Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Die Hölle kann so schlecht nicht sein"

Musik, Film, Heiteres

Christian Holzmann

Christian Holzmann

Snap your fingers, snap your neck.

25. 5. 2009 - 09:16

Die Hölle kann so schlecht nicht sein

Jedenfalls möchte man das nach diesem unglaublichen Konzert von AC/DC in Wien sehr gerne glauben.

Eigentlich hätte das AC/DC-Konzert im Ernst Happel Stadion die besten Voraussetzungen dazu gehabt, es in Grund und Boden zu verreißen. In die Jahre gekommene Herren machen quasi noch einmal auf "dicke Hose" und wollen dem Rock 'n' Roll noch mal zeigen, wo der Angus-Bartl den Most her holt.

Wie gesagt, hätte, und allein schon wegen meiner herben Enttäuschung bei The Police stand ich im Vorfeld dem AC/DC-Konzert in Wien mehr als nur skeptisch gegenüber. Das um so mehr, da ich diese Band seit beinah 30 Jahren, als sie mich mit "Back In Black" zu deren Fan machten, immer schon live erleben wollte.

Brian Johnson, Angus Young (AC/DC) live im Ernst Happel Stadion

Als um 20 Uhr 55 das Intro zum Konzert auf den Videoleinwänden gestartet wurde und dort teils allerlei Altherrenfantasien zu sehen waren, durfte man vielleicht noch skeptisch sein. Mit dem Erklingen des ersten Gitarrenakkords von "Rock 'n' Roll Train" war allerdings jeglicher Zweifel schlicht und ergreifend komplett verpufft.

Wie, bitteschön, konnte ich mich denn überhaupt erdreisten, an AC/DC irgendwelche Zweifel zu hegen? Man kann es gar nicht anders sagen, aber ich bezichtige mich hiermit selbst des Sakrilegs, denn was sich da in den nächsten zwei Stunden im Ernst Happel Stadion abspielte, verlangt einzig und allein nach lobend Worten inklusive jeglicher Superlative, die einem in den Sinn kommen.

Dass AC/DC freilich die Creme de la Creme ihrer Hits abliefern würden, war zu erwarten. Nachdem der "Rock 'n' Roll Train" standesgemäß in die Bühne gerauscht war, folgte denn auch das Beste vom Besten, womit sie in über 30 Jahren die Rockgeschichte maßgeblich mitgeschrieben haben. "Hell Ain't A Bad Place To Be", "Back In Black", "Dirty Deeds Done Dirt Cheap" und sogar mein persönlicher all time favorite "Shot Down In Flames".

Die gelegentlich eingestreuten Songs des aktuellen Albums Black Ice konnten da mit Ausnahme des Titelsongs (ich mag selbigen ganz einfach nicht) durchaus mithalten, die letzten beiden Alben "Stiff Upper Lip" und "Ballbreaker" wurden glücklicherweise völlig von der Setlist verbannt.

Ich wäre ein Lügner, würde ich behaupten, diese ganze Veranstaltung hätte nichts mit Nostalgie zu tun. Die Gefahr, dass eine in die Jahre gekommene Band sich selbst auf der Bühne demontiert und einem damit lieb gewonnenen Songs für lange Zeit verhunzt, ist bei sowas allerdings latent vorhanden und AC/DC setzen nach der ersten Hälfte des Konzerts dem Ganzen noch eines drauf.

Es mag gute Konzerte geben, bei denen es ab der Hälfte vielleicht ein wenig fad wird und am Ende kommt noch mal der große Hit, um alle zufrieden zu stellen. Herausragende Konzerte - und dieses hier war ein solches - bekommen noch einmal einen ordentlichen Schub. Nach dem ruhigeren "The Jack", bei welchem Angus Young zwar seinen Striptease hinlegte, die Unterhose aber an behielt, brachten AC/DC mit "Back In Black" und speziell mit "Shoot To Thrill" das Happel Stadion noch einmal ordentlich zum Kochen. Was sich da rundherum abspielte, sieht man in Wien selten und selbst auf den obersten Rängen hielt es wohl ausnahmslos niemanden mehr auf den Sitzen.

