stunden, 10 Minuten

    Du hast ein Problem

    Gab es in deinem geliebten Hamburg keine Supermärkte, in denen du dein Obst selbst wiegen musstest? Hast du eigentlich schon gemerkt, wie lächerlich deine Posts sind, wenn du dich über solche deutschen Eigenheiten lustig machst?

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  • toteraltermann | vor 1043 Tagen, 11 Stunden, 14 Minuten

    Was wohl passieren würde, wenn Knoke einfach nur mit der Fotokamera durch Halle rennen würde, wahllos befummelte Bananentasten, depremierende Dorfdiscos und sauteure Sushibars ablichten täte und die volle Speicherkarte dann anschließend hier präsentieren würde?

    Wahrscheinlich wär er immer noch der jammernde, geizige, versnobte, soziopathische Schwarzseherwessi.

    Finde den ersten Absatz weit unterhaltsamer als die höchst tiefsinnige Ossi vs. Wessi vs. Großstädter vs. Provinzler vs. Vegetarier vs. Fischliebhaber vs. Bananen vs. Kiwis Diskussion.

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  • zarniwoop | vor 1043 Tagen, 12 Stunden, 52 Minuten

    Typisch deutscher Jammerlappen

    Sorry, Felix, aber das ist das erste, was mir in den Sinn kommt, wenn ich Deinen Beitrag lese.
    Und: Ich weiss, wovon ich rede - ich bin selber Deutscher...
    Wenn ich von HH auf irgendein Kuhdorf ziehe (Sorry, liebe Hallenser, aber so is es nun mal), dann muss ich wissen, was mich erwartet.
    Alles hängt einfach von der Umschlaggeschwindigkeit ab: Niedrige Umschlaggeschwindigkeit = niedriges Handelsvolumen = hohe Preise = alte Ware. Das ist mal prinzipiell kein böser Wille des Shop-Betreibers, sondern einfach ein Allgemeinplatz.
    Wenn Du dann zu Deinen an HH-geschulten Vorstellungen auch noch Sonderwünsche hast (da geht es nicht darum, ob Vegetarier gut oder böse ist, sondern es sind einfach nochmal viel weniger als Nicht-Vegies), dann erwischt es Dich in diesem Falle einfach doppelt. Und das wird in jeder Kleinstadt dieses Landes (BRD, aber ich vermute in A oder in CH ist es genauso) treffen.
    Weder will ich das für gut heissen noch verurteilen - es ist einfach unserer Wunderbaren Waren-Welt geschuldet.

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    • knoke | vor 1043 Tagen, 12 Stunden, 37 Minuten

      ja, das "warum" verwundert mich ja auch nicht. ich stell es -für mich- fest. mir wird jetzt halt klar, wo überall ich an Grenzen stosse. aber so einfach, wie du es vorrechnest ists auch nicht. z.b. in meinem Heimatkaff (7000 Einwohner) gibts gleich drei große Supermärkte mit Monsterauswahl. vermtl wegen "reicher Süden" (dafür 0 ausgehmöglichkeiten usw)

    • drallgaiar | vor 1042 Tagen, 9 Stunden, 37 Minuten

      interessant ist doch, was Du draus machst... dass halt nicht alles so is, wie "daheim", das hast Du doch verher schon geahnt, oder?

    • knoke | vor 1041 Tagen, 23 Stunden, 17 Minuten

      Ich find ja erstmal interessant, was es mit mir macht ... :) Aber ich will ja auch nicht zum großen Dienstleister meiner Wünsche werden. Deshalb Frust.

  • rereaktionär | vor 1043 Tagen, 13 Stunden, 33 Minuten

    Felix,

    wer suchet der findet. Und anstatt sich in eine unendlich tiefe Depression zu stürzen wär's vielleicht nicht so schlecht, sich nach Alternativen umzusehen. Die gibt es nämlich immer und überall, auch in der ostdeutschen Provinz, wozu Halle eh nicht zählt, wenn man schon mal in der Uckermark war oder im Oderbruch.

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    • knoke | vor 1043 Tagen, 13 Stunden,

      nur um das Bild geradezurücken: ich steh nicht heulend vor der Bananentaste, sondern lachend!

    • pixacao | vor 1043 Tagen, 11 Stunden, 16 Minuten

      in österreich hat die bananentaste in jedem supermarkt, den ich kenne, die nummer 1.
      warum wohl? stehn wir auch so auf bananen wie diese (rückständigen) ossis? mann, ist das peinlich! ; )

    • pantomimehorse | vor 1042 Tagen, 14 Stunden, 39 Minuten

      nummer 1

      ja, das wollte ich auch schon lange mal fragen!

