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Musik, Film, Heiteres

Christian Fuchs

Christian Fuchs

Twilight Zone: Film- und Musiknotizen aus den eher schummrigen Gebieten des
Pop.

13. 7. 2009 - 14:04

Schöne Sätze

Alltagsweisheiten, Banalitäten und Oneliner, aufgeschnappt von einem bekennenden Magazinjunkie. Heute unter anderem mit Jarvis Cocker, Bret Easton Ellis, Birgit Minichmayr.

Jim Jarmusch, Regisseur, über die konstruierte Realität
Unsere Realität ist von außen vorgegeben. Warum zum Beispiel wird alles nach dem Geldwert bemessen? Warum ist Gold mehr wert als Kupfer, Diamanten mehr als ein Stück Kohle? Das ist ein total beliebiges System, das irgendwann so festgelegt wurde. Solange wir uns so eingrenzen lassen, bleiben wir in den alten Modellen stecken. Die Struktur der Weltwirtschaft ist am Ende. Die Energiekonzepte sind am Ende. Das System muss nicht repariert, sondern ausgewechselt werden.
(Der Tagesspiegel)

Jarvis Cocker, Sänger, über Konsum
Gehen Sie mal auf MySpace. Die Profile der Leute sind nichts anderes als Auflistungen der Dinge, die sie konsumieren. Sie knüpfen Freundschaften auf der Basis der Schnittmengen ihres Konsums. Du magst Depeche Mode? Cool, ich auch. Lass uns Freunde sein! Das ist doch verrückt. Konsum ist immer passiv, er betäubt die Menschen. Sie vergessen dabei, wie wichtig es ist, selbst kreativ zu werden. Und wenn sie dann doch mal kreativ sind, dann ist das Ergebnis meist nur eine Quersumme der Dinge, die sie konsumieren.
(Spex)

Bret Easton Ellis, Autor, über allgegenwärtigen Narzissmus
These days, everything is so much easier. It's so much easier, for example, to create a fantasy self on the web than to be yourself in real life. We live in an era of easy come, easy go, a time of frenzied narcissism. Everyone wants to show they exist and has the means to do so with the Internet. Everyone can become the hero of their own story and can lie about their lives on Facebook. Facebook is a pack of lies.
(Vogue Hommes International)

Birgit Minichmayr, Schauspielerin, über ihre Motivation
Ich glaube, ich wollte nie gefallen, sondern ich wollte etwas vertreten, was ich denke. Natürlich kann ich dabei Überredungskünste an den Tag legen, aber im Grunde ist es der Tod, nur gefallen zu wollen. Natürlich will man geliebt werden, aber das kann für mich nicht der alleinige Antrieb sein.
(Ray)

Birgit Minichmayr

Beth Ditto, Frontfrau von Gossip, über Ausverkaufsvorwürfe
Viele unserer langjährigen Fans haben wir ohnehin längst vergrault - dadurch, dass plötzlich die Boulevardblätter über mich schreiben. Ich spreche über jenen Typ Punkspießer, der eine Band nur toll findet, solange sie ihm das Gefühl vermittelt, Mitglied einer coolen Geheimgesellschaft zu sein. Solchen Fans ist es im Grunde egal, was für Musik man spielt - sie soll nur bitte immer schön Underground bleiben.
(Spex)

Bret Easton Ellis, Autor, über verblassende Sexsymbole
I think that today, the sex symbols aren't the movie stars, because we don't need stars to stoke our sex fantasies any more. Today, there are so many places where you can find all you need to satisfy your sexual proclivities. People have their own websites where they show everything, and you can simply go to their site to find what you're looking for.
(Vogue Hommes International)

Iggy Pop, Sänger, über seine Vorliebe für den Jazz
Im Rock geht es immer um dieselben Themen: Ich töte dich - ich ficke dich - ich nehme dir dein Geld weg - was bin ich doch für ein toller Typ! Oder man stilisiert sich zum neuen politischen Führer. Das ist nicht mein Ding. Ich wollte mal ein anderes Spektrum von Gefühlen ausdrücken.
(Musikexpress)

Jarvis Cocker, Sänger, über Frauen
Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, die stark von Frauen bestimmt war. Ich bin daran gewöhnt, dass Frauen Entscheidungen treffen, Dinge organisieren und die Kontrolle haben. Das ist für mich auf fundamentale Weise die natürliche Ordnung der Dinge. Und auch der Auslöser für einige Probleme, gerade in Beziehungen. Ich tendiere dazu, die passive Rolle zu übernehmen. Das ist nicht immer unbedingt die richtige.
(Musikexpress)

Jarvis Cocker

Bret Easton Ellis, Autor, über seinen neuen, relaxten Zugang zur Welt
You have to take life as it comes. My new take on existence, the distance I'm trying to achieve in relation to myself by trying not to relate absolutely everything to me and seeing other people as they are, has really calmed me. Perhaps it's more boring like that, but that's how things are.
(Vogue Hommes International)

