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Musik, Film, Heiteres

Michael Fiedler

Michael Fiedler

Redakteur auf breiter Basis, Politik und Spiele, Kultur und Gegenöffentlichkeit. Hermes Telefonjoker. Sonst meist Klettern.

20. 4. 2009 - 16:39

Nicht vom Fließband

Schon wieder etwas Neues von Clara Luzia? Sogar ein Album der Woche: "The Ground Below".

Clara Luzias Album "The Ground Below"
Clara Luzia - "The Ground Below"

"Mädchenmusik" hat es irgendwer irgendwo genannt, und weil ich bei solchen Ausssagen grundsätzlich skeptisch werde, bin ich hingegangen. Zu einem kleinen Gig von Alalie Lilt, der Vorgängerband von Clara Luzia. Da haben sich dann fünf MusikerInnen fast ängstlich in einer Ecke hinter Sängerin Clara Luzia zusammengedrängt, die nur mit geschlossenen Augen ihre Scheu vor dem stereotypen Wiener Publikum (Arme verschränkt, möglichst gelangweilt dreinschauen, höchstens mit einem Fuß mitwippen) überwinden zu können schien. Ängstlich, traurig, sehnsüchtig war dann auch das Konzert. Mädchenmusik eben. Zumindest für alle, die sich nicht drauf einlassen und zuhören konnten.

Mehr Clara Luzia:

Mit der Auflösung von Alalie Lilt 2005 und dem Start des Soloprojektes "Clara Luzia" hat diese Zurückhaltung begonnen, nach und nach zu verschwinden, auch wenn sie - genau wie Sehsucht und Melancholie - immer noch ein wichtiges Element der Musik war. Spätestens bei der Verleihung des Amadeus Alternative Act 2008 ist eine sehr selbstbewusste Clara Luzia samt sehr selbstbewusster Band auf der Bühne gestanden. Und weil das dort zum besten gegebene "Morning Light" sehr frisch klingt, könnte man darüber verwundert sein, dass es schon wieder ein neues Album von Clara Luzia gibt. Dabei ist das letzte - "The Long Memory" - und damit auch "Morning Light" - eh schon zwei Jahre alt.

Und in den zwei Jahren hat sich Clara Luzia auch musikalisch gründlich gewandelt. "The Ground Below" ist von Alexander Nefzger, dem Klavier- und Akkordeonspieler der Band, produziert worden. Und Clara war sich mit ihm schon vor Beginn der Aufnahmen einig, wie das Album klingen sollte: "Wir wollten ein bissi mehr aufs Gas steigen und weniger eine öffentliche Leidensveranstaltung draus machen." Das hört man auch. Die Gitarren sind lauter und elektrischer, die Lieder gerne mal schneller und der einzige Kritikpunkt an Clara Luzia, den ich bisher vielleicht hätte gelten lassen, nämlich eine gewisse papermoonigkeit dann und wann, ist gänzlich verschwunden. Und das ist gut so.

Clara Luzia

Deutlich wird die Veränderung schon beim Einstieg in das Album. "Queen of the Wolves" und "All I Wish For", die ersten beiden Titel (und bisherigen Singles), bestechen durch fröhliche Melodien und ebensolchen Gesang, auch wenn beim genaueren hinhören in den Texten die gewohnte Melancholie mitschwingt. Später wird in "I Found A Stone On The Wayside" Walzer getanzt oder in "Two Of Them" zuerst der Irrsinn der Welt und die eigene Verrücktheit gefeiert und dann noch "Frère Jacques" eingeflochten.

Der bekannte Clara Luzia-Sound ist aber nicht gänzlich verschwunden - er wird weitergedacht. Von Piano, Trompete und Horn begleitet singt Clara Luzia in "Petah Pan" mit brüchiger Stimme vom Alleinsein in der Großstadt, bis sich Elektrogitarre und Schlagzeug einmischen und das Lied mit der dem Titel gerecht werdenden Portion wilder Verspieltheit zu Ende bringen. Und auch textlich ist sich Clara Luzia treu geblieben: Beinahe alle Lieder sind kryptisch, ein Sinn entwickelt sich erst nach und nach und wird eher aus dem gebildet, was nebenbei mitschwingt oder man gar nur für sich selbst heraushört. Das findet zum Glück auch Clara Luzia selbst. "Da musst du Freud fragen", sagt sie über die Bedeutung des Textes von "Queen Of The Wolves" und das beruhigt mich ungemein, denn interpretieren könnte ich den Song jetzt auch nicht.