  • oxymoron | vor 1043 Tagen, 15 Stunden, 46 Minuten

    dass sich bei uns jemand biogemüse nicht leisten KANN, gibt es praktisch nicht. es ist eine sache des wollens, nicht des könnens, ob man sein geld lieber an einen wohnungseigentümer für eine größere wohnung mit vorzimmer hergibt, oder für biogemüse (oder lieber für überfluss-kleidung/unterhaltungswaren etc.)

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  • manicstreetpreacher | vor 1043 Tagen, 16 Stunden, 2 Minuten

    kommentar unten

    "warum ich vegetarier bin: ich finde es nicht in ordnung, wie die menschheit tiere behandelt"

    stimmt: der typische österreicher brät sein steak zu tode bis der letzte blutstropfen und somit geschmack verloren ist und der ledereffekt sich einstellt.
    sonst köstliche rosa-gekochte lammstücke werden in österreich als "halbroh" in die küche zurückgeschickt und dort - wiederum - zu tode gekocht.

    schrecklich

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    • rereaktionär | vor 1043 Tagen, 13 Stunden, 35 Minuten

      Viel interessanter finde ich den Widerspruch zwischen dem, was Vegetarier als Motivation vorgeben und dem, wie in der Realität bei der Produktion jener Lebensmittel abläuft, die Vegetarier sehrwohl konsumieren. Milch, Eier...
      Ist fast so bemerktenswert wie die oftmals sehr völlig irrwitzigen Ansichten, warum man BIO kaufen solle. Einfach mal 10 Gründe pro BIO nennen. ;)

    • oxymoron | vor 1042 Tagen, 18 Stunden, 13 Minuten

      nicht jeder vegetarier konsumiert milch und eier aus konventioneller landwirtschaft. was ist an gründen für bio-produkte denn so irrwitzig? bei der milchproduktion wird zB wenigstens nicht annähernd so viel um den halben erdball transportiertes soja zugefüttert, die produktion von bio-obst/gemüse geht (von einzelfällen abgesehen) wenigstens nicht mit einer gesundheitsgefährdung der unterbezahlten landarbeiter einher (s. almería), etc.

  • supermarktbekanntschaft | vor 1043 Tagen, 17 Stunden, 49 Minuten

    im gegensatz zu dir weiß ich genau, warum ich vegetarier bin: ich finde es nicht in ordnung, wie die menschheit tiere behandelt. ich finde es nicht in ordnung, wie die menschheit die umwelt behandelt und deren ressourcen ausbeutet. und ich finde es nicht in ordnung, wie die menschheit andere menschen behandelt und ausbeutet (weshalb ich ausschließlich fairtrade-bananen kaufe; möglicherweise beantwortet dies auch deine frage, warum die bananen in halle so billig sind ...)

    ansonsten weiß ich jetzt gar nicht, was ich zu deinem letzten kommentar sagen soll, außer: wärst du nur jemand, der unter dem artikel seine meinung postet, dann würde ich wohl einfach darüber hinweglesen. aber da du derjenige bist, der das ganze verzapft, würde ich mir von dir eigentlich schon schlüssigere argumente erwarten. nun ja.

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    • grinsekater | vor 1043 Tagen, 17 Stunden, 29 Minuten

      "und ja, mir is auch aufgefallen, dass sich die leute anscheinend keine bio-lebensmittel leisten können, aber sehr wohl urlaube, spielkonsolen, bergeweise klamotten, etc..."

      warum müsst ihr immer solche verdammten oberlehrer sein? erinnert mich an edith klinger "ihr frauerl hat ihn weggegeben, weil sie sich das futter nicht mehr leisten konnte - aber für sich selber hat sie schon noch ein bapperl ..."

      immer diese langen preacher-beiträge unter öko-geschichten, das geht mir schon so am arsch.

    • knoke | vor 1043 Tagen, 17 Stunden, 27 Minuten

      neeee, das hast du in den falschen Hals bekommen. ich weiß schon, also soweit mir möglich, warum ich "Vegetarier" bin, konkret: manches Fleisch nicht esse. aber darüber will ich (hier) nicht diskutieren, weils nichts mit der Sache zu tun hat: die Frage, wie eine Kleinstadt scheinbar allein von Bananen und Fleisch Leben kann, und was das für mich bedeutet.

