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Musik, Film, Heiteres

Fereydoon Sepidpour

In Wien geboren, lebte im Alter von 2 bis 10 in Teheran, studierte in Wien, Queens und L.A., ist HipHop-Manager und Fahrer.

22. 6. 2009 - 15:46

Und morgen ist wieder ein Tag

Eigentlich wollte ich in Teheran sein. Jetzt muss ich das Geschehen im Iran über Youtube, Twitter und TV verfolgen.

Links:

Die besten Twitterlinks auf englisch sind hier und hier, die sind immer up to date.

Weiters ist diese Dame auch wirklich stark, da sie am verlässlichsten ist und einen guten Draht zu den Camps von Mousavi und Karroubi hat.

Und hier noch ein guter Blog

Der guardian liveblog ist auch recht gut, da gibt es auch jede Menge Videos, Bilder, Links und Sonstiges.

Juan Cole, Professor für Middle East Studies. Vor allem seine Analysen warum die Wahlen gefälscht wurden und über die Proteste, sind toll.

Hier eine weitere Wahl-Analyse von chatham house

Eigentlich wollte ich bei den Wahlen in Teheran sein. Irgendwie hatte ich damals im Jänner schon das Gefühl, dass es diesmal etwas Bewegendes geben wird. Notfalls hätte ich Zeit mit Z. und P. verbracht, die ich von klein auf kenne oder wäre auf irgendwelche Feiern mit A. und L. gegangen. Wahlen wären schon gut gegangen und selbst, wenn nicht, wir hätten das Beste daraus gemacht.

Schild: Où est mon vote?

Es ist sich leider nicht ausgegangen mit der Reise. Jetzt muss ich das Geschehen vom Bildschirm aus verfolgen. Es ist nicht unähnlich einem Fußballspiel. Im Stadion ist die Atmosphäre was anderes, als vom Bildschirm aus. Ahmadinejad hat die Wahl ja auch mit einem Fußballspiel verglichen, wo es Gewinner und Verlierer gibt. Ich frage mich, wo Lucciano Moggi gerade steckt? Bleibt nur der Bildschirm. Der Guardian liefert "Minute-by-Minute" Reportagen, so wie bei diversen Spielen auch. Auf Twitter kann man die Geschehnisse verfolgen, auf Facebook werden die neuesten Chöre und Videos der Anhänger gepostet und man kann sich mit Gleichgesinnten organisieren.

Moussavi in einer Schar von AnhängerInnen
Mousavi in der Menge seiner Anhänger Innen

"Die Zeit danach wird anders sein"
Der österreichisch-iranische Filmemacher Arash Riahi im Interview mit Claudia Unterweger

Cousine B. darf, ähnlich der Fußballspiele im Iran, nicht ins Stadion gehen, Verbot der Eltern. Ihre Mutter hat in den 80ern mitbekommen, wie zwei Bekannte von ihr, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren, eingesperrt, vorher noch vergewaltigt und zum Tode verurteilt wurden, weil Jungfrauen darf man nicht töten und man musste sicher gehen. Ihr Cousin T. bekam niemals einen Job im Iran, weil er bei einer Demo mehrmals in den Bauch gestochen wurde und seitdem als politischer Aktivist gebrandmarkt war. Dabei hat T. mit Politik gar nichts am Hut. Er wollte nur zuschauen und sich vielleicht ein paar Nummern von Mädchen besorgen. Dann gibt es noch Onkel I., der in den 50ern auch bei einer Demo auf der Straße war, auch nur zur falschen Zeit am falschen Ort, und erschossen wurde. Iran, 100 Jahre permanente Revolution und jede Familie hat eine Geschichte zu erzählen.

Pokerface

Vor dem Fernseher sprach der oberste Führer Khamenei beim Freitagsgebet. Khamenei scheint eher ein Freund von Poker zu sein als von Fußball, denn seine Rede würde man im Poker wohl als "All-In" mit einer Trumpfkarte bezeichnen. Er hat genau eine hohe Karte, nämlich die ihm treu ergebene Basij und ihr Terror gegen das Volk.
Entweder der Trumpf sticht, oder die Show ist vorbei. Re-buy gibt es nicht. So war seine Rede auch gespickt mit Bonmots; man kann keine 11 Millionen Stimmen fälschen (er wird's wissen), die islamische Republik hat auch Probleme, aber schauts nur nach Großbritannien mit dem Spesenskandal, die Demonstrationen sind der Anfang der Diktatur... (Orwell hörst du zu?) Wenn man schon lügt, dann sollte man dick auftragen, damit es auch ja glaubwürdig klingt. Das alte Rezept von Diktaturen. Und die Rede war eine einzige Drohung an alle. Wer nach dem heutigen Tag noch demonstrieren geht und stirbt, ist selber Schuld. Wenn Blut fließt, sind die Schuld, die die Leute dazu anstacheln und die werden die volle Härte zu spüren bekommen, weil dem unfehlbaren Führer hat man zu gehorchen. All-In, wer zieht mit?

