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Burstup

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Physische Welt, virtuelle Realität. Politik und Kultur.

24. 4. 2009 - 17:08

Nehmt uns ernst

Die Streichung von freien Tagen war der Auslöser für die heutigen Schülerdemos - ihr Grundtenor war ein anderer.

Warum eine Verweigerung der PISA-Studie durch SchülerInnenorganisationen kontraproduktiv ist. Artikel von Rafael Reisenhofer

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Es ist ein Tag voller Überraschungen. Zuerst ist die U-Bahn-Station Stephansplatz um 9 Uhr Früh so voll, dass ich zehn Minuten brauche, um mich nach draußen zu quetschen. Dort geht es aber auch nicht schneller: Nicht nur der Stephansplatz, auch die Seitengassen sind voll wie sonst nur am Silvesterabend. Tausende sind gekommen. Passanten und Touristen zeigen sich überrascht, teils amüsiert, die SchülerInnen selbst haben mit dem Andrang gerechnet. Mobilisiert haben nicht nur die Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS) und die SJ, sondern vor allem die SchülerInnen einander: per SMS, E-Mail und Web.

Überraschung Nummer zwei: Der Ernst, mit dem demonstriert wird. Nicht "Hurra es ist schulfrei, let's party", - die Teenager sind informiert, auch die 13jährigen und es geht nicht nur um die fünf freien Tage: "Es geht darum, dass die schulautonomen Tage für die Fortbildung der Lehrer da waren", erklärt mir ein Unterstufenschüler, "und jetzt streichen sie die erst. Jetzt werden erst wieder so viele Lehrer fehlen an den Tagen, und es werden erst wieder so viele Supplierstunden sein."

Mitspracherecht

Auf einem Transparent steht: "Ab 16 wählen - und trotzdem nicht dazuzählen", auf einem anderen: "Wer fragt uns?".
Die paar Idioten, die Knallkörper in die Menge werfen und Mistkübel anzünden, sehen vergleichsweise traurig aus. Just in dem Moment sehe ich einen etwa fünfzehnjährigen Jungen mit einem Schild, auf dem steht: "Sehen wir etwa unzurechnungsfähig aus?". Ich frage nach der Bedeutung. Er sagt: "Ich meine damit, dass wir in der Politik nie gefragt werden, so als wären wir unzurechnungsfähig und so, als hätten wir nichts zu tun. Aber wir sind die, die in Schule gehen - und haben zu Entscheidungen nie etwas zu sagen." Nicht "mehr freie Tage", sondern "mehr Mitsprache" ist der Grundtenor bei fast allen Gesprächen.

Und noch eine

Ich kämpfe mich zurück zur U-Bahn-Station, denn beim Parlament ist für 10 Uhr eine zweite Demo angesagt - auch hier Tausende, aufgerufen hat die ÖVP-nahe Schülerunion, die gerade den Bundesschulsprecher stellt, Nico Marchetti: "Der Zuspruch der Schülerinnen und Schüler ist ein Wahnsinn, ich bin einfach nur beeindruckt." - Ich frage nach dem Grund für die getrennten Demonstrationen von AKS und Schülerunion. "Die Bundeschülervertretung hat beschlossen, dass die Demo vor dem Parlament stattfindet, sie ist überfraktionell. Es tut uns leid, dass nicht alle hier sind, aber es gibt später eine gemeinsame Kundgebung vor dem Bildungsministerium." Auch Marchetti fordert im Interview mehr Mitspracherecht: "Wir haben in der ganzen Diskussion jetzt gemerkt, dass wir andauernd ignoriert werden."

Konkret wünscht sich der Bundesschulsprecher eine Stärkung des bereits bestehenden Schulgemeinschaftsausschusses, in dem Lehrer-, Schüler- und Elternvertreter gemeinsam den Alltag in den Schulen mitbestimmen können. "So etwas wollen wir auch auf Landes- und Bundesebene. Es steht auch im Regierungsübereinkommen, dass die Schulpartnerschaft auf Landes- und Bundesebene gestärkt werden soll."

Unity

Überraschung drei: Die erste Demo vom Stephansplatz stößt schon früher zu der vor dem Parlament – jetzt ziehen 25.000 Schüler vereint los, viele sind glücklich über die Gemeinsamkeit, und die Lautstärke gleicht der in einem Fußballstadion. Es ist anzunehmen, dass ein Streik zigtausender SchülerInnen den politischen Entscheidungsträgern weniger Kopfzerbrechen bereitet, als ein Lehrerstreik. Aber die heutigen Demos zeigen, wie wenig SchülerInnen sich in Entscheidungsprozesse eingebunden fühlen, und wie nachdrücklich das heute sogar die unter-14jährigen einfordern.

Falls da jemand behauptet, "die Jugend" würde weniger lesen und nur fernschauen oder in Videospielen herumballern, falls jemand mit diesen oder ähnlichen Vorurteilen die angebliche "Politikverdrossenheit" von Jugendlichen erklären will: Ich glaub das ja überhaupt nicht. Ich glaube, diese Generation liest mehr, vernetzt mehr und lässt sich weniger gefallen. Weiter so.

Heute im Jugendzimmer (19-20.15)

Die Schule von morgen
Claus Pirschner diskutiert angesichts des aktuellen Reformstreits mit SchülerInnnen im Studio und mit AnruferInnen über die Zukunft der Schule. Welche Änderungen erwarten sich SchülerInnen - Welche Reform erwarten sie sich, die beklagen, am wenigsten gehört zu werden, obwohl es sie am meisten betrifft?

