Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Pirate Bay soll verkauft werden"

Musik, Film, Heiteres

Felix Knoke

Felix Knoke Berlin

Verwirrungen zwischen Langeweile und Nerdstuff

30. 6. 2009 - 16:17

Pirate Bay soll verkauft werden

Ein schwedisches Unternehmen will die Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay aufkaufen - ein Skandal in der Filesharing-Szene. Die Hintergründe sind unklar, die Spekulationen weit.

Mit der Ankündigung des Verkaufs der Filesharing-Suchmaschine The Pirate Bay an die Werbe- und Softwarefirma Global Gaming Factory X AB verursachten die Oberpiraten geradezu einen Skandal in der Filesharing-Szene. Für 60 Millionen Kronen, also 5,5 Millionen Euro, soll der bekannteste Torrent-Tracker den Besitzer wechseln - eine Hälfte in Cash, eine in Aktien. Sellout oder Bail-out?

Die - mir bis dato bekannten - Hintergründe habe ich bereits hier aufgeschrieben, an dieser Stelle will ich mir ein paar grundsätzliche Gedanken zum Thema Pirate Bay machen. Trotzdem die kurze Zusammenfassung:

Die Verantwortlichen der Pirate Bay wollen Domain, Webinhalte und damit verbundene Unterseiten abgeben - offizielle Eigentümer waren sie seit 2006 nicht mehr. Das eingenommene Geld soll in eine Stiftung fließen, die weitere Projekte der Piraten unterstützt.

Der neue Besitzer will die Seite angeblich weiterbetreiben, aber Einkünfte an Urheber weiterleiten und mithilfe ebenso dazu erworbener Anteile an der Technologie-Firma Peerialism AB ein neues Torrent-Vertriebssystem digitaler Inhalte aufbauen.

Soweit die Theorie. Was sich Onlinepiraten freilich tatsächlich fragen: Was steckt wirklich hinter den warmen Worten? Einige wähnen die Pirate Bay schlicht tot, wie man zum Beispiel bei den Kommentaren zum offiziellen Blog-Eintrag der Piraten oder beim Filesharing-Blog Torrentfreak ablesen kann: klick und klack.

Tatsächlich tut sich einiges in Filesharingland: Zum einen boomen private, nach außen abgeschottete Torrent-Tracker, zu denen man nur nach Einladung Zutritt bekommt und die die strenge Einhaltung von Regeln und Upload-Raten einfordern, zum anderen wird das achtjährige BitTorrent-Protokoll wohl nach und nach von Server-losen Filesharing-Techniken ersetzt, die keine vorgefertigte Struktur mehr benötigen, sprich: Server, die beschlagnahmt oder kontrolliert werden könnten. Ein Beispiel: Tribler, der dezentrale BitTorrent-Client, der auch Dateien streamen kann. Videostreaming mit BitTorrent-Technik hört sich nach tollen Möglichkeiten an - damit braucht man keine Serverfarmen -, sind allerdings auch irgendwie ein, äh, alter Hut, den sich noch niemand richtig aufsetzt.

The Pirate Bay wird durch so eine Entwicklung schlicht überflüssig: Medieninhalte fließen zum Nutzer. Der muss keine Musik- und Filmdateien mehr herunterladen, diese schweben vielmehr im Netz: Ein ständiges Angebot, das mit der eigenen Upload-Kraft mit am Leben gehalten wird. Es ist ja das grundlegende Problem solcher Tracker: Sie durchsuchen, aber bieten nichts an. Sie wissen alles, aber man muss sie fragen. Last.fm und Co. machen vor, dass es aber auf Angebote ankommt.

Meine Vermutung ist jetzt - mal von der drohenden Gefängnisstrafe und dem 30 Millionen Kronen (2,74 Euro) teuren Schadensersatz abgesehen - dass die Piraten sich auf ihre Rolle als Pioniere der Infrastruktur besinnen wollen. Jetzt schon bieten sie Anti-Überwachungswerkzeuge, wollen ein neues Online-Bezahlsystem etablieren und eine alternative Videoplattform aufbauen. Angenommen - und an dem Punkt bin ich mir nicht gerade sicher - angenommen, die Pirate-Bay-Verantwortlichen sind tatsächlich Überzeugungstäter, ideologische Piraten, dann müssen sie sich quasi von der Pirate Bay entfernen, zum einen, weil sie ihr Ende vorhersehen, zum anderen, weil sie der Koloss langweilt. Denn es gibt erheblich interessantere und - aus piratenideologischer Sicht - sinnvollere Betätigungen im weiten Meer der Urheberrechtsverletzungen aka Medienwandel als Dateien zu verwalten.

