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Musik, Film, Heiteres

Arthur Einöder

Arthur Einöder

POP: Partys, Obsessionen, Politik. Ich fürchte mich vor dem Weltuntergang, möchte aber zumindest daran beteiligt sein.

22. 7. 2009 - 12:00

Im Dutzend dreckiger

Das Melt!-Festival am Wochenende war in Deutschland und schön.

Das Melt! Festival findet im Osten Deutschlands statt und hat jedes Jahr ein Motto. 2009 war es "The Dirty Dozen". Es gibt durchgehend Programm von Freitag Nachmittag bis Montag Mittag: hauptsächlich DJs und elektronische Acts. Der Sonntag gehört stets einer Headliner-Band - dieses Jahr Oasis.

Das Melt!-Festival ist mittlerweile zwar schon seit gut zwei Tagen vorbei, aber schließlich hab ich auch ein bissi schlafen müssen. Dort war mir nämlich die Zeit dafür zu schade. Warum, erklär ich dir jetzt in 12 Folgen. Wenn dir ein Absatz schon von der Überschrift her ziemlich wurscht ist, kannst du ihn überspringen. Es ist nämlich durchaus unzusammenhängend.

Ladies and Gentlemen, ein Applaus fürs dreckige Dutzend:

1. Das Gelände

Dort, wo jetzt das Melt! Festival stattfindet, war früher einmal ein Bergbaugebiet. Noch heute stehen riesige Dinosaurier aus Eisen herum. Weiße Leinwände sind sicher auch sehr super, aber wenn der/die VJ Visuals auf dreißigmeterhohe Kräne projeziert, oder Matthew Herbert von seinem Pult am Führerstand eines Krans auf die tanzende Menge runterwinkt - da ist mir durchaus das Herz aufgegangen. Aber sieh selbst:

Festival am Abend im Neonlicht. Zu sehen sind die hohen Baukräne aus Eisen.

2. Klaxons

Stell dir einmal vor, ein Festivalzampano steht vor deiner Tür und sagt: "Mein lieber Freund, meine liebe Freundin. Ich weiß nicht mehr weiter. Bitte sag mir doch, was für Acts ich auf mein schönes Festival buchen sollte."

Ohne einem Degree in Angewandter Esoterik oder einer nicht unbescheidenen Dosis bewusstseinsstimulierender Substanzen wird dir das nicht so ohne weiteres passieren. Umso schöner, wenn der Festivalzampano dein Wunschlineup auch ohne Nachfragen hinbekommt. Ohne Scheiß, mir ist das am Melt passiert. Am Freitag hab ich vor lauter Lieblingsbands überhaupt nicht mehr gewusst, wohin mit mir.

Die Klaxons hab ich mir aber unbedingt geben müssen. Ich war ganz schön aufgeregt. Stell dir einmal vor (einmal geht noch, du schaffst das!), eine Band, die dir sehr viel bedeutet, hat ein neues Album am Start. Wie werden die neuen Songs sein? Stellt sich heraus, dass dich die Band verraten hat? Dass sie statt deinen lieb gewonnenen Liedern nur mehr neumodisches Zeug spielen, mit dem du dich im Extremfall nicht einmal so recht anfreunden kannst?

Alles schwierig, gerade im Fall der Klaxons. Schließlich hätte ihr zweites Album schon erscheinen sollen, die Plattenfirma Polydor soll aber das fertig produzierte Teil der Band zurückgeworfen haben. Zu psychedelisch, zu unpoppig, zu 12-Minuten, zu Pink Floyd. Die neuen Klaxons-Songs sind nicht mehr Mythen vergangener Kulturen auf der Spur, sondern beschäftigen sich neuerdings mit Naturphänomenen und schließen so den Pynchon-Kreis.

