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Musik, Film, Heiteres

Martin Blumenau

Martin Blumenau

Geschichten aus dem wirklichen Leben.

17. 6. 2009 - 19:11

Journal '09: 17.6.

Sehnsüchte nach starken Männern, und wie Hermann Göring da den Weg vorzeigt.

Um folgendes Göring-Zitat geht es im Wesentlichen:

"... aber das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land."

Danke an redken und kwipstep fürs Aufmerksammachen!

Vor einigen Tagen tauchte im Forum zum freitäglichen Journal, das (vom MQ-Anlaßfall ausgehend) die Verschiebung der Grenzen was die "Sicherheit" betrifft thematisierte, ein Posting auf.
Es wurde ein Zitat eines der führenden Nationalsozialisten, des Gestapo-Gründers und KZ-Erfinders Hermann Göring verwendet, in dem die Strategie beschrieben wird, wie man demokratische Denk-Prozesse außer Kraft setzt; eine Strategie, der aktuell von Europa Rechtspopulisten 1zu1 befolgt wird.

Das Zitat stammt vom 18. April 1946, festgehalten hat es der zuständige Gerichtspsychologe, Gustave Gilbert, veröffentlicht wurde es im Rahmen des Nürnberger Tagebuchs, in dem Gilbert seine Protokolle und Gespräche bündelte.

Nun gibt es eine Menge Propaganda-Literatur, ideologische Leitfäden, schwulstiges "Mein Kampf"-Blabla und geschönte Handlungsanleitungen aus/über der/die NS-Zeit, aber eine so richtig stolze strategische Innensicht, die existiert nicht, zumindest nicht in Schriftform.

Da sind die Gespräche, die der schwatz- und geltungssüchtige Göring mit seiner Ansprech-Person, dem Gefängnis-Psychologen führte, dann eine echte Fundgrube.
Zumal dem Generalfeldmarschall durchaus klar war, dass hier seine letzte Chance für eine ideologische Hinterlassenschaft bestand. Denn das Todesurteil, dessen Vollstreckung er sich durch Selbstmord entzog, stand für ihn außer Zweifel.

Gilbert beschreibt Göring in Nürnberg (Seite 17) so:
In unseren Unterhaltungen in seiner Zelle versuchte Göring den Eindruck eines jovialen Realisten zu machen, der mit hohen Einsätzen gespielt und verloren hatte und es alles wie ein guter Sportsmann hinnahm. Jede Schuldfrage tat er mit seiner zynischen Ansicht über die "Gerechtigkeit der Sieger" ab. Sein gewandter Humor wollte immer den Anschein erwecken, ein derart liebenswürdiger Mensch könne nichts böse gemeint haben.

Die Göring-Doktrin

Cover "Nürnberger Tagebuch"

In dieser Mischung aus Lebensrückschau, letztem Aufbäumen und Angeberei formuliert der zu dieser Zeit von seiner Morphin- und Codein-Sucht geheilte Göring einige Sätze von beachtlicher Klarheit, und legt in den Gilbert-Gesprächen wahres Zeugnis ab.

Die wichtigste dieser Passagen findet sich auf Seite 270 der Fischer-Taschenbuch-Ausgabe von Gilberts Tagebuch:

Hermann Göring nannte sich selber den "zweiten Mann" im Staat, gemeinsam mit Hitler und Joseph Goebbels bildete er die strategische Kerngruppe der NSDAP. In Nürnberg benannte er zwar Hitler, Himmler, Bormann, Goebbels und Heydrich (siehe Seite 109) als die Verschwörer, die die Massenmorde ausgeheckt hätten, im Gegensatz zu Himmler, Bormann oder Heydrich, die letztlich operativ tätig waren, oblagen der genannten Troika jedoch die Weichenstellungen.

Wir kamen dann wieder auf das Kriegsthema, und ich sagte, dass ich glaubte, im Gegensatz zu seiner Einstellung sei das einfache Volk nicht sehr dankbar für Führer, die ihm Krieg und Zerstörung bescheren.
"Nun, natürlich, das Volk will keinen Krieg", sagte Göring achselzuckend, "Warum sollte irgendein armer Landarbeiter im Krieg sein Leben aufs Spiel setzen wollen, wenn das Beste ist, was er dabei herausholen kann, daß er mit heilen Knochen zurückkommt. Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Rußland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt.".