Was mich zudem verwirrt, ist der fast greifbare Scheißegeruch dieser ganzen Geschichte. Ein unbekanntes Zwergaktien-Unternehmen bietet eine Millionensumme für ein Monstrum einer Website, dessen Betreiber demnächst wohl ins Gefängnis gehen, will diese Website komplett umwälzen (Geld an Inhaber von Urheberrechten auszahlen), aber alles beim Alten lassen. Das kann es doch nicht sein, oder? Hat da jemand eine superpopuläre Domain gekauft und aus einer gewissen Verbundenheit einen gewisse Mäzenstatus versprochen für eine gewisse Zeit? Will da jemand an Technologie und Knowhow ran, ein fertiggebautes Modellflugzeug? Oder ist das eine etwas aufwändige Version eines Werbegags, der den Aktienkurs der GGF sprunghaft vervielfachen soll - um damit leichter einkaufen zu können?

Klar ist: Gewinner der Geschichte ist bislang die Global Gaming Factory X, deren Aktienwert sich schlagartig verdoppelt hat. Gelitten hat die Glaubwürdigkeit der Pirate-Bay-Verantwortlichen, die noch bis gestern irgendwas zwischen Märtyrer und politischer Leitfigur verkörperten und jetzt einstecken müssen.
Vielleicht ist damit die große Blase geplatzt, die sich die reichlich arroganten Oberpiraten selbst aufgeblasen haben - ein Blick in den PB-Blog reicht. Vielleicht ist das Verfahren, das sie erstinstanzlich verloren haben und zu dem sie in Berufung gehen, doch auch endgültig verloren, vielleicht die ganze Befangenheits-Nummer ein peinlicher Patzer, der den Piraten den Nimbus nimmt und sie als trotzige Kinder dastehen lässt, die nicht verstehen wollen, dass sie gegen Recht verstoßen haben. Egal, wie das moralisch auch zu bewerten ist.

Haftungsausschluss

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

Zum Eingabeformular Kommentieren

  • er5fighter | vor 867 Tagen, 15 Stunden, 53 Minuten

    re: torrents wayne :OOOO

    ja genau, Torrents?? geht nach hause ihr kinder ^^ :OOOO

    WAYNE INTERESSIERT DAS!!!!!

    Auf dieses Posting antworten
  • donisl | vor 957 Tagen, 20 Stunden, 20 Minuten

    lol torrents... wayne

    Auf dieses Posting antworten
    • confetti | vor 957 Tagen, 17 Stunden, 42 Minuten

      zufällig sinkt fast immer die geschwindigkeit mancher torrents bei ca. 95 % vor fertigstellung in den keller.

    • fußnote | vor 957 Tagen, 16 Stunden, 6 Minuten

      sofern dieser verworrene satz das aussagen soll, was ich vermute, ist der geschilderte umstand allein aufgrund der technischen eigenheiten der torrent distribution zu erklären.

  • karlll | vor 958 Tagen, 38 Minuten

    Wer glaubt, dass die PirateBay Typen uneigennützige Robin Hoods sind/waren, glaubt auch an den Osterhasen. Und Stiftung klingt gut, ich vermute im steuergünstigen Ausland. Die Sache mit dem Verkauf mutet wirklich komisch an. Wieso zahlt eine Firma Millionen für eine Site, deren Besucher ungern Geld ausgeben?

    Auf dieses Posting antworten
    • malefue | vor 957 Tagen, 20 Stunden, 50 Minuten

      wer sagt denn dass tpb-nutzer ungern geld ausgeben?

    • karlll | vor 957 Tagen, 19 Stunden, 41 Minuten

      Warum geht man auf die PB-Seite? Um Filme,Musik und Games zu KAUFEN?

    • fußnote | vor 957 Tagen, 18 Stunden, 5 Minuten

      um musik, filme und games kostengünstig, bequem und mit geringer wartezeit zu organisieren. und was genau hat das mit generellem kaufverhalten zu tun?

    • karlll | vor 957 Tagen, 14 Stunden, 44 Minuten

      Stichwort targeted traffic. Wenn eine pay-content Firma eine Warez-Site kauft, ist das in etwa so, wie wenn ein Sportartikelhändler eine Literatur-Site kauft.

    • fußnote | vor 957 Tagen, 12 Stunden, 40 Minuten

      oder so, wie wenn ein reicher russischer businessmann ein englisches fußballteam kauft...
      ich glaube du denkst ein wenig zu geradlinig.