Angus Young

We Salute You

Ich war sicher nicht der einzige, der dabei Gänsehaut bekam und bei "Whole Lotta Rosie" nahm besungene Dame in Form einer riesigen aufblasbaren Puppe denn auch auf dem Rock 'N' Roll Train Platz. Nicht einmal das über zehn Minuten andauernde Gitarrensolo bei "Let There Be Rock" konnte mir als Hasser von Gitarrensoli die Stimmung vermiesen. Im Gegenteil, denn was Angus Young da an Kommunikation mit dem Publikum per Gitarre ablieferte, war nichts anderes als die hohe Schule der Kunst des Saitenzupfens.

Nach Zugabe musste danach nicht lange gerufen werden, denn schon nach kurzer Zeit gab es "Highway To Hell" und als krönenden Abschluss (anders durfte das ja gar nicht sein) "For Those About To Rock (We Salute You)" inklusive ordentlichem Kanonenwumms und Feuerwerk.

Diese zwei Stunden im Ernst Happel Stadion waren sicher eines der besten Konzerte, die ich bisher live erleben durfte. Hier passte alles, angefangen bei der Songauswahl bis zum hervorragenden Sound, für den man vor den Tontechnikern ebenso die imaginäre Mütze ziehen muss wie übrigens vor der reibungslosen Organisation rundherum.

Beweisen müssen AC/DC schon lange nichts mehr, dafür, dass sie es trotzdem tun und das auch noch in einer solchen Intensität, muss man ihnen großen Respekt zollen. Das war meilenweit entfernt von irgend einer Altherren-Rockkapelle, die es noch mal wissen will, das war nichts weniger als fulminanter Rock 'n' Roll pur. Die Hölle kann kommen.

Haftungsausschluss

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

Zum Eingabeformular Kommentieren

  • kiisa1 | vor 633 Tagen, 18 Stunden, 44 Minuten

    Parkplätze AC DC Konzert

    Parkplätze AC DC Konzert
    Ich stelle private Parkplätze zur Verfügung!

    Preis pro Tag : 20 € inkl Transport hin (Konzert) und zurück zum Auto.

    Kontaktperson:

    0676 92 66 112

    Auf dieses Posting antworten
  • jackenhuber | vor 986 Tagen, 19 Stunden, 6 Minuten

    @sogutwarsauchnicht

    Ich hab immer meiene eigenen Ohrstöpsel dabei. Außer ich geh auf eine SchmuseRockVeranstaltung.
    AC/DC live bei Zimmerlautstärke - geht´s noch!

    Auf dieses Posting antworten
  • jackenhuber | vor 986 Tagen, 19 Stunden, 11 Minuten

    @bungee

    Sogar bungee hört Metallica jetzt!

    Auf dieses Posting antworten
  • jackenhuber | vor 986 Tagen, 19 Stunden, 12 Minuten

    @pennywisetheclown

    A bisserl spät, aber diese Claudia Cane Band war 2001 wesentlich geiler. Die klangen diesmal eher wie eine Band die sich selber covert. Damals waren die aber glaub ich in einer anderen Besetzung unterwegs.

    Auf dieses Posting antworten
  • rjdio | vor 993 Tagen, 22 Stunden, 14 Minuten

    woooooohoooooooooo!!

    Mein einziger Kritikpunkt am Konzert ist bzw. war das Publikum. Es hätte viel lauter sein müssen.

    Ausserdem waren fast ganz vorne (also ausserhalb der Fan-Club-Zone) viele Vollidioten, die wegen einer kleinen Remplerei gleich schlägern wollten. Als wär ihnen das Konzert an sich völlig egal.

    Ausserdem sahen, in my humble opinion, zu viele so aus, als kämen sie direkt vom Wörthersee.
    Wollte ich nur so erwähnen, ohne irgendwelche Vorurteile gegenüber GTI-Treffen-Fahrer zu haben.

    Ich hatte jedenfalls Fuß-Rücken- und ganz besonders Genicksschmerzen, sowie absolut keine Stimme mehr und nicht anders sollte es nach so einem geilen Konzert sein.