"Nur mit einem Unterschied", entgegnete ich. "In einer Demokratie hat das Volk durch seine gewählten Volksvertreter ein Wort mitzureden, und in den Vereinigten Staaten kann nur der Kongreß einen Krieg erklären."
"Oh, das ist alles schön und gut, aber das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land."

Die Troika Hitler/Goebbels/Göring ist auch der Elchtest fürs Funktionieren der ideologischen Gehirnwäsche: allesamt entsprachen die drei nicht einmal ansatzweise den Herrenmenschen-Idealen des Nazi-Rassenwahns. Trotzdem reichte die Installierung eines äußeren Feindes und die anfänglich klug inszenierte Aufteilung des Vermögens, das man den Ermordeten und Vertreibenen rausgepreßt hatte, in der Rest-Gesellschaft, um die Bevölkerung zufriedenzustellen.

In diesem Punkt ist Göring, dessen Prophezeiungen sonst allesamt floppten, so zeitnah wie's nur geht.

Österreich und die starken Männer

In der Anfang der Woche veröffentlichten Studie über die Sehnsucht nach dem "starken Mann" finden an die 20% der Österreicher sogar Gefallen an einer politischen Lösung, "einen starken Führer zu haben, der sich nicht um ein Parlament und um Wahlen kümmern muss", sechs Prozent fänden sogar eine Militär-Diktatur lässig.

Dass vordringlich die Unterstützer der Populisten diese Segmenten füllen, versteht sich.

Die in Österreich eh immer schon erschreckend hohen Werte sind im Vergleich zu 1999 noch gestiegen, die Autoren konstatieren ein "ernsthaftes Krisensignal für die österreichische Demokratie" und eine Zunahme deren, die mit "Freiheit und Pluralität" ihre Probleme haben (siehe dazu auch diese Geschichte im Profil).

Wer das Volk "angreift" ist sonnenklar: die Hälfte der Österreicher plädiert für ein zumindest relatives "Ausländer raus!"

Mittlerweile hat die Gehirnwäsche der Populisten also bereits so verfangen, dass sich eine durchaus kritische Größe, die sich noch knapp in Minderheiten-Position befindet, die Göring-Doktrin bereits freiwillig praktiziert, man sie gar nicht erst mittels Verdummung dorthinführen muß, sondern sie bereits reisefertig abholen kann.

Hermanns Bruder Albert Göring lehnte die NS-Ideologie im übrigen dezidiert ab, leistete aktiven Widerstand, beging (auch im Schutz des kleiner-Bruder-Schmähs) diverse Sabotage-Akte und rettete viele Verfolgte. Albert Göring starb 1966, ohne dass seine couragierte Haltung von der Zivilgesellschaft oder gar dem Staat ernsthaft gewürdigt worden wäre.

Dazu paßt ein anderes Zitat, das Gilbert am 6. Juni 1946 aufgeschrieben hat. Inmitten von absurden Tagträumen über eine Art Gegenrevolution in den nächsten paar Jahren sagt Göring dieses:

"Ihr Amerikaner macht eine große Dummheit mit eurem gerede von Demokratie und Moral. Ihr glaubt, es genüge, die Nazis alle einzusperren und über Nacht die Demokratie einzuführen. Glaubt ihr wirklich, die Deutschen wären jetzt auch nur eine Spur weniger nationalbewußt, weil die sogenannten christlichen Parteien heute die Stimmenmehrheit haben? Mein Gott, nein! Die nationalsozialistische Partei ist verboten worden, was bleibt ihnen anderes übrig? Kommunisten oder Sozialdemokraten können sie nicht werden, deshalb verstecken sie sich für eine Weile hinter den Rücken der Priester."

Gustave Gilbert war übrigens erst in der zweiten Generation Amerikaner, seine Eltern waren emigrierte Österreicher, Und das sich in Österreich eine Menge Ex-Nazis auch in der SPÖ versteckten, wäre dem Luftwaffenchef und Endlösungs-Beauftrager auch nicht in den Sinn gekommen.

PS - IQ

Das nur zur nicht umzubringenden (mäßig intelligenten) Ansicht, dass "böse" Leute automatisch doof wären, bzw "Gute" automatisch g'scheit.

Beim Nürnberger Prozeß wurden die Angeklagten einem IQ-Test unterzogen. Die Resultate waren wie erwartet: 20 der 21 untersuchten Nazi-Größen waren überdurchschnittlich intelligent. Bizarrerweise einziger Ausreißer nach unten: Julius Streicher, die Propaganda-Bestie des "Stürmer".