Außerdem muss ich mir jetzt dringend ein T-Shirt machen. Die Refrainzeile "The Past Is Just A Guess" aus einem der neuen noch unbetitelten Songs geht wunderbar nicht nur als globaler zeitgeschichtlicher Hilferuf, sondern auch als privates Motto durch: Wenn am nächsten Tag gegen Mittag auf einmal zehn auf Grund von Netzüberlastung furchtbar verspätete SMS eintrudeln, denk ich mir dank Zeilen wie "Um 11 am Crepe-Stand?" und "Crystal Castles = KRIEG" dass der letzte Abend wohl recht funky war.

Publikum am Melt Festival

3. Crystal Castles

So was hab ich noch NIE erlebt. Weil ich auch nicht zum Heer wollte. Selber schuld. Muss ich mir halt meine Dosis Schützengraben auf solchen Kulturveranstaltungen holen. Stell dir die Arena-Halle in Wien vor, oder das Rockhouse in Salzburg. Und dass der gesamte, große Zuschauerraum von links vorne bis rechts hinten, ein einziges dicht gedrängtes Moshpit ist. Menschen bellen, beißen, tanzen und zucken im wahrsten Sinn des Wortes komplett aus. Und obwohl die Crystal Castles mit dem selben Song anfangen, wie die Klaxons zuvor (beide haben Atlantis To Interzone im Repertoire), ist das eine ganz andere Qual(ität).

Mit Singen und Musizieren und so hat das nichts mehr zu tun. Ethan zuckt herum und entlockt seinen Gerätschaften die Crystal Castles Blips und Beats und den ganzen Krach halt. Das widerum macht Alice durchaus arbeitslos - was ihr aber Raum dafür gibt, manisch auf der Bühne zu wirbeln. Mal ins Mikro und mal einfach nur so zu brüllen. Mit einem tragbaren Stroboskop die ersten Reihen an den Rand des epileptischen Anfalls zu treiben. Und darüber hinaus.

Die Bühnenansagen beschränken sich auf ein Minimum. Das hörige Publikum nimmt aber jedes von Alice geworfene Stöckerl dankbar an. Als die entrückte Frontfrau ein "We Are Your Friends" am Mikro vorbei nuschelt, gibt die Meute ein lautstarkes "You Never Be Alone Again" zurück. Das alles ohne Entertainerpose oder ausgefeilter Publikumsanimation von der Bühne. So schön kann Punk sein.

Wer sich die Crystal Castles am Stundenplan fürs FM4 Frequency nicht dreifach rot einringelt und mit zehn Rufzeichen versieht, begeht einen schweren Fehler. Auch die Bloc Party hat eine schöne Visitkarte fürs Frequency abgegeben. Sänger Kele ist sehr guter Laune und verschwindet beim Stagediven für einen ganzen Song einfach einmal im Publikum. Von dem lässt er sich auch the german word for dancing buchstabieren. Und inmitten eines anfeuernden T.A.N.Z.E.N. Sprechchors beginnt die Band dann ihr Flux. Ich freu mich auf Sankt Pölten.

Erste Reihe am Melt Festival

4. La Roux

Ich war ja jetzt länger unterwegs. Hab in Asien eine mathematische Formel entworfen, die Touristen entlarvt, und unter anderem BMI und IQ in Verbindung setzt. Hab in London gelernt, dass man a) zu Dubstep auch tanzen kann und dass b) Menschen, die das Wort Hype in den zwischen verzogenen Winkeln schmollenden Mund nehmen, einfach nur bloody jealous sind. Ein sehr sympathischer Ansatz, der dir jetzt auch bestimmt einen unverkrampfteren Umgang mit La Roux ermöglicht. Nichts zu danken - gern geschehen.

Der Regen am Melt! Festival hat jedenfalls mittlerweile bedrohliche Ausmaße erreicht, und deswegen ist es sogar im Zelt, in dem Elly Jackson auftritt, rutschig. Die entledigt sich daher ihrer Schuhe, bevor sie in for the kill geht. Ihre roten Haare hat sie zu einer neuen Frisur geformt, die sie am Melt! erstmals präsentiert. Leider kann ich dir kein Bild zeigen, weil mein Akku zu diesem Zeitpunkt schon leer war. Aber es sieht cool aus. Wie so ein Filzhut, der statt eines Gamsbarts einen überdimensionalen Hoxton Fin in der Mitte hat. Das alles aus Haaren! Zu welchen Leistungen die Haarsprayindustrie schon im Stande ist!