Philip Seymour Hoffman, Schauspieler, über sein Leben
Ich bin 41, übergewichtig, werde alt, habe drei Kinder. Habe ich etwas verpasst? Kriege ich auch alles mit? Das ist schon ein recht emotionales Ding. Und irgendwann merkt man einfach: Der Moment zählt - mehr als alles andere.
(ORF on)

Jarvis Cocker, Sänger, über Frauen (2)
Wenn du Frauen respektierst und versuchst, sie gleichberechtigt zu behandeln, aber gleichzeitig begehrst du sie, dann wird die Sache schwierig. Du machst sie auf eine bestimmte Art zu Objekten, weil du dich nicht nur auf sie als Mensch beziehst, sie erregen dich auch. Und erotische Anziehung darf ja nicht zu nett und freundlich sein.
(Musikexpress)

Patrick Wolf, Sänger, über seinen Gefühlszustand
People have called me mad, bipolar, and schizophrenic over the years. But so what? I enjoy my madness. It goes terribly well with creativity, don't you think?
(Nylon)

Patrick Wolf

Birgit Minichmayr, Schauspielerin, über das Web 2.0
Mich stresst sowas nur, ich kann gerade E-Mails lesen und CDs brennen und sowas. Ich habe auch seit sechs Jahren kein Fernsehprogramm mehr. Ich wollte diesen Schrott nicht mehr in meinem Wohnzimmer haben. Das deprimiert mich nur und frustriert mich, das ist mir zu blöd und zu dumm und zu zeitverschwenderisch.
(Ray)

Mark "E" Everett, Sänger der Eels, über seinen Bart
If you are a rock singer, and you don't grow a big beard, you're disrespecting your rock stardom. You gotta let your freak flag fly now and then. There are a lot of people who can't grow a beard like mine because they have to go into an office everyday, and they might get fired or whatever. So this is a burden I have to bear - I grow this beard for all the guys who can't.
(NME)

Faris Badwan, Sänger von The Horrors, über Klatschjournalismus
I just don't care about it. There's literally no way of avoiding people's preconceptions about us, so why bother trying to challenge them? Nowadays the amount of information that people have acess to is so great that it's impossible to achieve any kind mystery. I can't even think of one band that has that.

Jarvis Cocker, Sänger, über die Homogenisierung
Die Menschen haben mit dem Computer Zugriff auf die ganze Welt, sie konsumieren dieselben Stimulanzien, und im Schatten wächst nichts mehr. Statt der Diversifikation erleben wir eine Homogenisierung. Alles wird langweiliger.
(Spex)

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Forum

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  • redde | vor 1045 Tagen, 23 Stunden, 42 Minuten

    Jim Jarmusch, so sehr ich ihn schätze, hat 0 Ahnung von Ökonomie. Wieso ein Diamant mehr wert ist als Kohle? Weil er seltener ist! "Scarcity of Goods" ist der Grund wieso es Wirtschaft gibt. Dass sich die Verhältnisse verschieben werden, ist auch klar, weil nunmal andere Güter seltener werden.

    Naja, zumindest macht der Herr gute Filme!

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    • dilak | vor 1045 Tagen, 16 Stunden, 26 Minuten

      ahso...

      also wenn irgendwannmal alle kohle der welt aufgebraucht ist, dann werden die letzten kohlestücke die ich heute dann doch nicht in den griller schütten werde voll viel wert sein!
      Ich seh schon Filmstars mit/um kohle halsketten und/oder ringen.

    • jimihendrix87 | vor 1045 Tagen, 16 Stunden, 21 Minuten

      Holzkohle, welche du in den Griller schüttest, ist erneuerbar --> nix wert

    • dilak | vor 1045 Tagen, 14 Stunden, 35 Minuten

      erneuerbar solange es bäume gibt.
      mkey.
      und geld: ist auch erneuerbar daher also inflation und irgendwann nix mehr wert. geil.

    • heinzheinrich | vor 1045 Tagen, 11 Stunden, 43 Minuten

      geld ist keine ressource....

      ...sondern das medium über das werte zwischen zumindest 2 entitäten vermittelt/übertragen werden und bei dem die transaktionskosten innerhalb eines weitreichenden tauschnetzwerkes (also innerhalb eines wirtschaftssytem und nicht z.b. der familie) am niedrigsten sind; es hat selbst gar keinen wert, sondern dient zur repräsentation dessen eines gutes; der wiederum steigt mit der knappheit;
      und ja - sollte holzkohle einmal knapp werden, wird sie auch mehr wert werden; genauso wie sauberes wasser oder luft; deren wert nimmt man momentan (bei uns) nur noch nicht war, weil das eine noch zu den freien, das andere zu den öffentlichen gütern gehört, weil sie eben überhaupt nicht knapp scheinen;
      im übrigen: diamanten werden immer wertvoller bzw. knapper als kohle sein - denn: Kohle nach ein paar tausend jahren und genug druck=diamant; d.h. knappheit ergibt sich auch über den aufwand (zeit, energie...) der in etwas steckt;
      immaterielle informationsgüter haben nun genau das problem, dass sie an sich nicht mehr knapp sind; das traditionelle ökonomische denken, also nicht mehr greift; deshalb gibt es bezüglich dieser ja auch ansätze, die die knappheit nicht mehr auf produktions- sondern auf konsumationsseite integrieren - stichwort aufmerksamkeitsökonomie und mentaler kapitalismus; also nicht mehr das...