    • supermarktbekanntschaft | vor 1043 Tagen, 17 Stunden, 11 Minuten

      @ grinsekater

      tja, leider gibt es so leute (wie dich?), die ihre lebensweise (aus welchen gründen auch immer) nicht ändern wollen - obwohl sie offensichtlich eh wissen, wie die lage ausschaut. nur: wie kommen (so leute wie ich) dazu, sich (von leuten wie dir) die welt, auf der wir ja alle miteinander leben, kaputt machen zu lassen?
      ja, das war's jetzt von meiner seite zu dem thema.

      @ knoke: ich bin jedenfalls schon gespannt, ob du was entdeckst, das so richtig toll ist an halle... ich selbst arbeite nämlich seit jahren in einer stadt, der ich im grunde genommen nicht viel abgewinnen kann. aber mit der zeit habe ich doch das eine oder andere schätzen gelernt, an dieser stadt - wie beispielsweise die stets gefüllte thermoskanne kaffee im hintersten winkel der kleinen öffentlichen bibliothek. ;)

    • knoke | vor 1043 Tagen, 16 Stunden, 44 Minuten

      @supermarkt: klar gibt's auch tolle Sachen. Aber darum gehts mir ja auch nicht. Hier geht's um die Sachen, die mir auffallen, die ich komisch finde oder mich frustrieren. Zu sagen: Verfallene Gebäude finde ich aus abgründigen Gründen charmant, führt ja nicht sonderlich weit.
      Aber über allen Lästereien steht sowieso: Immerhin bin ich hier aus freien Stücken hergezogen. Nach allen Bielefelds, Stuttgarts, Frankfurts usw wäre ich nicht freiwillig gegangen...

    • manicstreetpreacher | vor 1043 Tagen, 14 Stunden, 40 Minuten

      @supermarktbekanntschaft: warum soll der grinsekater "seine lebnsweise ändern"

      ihr ökofaschisten wollts uns vorschreiben wie wir leben sollen? ihr tschapperl

    • oxymoron | vor 1042 Tagen, 18 Stunden, 5 Minuten

      @ grinsekater: ja, eine schande aber auch, wenn "oberlehrer" verlogene "kann ich mir nicht leisten"-ausreden nicht mögen. der großgrundbesitzer, auf dem ehemals die leibeigenen gearbeitet hat, hat es sich wahrscheinlich auch "nicht leisten" können, die bauern aus der leibeigenschaft zu entlassen. sei froh, dass es damals ein paar oberlehrer gegeben hat. dass du die millionen oder milliarden an menschen, die unter unserem konsumverhalten leiden, mit weggegebenen hunden vergleichst, zeigt wes geistes kind du bist. wenn du willst, steh dazu, dass es durch deinen egoismus anderen schlecht geht, aber du kannst nicht verlangen, dass man die idiotische ausrede des "ich kann es mir halt nicht leisten" unkommentiert stehen lässt.

    • robertglashuettner | vor 1041 Tagen, 13 Stunden, 9 Minuten

      sorry, oxymoron, aber das ist jetzt echt zuviel des guten, was das schwingen der "schlechtes gewissen"-keule betrifft. es gibt keinen anfang und kein ende vom "bewussten leben". jede/r soll und darf selber entscheiden dürfen, ob und welchen teil er/sie dazu beiträgt ohne von selbsternannten moralinstanzen wie dir dauernd zurecht gewiesen zu werden. in jedem noch so bewussten lebensstil sind "lücken" und "fehler" im konsumverhalten auffindbar, wenn man sie denn unbedingt finden möchte. und deshalb sollen wir jetzt alle vorsichtshalber mal mit gesenktem haupt durch die welt rennen, weil wir ja alle so böse konsumsünder sind? geh bitte. die wirklichen arschlöcher, seien es dubiose großkonzerne oder einzelpersonen mit verschwenderischen bonzen-lebensstil, lachen sich kropfert, wenn sie das putzige hickhack von uns klein- und mittelverdienern hier lesen.

    • oxymoron | vor 1040 Tagen, 14 Stunden, 54 Minuten

      versteh mich nicht falsch. ich schreib niemandem vor, wie er leben soll. was aber absolut daneben ist, ist, wenn jemand wie grinsekater sich bereits den hinweis auf die simple tatsache verbittet, dass es einfach nicht stimmt, dass man sich zB bio nicht leisten kann.
      umgekehrt denkt jedes "wirkliche arschloch" ebenso, dass es sich nicht leisten kann, auf was anderes als den profit zu schauen.
      wie glaubst du wohl, kommt jemals eine änderung der konzernpolitik zustande, wenn die wähler in einem der reichsten länder der welt (in dem über 1/4 der bevölkerung aktien oder anteile an fonds hält und in dem zwischen 2001 und 2007 das private geldvermögen um über 100 Mrd. Euro gewachsen ist) unsolidarische konsum- und wahlentscheidungen damit entschuldigen,
      dass man es sich halt nicht leisten kann.