Göring erreichte, ebenso wie Admiral Dönitz 138, Seyss-Inquart gar 141.

Gilbert quotiert dieses Ergebnis mit trockener Wissenschaftlichkeit: "Die IQs zeigen, dass die Nazi-Führer überdurchschnittlich intelligent waren, was nur die Tatsache bestätigt, dass die erfolgreichsten Menschen auf jedem Gebiet menschlicher Tätigkeit - sei es Politik, Industrie, Militärwesen oder Kriminalität - meist über der Durchschnittsintelligenz liegen.

Alle Zitate aus Gustave M. Gilbert: Nürnberger Tagebuch, Gespräche der Angeklagten mit dem Gerichtspsychologen, erschienen bei Fischer (TB 1885), "ein Klassiker", wie der Händler bei Kuppitsch, wo ich das Buch heute gefunden habe, anmerkte.

Dabei ist zu bedenken, dass die IQs nur die mechanische Leistungsfähigkeit des Gehirns anzeigen und nichts zu tun haben mit dem Charakter oder dem sittlichen Verhalten.

Jedoch kann eine derartig weitreichenden und katastrophale Bewegung wie der Nationalsozialismus nicht ausreichend durch individuelle Charaktereigenschaften seiner Führer analysiert und verstanden werden. Eine realistische Annäherung von der psychologischen Seite verlangt einen Einblick in die Gesamtpersönlichkeit in ihrer Wechselwirkung mit den jeweiligen gesellschaftlichen und geschichtlichen Gegebenheiten".

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Forum

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  • plärrwurst | vor 970 Tagen, 7 Stunden, 6 Minuten

    man muss ja auch mal loben: danke für den tipp, hab mir das buch gleich bestellt

    Auf dieses Posting antworten
  • rereaktionär | vor 970 Tagen, 10 Stunden, 12 Minuten

    Art 1 B-VG

    Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.
    Wenn also das Volk einen Führer will, dann hat es einen zu bekommen.
    Der springende Punkt ist jedoch, dass das Volk keine selbstreflektierten Entscheidungen trifft? Stimmvieh? Jedenfalls ist die Stärke der Führer-Parteien, wenn denn Parteien in diesem Spiel überhaupt eine Rolle spielen, die Schwäche der Gegenkräfte/parteien. So gesehen verwundert es doch, dass die SPÖ die FPÖ nicht im Griff hat, wo doch die SPÖ reihenweise Nazis aufgenommen hat. Die sollten doch ihr Handwerk verstehen.
    Aber, das Problem ist ja ganz ein anderes. Ich glaube nicht, dass dieses Führer-Wollen auf die NS-Zeit zurückzuführen, sondern auf die unglaubliche Politikverdrossenheit der Österreicher. Man sah das sehr schön am damaligen Abstrafen der FPÖ, wo die ÖVP einen ungeahnten Höhenflug hinlegte. Nicht, weil sie die bessere Wahl war, sondern aus Protest wurde sie gewählt. Haider hatte dieses Prinzip lange genutzt, bis er selbst in die Grube fiel (oh, zweideutig). Jetzt hat also der Durchschnittsösterreicher alles, was die Parteienlandschaft zu bieten hat, durchprobiert und ist noch immer unzufrieden, ev. auch aufgehetzt? Was macht er? Er sucht sich eine Alternative zum Parteiengraus und zum Kasperltheater namens Parlament....

    Auf dieses Posting antworten
    • grubsch | vor 970 Tagen, 9 Stunden, 2 Minuten

      Jurist

      bis du keiner, oder? Art 1 B-VG ist nicht isoliert zu sehen, sondern in Zusammenhang mit allen anderen Bestimmungen des B-VG. Diese Zusammenschau ergibt eindeutig, dass die österreichische Verfassugn ein System der repräsentativen Demokratie vorgibt, bei dem das Recht - bis auf wenige Ausnahmen - nur mittelbar vom Volk ausgeht. Und das ist auch gut so!

    • rereaktionär | vor 970 Tagen, 8 Stunden, 45 Minuten

      Bist du denn einer?

      ich glaube nicht (eher PoWi?), denn sonst wüsstest du, dass die Baugesetze unserer Verfassung nur geändert werden können, wenn's eine Volksabstimmung gibt. Siehe EU-Beitritt.
      Insofern ist gerade das der Punkt, wo unsere repräsentative Demokratie durchbrochen wird.

