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Musik, Film, Heiteres

Burstup

Physische Welt, virtuelle Realität. Politik und Kultur.

12. 6. 2009 - 17:37

Mystery Guitar Man

Wenn Musik, Video und Netz endgültig verschmelzen, Teil zwei

Im März hat Kollege Trishes hier über die großartige Kunst des israelischen Musikers Kutiman berichtet. Kutimans Sound ist Samplemusik, allerdings mit Netzvideos statt staubigem Vinyl als Quelle. Gitarrelehrer, Klavierstudenten, singende Mütter und Menschen mit seltsamen Maschinen werden zusammengeschnitten zu großartiger Musik samt Video, funky und mitreissend wie man sich's nur wünschen kann.

Zufällig habe ich diese Woche einen anderen Musiker entdeckt, der ebenfalls die Kunst des Sound- und Video-Schnipselns perfektioniert hat, wenn auch auf völlig andere Weise. Hinter dem Youtube-Pseudonym MysteryGuitarMan steht der Musiker und Videograph Joe Penna aus Boston. Für gewöhnlich produziert Penna Konzertfilme und Musikvideos für andere. Als MysteryGuitarMan präsentiert er sich jedoch selbst an der Gitarre, und die Videos dazu sind an mühevoller Kleinarbeit wohl nicht zu überbieten. Penna liebt es zum Beispiel, Noten oder Akkorde eines Musikstückes einzeln aufzunehmen, um sie dann in in einem Videoschnittprogramm zusammenzusetzen. Im Fall von "Guitar: Bumble" zeigt sich das fertige Produkt dann zum Beispiel so:

Der MysteryGuitarMan fügt die Noten nicht einfach "richtig" zusammen, sondern setzt die Videoschnitt-Software selbst als kreatives Musikinstrument ein. Seine Ideen erinnern mich an den frischen Wind, den frühe Jungle-Produzenten der Neunziger mit ihrem Atari-ST-Cubase in die Welt des althergebrachten Sampling- und Sequencing-Brauchtums gebracht haben.
Durch die ungewöhnliche Herangehensweise gelingt es Penna sogar, aus der Hochzeit des Figaro etwas Neues zu gestalten. Für alle, denen Mozart doch eine Spur zu retro ist, gibt es aber etwa auch den "Immigrant Song" von Led Zeppelin - rückwärts gespielt und dann per Videosoftware wieder in die gewohnte Richtung gebracht:

Fast überflüssig zu erwähnen, dass diese Videos innerhalb kurzer Zeit einige Millionen Zuseher für sich verbuchen konnten. Wohin das Zusammenwachsen von Netz-,Videoschnitt-, Sampling- und Sequencing-Technologien noch führen wird, dürfen wir mit Spannung erwarten.

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  • saftpackerl | vor 1898 Tagen, 14 Stunden, 33 Minuten

    feine Sache!

    Ich nehm mal an Das is bekannt? - http://www.youtube.com/watch?v=JzqumbhfxRo

    schon ein bißchen älter

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  • arnonymous | vor 1902 Tagen, 2 Stunden, 42 Minuten

    hmm

    dahin geht's:

    http://www.youtube.com/watch?v=0X-PRpqj7N4

    jack conte macht folgendes:
    "A VideoSong is a new medium with two rules:

    1. What you see is what you hear (no lip-syncing for instruments or voice).
    2. If you hear it, at some point you see it (no hidden sounds).

    Radiohead's Exit Music for a Film matched with a prelude by Chopin, Op. 28, no. 4"

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