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  • mistersimpson | vor 1022 Tagen, 21 Stunden, 8 Minuten

    du meinst also, dass dein grundtenor positiv im sinne von "sie wissen warum sie hier sind" war.
    leider schreiben einige zeitungen was anderes und selbst der orf hat in einigen seiner reportagen die schülerInnen ziemlich blöde ausschauen lassen. wahrscheinlich ist eine mischung aus beiden das endresulat des informationswissen der schülerschaft.

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  • tom1305 | vor 1024 Tagen, 15 Stunden, 50 Minuten

    betrachtungswinkel

    lustig, hab gestern im laufe des tages 3 verschiedene nachrichtensendungen (mittagsjournal auf ö1, ZIB 13:00 und diese ATV nachrichtensendung abends) gesehen/gehört, die sich mit eben dieser demo beschäftigt haben. in diesen sendungen sind immer auch ein paar schüler vors mikro gerufen worden um zu erklären warum sie eigentlich da sind.
    keine/r dieser befragten hat auch nur einen annähernd ernsthaften beitrag dazu abgeben worum es konkret geht oder warum sie da sind.

    dieser kurze, medienvermittelte ausschnitt ist natürlich nicht repräsentativ für das ganze. genausowenig wie es dieser bericht sein kann, ein wenig wundere ich mich jedoch schon wie sehr der grundtenor auseinander geht.

    wenn ich an meine schulzeit zurück denke (zuletzt 8 jahre AHS, abschluss 2005) würden mir auch kaum leute einfallen, die wirklich (bildungs-)politisch so weit interessiert waren um zu so einem komplexen thema auch substanzielle, vernünftige aussagen abzugeben.

    vielleicht hab ich durch diese selbsterfahrungen viel vertrauen in die zurechnungsfähigkeit und in den politischen gestaltungswillen der schüler verloren und seh darum diese sachen heut eher pessimistisch.

    man findet wohl was man sucht. den fehler, den man nur nicht begehen darf ist, diese ganze bewegung zu verteufeln oder auch zu verhimmeln.
    es sind und bleiben nur sehr...

    Auf dieses Posting antworten
    • tom1305 | vor 1024 Tagen, 15 Stunden, 48 Minuten

      ...leicht zu beeindruckende (böse zungen würden sagen manipulierbare), weil junge menschen.

    • qwertz3000 | vor 1024 Tagen, 12 Stunden, 37 Minuten

      stimmt

      ich muss als schüler dem vorposter beipflichten: nicht viele schulkollegen/innen passen auf das beschriebene stereotyp vom politisch interessierten schüler. witzig wärs.

      es gibt wichtigere dinge zu erledigen, als auf 13 jährige bzgl. politik zu hören. s. demokratievolksbegehren.at

      außerdem, was solls wenn die schulautonomen tage weg sind, wenn ich besseres zu tun habe als mich in der schule zu langweilen tu ich sowieso was anderes!

    • burstup | vor 1024 Tagen, 11 Stunden, 32 Minuten

      @ tom

      tom1305: Schick mit deine E-Mail-Adresse, und ich sende dir gerne das mp3 mit den Originalaussagen.
      Wenn man mit offenen Augen und Ohren urhc die gestrigen Demos gegangen ist, dann war es so, wie ich (und viele andere) es erlebt haben. Wenn man einen Filter im Kopf hat, durch den man nur die Dummheit und Ignoranz einiger sieht, dann erlebt man's eben so. Aber wie gesagt: ich habe genug Audio-Material, das beweist, wie viel die SchülerInnen wissen, und was sie wirklich wollen (Mitbestimmung).

    • tom1305 | vor 1023 Tagen, 19 Stunden, 14 Minuten

      hab dir eine message geschrieben!

      was allerdings ein weiterer faktor ist, der mir gerade auffällt: wie kommts, dass die artikel zu dem thema hier auf so wenig resonanz (comments) stoßen? ist für politische mitbestimmung nicht ein gewisser grad an medienkonsum notwendig? ich würd fm4 jetzt mal (auch aus eigener erfahrung) unterstellen, dass es für interessierte schüler eine gute nachrichtenquelle darstellt. wie kommts also, dass kein/e schülerIn hier aufgetaucht ist um mir zu widersprechen, oder gar irgendwas zu dem thema zu sagen hat?

    • burstup | vor 1023 Tagen, 18 Stunden, 56 Minuten

      Du sagst also, dass die Zahl der zustimmenden Kommentare in einem FM4-Forum ein Indikator für den Wunsch nach politischer Mitgestaltung seitens der Schüler ist?

    • tom1305 | vor 1023 Tagen, 18 Stunden, 42 Minuten

      nicht ganz. ich glaube nur, dass man aus der absoluten zahl der kommentare durchaus rückschlüsse ziehen kann wie viele leute zu dem thema etwas sagen können/wollen. gerade hier bei fm4, das bestimmt (ich kenn keine genauen statistiken) von vielen schülern gelesen wird.
      ich würds zumindest als keinen indikator für interesse sehen. ist das bei den heutigen userzahlen im internet wirklich so abwegig?

    • tom1305 | vor 1023 Tagen, 18 Stunden, 41 Minuten

      pardon, als kLeinen indikator für interesse, meinte ich.