    Auf dieses Posting antworten
    • rohstoffexperte | vor 993 Tagen, 22 Stunden, 8 Minuten

      geil

      "Ausserdem sahen, in my humble opinion, zu viele so aus, als kämen sie direkt vom Wörthersee.
      Wollte ich nur so erwähnen, ohne irgendwelche Vorurteile gegenüber GTI-Treffen-Fahrer zu haben."

      DAS ist wohl einer der geilsten kommentare in diesem forum *lol* die schauen also wirklich alle etwas besonders aus...wusst ich es doch :-)

  • sogutwarsauchnicht | vor 994 Tagen, 9 Stunden, 52 Minuten

    Eine negative Kritik muss ich los werden...

    Es war ohne Zweifel ein sehr gutes Konzert mit einer echt guten Show. Aber Eines kann ich nicht verstehen: Ich hab in mehreren Foren gelesen, dass der Sound angeblich durchwegs gut bis sehr gut war. Ich als angehender Tontechniker musste leider feststellen dass das Konzert für mein Verständnis unverantwortlich laut war und nirgendwo Gehörschutz verteilt wurde. Zusätzlich hat die PA(Tonanlage) mehrmals Übersteuert. Das darf bei einem Konzert dieser Größenordnung nicht passieren!

    LG

    Auf dieses Posting antworten
    • soulmaster | vor 994 Tagen, 6 Stunden, 6 Minuten

      Sehr laut? Definitiv.

      Ich war nicht im Stadion, aber über der Donau, Gegend Hirschstetten/Stadlau, konnte ich am Computer sitzend bei halb-offener Balkontür die Setlist mitverfolgen. Auf jeden Fall lauter als die Rolling Stones...

      ...Na gut, war fast zu erwarten. Hmm, da kommt mir: Motörhead im Prater, das wär was!

    • pennywisetheclown | vor 993 Tagen, 21 Stunden, 11 Minuten

      Ich finde, die Lautstärke hat gepasst. Um noch einmal auf das Metallica-Konzert zurückzukommen, auch auf die Gefahr hin, dass ich wieder etwas schreibe, das mich für den User "bungee" als "Musikbanause" disqualifiziert ... das war wesentlich lauter und habe ich wirklich teilweise als unangenehm empfunden. Da hat man jeden Schlagzeugtakt wie einen Hieb in die Magengrube gespürt und der Boden unter den Füßen hat vibriert. Die Lautstärke bei AC/DC fand ich angemessen für ein Rockkonzert. Kann natürlich auch sein, dass das entweder an der unterschiedlichen Akustik Halle vs. Stadion liegt (in der Halle bleibt der Sound "gefangen", im Stadion "verpufft" ein Teil ins Freie?), oder aber dass ich von Metallica noch halbtaub bin, sodass mir AC/DC leiser vorgekommen ist :-)

  • arnonymous | vor 994 Tagen, 11 Stunden, 17 Minuten

    hmm

    jau, das war die essenz des rock n' roll, ficken saufen party, alles andere war weg - der hammer. was eine stromgitarre aus einem bulimie-zwerg machen kann. yipikayeemotherfucker.

    Auf dieses Posting antworten
  • greywouldbethecolour | vor 994 Tagen, 15 Stunden, 1 Minute

    ausserdem ist alternative viel cooooler als kommerz!

    Auf dieses Posting antworten
    • greywouldbethecolour | vor 994 Tagen, 15 Stunden,

      ups, das hätte zu meinem posting weiter unten gehört ...

  • tonwerk | vor 994 Tagen, 15 Stunden, 28 Minuten

    sehr sehr geiles konzert - bin abgegangen wie schon lange nicht mehr

    Auf dieses Posting antworten
  • mistersimpson | vor 994 Tagen, 16 Stunden, 26 Minuten

    auch wenn 80 € kein schnäppchen waren, bin ich froh dabeigewesen zu sein. war wirklich eines der herausragensten konzerte, die ich je besucht habe. selbst das gitarrensolo hab mich nicht gestört.
    noch ne kritik zur organisation: wahrscheinlich durften sie diese dämlichen dixis IM stadion ja nicht aufstellen, aber die dort hinzustellen wo die leut rein- und rausgehen war sicherlich auch nicht die beste lösung...

    Auf dieses Posting antworten