      "die wirklichen arschlöcher" können nur solange "die wirklichen arschlöcher" sein, solange wir ach so armen klein- und mittelverdiener in unserem konsum-, (anleger-) und wahlverhalten darauf achten, selbst möglichst viel von ausbeutungsbedingungen zu profitieren.

      dass die einzelnen konzerne es ablehnen, faire löhne zu zahlen, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sie genau wissen, dass sie damit bereits allein aufgrund der entscheidungen der konsumenten gegenüber...

  • supermarktbekanntschaft | vor 1043 Tagen, 19 Stunden, 51 Minuten

    ich wohne auch in der provinz.

    aber dass man in der stadt ein weitaus größeres lebensmittelangebot hat als aufm land, das höre (lese) ich zum ersten mal. schließlich kommen die meisten lebensmittel vom land. und von weiterarbeiten lebensmitteln wie tofu-würstchen gibts sogar in meinem bio-ab-hof-laden eine erlesene auswahl.

    was ich aber schon gar nicht mehr hören kann, sind sätze wie "aber ich kann mir bio nun mal nicht leisten." ich selbst verdiene auch nicht viel - kaufe aber ausschließlich bio-lebensmittel ein. der preis von bio-lebensmitteln ist nicht überteuert, auch wenn die menschen das (ob der wahnwitzigen discounter-preise) mittlerweile glauben mögen. alles, was man beim kauf von lebensmittel spart, das geht auf kosten der umwelt - das wieder geht aber anscheinend nicht in die köpfe der menschen. und ja, mir is auch aufgefallen, dass sich die leute anscheinend keine bio-lebensmittel leisten können, aber sehr wohl urlaube, spielkonsolen, bergeweise klamotten, etc. ...

    Auf dieses Posting antworten
    • toteraltermann | vor 1043 Tagen, 19 Stunden, 21 Minuten

      Dem stimm ich zu.

      Beim anderen Essen zahlt halt jemand anders den Rest drauf.

    • supermarktbekanntschaft | vor 1043 Tagen, 19 Stunden, 18 Minuten

      ich schon wieder.

      aber erst jetzt, nachdem ich die anderen tagebucheinträge gelesen habe, ist mir bewusst, dass halle ja nicht mal annähernd so provinziell ist wie hier permanent ausgeführt wird bzw. worauf dieses tagebuch eigentlich beruht ...
      ja, was soll ich dazu sagen außer: wie wär's, wenn du mal - anstatt beim supermarkt um die ecke einzukaufen - noch um eine weitere ecke biegst? das erweitert möglicherweise deine sicht auf halle.
      wenn man in wien in den nächstbesten penny reinmarschiert, wird man auch keine erlesene auswahl feinster lebensmittel von höchster qualität vorfinden ...

    • screenshot33 | vor 1043 Tagen, 19 Stunden,

      @ supermarktbekanntschaft

      Soweit ich das verstehe gehts dem Knoke eher darum zu zeigen dass Halle - obwohl eine Stadt seiend - durchaus provinziell ist was Lebensmittel betrifft. Nicht nur beim 0815-Greißler ums Eck. Aber evt versteh ich den Text auch nicht richtig.
      Was das "Bio is ur-teuer" Argument betrifft: absolut wahr.

    • screenshot33 | vor 1043 Tagen, 18 Stunden, 57 Minuten

      Erklärung letzter Satz:

      Mit "absolut wahr" meine ich "der preis von bio-lebensmitteln ist nicht überteuert, auch wenn die menschen das (ob der wahnwitzigen discounter-preise) mittlerweile glauben mögen. alles, was man beim kauf von lebensmittel spart, das geht auf kosten der umwelt".