    • karlll | vor 957 Tagen, 11 Stunden, 43 Minuten

      Reicher businessman ist gut. Global Gaming Factory X ist eine komplette Pleitefirma. Meine wilde Spekulation: Sie sind nur Strohmänner für TPB. Unter dem Vorwand auf paid content umzustellen,lassen sie die Site einfach weiterlaufen, um weiterhin Werbeeinnahmen zu erwirtschaften, die bei Millionen Besuchern/Tag nicht unerheblich sein sollten. Bis der ganze Laden dann endgültig geschlossen wird.
      Schräg genug gedacht? :-)

    • fußnote | vor 957 Tagen, 10 Stunden, 20 Minuten

      jein. wie die tpb betreiber im eigenen blog auch sehr korrekt angemerkt haben ist die absicherung zum qualitätserhalt der seite die tatsache, dass der durchschnittliche internetuser unglaublich volatil ist. sobald diese unschöne kommerzialisierung anfängt werden leute auf wesentlich bessere suchmaschinen ausweichen, und ggf x als betreiber des trackers hängt nach wie vor mit copyrightsverletzungen in der kreide. das alles ändert aber dennoch nichts an der von dir abgesprochenen liquidität und geldausgabefreudigkeit der torrentnutzer.

  • fußnote | vor 958 Tagen, 13 Stunden, 16 Minuten

    die aktuelle popularität von tpb ist mir nach wie vor ein rätsel: niemand, der schon etwas länger (und "aktiver") im internet umherkreuzt (sprich: nicht nur emails checkt und in der lage ist facebook zu finden), verwendet diesen tracker als erste anlaufstation für contentsuche, vor allem auch deswegen, weil ähnlich wie bei großen tv-sendern für jeden geschmack ein bisschen was dabei ist, ansatzweise "speziellere" anfragen aber grundsätzlich keine ergebnisse liefern.

    der interessanteste aspekt an tpb war daher vermutlich die politisierung und das infrage stellen althergebrachter machtstrukturen im kulturellen sektor, gerade zu zeiten, wo alleinerziehende mütter kolportiertermaßen wegen einer handvoll illegaler downloads zu siebenstelligen dollarbeträgen verurteilt werden.

    insofern wäre der tod des projekts pirate bay besiegelt, sollte sich das eigentliche mäzenatentum als reine gewinnstrategie herausstellen.

    however, r.i.p.

    Auf dieses Posting antworten
    • jimihendrix87 | vor 957 Tagen, 21 Stunden, 9 Minuten

      kann ich so nicht unterschreiben. Bin auch schon länger in diesen Kreisen unterwegs und TPB hat mir immer (auch jetzt noch) gute Ergebnisse geliefert. Habe schon einige Sachen gefunden, die ansonsten so gut wie nirgendwo im Netz aufzutreiben sind. BTW - Die eierlegende Wollmilchsau in Form einer Torrent Search Engine wird man so und so vergeblich im Netz suchen.

    • fußnote | vor 957 Tagen, 20 Stunden, 54 Minuten

      private tracker. nuff said.

    • nukeduken | vor 957 Tagen, 15 Stunden, 52 Minuten

      "alleinerziehende mütter kolportiertermaßen wegen einer handvoll illegaler downloads zu siebenstelligen dollarbeträgen verurteilt werden"

      typisches bsp. für die typische, dumme, selektive berichterstattung und dazu leider auch oft dumme wahrnehmung der leser.

      denn ein paar kleine zusatzdetails hast du wohl überlesen oder eben einfach alles geglaubt was in 3 zeilen krone steht.

      1. tatsächlich ging es um 1700 songs, die sie zum download angeboten hat
      2. die beschränkung auf 24 songs geschah aus reinen formgründen
      3. der betreffenden person wurde im voraus ein vergleich angeboten, 3500 dollar. also pi mal daumen 2 euro pro illegal zum download angebotenen titel. hat sie abgelehnt.

      erstaunlich, wie durch das drehen an nur wenigen stellschrauben aus 2 euro strafe pro illegal zum downloaden angebotenen titel (bei 1700 titeln insgesamt, also schon wirklich *richtig* aktiv) 80.000 euro pro unschuldig runtergeladenem titel bei insgesamt 24 titeln werden können.

      ist halt die viel bessere story, und man kann so schön den kopf darüber schütteln und muss sich nicht mit anstrengender differenzierung rumschlagen ...