Erstellt am: 25. 4. 2009 - 17:26 Uhr
FM3000 - Moderne Bürgerbeteiligung
Viel zu oft wird in der Zivilgesellschaft von heute soziopolitisches Engagement von der Erwartung mangelnder Resonanz schon im Keim erstickt. Der Einspruch, dass die diskursive Arbeit, die man verrichtet, auf wenig bis kein Interesse stoßen wird, liegt fast allen potentiell aktiven Bürgern in den Gliedern. "Liest sich eh niemand durch", denkt sich der Kurator einer Ausstellung über Akne-Pusteln im Erlebniszentrum Pelzkirchen, bevor er eine lieblos abgefasste Info-Broschüre in Druck gibt. "Mir hört eh niemand zu", grübelt der Delphin im Unterwasserpark Atlanta, anstatt, wie es ihm eben noch zu Mute war, sich an das hohe C in der Habanera-Arie aus Carmen heranzuwagen.
"Kaut eh niemand g'scheit durch", geifert der Fleischer in Lemberg, sein Berufs-Ethos völlig den Bach runtergegangen, und versteckt kleine Ping Pong-Bälle im Rindshaschee. Wie angedeutet werden von so einem Impuls beeinflusste Beiträge oft nur teilnahmslos zusammengeschustert, enthalten viele Flüchtigkeitsfehler, oder landen überhaupt auf dem Ungeborenen-Schaufelraddampfer der Geschichte.

"Auswetzen", "Scharte", usw.: Kollege & FM3000-Contributor Hosea Ratschiller live im Kabarett Niedermair: 2.5., 16.5., 30.5.
"Wird sich eh niemand durchlesen", das allerdings, sollte man nie vergessen, dachten sich anno dazumal auch Markus, Johannes, Lukas und Matthäus aus Tel Aviv, als sie die bemerkenswertesten Retourkutschen ihres Kumpels aus dem Debattierclub niederschrieben, "Mir hört eh niemand zu", seufzte Rodrigo de Triana am 12. Oktober 1492 am Ausguck der Santa Maria, und "Kaut eh niemand g'scheit durch", spekulierte Mario Barth und warf sich 2001 in die Arbeiten zu seinem ersten eigenen Bühnenprogramm "Männer sind Schweine, Frauen aber auch!".
Das passiert also mit dem allgemeinen Desinteresse, wenn man Stein und Bein darauf zählt: Es kreuzt einfach nicht auf. Und das haben wir jetzt davon. J'accuse.
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