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Musik, Film, Heiteres

Christian Holzmann

Christian Holzmann

Snap your fingers, snap your neck.

11. 6. 2009 - 11:21

Klänge, die in die Seele schauen

Näher als mit "Monoliths & Dimensions" von Sunn O))) kann einem Musik wahrscheinlich nicht kommen.

Das Interview mit Stephen O'Malley und Ausschnitte aus "Monoliths & Dimensions" gibt es am Mittwoch, den 17. Juni, ab 22 Uhr im House Of Pain zu hören.

Fragt man Stephen O'Malley von Sunn O))) (sprich: "sun" und bitteschön ohne "O") danach, wie er jemandem deren Musik beschreiben würde, so antwortet er ganz offen und ehrlich, dass es das gar nicht will. Er hört diese Frage zwar oft, jedoch meint er, dass jeglicher Versuch einer Beschreibung einerseits falsche Erwartungen wecken könnte, andererseits ist das Hören von Musik eine viel zu persönliche und emotionale Erfahrung, die für jeden eine andere ist, und adäquat beschreiben könne man das gar nicht.

Stephen O'Malley und Greg Anderson von Sunn O)))

Herr O'Malley, mit dem ich am Tag des Wien Konzerts die Gelegenheit hatte zu sprechen, hat vollkommen recht. Vor dem Release ihres neuen Albums "Monoliths & Dimensions" haben Sunn O))) nicht wie sonst üblich Promos oder (wie in letzter Zeit noch üblicher) Dateien an Journalisten versandt, sondern 10 ausgewählte Damen und Herren der schreibenden Zunft eingeladen, sich das Album vorab im Studio anzuhören. Viel wurde dann vorab über Details des Albums geredet, jedoch konnte keiner der Beschreibungen jene Erfahrung vermitteln, die man beim ersten Entdecken des Albums hat.

Stephen O'Malley und Greg Anderson von Sunn O)))

Will für Unwissende zumindest ungefähr in Worte fassen, was Herr O'Malley (Git.) zusammen mit Greg Anderson (Git., Bass) seit 1998 unter dem Namen Sunn O))) produziert, wird man mit dem Begriff "Drone" nicht herum kommen. Auch "Metal" muss freilich (no na) gesagt werden und mit Elementen aus Industrial sowie Ambient liegt man auch nicht ganz falsch, trotzdem sind das schon wieder viel zu viele Schubladen, die ich da gerade aufziehe.

Offen sind Sunn O))) sowieso für jegliche Art der Musik, was man auch an der Vielzahl Mitwirkender auf "Monoliths & Dimensions" feststellen kann, die hier alle aufzuzählen den Rahmen dieser Geschichte sprengen würde. Noch dazu haben sich O'Malley und Anderson mit den Aufnahmen zu diesem Album eine Menge Arbeit angetan, denn da wurden keine Einzeltracks durch das Internet gejagt, um selbige dann im Studio zu einem Ganzen zusammenzufügen, vielmehr haben sich die beiden für die Aufnahmen Vorort begeben, um mit den Musikerinnen und Musikern zu arbeiten und deren Parts im Studio einzuspielen. Ein Aufwand, den man vermeint zu hören oder besser gesagt zu spüren.

Dass am Album Künstler unterschiedlichster Richtungen mitgewirkt haben und mit Metal so erst mal eigentlich gar nichts am Hut haben, spielt für Stephen O'Malley keine große Rolle, jedenfalls nicht für das Ergebnis. Einen Musiker wie Julian Priester, der schon mit Bo Diddley und John Coltrane zusammen gespielt hat und sich mit über 70 noch an neue Dinge heranwagt, bewundert er über alle Maßen und wünscht sich für sich selbst nichts mehr, als im hohen Alter noch ebenso neugierig und offen für Neues in der Musik zu sein.

Cover des Sunn O))) Albums Monoliths And Dimensions.

Wie mit Sunn O))) selbst geht es mir bei deren neuem Album "Monoliths & Dimensions" in punkto Beschreibung nicht anders und wer bin ich denn bitte, als dass ich mich erdreisten würde etwas in Worte zu fassen, was selbst Herr O'Malley aus guten Gründen nicht machen will. Selbst nach dem x-ten Hördurchgang fällt das zugegebenermaßen immer noch extrem schwer, außer man würde seine eigenen Emotionen offenlegen, die unweigerlich beim Hören dieses Albums hochkommen.

Diese starke Emotionen sind im Grunde das, was "Monoliths & Dimensions" ausmacht und auslöst. Es mag sicher ein sehr düsteres Album sein und ich halte es ja für das düsterste Album der Band bisher, denn zu Anfang beginnt es tatsächlich extrem hart, nur um sich aber am Ende in eine völlig andere und für Sunn O))) im ersten Moment ungewohnte, weil hellere Richtung zu bewegen.

Das sei aber eines jeden Interpretation überlassen, denn diese Musik ist viel zu komplex und vielfältig, als dass man sie in Worte fassen sollte. Was für Stephen O'Malley mit der Untiefe eines Ozeans anfängt und am Ende die Oberfläche erreicht, ist für Anderson sowas wie eine Reise ins Licht. Sunn O))) lassen einem das völlig offen und zelebrieren einfach die Schönheit des Lärms, bei dem man sich wohl fühlen darf, sofern man sich darauf einlassen mag. Dieses "sich einlassen wollen" ist sicher auch der Grund, warum sich weder Band, noch Publikum in eine Schublade stecken lassen und Stephen O'Malley ist dankbar dafür, dass Sunn O))) mit dieser komplexen Art der Musik überhaupt ein Publikum haben.