Das Album der Woche

Clara Luzias Album "The Ground Below"

"The Ground Below" von Clara Luzia ist auf Asinella Records erschienen.

Alle Alben der Woche gibt's im Rückblick auf fm4.orf.at/albumderwoche.

Reichlich Spielraum für Deutungen bietet auch der Albumtitel "The Ground Below". "Vielleicht meine ich damit, dass ich langsam mehr Boden unter den Füßen kriege, aber irgendwie ja doch nicht - ich kanns nicht sagen", sagt Clara zur Bedeutung des Titels. Am Artwork des Albums sieht man konsequenterweise auch keinen Boden. Eine gezeichnete Clara Luzia hängt im Fallschirm vor der Kulisse einer Stadt, die ebensogut Wien wie Prag oder Sarajewo sein könnte, von einer Stromleitung. Was sich unter ihr befindet, bleibt der Fantasie überlassen. Wie die Bedeutung des Minarettes, das da hinter den Gemeindebauten aufragt.

Clara Luzia hat sich weiterentwickelt. Sie ist erwachsener geworden und kann trotzdem, eigentlich gerade dadurch, das Kind raushängen lassen. Gerade jenen, denen zu ihr bisher nur ein verächtliches "Mädchenmusik" eingefallen ist, werden sich schwer tun, ihre Haltung aufrecht zu erhalten: Ihnen schleudert "The Ground Below" ein kräftiges "Schubladisier' das mal!" entgegen.

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  • sorainy | vor 292 Tagen, 37 Minuten

    ich find das album super!!
    und 100 mal besser als das letzte album (obwohl ich das eigentlich ok find)!

    weiss noch nicht so recht wie ich das mit ö3 find,... aber grundsätzlich eigentlich gut :)

    Auf dieses Posting antworten
  • ipood | vor 292 Tagen, 6 Stunden, 30 Minuten

    ...und schon im CD Regal...

    ...danke lieber Greizler...

    Auf dieses Posting antworten
  • supermax | vor 293 Tagen, 19 Stunden, 34 Minuten

    so schnell kanns gehen...

    und da sind wir schon:
    http://oe3.orf.at/dieneuenoesterreicher/stories/356878/
    ist doch nett!

    Auf dieses Posting antworten
    • bene | vor 292 Tagen, 2 Stunden, 22 Minuten

      Naja eher traurig... Die "neuen" Österreicher???

    • supermax | vor 291 Tagen, 19 Stunden, 48 Minuten

      warum

      is das traurig? ein artist will zunächsmal gehört werden. punkt. und dazu ist der mit abstand größte nationale sender ja durchaus ein gutes vehicel... UND was für stempel einem dann aufgedrückt werden (müssen) kann artist so und so nicht beeinflussen - und es ist auch komplett wurscht... dinge die gehört werden (s/w)ollen gehören gehört.

    • supermax | vor 291 Tagen, 19 Stunden, 44 Minuten

      Vehikel od vehicle... natürlich...

  • octogen | vor 293 Tagen, 20 Stunden, 5 Minuten

    wird auch angehört...

    ...am WE in Wolkersdorf, sofern noch Karten organisierbar sind. Hab bis jetzt noch keinen Ton von Clara Luzia gehört nicht gehört, bin also gespannt. :-)

    Auf dieses Posting antworten
  • northernline | vor 294 Tagen, 19 Stunden, 14 Minuten

    Wie hast du denn dreingeschaut und was hast du mit deinen Armen gemacht?

    Auf dieses Posting antworten
    • derfiedler | vor 294 Tagen, 3 Stunden, 23 Minuten

      das einzige konzert, auf dem ich mit verschränkten armen gestanden bin (und nicht einmal mit dem fuß gewippt habe) war eines der österreichischen pop-helden "that´s us".
      bei gelegenheit unbedingt mal anschauen!

    • northernline | vor 293 Tagen, 23 Stunden, 39 Minuten

      Nojo, das beantwortet jetzt aber nicht meine Frage :) Ich war ja im WUK beim Konzert und hab auch die Arme verschränkt gehabt und manchmal hab ich mit dem Fuß gewippt, einfach weil das für mich zur Musik gepasst hat (wie ich dreingeschaut habe, weiß ich nicht mehr). Aber ich hab weder Bier noch Zigarette in der Hand gehabt und dann stehe ich eben mit verschränkten Armen da. Die Musik ist ja auch nicht unbedingt zum Herumspringen, find ich...