Das La Roux Set ist viel liver als ich mir das gedacht hab. Von einem Clubgig in Berlin haben mir meine Melt-Bekanntschaften erzählt, der sie an die Mini-Playback-Schau erinnert hätte. Und obwohl selbst das mich nicht besonders gestört hätte (Singen und Instrumente sind für eine super Show gar nicht nötig, fragt einmal bei den Crystal Castles nach), sind die drei Tourmusiker von Elly eine Bereicherung. Während ich mir während I'm Not Your Toy überlege, was wäre, wenn eine Band den obligatorischen toy-Reim einmal nicht mit boy, sondern auf soy machen würde, sind die Musiker immerhin schöne Projektionsfläche für Sojafantasien.

War übrigens auch fantastisch, das Konzert. Nur, dass da keine Missverständnisse aufkommen.

Regen. Menschen stellen sich unter einem Dach unter und warten.

5. Simian Mobile Disco

Weil ich ja zumindest im Ansatz so etwas ähnliches wie einen journalistischen Auftrag zu erfüllen habe, hab ich mir gerade den mittlerweile schon arg in Mitleidenschaft gezogenen Ausdruck von der Running Order vom Melt! aus dem Koffer geangelt. Ach ja, als nächstes waren dann Simian Mobile Disco dran. Und dazwischen hab ich bei Matthew Herbert und Koze getanzt, weil ich zu Gossip nicht mehr reingekommen bin. Was für ein Lineup!

Simian Mobile Disco sind in unseren Breiten nicht häufig zu sehen. Ab und zu gibts wo ein DJ-Set, aber live habe ich die noch nie gesehen. Gesehen hab ich sie am Melt auch nicht wirklich. Bühnenbeleuchtung ist den beiden Jamesen nicht so wichtig.

Wie bedient man eigentlich dieses riesengroße analoge Synthie-Teil auf der Bühne? Ausgesehen hat es exakt wie die Telefonanlage, die Angelina Jolie in "Changeling" bedient, also ziemlich 1930er-Style. Weil ich aber weder glaube, dass Furtwängler schon Synthies hatte, und die Simians wahrscheinlich auch nicht zum Telefonieren aufs Melt gekommen sind, hätte mich ein Blick aufs Equipment schon interessiert.

Zugutehalten muss ich ihnen allerdings ihren Einsatz fürs aktuelle Haydnjahr. Ich vermute jedoch, dass sie in ihren eher rudimentären Griechischkenntnissen Ferropolis (die Stadt aus Eisen) mit Eisenstadt verwechselt haben. Sehr konsequent führen sie Haydns Spirit in der Irreführung des Publikums weiter. Als Simian Mobile Disco das Break in Hustler unendlich in die Länge ziehen, und dann schon die Lichter angehen, glauben wir natürlich - richtig - ans Ende des Konzerts und fangen zu klatschen an. Dann gehts nach einer gefühlten Ewigkeit weiter im Song. Bumm Bumm Bumm Bumm! Komplette Ekstase inklusive.

Ach ja. Zur allgemeinen Erheiterung noch ein Eintrag in die unendliche Liste der misheard lyrics. Wie ich die Inzwischen-leider-nicht-mehr-Nummer-eins der FM4-Charts zum ersten Mal gehört hab, war ich überzeugt, sie würde On Acid They Are Huge gehen. In Wahrheit heißt das Teil Audacity Of Huge. Reingefallen.

Dann öffnen sich endgültig sämtliche Schleusen. Die Hauptbühne wird geschlossen, weil der Sturm ungeheure Wassermassen auf die Bühne peitscht. Moderat ersatzlos gestrichen. Alle stürmen ins Zelt, das für so viele Menschen nicht geeignet ist. Nach Stromaussetzern wird das Azzido da Bass Set unterbrochen. Party over. Am nächsten Nachmittag solls weitergehen. Auwei. Nix mit 24 Stunden Party. Als ich erfahre, was sich zeitgleich in der Slowakei abgespielt hat, denke ich mir gut so.

abendliche Festivalszenerie mit See.