    • rereaktionär | vor 970 Tagen, 8 Stunden, 43 Minuten

      ganz vergessen...

      dein letzter Satz? Ob's wirklich so gut ist? Die nächste Generation der Verfassung geht ja mehr von einer direkten Bürgerbeteiligung, auch in Verwaltungsfragen aus. Eine direkte Einbindung hat schon pädagogische Vorteile. Dazu muss man nicht unbedingt rüber zur Schweiz schauen.

    • collective | vor 970 Tagen, 8 Stunden, 14 Minuten

      @grubsch

      warum ist das gut so?

    • mischnimpossible | vor 970 Tagen, 7 Stunden, 42 Minuten

      Entschuldigung, dass ich mich als Laie einmisch, aber das ist deshalb gut, weil 80% der Bevölkerung naturdeppert sind und mit 50%+1 viel Unsinn durchgedrückt werden könnte, der durch eine Parlamentsentscheidung abgefedert werden kann.

    • mischnimpossible | vor 970 Tagen, 7 Stunden, 40 Minuten

      Bei entsprechend geringer Abstimmungsbeteiligung dann wesentlich weniger als 50%.

    • collective | vor 970 Tagen, 7 Stunden, 11 Minuten

      was hat ihnen die menschheit denn getan, dass sie ein derartiges bild von ihr haben?! oder vertragen sie es einfach nicht, wenn jemand anderer meinung ist als sie? aus ihrem posting schließe ich auch, dass sie demokratie eher ablehnend gegenüberstehen.

    • mischnimpossible | vor 970 Tagen, 6 Stunden, 49 Minuten

      @collectiv

      Falls ich gemeint bin, ziehen Sie die falschen Schlüsse.

    • collective | vor 970 Tagen, 6 Stunden, 4 Minuten

      @mischnimpossible

      ja, ich meine sie! es freut mich aber, dass ich sie falsch verstehe. wie soll ich sie denn richtig (80 % „naturdeppen“; skandal: 50,1 % haben die mehrheit) verstehen?

    • softmachine | vor 970 Tagen, 3 Stunden, 30 Minuten

      da kommt das alte beispiel mit der todesstrafe ins spiel. die mehrheit ist ganz klar dafür, dank einer repräsentativen demokratie werden aber nicht alle grauslichkeiten der masse ermöglicht.

    • jw72 | vor 970 Tagen, 3 Stunden, 12 Minuten

      Hitler kam einwandfrei demokratisch an die Macht. Entgegen der von Kindesbeinen an eingetrichterten Lehre vom bösen Diktator, der aus dem Nichts kam, alle Armutschgerl "verführte" (wovon natürlich extrem viele im "Widerstand" waren!) und nach der großen Katatstrophe ebenso spurlos samt den bösen Nazi-Sozi Ideen wieder verschwand. Glaubt!

    • collective | vor 970 Tagen, 2 Stunden, 46 Minuten

      @softmachine

      die schweiz als jenes land mit den ausgeprägtesten direktdemokratischen elementen weltweit lehnt die todesstrafe (mittels referendum 1942 als erster europ. flächenstaat) ab. in den usa - bekanntlich ein staat mit überwiegend repräsentativer demokratie - findet die todesstrafe nach wie vor in vielen bundesstaaten anwendung.

    • collective | vor 970 Tagen, 2 Stunden, 24 Minuten

      @jw72

      soweit ich das nachvollziehen kann hat die nsdap (trotz massiver propaganda und demokratieunwürdiger mittel) in der letzten "freien" wahl vor machtergreifung (1933) nicht einmal die absolute mehrheit (43,9 %) erreichen können. in einer repräsentativen demokratie wohlgemerkt.
      in einer stark partizipativen demokratie wäre meiner einschätzung nach eine deartige machallokation gar nicht möglich, da die macht dezentralisiert wird und parteien eine geringer bedeutung hätten.

    • auditor | vor 970 Tagen, 2 Stunden, 24 Minuten

      @jw72

      Die NSDAP kam eben nicht demokratisch (also durch direkte Legimitation in freien Wahlen) an die Macht - wohl aber nach den verfassungsmäßig verankerten Regeln für die Bildung von Reichsregierungen und jenen für das Gesetzgebungsverfahren (Ermächtigungsgesetz). Daher "Machtübergabe", nicht "Machtergreifung"

    • auditor | vor 970 Tagen, 2 Stunden, 19 Minuten

      @collective

      Den kausalen Zusammenhang zwischen Ausgestaltung der demokratischen Elemente in einer Verfassung und der Haltung der Bevölkerung zu einem Thema kann ich nicht erkennen.