  • phoneuser | vor 294 Tagen, 19 Stunden, 19 Minuten

    @derfiedler

    Hallo "derfiedler"!
    Autor liest mit? Oder hat sich wer anders dieses Nick angeeignet ? Egal.
    Ob ich wirklich glaube, dass es gut wäre, wenn der "große Bruder" (gemeint war natürlich der "Heilige Gral Ö3") Clara Luzia spielen würde ?
    Kurze Antwort: Ja, sonst hätte ich es wohl nicht geschrieben.
    Längere Antwort: Worauf willst Du hinaus ? Befürchtest Du, dass Clara Luzia dann "korrumpiert" werden würde? Ist das so bei Ö3? ;-) Trifft das auf die anderen (wenigen) österr. Künstler, die dort gespielt werden dürfen, zu?
    Ich kenne Clara Luzia (leider) nicht persönlich, kann also nicht sagen, ob Clara oder ihre Band das überhaupt wollten oder anstreben.
    Wieso sollte das ein Künstler aber prinzipiell nicht wollen (oder sollen)?
    Erstens ist jeder Künstler (auch wenn das auf den ersten Blick nicht immer so scheinen mag oder oft sogar bestritten wird) extrovertiert, denn introvertierter Weise bekommt man weder Publikum noch kann er/sie seine/ihre "Message" weitertransportieren.
    Zweitens ist Erfolg ein wichtiger, weil notwendiger Faktor, der auch durchaus beflügeln kann.
    Kann natürlich auch zu Kopf steigen, was ich bei Clara Luzia weniger annehmen würde als bei manchen anderen. (Und wenn, was soll's ?)
    Nicht falsch verstehen: Ich bekenne, FM4 is my favorite...
    Aber der gebührenfinanzierte Sender...

    Auf dieses Posting antworten
    • phoneuser | vor 294 Tagen, 19 Stunden, 18 Minuten

      ---cont

      ...öffentlichen Rechts mit der unerhört hohen Reichweite (->Ö3) soll nicht der Privatsender von EMI, Universal und Sony werden, der unabhängige Labels nach Belieben ignoriert. Alles klar ?

  • phoneuser | vor 294 Tagen, 20 Stunden, 23 Minuten

    Absolut treffend formuliert !

    "The Ground Below" ist für mich DAS Album des Jahres 2009 bisher !
    Level of addiction: most dangerous.
    Man kriegt den Sound schwer wieder aus dem Kopf.
    Ein Album, das ich nach dem ersten Abspielen gleich nochmals auflege, um es ein zweites Mal anzuhören, kommt mal ganz vorne in die Sammlung.
    Ich will aber gar nicht nachzählen, wie oft ich seit dem Erscheinen der Scheibe (erworben nach dem Act im WUK am vergangenen Donnerstag, wo es erstmals präsentiert wurde) diese CD schon abgespielt habe...
    Und von dieser Sorte gibt's nur noch ganz wenige Scheiben, die mich so in ihren Bann gezogen haben wie Clara's neuestes Album.
    Wir haben plötzlich ein neues echtes "Indie-Starlet" im Land (Clara wird angeblich nicht gern in die, eigentlich sehr breite Stilrichtung "Indie" kategorisiert).
    Das war vielleicht schon 2008 abzusehen, mit "The Ground Below" ist das nun aber endgültig Fakt.
    Registriert die heimische Musikszene, was wir da plötzlich unter uns haben ?
    Oder wird der "Große Bruder" von FM4 Clara erst spielen, bis sie im Ausland zum Chartbreaker wird ?
    Die Zeichen stehen sicher für beides gut.
    Obwohl ich mir natürlich noch weitere Live Acts von Clara Luzia geben möchte, ohne ins Ausland reisen zu müssen.
    Good luck,...

    Auf dieses Posting antworten
    • phoneuser | vor 294 Tagen, 20 Stunden, 22 Minuten

      --cont.

      ...Clara !

    • derfiedler | vor 294 Tagen, 20 Stunden, 11 Minuten

      denkst du wirklich, dass es gut wäre, wenn der "große bruder" clara luzia spielen würde?