    • heinzheinrich | vor 1045 Tagen, 11 Stunden, 41 Minuten

      gut ist knapp und wertvoll sondern die, die es konsumieren;
      trotzdem bleibt was knapp und dadurch wertvoll;

  • schubiduh | vor 1046 Tagen, 8 Stunden, 49 Minuten

    Schön zu lesen das Jarvis Cocker, der Held meiner Pubertät, immer noch so locker flockig die Dinge auf den Punkt bringen kann. So herrlich unpathetisch, unprätentiös und doch mit einem immer durchschimmernden wohlwollenden Blick auf das Menschlich - Allzumenschliche....Totally agree, ganz besonders was das Dilemma mit Frauen betrifft....(ein Klassiker)

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  • oberdenker | vor 1046 Tagen, 9 Stunden, 36 Minuten

    Ellis Facebook-Kommentar

    Interessant! Weshalb ich ihn gleich zu den Facebook-Kommentaren der "Denker" gestellt habe: http://www.diedenker.org/inhalte/viewtopic.php?t=327&postdays=0&postorder=asc&start=2

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  • harald123 | vor 1046 Tagen, 10 Stunden, 18 Minuten

    sehr schön auch Birgit Minichmayr übers Fernsehprogramm. A propos: Christian, hast du inzwischen 'Alle Anderen' gesehen?

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    • oberdenker | vor 1046 Tagen, 9 Stunden, 32 Minuten

      alle anderen

      hast du den film denn gesehen? wenn ja, wie hat er dir gefallen?

    • oberdenker | vor 1046 Tagen, 9 Stunden, 25 Minuten

      alle anderen (ps)

      hab grad auf deinem profil gesehen, dass du eine hübsche filmkritik-seite hast und demnach deine meinung von "alle anderen" auch nicht so positiv ist...

      ich hab meine meinung auch öffentlich abgegeben. bei interesse siehe
      http://www.diedenker.org/inhalte/viewtopic.php?t=355

      was ich seltsam finde: die "offiziellen" kritiken (in angesehenen zeitungen) sind fast überall positiv, die userkommentare dazu jedoch fast überall negativ. kritiker mögen wohl das anstrengende? ich hab ja eigentlich auch nichts dagegen, sofern gute aussagen drin stecken. aber die aussagen dieses films rechtfertigen dessen "anstrengung" meines erachtens nicht, weshalb ich die kritiker nicht ganz verstehe.

    • christianfuchs | vor 1046 Tagen, 5 Stunden, 24 Minuten

      "alle anderen" da capo

      gestern finally gesehen.

      bin zerissen, ehrlich gesagt.

      ein horrorfilm, irgendwie, ein kommentar zur unendlichen banalität des seins & zur latenten tristesse von beziehungen, der beispielsweise vergleichbare heimische filme in seiner konsequenz weit hinter sich lässt.

      aber, obwohl gut gemacht, gut gespielt, formal sehr schlüssig - warum schau ich mir das überhaupt an? keine der ausagen, stimmungen, gefühlslagen - ob aufdringlicher natur oder nur angedeutet - überraschte oder gar verstörte mich, nichts berührte mich ernsthaft, abgesehen von der finalen swimmingpool-sequenz. das wurde natürlich durch die hochgradig unsympathischen charaktere verschärft.

      er hat mich aber auch nicht geärgert oder so. einfach kaltgelassen.

      vielleicht weil die unendliche banalität des seins für mich ein faktum ist. und ich gerade kino oft benutze, um mich aus eben dieser banalität rauszukatapultieren.

  • fille87 | vor 1047 Tagen, 5 Stunden, 23 Minuten

    am besten gefällt mir, was jarvis cocker über konsum sagt

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    • harald123 | vor 1047 Tagen, 4 Stunden, 59 Minuten

      und über frauen - so damn right.

    • alabaster | vor 1040 Tagen, 12 Stunden, 44 Minuten

      ich bezweifle aber, ob das früher so anders war. Da hat man nur wesentlich weniger Leute gefunden, deren Geschmack sich ähnlich entwickelt.

  • erynnia | vor 1047 Tagen, 8 Stunden, 14 Minuten

    der herr cocker hat eine sehr klare art, die dinge zu sehen. angenehm, sowas.

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