    • jw72 | vor 970 Tagen, 2 Stunden, 19 Minuten

      die absolute Mehrheit nicht, aber Koalitionen sind ja wohl das Allernormalste in einer Demokratie. Hitler konnte sich ab 1933 jedenfalls auf ein Maß an Rückhalt beim demos stützen, von dem die Regierungen Adenauer bis Merkel nur träumen konnten und können

      auditor, inwiefern sollen denn die Wahlen nicht frei gewesen sein? In weiterer Folge wurde das Ermächtigungsgesetz im Reichstag einwandfrei demokratisch beschlossen.

    • jw72 | vor 970 Tagen, 2 Stunden, 17 Minuten

      auch die Hamas ist "demokratisch legitimiert", um eine einschlägige Leerformel zu bemühen.

    • collective | vor 970 Tagen, 2 Stunden, 4 Minuten

      @auditor & kausale zusammenhänge

      darüber kann man diskutieren. ich vertrete hier den standpunkt, dass der mensch mit der verantwortung wächst und dementsprechend der konsequenzen seines handelns bewusst agiert. und dies wird wohl da und dort die sichtweise zu einem thema ändern.

    • auditor | vor 970 Tagen, 2 Stunden, 1 Minute

      @jw72

      Ich habe nicht behauptet, die letzten Wahlen seien nicht frei gewesen.
      Ich meinte, dass die NSDAP niemals die Absolute bekam - dann hätte sie die Regierung jedenfalls gebildet. So ist die Verantwortung für die Regierungsbeteiligung den übrigen zustimmenden Abgeordneten zuzuschreiben, ebenso wie für den Beschluss des Ermächtigungsgesetzes.
      Aber diese Vorgänge sind mMn nicht als "demokratisch" zu bezeichnen. Da geht es um verfassungsmäßig verankerte Verfahrensabläufe im Parlament.
      Richtig, die NSDAP sicherte sich nach 1933 die Unterstützung bedeutender Teile der Bevölkerung, ab das war keine formal demokratische Unterstützung.
      Und ja, die Hamas ist oder war demokratisch legitimiert. Man kann mich dafür prügeln, aber wenn man sich selbst als Demokrat darstellt, muss man gewählte Volksvertreter als solche akzeptieren, auch wenn es Verbrecher sind (um die Hamas polemisch auf diesen Aspekt zu verkürzen). Man muss sie dann ja noch lange nicht friedvoll behandeln. Aber das Volk hatte entschieden!

    • auditor | vor 970 Tagen, 1 Stunde, 53 Minuten

      @collective

      Das mag stimmen. Aber ich glaube, noch wichtiger ist, dass die Bürger auch ausgewogene Informationen als Grundlage für ihre Entscheidung bekommen (siehe eben Schweiz, wo man vor jeder Abstimmung ein Paket Info-Material ins Haus bekommt, aber auch Österreich vor Zwentendorf-Abstimmung). Diesbezüglich hapert es glaube ich in der österreichischen Medienlandschaft, die mMn das Um und Auf für das Funktionieren direkter Demokratie ist. Außerdem meine ich, man sollte die Bürger (die sich ja nur in der knappen Freizeit mit Politik beschäftigen können) nicht mit zu komplexen Themen konfrontieren (Z.B. Lissabon-Vertrag). Auch hier ist die Schweiz ein gutes Beispiel. Aber grundsätzlich bin ich auch für direktdemokratische Elemente - aber eher in der Form von konsultativen und kontrollierenden Foren, an denen sich jene zu beteiligen die Mühe machen, die auch wirklich engagiert sind.

    • collective | vor 970 Tagen, 1 Stunde, 30 Minuten

      @auditor

      so weit liegen wir nicht auseinander. hinsichtlich information und medienlandschaft bin ich völlig bei ihnen. leider haben es die hiesigen parteien (auch aus machtinteressen) mangels kartellrechtlicher (mediaprint, formil,...) und medienpolitischer weichenstellung (langjähriges orf-monopol) verabsäumt pluralismus zu organisieren. allerdings verschiebt sich das gewicht hier dank digitaler revolution.
      im gegensatz zu ihnen glaube ich auch, dass über komplexe themen abgestimmt werden sollte. ein politiker stimmt letztendlich auch mit ja oder nein. dann muss halt ein gesetz so formuliert werden, dass es auch verstanden wird. und gerade die verfassung, der im stufenbau der rechtsordnung letztendlich die höchste bedeutung zukommt, bedarf der breitestmöglichen legitimation, will sie so etwas wie den grundkonsens über zusammenleben und organisation einer gesellschaft darstellen.