Die Polizei setzt Tränengas gegen Deonstranten ein
Die Polizei setzt Tränengas gegen Demonstranten ein.

Ready To Die

Videolinks:

Bilder von den Protesten aus youtube:
www.youtube.com
www.youtube.com
www.youtube.com

Und ein ziemlich gutes Video von der BBC zu Straßenschlachten

Samstag war der Tag. Wenn der Samstag gut geht und die Leute nach den Drohungen demonstrieren, dann wird alles gut gehen. Es wäre nur nötig, dass Mousavi nicht weicht und die Leute keine Angst zeigen, trotz der Todesdrohungen. Ist aber alles einfach von hier aus, irgendwie wie ein Analytiker von einem Spiel bzw. Hobby-Teamchef. Kompakt stehen, auf die zweiten Bälle gehen, you must win-Zweikampf. Alles leichter gesagt als getan. P. und Z. dürften wahrscheinlich demonstrieren gehen, L. sicher auch. Der Guardian fing um 10 Uhr mit den Berichten an, Twitter genauso. Von Gefechten war zu lesen, Meydoon-e Enghelab (Platz der Revolution) war gesperrt, sie mauern also, wie alle konservativen Mannschaften. Sie versuchen die Revolution zu verteidigen. Doch die Leute wehren sich. Sie wollen Richtung Azadi, Platz der Freiheit. Die ersten Videos tauchen auf, mit Leuten, die mit Steinen auf Polizisten werfen. Wie in Palästina, was das Regime immer als Propaganda gegen Israel verwendet hat. Das arme Volk der Palästinenser mit Steinen gegen das böse zionistische Regime mit Waffen.Welch Ironie! Irgendwann um 5 kam über Twitter die Meldung von Mousavis Auftritt. Er sei bereit zu sterben. "I’d rather die on my feet than live on my knees", der Spruch aller großen Revolutionäre, selbst die, die zufällig solche wurden, wie er.

Im Laufe des Tages treffen immer mehr Bilder und Videos ein. Man sieht die Bilder, die Orte, die man kennt, wünscht sich dabei zu sein, weil nichts ist schlimmer als hilflos und unnütz vor dem Bildschirm zu sitzen. Ein junges Mädchen stirbt auf der Straße, nachdem sie angeschossen wurde. Hunderte Verletzte, Tränengas und immer wieder Nachrichten, die man nicht verifizieren kann. Berichte von Leichen wechseln sich mit Berichten ab, wonach Menschen Verletzte und Verfolgte bei sich aufnehmen und pflegen. Berichte, wonach einige Botschaften (danke an dieser Stelle an Australien, Frankreich, Italien, Portugal und Finnland) Verwundete aufnehmen. Ein solidarisches Team eben, das kämpft und beißt und die Herzen erobert.

Ein blutüberströmter Mann bei den Demos im Iran

Ich sehe nochmal das Video von dem Mädchen, das erschossen wurde und auf der Straße stirbt. Ich denke dabei an P. und Z., von denen ich bis jetzt nichts gehört habe. Ich denke an L., der sich auch noch nicht gemeldet hat. Morgen ist wieder ein Tag, morgen gibt es wieder Demonstrationen, morgen werden wieder Leute sterben, morgen wird wieder in irgendeiner ausländischen Zeitung ein Kommentar erscheinen, der versucht zu erklären, wie Ahmadinejad doch gewonnen hat, morgen geht es wieder los und heute war doch nicht der entscheidende Sieg. Immerhin meldet sich P. Sie sind alle gesund, Kommunikation in die Außenwelt ist eher schwer, Telefongespräche werden unterbrochen, Auslandsgespräche unmöglich, Facebook geht nur schwer. Immerhin, sie leben. Und morgen ist wieder ein Tag.