    • greeeeeg | vor 294 Tagen, 1 Stunde, 22 Minuten

      clara luzia hat in einem interview gesagt dass man sich bei ö3 ihre musik angehört hat, sich aber schließlich dagegen entschieden hat sie ins programm aufzunehmen. ich bin froh darüber. die luzis sind für mich verbunden mit cafe carina oder b72, nagut, mittlerweile wuk, aber die vorstellung sie auf der gasometer-bühne zu sehen erweckt in mir das grauen. um zum europäischen pop-stern zu werden fehlt ihnen meinem gefühl nach sowieso der bedarf nach öffentlichkeit, aber wer weiß..

    • jumpnrun | vor 293 Tagen, 21 Stunden, 15 Minuten

      natürlich wäre es gut, wenn clara luzia auf ö3 gespielt würde. das würde einerseits breitenwirksam zeigen, dass es gescheite musik aus österreich gibt. und andererseits ist es für die band sicherlich auch nett, von ihrer musik überleben zu können

      dieses pfui-gack-ö3-gehabe wird langsam alt...

    • northernline | vor 293 Tagen, 1 Stunde, 1 Minute

      Schlimm wäre es nur, wenn Clara Luzia dann deshalb auf FM4 nicht mehr laufen würde.

    • derfiedler | vor 292 Tagen, 5 Stunden, 13 Minuten

      nennt mir doch bitte indie-/alternative-bands aus österreich oder deutschland, die in den letzten 10 jahren die dargebotene möglichkeit, in den mainstream aufgenommen zu werden, genutzt und sich dabei qualitativ verbessert haben.

      mir fallen ausschließlich gegenbeispiele ein.

    • gentlekindestlooser | vor 284 Tagen, 1 Stunde, 50 Minuten

      @phoneuser: DAS ist der angsteinflößendste Satz des Jahres 2009 - bisher!

      ""The Ground Below" ist für mich DAS Album des Jahres 2009 bisher !"

      BITTE vergiss nicht, das lesen auch andere, vor allem um die Jüngeren geht es mir, die seelisch noch nicht so gefestigt sind ...

      Wie geht es Dir mit diesem Album-des-Jahres-2009-Musikgeschmack - bisher?

  • halloherrpostträger | vor 294 Tagen, 20 Stunden, 33 Minuten

    Ich erlebe das Wiener Publikum als eines, das sich schlicht dem Geschehen auf der Bühne gemäss verhält; somit reicht das Spektrum von berechtigter Langeweile über bierseelige Indifferenz bis zu himmelhoch jauchzender Frohlockung. Dein bemerktes Stereotyp ist mir als solches fremd.

    Auf dieses Posting antworten
    • derfiedler | vor 294 Tagen, 20 Stunden, 1 Minute

      du hast recht.

      altbekanntem, das schon mal in charts war, das vertraut klingt und bei dem man die einschätzung der fachpresse kennt, werden tatsächlich mit himmelhoch jauchzender frohlockung empfangen.

      bei cd-presentationen von jungen bands sind freunde und eine handvoll junge hardcorefans dabei. und die stereotypen kenner, die nicht so genau wissen, was sie von der sache halten sollen und deshalb erstmal die arme verschränken und höchstens mit dem fuß wippen.

    • spacer | vor 294 Tagen, 19 Stunden, 49 Minuten

      und das gibt es wirklich nur in wien? köstlicher gedanke. jedenfalls verdient das album was besseres als solche platitüden.

    • phoneuser | vor 294 Tagen, 18 Stunden, 53 Minuten

      Ich glaube nicht,...

      ...dass man das so über einen Kamm scheren kann.
      Wer sind die Armverschränker, "die höchstens mit dem Fuß wippen"? Die Musikkritiker? ;-)
      Nein, ich will jetzt nicht untergriffig werden.
      Könnte es vielleicht - auch - an der "speziellen" heimischen Medienlandschaft liegen (ein alles dominierender Musiksender, der eine etwas eingeschränkte bis merkwürdige Auswahlpolitik betreibt), wenn es tatsächlich so sein sollte, wie Du darstellst ?
      Zustände lassen sich auch ändern, aber sicher nicht, indem man sie nur beklagt und sich in seine Nische (nochmals: ich bin auch FM4-Anhänger!) zurückzieht.
      Letztlich, abseits aller "Musikologie" müssen Live Acts aber begeistern können und als kurzfristiger (1-2 Stunden lang) Ersatz für einen totalen Eskapismus herhalten, der's natürlich nicht auch nicht bringt.
      Jedenfalls geht's mir so.