    • mischnimpossible | vor 969 Tagen, 14 Stunden, 9 Minuten

      @collectiv

      Sie scheinen dem platonschen Irrtum zu unterliegen, dass die Mehrheit immer Recht hat.
      Die Geschichte hat längst gegenteiliges bewiesen.

    • collective | vor 969 Tagen, 12 Stunden, 44 Minuten

      @mischnimpossible

      ich kann ihnen alles beweisen und das gegenteil. es ist letztendlich eine frage der sichtweise - alles ist relativ. was für sie richtig ist, muss nicht für mich richtig (oder recht) sein und vice versa. aus rechtspositivistischer sicht macht die mehrheit nun einmal recht, wie kann sie dann nicht recht haben? ich halte es in jedem fall für weniger gefährlich wenn die mehrheit entscheidet was recht ist, als wenn dies die minderheit tut.

    • grubsch | vor 967 Tagen, 21 Stunden, 40 Minuten

      @ rereaktionär

      ja.

      wegen baugesetzen und volksabsimmung: deswegen auch mein einschub: "bis auf wenige ausnahmen".

  • superfuzzbigmuff | vor 970 Tagen, 11 Stunden, 22 Minuten

    leider sind die Österreicher wirklich so

    vorallem am Land... aber was soll man dagegen tun? Da beißt sich die Demokratie selbst in den Schwanz.

    Auf dieses Posting antworten
    • collective | vor 970 Tagen, 8 Stunden, 28 Minuten

      mehr demokratie wagen

      ganz einfach: in dem demokratie gelebt wird. eine deutliche aufwertung partizipativer elemente würde die menschen dazu erziehen verantwortung (für ihre wahl) zu übernehmen. frei nach joseph beuys - "jeder ist ein politiker". politische themen würden breit diskutiert werden und hätten durch zustimmung oder ablehnung größtmögliche legitimität. unser aktuelles system allerdings entmündigt den bürger großteils. wählbar sind politische stellvertreter, die - das liegt in der natur der sache - von vielerlei abhängigkeiten (partei, lobbys, etc.)getrieben sind. durch den wandel hin zur informationsgesellschaft ist eine demokratische (r)evolution absehbar.

    • namehiereintragen | vor 970 Tagen, 7 Stunden, 45 Minuten

      "vorallem am Land..."
      Hat die FPÖ nicht in den sogenannten "Arbeiterbezirken" in Wien die besten Ergebnisse eingefahren?
      Floridsdorf, usw. tragen den Erfolg der FPÖ!

      Also ned alles auf "die Bauern" schieben.

    • superfuzzbigmuff | vor 970 Tagen, 6 Stunden, 41 Minuten

      @name...

      ich komme aus einem Teil Österreichs der geografisch eigentlich weit weit weg von den "bösen Auslängern" (also alles östlich von Deutschland/Italien)liegt, doch auch hier zieht diese Propaganda... ohne nennenswerten reelen Hintergrund. Und als Grund hierfür sehe ich die starke gesellschaftliche Akzeptanz, die den Rassismus hier zu etwas Alltäglichem macht.

  • harald123 | vor 970 Tagen, 11 Stunden, 35 Minuten

    zur "starken mann"-studie

    ohne irgendwas beschönigen zu wollen: aber mehr als 60% wollen keine rechtsextremisten als nachbarn.
    und immerhin 42% finden "zuwanderung gut, solange es arbeit gibt".

    göring hat noch nicht gewonnen.

    Auf dieses Posting antworten
    • superfuzzbigmuff | vor 970 Tagen, 11 Stunden, 2 Minuten

      man muss nicht rechtsextrem sein

      um rassistisch und rechts zu sein...

    • semmel | vor 970 Tagen, 10 Stunden, 31 Minuten

      naja, da wäre ich vorsichtig. xenophobie ist eine natürlich/legitime einstellung dem ausländerthema zu entgegnen. wenn auch keine besonders intelligente. aber "ausländereindliche" leute gleich als rechtsextrem und rassistisch zu bezeichnen finde ich gefährlich, weil die permanente kritisierung den radikal rechten hilft

    • toteraltermann | vor 969 Tagen, 21 Stunden, 47 Minuten

      Xenophobie findest du wirklich legitim?
      Und wenn man Rssisten Rassisten nennt, dann hilft das den rechten?