6. Animal Collective

Zu Jochen Distelmeyers Solo-Ambitionen ist ohnehin bereits vieles gesagt, Filthy Dukes waren cool und zu The Whitest Boy Alive kann ich nicht viel Berufenes sagen. Dafür hab ich einen bemerkenswerten Dokumentarfilm gesehen: Favela On Blast, der Film von Diplo über (Baile) Funk in Rio. Deize Tigrona, DJ Marlboro, Sandrinho und viele mehr hat er besucht und porträtiert. Dass Deize Tigrona leider ihren Melt!-Auftritt mit Daniel Haaksman absagen musste, hilft nicht besonders weiter, eindrucksvoll sind die Bilder und die Geschichten die Diplos ProtagonistInnen erzählen allemal.

Der Weg vom so genannten Revolutionspalast (wo das Filmscreening war) zur Hauptbühne mit Animal Collective ist vielleicht nicht weit, hat mich dann aber doch in ein komplett neues Universum gebracht.

Warum gehen Ameisen nicht in die Kirche? Weil sie inSekten sind.

Den Insektenschwarm geben auch Panda Bear und seine Gefolgsmänner. Wie ein Gewitter kommen sie über das Melt! Festival. Bühne und Equipment haben sie in weiße Laken gehüllt und rundherum rauscht und zirpt und flattert es. Animal Collective haben live ihre Liebe zum Dub erforscht. Viel Hall, viel Echo, viel Atmosphäre. Kein einziges Wort ist zu verstehen: die Ameisen sind heute auf Halluzinogenen, oder singen in Fantasiesprachen oder sind ganz einfach nur in Trance. Letzteres gilt auf jeden Fall fürs Publikum, das die eher statisch agierenden Insekten vor einer in grellen Farben schimmernden LED-Leinwand (oder wie sowas halt heißt) sieht.

drei Männer haben sich als Schlümpfe verkleidet und posieren mit einer verwunderten Frau. Im Hintergrund: Festivalgeschehen

7. Fever Ray

So sind sie, die Schweden. Hauptsache Möbel. Tourst du noch, oder lebst du schon?, hat sich Karin Dreijer Andersson gefragt, und sich kurzerhand ein Dutzend Wohnzimmer-Stehlampen auf die Bühne gestellt, die wie von Geisterhand ein- und ausgeschalten werden. Viel zu sehen ist sonst nicht auf der Bühne, die wie auch schon bei den Simianbuben finster bleibt. In bester The Knife Tradition spielt Fever Ray mit Realität, Fiktion und Illusion. Wir sehen gar nichts.

Links an den Bongos steht eine zwölfjährige Inderin mit Pippi-Langstrumpf-Zöpfen. Da in der Mitte, neben der Sängerin, spielt ein schwarzer Kranich ein prähistorisches Instrument. Und ganz rechts hat Marge Simpson eine Baseballmütze auf dem Kopf und spielt Klavier.

Nicht nur aufgrund der schwedischen Bühnendeko ist die so genannte Gemini Stage gegenüber dem Auftritt der Crystal Castles nicht wiederzuerkennen. Publikum, Musik und Laser schaffen einen Raum, der mit einer Konzertbühne nur entfernt zu tun hat. Das hier ist eine Raumkapsel auf Erkundungsfahrt. Vieles ist unklar, aber staunen lässt es sich sehr schön. Erst am Schluss, bei When I Grow Up wird das Licht heller. Karin zeigt ihr Gesicht. Irgendwie ein beeindruckender Moment. Schade nur, dass scheinbar weder Marge Simpson noch schwarze Kraniche auf der Bühne sind.

grüne Lasereffekte. dahinter Gestalten auf einer Bühne.