      Hätt "Was das fadenscheinige 'Bio is ur-teuer' Argument betrifft ..." schreiben sollen. Na ja ... digital ist nicht immer besser :)

    • pixacao | vor 1043 Tagen, 18 Stunden, 43 Minuten

      @supermarktbekanntschaft
      natürlich hat man in der stadt das größere lebensmittelangebot. dein (gegen-)argument "schließlich kommen die meisten lebensmittel vom land" ist etwas unüberlegt: basisnahrung von bobos sind dinge wie lachs, kaviar, sushi (gedeihen in deiner nachbarschaft etwa reis, seetang, japanfisch oder meeresfrüchte?) sowie exotische früchte wie ananas, litschis, mangos oder
      avocados. im gegensatz zum pöbel steht der bobo nicht so sehr auf fleisch (und bananen)

      ansonsten stimm ich dir natürlich uneingeschränkt zu. bio-konsum ist weniger eine frage des geldes als eine frage des bewusstseins. meines wissens sind die treuesten kunden in bioläden studentInnen und mütter mit kleinkindern - und die zählen in der regel ja nicht gerade zu den reichen.
      sich bio nicht leisten zu können, passt aber sehr gut zu diesem unausstehlichen wessi-schnösel namens knoke, der in den (bösen) osten gegangen ist um sich zu beklagen, dass dort nicht alles so wie im (guten) westen (=hamburg) ist; führt sich auf wie ein kolonist, der weder historisches verständnis noch interesse für land, leute und sitten in seiner kolonie mitbringt ... ikotzmian!
      und leute, die "vegetarier" sind, aber fisch fressen, sind öde gesundheitsspießer.
      (ich bin aus ethischen gründen übrigens auch vegetarier, bild mir darauf aber nix...

    • pixacao | vor 1043 Tagen, 18 Stunden, 42 Minuten

      nix ein und würde z.b. im ausland, um einen gastgeber nicht zu vergrämen, durchaus wieder mal fleisch essen)

    • knoke | vor 1043 Tagen, 18 Stunden, 38 Minuten

      @screenshot83 et al: ja eh! aber Lebenswirklichkeit ist halt Supermarkt und Tanke und nicht "öko"-Markt und Tante Emma.
      @supermarktbekanntschaft(Thema lebensmittelauswahl): das ist schon ein riesiger unterschied. weniger und oft schlechtere qualität. dumpster-raubzüge von bekannten lieferten in der anderen Stadt besseres Obst und Gemüse. und statt tofu ess ich jetzt selbstgemachten seitan, kostet 1/5 vom "öko"-Markt-Preis.

    • supermarktbekanntschaft | vor 1043 Tagen, 18 Stunden, 16 Minuten

      reis und oliven gedeihen in hamburg genauso wenig wie in meiner gegend. trotzdem kann ich beides in "meinem" provinz-bio-laden kaufen. ;)
      und: wenn man sich lebensmittel von der tankstelle leisten kann, dann kann man sich auch lebensmittel ausm bio-laden leisten. zumindest in Ö sind die lebensmittel an tankstellen beträchtlich teurer als die gleichen produkte im supermarkt ...

    • knoke | vor 1043 Tagen, 17 Stunden, 59 Minuten

      ich kauf natürlich auch nix zu essen an der Tanke, aber das passte a) ganz gut zu "Tante" und b) zu allen leidenden autofahrern(ich nicht), die viel Geld für Sprit und Karosse ausgeben. und das sind halt die meisten. deswegen Wirklichkeit und so. aber moralisch will ich mich da nicht erheben, auch nicht beim Fleisch. hier ists halt einfach so, dass ich als Vegetarier - aus welchen Gründen auch immer das bin, das steht ja nicht zur Diskussion - wenig reißen kann, als Fleischesser aber im Paradies wäre. das stört Mich einfach im Alltag ganz enorm.

    • grinsekater | vor 1043 Tagen, 17 Stunden, 23 Minuten

      ach so picacao, du bildest dir nix drauf ein, vegetarier zu sein, spuckst aber auf leute, die sich erdreisten, fisch zu essen.
      was sagt ihr z.b. zu modefreaks, die auf euch herabblicken, weil ihr wie aus der caritastonne geplündert daherkommt? "man kann auch ohne viel geld stylish gekleidet sein, man muss sich nur bemühen bla bla bla" ... evtl ist dieses thema nicht jedem soo existenziell wichtig? natürlich, ihr habt beim essen die ethik auf eurer seite, gratuliere euch.

    • pixacao | vor 1043 Tagen, 11 Stunden, 28 Minuten

      @grinsekater
      ich hab null gegen leute, die fisch essen!!! mich stören nur "vegetarier", die sich über mangelhafte fischqualität beschweren und sushi essen ...

      und den vergleich mit der mode kapier ich nicht ... mode ist geschmacksache - und guten geschmack kann man zum glück eh nicht kaufen ...

    • pixacao | vor 1043 Tagen, 11 Stunden, 27 Minuten

      ... und ich kann viel geld für mode ausgeben und trotzdem beschissen angezogen sein ...