Erstellt am: 9. 6. 2009 - 17:20 Uhr
"In Ruhe zwei Bier trinken können"
Getroffen hab ich den Museumsquartier-Direktor Wolfgang Waldner zwar nicht, aber ans Telefon hab ich ihn bekommen. Nach dem massiven Einsatz von Wachpersonal am Wochenende ist ja ganz schön Unruhe in der MQ-BesucherInnencommunity aufgekommen. Kein mitgebrachter Alkohol mehr, kein gutes Benehmen der neuen Aufpasser, kein Fahrradfahren, kein Sitzen auf den Stufen, kein Musizieren, dafür jetzt neu: musternde Blicke von schweren Jungs.
Hörtipp und Friendly Takeover
Heute (Samstag, 13. Juni) Abend treffen sich zwei Gruppen zum Zuprosten, Singen und Protestieren im Wiener Museumsquartier - FM4 Connected (13-17 Uhr) berichtet vorab!
Wolfgang Waldner zieht jetzt zurück. Alles halb so wild, alles nur Testbetrieb, sagt er.
Entwarnung, was die eigenen Getränke betrifft:
"Die Leute werden in Ruhe ihre zwei Bier trinken können", sagt Wolfgang Waldner. Die Regel mit dem generellen Alkoholverbot gibt es zwar in schriftlicher Form, soll aber in Zukunft scheinbar nicht mehr exekutiert werden. Das Verbot richte sich vor allem gegen angebliche illegale Verkäufer, die nach Sperrstunde Alk an die Besucher ausschenken sollen.
Der Direktor stellt auch klar: "Wenn es auch nur den geringsten Anhaltspunkt für sexistische oder rassistische Äußerungen gibt, dann werden diese Personen sicher nicht mehr herangezogen bei uns." Außerdem soll am Erscheinungsbild der Securities gearbeitet werden. Der Start des Projekts letztes Wochenende war angebich nur ein Testbetrieb. Künftig soll das große Aufgebot, das wir am Abend beobachten konnten, nur bei Bedarf und in den Nachtstunden ausrücken.
Wie diese Ankündigungen jetzt umgesetzt werden, wird sich am Freitagabend und am Wochenende zeigen. Dann sind nämlich unsere neuen MQ-Freunde in Schwarz wieder im Einsatz. Am Samstag gibts auch die erste Aktion für die Facebookgruppe "Freiheit im MQ". Die hat mittlerweile die 10.000er-Marke überschritten und kann deswegen auf Grund technischer Beschränkungen keine Mitteilungen mehr an alle Mitglieder ausschicken. Regen Austausch gibts trotzdem weiterhin: am Samstag wird vermutlich lautstark geprostet und ein Song von Cat Stevens dürfte auch eine Rolle spielen.
Zum Nachhören
In FM4 Connected mit Esther Csapo ist es am Nachmittag um den Streit über die Durchsetzung der neuen Regeln im MQ gegangen: Meinen Radiobeitrag featuring Florian Glöcklhofer und Daniel Renn von der Facebookgruppe, und Wolfgang Waldner vom Museumsquartier gibt's auch hier nochmal zu hören:
Öffentlicher Raum?
Einen positiven Nebeneffekt hat die ganze Sache auf jeden Fall. In Wien wird endlich auch breit über (halb-)öffentlichen Raum und dessen Nutzung diskutiert. Der MQ-Innenhof ist technisch zwar Privatgrund, wird aber seit Jahren als Ort der innerstädtischen Begegnung bespielt.
BONUS: Freunde treffen und Entspannen ohne Konsumzwang - wohin?
Obwohl ich die Hoffnung noch nicht aufgebe, dass im Museumsquartier wieder alles gut wird, wird's für mich schön langsam Zeit zum Zeckenimpfen gehen. Die Alternativen haben nämlich alle mit Wiese und so zu tun.

Ralf, Jakob und Magdalena aus Südtirol werden dem Museumsquartier weiter treu bleiben, "weil man immer irgendein bekanntes Gesicht hier trifft. Die Atmosphäre ist einfach einzigartig." Auch in der Facebookgruppe sind sie schon dabei.

Julia und Tsewang ist es im Museumsquartier zu stressig. "Da gehts doch nur ums Sehen und Gesehenwerden." Alternativen gibts ja genug. Zum Beispiel hier im Siegmund-Freud-Park. Der heißt im Volksmund "Votivpark" und hat sogar Liegestühle for free.

Marie, Marie, Lara, Julia und Christine haben es sich im Burggarten gemütlich gemacht. Ins MQ gehts erst später. "Am Nachmittag ist es hier super. Aber der Burggarten macht schon um 10 zu. Und im Museumsquartier ist sowieso erst später was los." Zeit zum Rumhängen haben sie ja jetzt genug. Sie haben gestern die Matura hinter sich gebracht.
Maria Motter hat auch Vorschläge für Graz parat.

Der Augarten in Graz ist einer der gemütlichen grünen Orte, die man allzu leicht übersieht. Mit dem Kindermuseum FRida & freD im Rücken ist die Kleinkinderdichte hoch, im Auschlössel am Rande, in dem das Straßenmagazin Megaphon seinen Redaktionssitz hat, tischt im Café Bambo Rauter köstliche senegalesische Küche auf.
Wenn man sich mit Begeisterungsausrufen und Weinkrämpfen von Kleinkindern arrangieren kann, ist es hier mitunter ruhiger als im Stadtpark.

Der Volksgarten hat als Problempark keinen besonders guten Ruf, eignet sich aber auch hervorragend zum Beisammensitzen ohne Konsumzwang.
Ganz Reibungsfrei läuft die Sache mit dem öffentlichen Raum aber auch in Graz nicht. Dort versucht gerade ein so genannter "Masterplan" der Stadt, den Stadtpark neu aufzustellen. Ab morgen denkt das Forum Stadtpark in Form von Diskussion und künstlerischer Intervention über Bedürfnisse und Grenzen nach. Die Auftaktveranstaltung findet am Mittwoch, den 10. Juni statt. Da bahnen sich schon Interessenskonflikte, ganz ähnlich wie im Museumsquartier, an.
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