    • semmel | vor 969 Tagen, 20 Stunden, 44 Minuten

      xenophobie ist eine persönliche einstellung, die ich nicht teile und deswegen auch nicht verteidigen werde. mit legitim meine ich dass ich menschen eine eigene meinung zugestehe. stark abzugrenzen von rassismus, was für mich die AKTIVE ausübung von unterdrückung ist, und da zähl ich auch die wahlkampfparolen diverser parteien dazu. das hilft den radikalen insofern als dass es das gesprächsklima abstumpft, und es nur mehr um "die linken" bzw. "die rechten" geht, und der inhalt auf der strecke bleibt.

  • auditor | vor 970 Tagen, 11 Stunden, 58 Minuten

    Kleine Anmerkung: Göring war "Reichsmarschall" - ein für ihn geschaffener Rang.

    Auf dieses Posting antworten
    • auditor | vor 970 Tagen, 2 Stunden, 13 Minuten

      Aber davor war er Generalfeldmarschall. Wieder was gelernt!

  • maekkiiyy | vor 970 Tagen, 12 Stunden, 36 Minuten

    Bücher

    ok, für alle die das nicht wissen sollten, die (bekannten) bücher von RAUL HILBERG zum thema holocaust sind auch sehr lesenswert, informativ und gruslig.

    Auf dieses Posting antworten
    • twing | vor 970 Tagen, 9 Stunden, 9 Minuten

      Und von mir der Buchtipp

      "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" - von Hannah Arendt, die auch als Korrespondentin des New Yorkers den Eichmann-Proezss kommentiert hat und später in "Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht über die Banalität des Bösen" verarbeitet hat.
      Wobei ich mir bei Eichmann den hohen IQ nicht vorstellen kann - gibt es da eine Liste?

    • redken | vor 970 Tagen, 8 Stunden, 51 Minuten

      @twing

      Eichmann war nicht Angeklagter in Nürnberg, er wurde erst in den 60er Jahren in Israel vor Gericht gestellt.

    • redken | vor 970 Tagen, 8 Stunden, 47 Minuten

      wie du ja eh richtig schreibst

      aber sein IQ wurde nicht geprüft.

  • marccarnal | vor 970 Tagen, 12 Stunden, 49 Minuten

    Empfehlung

    "Anmerkungen zu Hitler" von Sebastian Haffner - Sehr trockene, kluge und prägnante Analyse des Denkens, Schaffens und Wirkens Hitlers und des Nationalsozialismus.

    Auf dieses Posting antworten
  • arnonymous | vor 970 Tagen, 14 Stunden, 51 Minuten

    hmm

    da gabs mal bei den spira'schen alltagsgeschichten ein schönes interview mit einem ehemaligen ss'ler in einem gasthaus an der brünnerstrasse.

    spira fragte verwundert warum er denn als überzeugter nazi und ss'ler nach dem krieg bei der spö andockte. lapidare antwort: "einmal sozi, immer sozi".

    und dies ist der unglaubliche erfolg des marshall-plans (plus der ewg/eg/eu) in europa. trotz der überlebenden nazi-denke, trotz der unglaublichen narben bei den opfern seit 45 friede in kerneuropa. nur eine verknüpfte wirtschaft, also die globalisierung, verhindert effektiv kriege. die menschen sind genauso dumm und hasserfüllt wie eh und je, nur können sie ihre nationalen träume nicht ausleben, weil es profite schmälern würde - und dass übersticht jeglichen nationalwahn.

    wer vom ende des kapitalismus träumt, sollte mal nachdenken was dann wieder hochkommt. egal in welchem mantel, rot oder braun. weil eben weite teile der menschheit hasserfüllt, ahnungslos und dumm sind.

    Auf dieses Posting antworten
    • aubrey | vor 970 Tagen, 13 Stunden, 20 Minuten

      Wirtschaft verhindert Kriege leider nicht

      Deutschland und Frankreich/England waren vor dem 1. Weltkrieg als auch vor dem 2. Weltkrieg die größten jeweiligen Handelspartner und es gab eine starke wirtschaftliche Vernetzung untereinander mit vielen Firmen die Filialen in allen der kriegsführenden Ländern hatten. Darauf kann man sich leider nicht verlassen.

    • redken | vor 970 Tagen, 13 Stunden, 3 Minuten

      Der 1. Weltkrieg und seine Vorgeschichte ist NICHT als Analogie...