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  • wedge75 | vor 962 Tagen, 9 Stunden, 40 Minuten

    gestriger club2 war hochinteressant! mit vielen sehr viel wissenden, sodass man einen guten einblick auf den iran hatte. sehr lehrreich!
    die spaltung des regimes > konservativen vs. reformer

    Auf dieses Posting antworten
    • wedge75 | vor 962 Tagen, 9 Stunden, 40 Minuten

      gestriger club2 war hochinteressant! mit vielen sehr viel wissenden, sodass man einen guten einblick auf den iran hatte. sehr lehrreich!
      die spaltung des regimes - konservativen vs. reformer - dürfte nicht mehr rückgängig sein, d.h. mmn werden, wenn nicht jetzt, dann spätestens bei der nächsten wahl die reform-kräfte, die den iran ein wenig weltoffener gestalten wollen, gewinnen.

  • wedge75 | vor 962 Tagen, 9 Stunden, 41 Minuten

    gestriger club2 war hochinteressant! mit vielen sehr viel wissenden, sodass man einen guten einblick auf den iran hatte. sehr lehrreich!
    die spaltung des regimes > konservativen vs. reformer

    Auf dieses Posting antworten
  • sicklikejosef | vor 963 Tagen, 6 Stunden, 45 Minuten

    Die Brisanz der Geschehnisse im Iran liegen schon im Charakter...

    ...dieses Regimes

    Die Islamische Republik verstand sich seit ihrem Bestehen als Alternative zur westlichen Gesellschaft. Sie sollte eben eine islamische Demokratie sein, nicht kapitalistisch und sie wollte durch das Nuklearprogramm den Aufstieg zur Weltmacht schaffen, und den schiitischen Islam als alternative Globalisierung verbreiten. Über 3 Jahrzehnte lang hat sie ihren revolutionären Mythos als aggressive Außenpolitik vor sich her getragen.
    Was man jetzt sieht, ist der Zusammenbruch dieses (Alb)Traums. Auch wenn sich das Regime konsolidieren sollte, wird sein Griff zur Weltmacht scheitern, seine Legitimität wird dahin sein und die missionarische Heilsideologie vom Mahdi wird gerade ausreichen, Frauen und junge Menschen zu terrorisieren.
    Wer die Entwicklung aufhalten will, die durch die europäische Globalisierung ausgelöst worden sind, wird untergehen. Der Weg führt nur durch uns und mit uns, das ist eine Botschaft an die Schergen im Iran, die sie wahrscheinlich noch nicht verstanden haben, aber sehr wohl all die mutigen Demonstranten, die ihr Leben und ihre Zukunft für politische Veränderungen riskieren.

    Auf dieses Posting antworten
  • wedge75 | vor 964 Tagen, 7 Stunden, 57 Minuten

    http://static.twoday.net/chorherr/images/maus.jpg

    Auf dieses Posting antworten
    • kinski | vor 964 Tagen, 4 Stunden, 17 Minuten

      www.igfm.de/Iran-Mussawi-ist-kein-Freund-der-Menschenrechte-im-Gegenteil.1290.0.html

    • cheguevarawithblingon | vor 964 Tagen, 3 Stunden, 24 Minuten

      "Als das islamische Regime vor allem Anfang der 80er wütete, stand Mussawi – ein politischer Zögling von Ayatollah Khomeini - an der Spitze der Islamischen Republik Iran"

      wenn dann war er höchstens die nummer 3 und nicht die nummer 1.
      die hinrichtungen passierten eigentlich auch auf befehl von khomeini über seinen kopf hinweg und er hat sich 89, nach dem krieg, im streit verabschiedet.
      dass es nett wäre wenn er irgendwann farbe bekennen würde und zu den 80ern stehen und sich äussern würde, ist aber ausser zweifel.
      hätte er jedoch damals farbe bekannt und sich geäussert, würde er heute keine chance haben das ganze zu organisieren, weil dann wäre er wie z.b. ayatollah montazeri unter hausarrest. und politisch war er eigentlich immer ein linker/sozialistisch beeinflusst.

  • prom000 | vor 965 Tagen, 33 Minuten

    Ein andere Blickwinkel

    http://alles-schallundrauch.blogspot.com/

    Auf dieses Posting antworten
    • cheguevarawithblingon | vor 965 Tagen, 24 Minuten

      meinst du das jetzt ernsthaft?

    • prom000 | vor 965 Tagen, 20 Minuten

      Ja, ist eine andere Sichtweise der Dinge, ob ich da zustimme ist wieder eine andere Frage.

    • cheguevarawithblingon | vor 965 Tagen, 8 Minuten

      naja...man könnte ja irgendwo damit anfangen wo er überall falsch liegt..
      aber ich fang mal damit an, wo er richtig liegt..

      spiegel ist echt ein dreck/hat sich zu dreck entwickelt.