Lärm ist ja an sich ein negativ besetztes Wort, vielleicht weil wir auch verlernt haben damit umzugehen und Sunn O))) beschränken sich dabei nicht ausschließlich auf tiefer gestimmte Gitarren, da darf auch gern Attila Csihar von Mayhem opernhafte Sprechgesänge anstimmen, ein Wiener Frauenchor sirenengleich singen, Julian Priester die Posaune erschallen lassen und alle fügen sich nahtlos in das Gesamtkunstwerk ein. Am Ende des Albums hört man nur noch Priesters Posaune unterlegt von Harfenkängen und trotz all dieser Vielfältigkeit klingt "Monoliths & Dimensions" wie aus einem Guss.

Sunn O)))

Sunn O))) sind ein einzigartiges Phänomen, denn einerseits sind sie wahrscheinlich eine der emotional härtesten Metalbands, die man sich aktuell zu Gehör führen kann, andererseits gedenken sie nicht, althergebrachte Klischees zu erfüllen und bewiesen das auch am Abend des Konzerts in der Wiener Arena. Dort traten sie als Duo auf, als "the pure Sunn O))), the engine of this band", wie Stephen O'Malley noch am Vormittag des selben Tages meinte und spielten dort ihr erstes Demo von 1998.

Ganz ohne Worte wurde da klar, worum es geht, nämlich Druck im wahrsten Sinne des Wortes und die physische Erfahrung von Musik und spätestens nach diesem Konzert vermeint man zu verstehen. So laut das auch gewesen sein mag, und man die Empfehlung, Gehörschutz zu verwenden tatsächlich ernst zu nehmen hatte, die Musik von Sunn O))) muss man zumindest einmal am eigenen Leib verspürt haben. Von Beklemmung bei Vibration des Brustkorbs, Gefahr des Nasenblutens, Verzückung bei der nächst tieferen Frequenz eines lang gezogenen Gitarrenakkords bis zum Himmel auf Erden war da die ganze Bandbreite an Gefühlen drin und nach den vermutlich 90 lautesten Minuten im Leben vieler anwesender Damen und Herren waren alle glücklich, dabei gewesen zu sein.

Es mag für manche von mir aus kitschig klingen, aber Sunn O))) berühren einen mit ihrer Musik so tief im Inneren, dass man beinah den Spiegel seiner eigenen Seele zu sehen meint. Näher als mit "Monoliths & Dimensions" kann einem Musik wahrscheinlich nicht kommen.

Gitarrenverstärker von Sunn O)))

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  • bunglemania | vor 970 Tagen, 18 Stunden, 13 Minuten

    Da

    wird wieder heftig schubladisiert. Die Herren haben wohl das Interview gestern im House of Pain nicht gehört hat, hat viel verpasst. Diese Musik setzt halt auch einen gewissen Intellekt voraus. Und ja, ich war gerade am Weg noch Wien nach Graz, und sowohl das Interview als auch die Musik waren wunderbar. Wirklich kuzweilig und sehr inspirierend.Hat zwar nichts mit Metal zu tun, aber das wurde ja auch im Interview klar gesagt. Also ein diffiziles Terrain auf dem sich die Scheibe bewegt, aber Noise ist nicht Noise. Und Pop-Schein sowieso nicht. Man sollte zumindest mal ungestört lauschen, dann findet man auch div. Harmonien die ich auch bei Red Crayola etc. finden kann.Wer Buchleser ist der versteht auch die Aussage zw. den Zeilen und so ists halt auch mit gehobener Musik. Das geübte Ohr dankts auch bei Gelegenheit. Danke auf jedem Fall für das Interview und den Sound. Gibt es auch eine Vinylscheibe davon ?

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  • blackjelly | vor 974 Tagen, 20 Stunden, 1 Minute

    hmmmm....

    seichtes tief, oberflächliches innen, blindes schaun, schwarzer spiegel?

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  • aghartha79 | vor 976 Tagen, 55 Minuten

    Monoliths & Dimensions

    Die spärlichen Kommentare lassen nicht darauf schließen, dass wir es bei dem neuen Album von Sunn o))) mit einem Meisterwerk zu tun haben, das einen großen Teil der Indie-Veröffentlichungen absolut hinfällig und altbacken erscheinen läßt.
    So schön und wichtig es erscheint, dass Herr Holzmann diese Platte hier vorstellt, so unzureichende scheint mir seine Kritik zu sein (auch wenn er dies ja an mehreren Stellen erwähnt, man könnte Musik doch adäquater beschreiben, finde ich).

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  • makronaut | vor 977 Tagen, 19 Stunden, 11 Minuten

    -> ambient metal ^^

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  • sleazy | vor 977 Tagen, 21 Stunden, 31 Minuten

    ähm ...

    ... spinal tap?

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  • schweinsbratenliebhaber | vor 977 Tagen, 22 Stunden,

    "Es mag für manche von mir aus kitschig klingen, aber Sunn O))) berühren einen mit ihrer Musik so tief im Inneren, dass man beinah den Spiegel seiner eigenen Seele zu sehen meint."

    Klingt garnicht kitschig, es ist so!!!

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    • billyhunt | vor 976 Tagen, 18 Stunden, 7 Minuten

      ich bin einer von denen für dies kitschig klingt (per se ja nix schlechtes), ho ho!