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Musik, Film, Heiteres

Martin Pieper

Martin Pieper

Ist Moderator und Chefredakteur von seinem Lieblingssender. Hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

19. 7. 2009 - 16:11

Totgesagt und nicht gestorben

Jochen Distelmeyer ist zurück. Im September kommt eine Soloplatte, auf die eine Mini-Tour im deutschen Hinterland einen Vorgeschmack gab. Würzburg, olé!

Bei meiner letzten Begegnung mit Jochen Distelmeyer auf dem Blumfeld-Abschiedskonzert in Wien habe ich ihm beim Autogrammabholen noch das Versprechen abgerungen, keinen Gedichtband zu schreiben, sondern weiter zu singen. Und genau so sollte es auch kommen.

plattencover jochen distelmeyer

Würzburg

Jochen Distelmeyer ist extrem gut gelaunt. Der Club Cairo in Würzburg ist klein, heiß und voller Erwartung auf das, was an diesem schwülen Freitag abend dort passieren wird. Viel hat man im Vorfeld noch nicht gehört vom ersten Distelmeyer Soloalbum. "Heavy" wird es heißen, und ein Song steht schon offiziell im Netz: "Wohin mit dem Hass?", ein Kracher vor dem Herren, und das Stück, mit dem das Konzert eröffnet werden wird. Noch hängt die neue Band beim Essen ab. Man spürt eine aufgeregte Unsicherheit. Es ist erst das dritte Mal, dass sie in dieser Zusammensetzung vor Publikum spielen. "Eine intensive Plattenaufnahme", so Jochen Distelmeyer, liegt hinter ihnen. Eifrig wird über Musik diskutiert. Morgen wird es zum Melt Festival gehen, wo Jochen Distelmeyer auf der großen Bühne gemeinsam mit Bloc Party, Animal Collective oder The Whitest Boy Alive auftreten wird. Soll man sich dann besser Diplo oder Wedding Present anschauen? "Und warum verpassen wir ausgerechnet Aphex Twin?"

Live
Jochen Distelmeyer ist ab November 2009 auf großer Deutschlandtournee, Österreichtermine sind in Planung.

jochendistelmeyer.de/

Apropos Band: Lars Precht, der jetzt den Bass spielt, hat das auch schon bei Blumfeld getan. Neu hinzugekommen sind Bennie Thiel (Schrottgrenze, Good Heart Boutique) am Schlagzeug, Henning Watkinson vom Jeans Team an der Gitarre und Daniel Florei an Tasten und Gitarre. Die Besetzung ähnelt durchaus der von Blumfeld. Deren Schlagzeuger hätte aber wahrscheinlich kein Minor Threat T-Shirt angehabt.

Das schockt!

Jochen Distelmeyer solo, das ist weder die komplette musikalische Kehrtwende in Richtung ... sagen wir Dubstep, noch der idiosynkratische Rückzug ins Akustisch-Folkige. Das Konzert wird mit drei der neuen noch unveröffentlichten Songs eröffnet. "Wohin mit dem Hass", "Einfach so" und "Er". Es ist laut, direkt, die Intros erinnern eher an Hells Bells von AC/DC als an "Tausend Tränen Tief". Es rockt und rappelt oder wie es Jochen Distelmeyer bei einer der launigen Zwischenansagen formuliert: "Das schockt!". Dann spielen Jochen und Band die Songs von früher: "Eintragung ins Nichts", "Status Quo Vadis", "Heiß die Segel!" und anderes aus dem reichhaltigen Backkatalog. Insgesamt ziemlich Hälfte/Hälfte Solo- und Blumfeldsongs. Kerniger, lockerer klingen die alten Stücke mit den neuen Musikern und das macht Spaß.

Ein Parkplatz in Würzburg. Im Hintergrund: die deutsche Romantikstraße.

Das neue Material fügt sich beinahe nahtlos in die Setlist. Hängengeblieben ist mir beim ersten Hören der Song "Hinter der Musik (totes Kapital)", der auch alle zufriedenstellen sollte, die Jochen Distelmeyer nie den Schritt zum "Einfachen", zum "Kitsch" verziehen haben. Als Zugabe kommt der dylaneske Song "Jenseits von Jedem" mit seinen hundert Strophen und der umgehängten Mundharmonika und ein neues Stück namens "Murmeln": "Ich bin am Ziel. Ich weiß, was ich will und brauche nicht viel. Ich bin da, wo die Kinder spielen, und über uns der Zeppelin. Am Ende ist es nur ein Song, und ich flieg' davon."

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plattencover jochen distelmeyer

Ich musste an Morrissey denken und dessen erste Schritte ins Solokünstler-Dasein. Jochen Distelmeyer scheint, wenn es nach diesen ersten Konzerten geht, im Vergleich viel entspannter mit seiner musikalischen Vergangenheit umzugehen. Das leicht messianische ist ihm geblieben. "Gebt mir euren Hass und seht mir zu, wie ich ihn für euch verwandle. Wenn ich fertig bin, lass ich euch in Ruh, alleine mit eurem Hass."

Die erste Single aus dem Album "Heavy" (Veröffentlichung am 25. September) wird trotzdem "Lass uns Liebe sein" heißen. Jochen Distelmeyer kann nicht anders.

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  • rogersandega | vor 1041 Tagen, 6 Stunden, 41 Minuten

    Letzter Absatz:

    Das Album & die Single erscheinen im SEPTEMBER!!

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  • tosca | vor 1041 Tagen, 6 Stunden, 48 Minuten

    danke jochen! danke danke, dass du mich nicht im stich lässt.

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  • smoan | vor 1041 Tagen, 7 Stunden, 41 Minuten

    jössas, jetzt bin ich erschrocken. ich hab schon gedacht, der ist jetzt auch in echt gestorben ...

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    • souzy | vor 1041 Tagen, 6 Stunden, 47 Minuten

      mein herz beruhigt sich auch erst langsam wieder...

    • gentiluomo | vor 1041 Tagen, 4 Stunden, 56 Minuten

      dito.

    • martinpieper | vor 1041 Tagen, 4 Stunden, 41 Minuten

      sorry fürs erschecken. sollte ja nur ein launiges songzitat sein. aber in kombi mit dem bild vielleicht wirklich missverständlich.

    • christoffel | vor 1041 Tagen, 4 Stunden, 34 Minuten

      eigentlich ist "nicht gestorben" ja gar nicht sooo missverständlich für "nicht gestorben"...

  • christoffel | vor 1041 Tagen, 8 Stunden, 25 Minuten

    und wo ist jetzt der unterschied zu blumfeld? recht viel hatten die anderen bandmitglieder damals eh nicht zu sagen, oder?

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    • teaparty | vor 1041 Tagen, 2 Stunden, 44 Minuten

      der bassist hat seine schnauze wohl immer offen ghabt..