    • indiaforme | vor 964 Tagen, 22 Stunden, 26 Minuten

      dieser blog spiegelt zu 99% den Blickwinkel unserer Herrn Strache und Graf!
      na sauber...

      welche sichtweisen?

    • prom000 | vor 964 Tagen, 19 Stunden, 55 Minuten

      ich seh den eher als linken den blgschreiber, wurde mir auch von einerl inken socke gemailed.
      Insofern: Rinks & Lechts sind sich näher als viele glauben.

    • indiaforme | vor 964 Tagen, 10 Stunden, 45 Minuten

      der grad ist leider sehr schmal. da treffen dann oft ähnliche blickwinkel aufeinander.

      nicht umsonst verwechselt man in berlin so manchen nazi mit einen autonomen. gleiche kleidung (der schwarze block auch bei den faschos), oft ähnliche argumente.
      aber das ist eine andere geschichte.

      trotzdem: wer chaos und katastrophen, wie 9/11 oder die iran wahl, rein als erfunden und provoziert sieht, leidet eindeutig an realitätsverlust.
      da wird die politische meinung zur geisteskrankheit.

    • nani | vor 963 Tagen, 23 Stunden, 1 Minute

      auweh.

      Irgendwogibt es dann doch noch eine Grenze zwischen einfacher Meinungsäußerung und Verschwörungstheorie. Vorallem, wenn in der Verschwörungstheorie zwar auftaucht, dass unsere Meinungen beeinflusst werden, aber nicht, dass die Menschen, um die es in der Sache eigentlich geht, nichteinmal die Möglichkeit haben, ihre Meinung öffentlich zu artikulieren.
      Es ist schon traurig, wie viel Information als seriös auftritt und das eindeutig nicht ist ...

  • fernesdasein | vor 965 Tagen, 33 Minuten

    ... beim zweiten twitter-link ist irgendwas in der verlinkung schief gelaufen !

    Auf dieses Posting antworten
    • pacoblanco | vor 965 Tagen, 29 Minuten

      link klicken und den teil mit "uptodate" auslassen.

    • fernesdasein | vor 965 Tagen, 21 Minuten

      jaja danke, ich weiß mir schon selbst zu helfen ;)
      aber es muss ja nicht sein dass der link für immerundewig falsch bleibt hier

    • utehoelzl | vor 964 Tagen, 10 Stunden, 39 Minuten

      der link ist ausgebessert.

  • confetti | vor 965 Tagen, 4 Stunden, 27 Minuten

    Frage

    Wenn freie Wahlen in einem Gottesstaat etwas bewirken würden, wären sie dann nicht schon längst verboten?

    Auf dieses Posting antworten
    • oxymoron | vor 965 Tagen, 1 Stunde, 11 Minuten

      solange nur jene kandidaten wählbar sind, die vom wächterrat gutgeheißen werden, ist eine gröbere änderung durch wahlen allein ohnehin ziemlich unwahrscheinlich.

    • pacoblanco | vor 965 Tagen, 30 Minuten

      Im Grunde sind und waren alle Kandidaten Gesetzeskomfort und keiner wollte eine grössere Revolution, sondern war eher auf Systemerhalt und Kosmetik aus.
      Doch da die Verfassung des Iran einen sehr grossen Interpretationsbogen zulässt, kann eben der jeweilige Präsident den Verfassungsbogen weiter spannen als normal.Insofern macht es schon einen Unterschied, ob Mousavi, Karroubi oder Ahmadinejad Präsident sind. Oder um einen anderen Vergleich herzuziehen, wenn nur FPÖ und BZÖ in Österreich antreten würden, würde ich wahrscheinlich eher BZÖ wählen, bzw. wenn nur FPÖ, BZÖ und ÖVP, dann ohne Zweifel die ÖVP.

    • prom000 | vor 964 Tagen, 19 Stunden, 52 Minuten

      und wenns nur KP, SP & Grüne gebe...

      wieder mal so ein linker schwachsinn.

    • pacoblanco | vor 964 Tagen, 13 Stunden, 15 Minuten

      Wenn es nur KP, SP & Grüne geben würde, dann SP oder Grüne, je nachdem.
      Wenn es nur SP und VP geben würde, dann wahrscheinlich öfters SP.
      Wenn es nur etc. usw.

      Ich habe das Beispiel mit BZÖ und FPÖ genommen, weil das jemand gebracht hatte die letzten Tage.

    • prom000 | vor 964 Tagen, 2 Stunden, 1 Minute

      ja schon klar...