      ...heran zu ziehen.

      Der Hinweis auf den Handel greift zu kurz.

      Die Bündnispolitik der europäischen Mächte nach 1870, ein nach Hegemonialmacht strebendes deutscher Kaiser sowie die, wie man heute weiß, unaufhaltsame Kraft des Nationalismus, die Europas damalige Grenzen einfach sprengen musste (Österreich-Ungarn, Russland) kulminierten im Waffengang 1914-18.

      Ich bin der vollen Überzeugung, dass es innerhalb der EU mit Sicherheit zu keinem militärischen Konflikt kommen wird - dazu profitieren einfach alle viel zu viel voneinander.

      Fiele die EU aber einmal auseinander, z.B. nach einer wirklich massiven, langen wirtschaftlichen Krise mit Massenarbeitslosigkeit und Elend, dann wäre ich mir nicht mehr so sicher, ob es nicht doch wieder zu innereuropäischen Konflikten kommen könnte - da hast du recht.

    • nadir | vor 970 Tagen, 12 Stunden, 7 Minuten

      "in einem vereinten europa wird man die kriege aufstaende nennen" (abbé galiano, 18. jhdt).
      [sorry, aus dem gedaechtnis citiert].

    • arnonymous | vor 970 Tagen, 11 Stunden, 21 Minuten

      @aubrey:

      die vernetzung geht heute viel weiter als klassischer handel. das eigentum der produktionsmittel wurde entnationalisiert, siehe zb airbus, wo die fertigung über halb europa verteilt passiert.

    • jw72 | vor 970 Tagen, 11 Stunden, 18 Minuten

      arnonymous ist absolut zuzustimmen, "When goods do not cross borders, soldiers will" bemerkte dazu bereits Frédéric Bastiat.

    • collective | vor 970 Tagen, 8 Stunden, 15 Minuten

      meiner meinung nach verhindert das einander verstehen und gegenseitige abhängigkeiten kriegerische auseinandersetzungen. achja, und mein menschenbild ist ein positives. ich glaube nämlich, dass die mehrheit der menschen ein leben in frieden und harmonie (call it l.o.v.e.) anstrebt.

    • appetiteforconstruction | vor 970 Tagen, 6 Stunden, 10 Minuten

      collective

      ich mag dein weltbild. und vor allem den letzten satz unterschreibe ich 100%ig.

    • fleurquin | vor 970 Tagen, 4 Stunden, 43 Minuten

      ich auch.

  • johnleehookerelectro | vor 970 Tagen, 18 Stunden, 27 Minuten

    die story zwischen hermann und seinem bruder albert göring mit nem guten drehbuch(ca wie the prestige angelegt oder noch viiel derber)
    wäre(wenn filmisch gut umgesetzt) defintiv son film des jahres kandidat

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    • johnleehookerelectro | vor 970 Tagen, 18 Stunden, 26 Minuten

      wenn am schluss dasselbe rasukommt wie hier im letzten satz formuliert

  • veteranofthepsychicwars | vor 970 Tagen, 20 Stunden, 38 Minuten

    das mit dem iq habe ich anders in erinnerung (ist allerdings schon jahre her, dass ich gilbert gelesen habe). glaube mich erinnern zu koennen, dass etwa fritz sauckel sehr schlecht abschnitt (was speer nuetzte). was ist uebrigens bizarr daran, dass streicher schlecht abschnitt? kenne keinerlei berichte, die auf besondere intelligenz seinerseits verweisen.

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    • redken | vor 970 Tagen, 8 Stunden, 54 Minuten

      Streicher war im Brotberuf Lehrer und Chef des "Stürmer", der...

      ...Hetz-Postille schlechthin

      Dass der so nach unten ausriss war schon verwunderlich...

    • redken | vor 970 Tagen, 8 Stunden, 52 Minuten

      Ja, und Sauckel war eher doof - den konnte Speer...

      ...sehr gut in die Enge manövrieren.

      Das weiß ja heute auch noch kaum mehr wer, dass Speer bei den Nürnberger Prozessen davon sprach, dass er ein Attentat auf Hitler plante.

    • veteranofthepsychicwars | vor 970 Tagen, 7 Stunden, 47 Minuten

      sorry aber weder lehrer noch "stuermer"-herausgeber ist fuer automatisch mich ein beleg fuer intelligenz.
      ad speer: ja, aber er konnte keine leiter finden.