8. Buraka Som Sistema

Dann spielen Bloc Party und anschließend will ich eigentlich zu Diplo ans andere Ende des Festivals. Das habe ich leider nur fünf Minuten später wieder vergessen. Weil da waren SIE:

Buraka Som Sistema sind ein Irrsinn. Den angolanischen Kudurosound schließen sie mit unerhörten Bässen und lustiger Partymusik kurz. Der Erkenntnisgewinn ist enorm: auf der Bühne tanzen sie zu einer mörderischen Benni Benassi Bearbeitung Samba. Thunderstruck geht auch auf Portugiesisch total super. Und schon ein einziger Takt Rhythm Is A Dancer reicht aus, um eine ganze Bühne abheben zu lassen. Irgendwann geben die Buben und das Mädchen aus Lissabon dann das Signal zur Stage Invasion und was sich dann auf der Bühne abspielt, hat mit einer Festivalsituation, wie wir sie so kennen, überhaupt nichts mehr zu tun.

Weil eigentlich find ich das immer ein bissi deppert. Da stehen dann zwei, drei, vier, fünfzehn Leute aus dem Publikum halb steif und halb betreten herum, und wissen nicht wohin mit den Händen. Was die Partycrowd am Melt! bei Buraka Som Sistema da aber zusammenbringt, hätte auch kein Tänzerensemble aus Luanda besser geschafft. Hot.

Stimmung, Partyfaktor, Musik, die Leute rundherum: genauso geht ein Festival!

unscharfes verwackeltes Bild: man kann einige Gestalten auf einer Bühne erkennen.

9. Digitalism

Bislang bin ich immer nur in den Genuss eines Digitalism-DJ-Sets geraten. Was für ein Versäumnis! Das Liveset der Hamburger besticht nämlich vor allem durch den Gesang von Jens Mölle.

Die Vocals im Studio für die Tracks so hinzubiegen, dass es nach etwas klingt, beherrschen die Digitalisms ja ganz wunderbar. Jens kann aber leider weder Englisch noch singen. Aber er bemüht sich sichtlich. Unermüdlich läuft er zwischen seinem Computer rechts und dem Mikro in der Mitte hin und her. Zuerst schraubt er dort an den Beats (oder checkt sein Facebook oder was weiß ich), dann nimmt er den Weg in die Mitte auf sich. Wie ein Schulbub bei der großen Aufführung (mit Eltern!) stellt er sich dann vor die Audience und sprechsingt brav ins Mikro.

Schön ist das, weil die uneinordenbare Stimmlage und der deutsche Akzent mich so sehr an Nico erinnern, dass mir beim Gedanken, Nico würde beispielsweise die Vocals zu Pogo singen, fast die Tränen in die Augen schießen. Langsam geht hinter der Bühne die Sonne auf, und immer noch ist das Areal vor der Hauptbühne richtig schön voll. Zu den zig Bearbeitungen der insgesamt gerade einmal zwei Hand voll Digitalism-Hits in den Morgen zu tanzen, inmitten dieser Kulisse, das kann - muss ich sagen - echt ALLES.

Fast schade, dass danach auf der Hauptbühne für ein paar Stunden die Regler unten bleiben, und es dann im Zelt weitergeht. Die beiden DJs, die dort gegen sechs Uhr Früh ihren Dienst beginnen, haben einen Riesenspaß bei der Arbeit, zeigen sich CD-Covers, pfuschen dem anderen ins DJ- und Reglerdrehhandwerk, und drängeln sich mit ihrer neuen Platte noch schnell mal in die Nummer des anderen hinein. Lustiges Pingpong, so übermütig, dass auch mal ein Übergang komplett in die Hose geht, worüber die beiden DJs dann herzhaft lachen und einander mitunter auch auslachen.

Ihre Namen: Boys Noize und Erol Alkan. Viel zu schade, dass gegen acht Uhr morgens der Spaß schon wieder vorbei ist.

zwei Festivalbesucher in Lycra-Anzügen stemmen einen dritten im Kapuzenpulli auf ihren Schultern in die Höhe.

10. Passion Pit

Passion Pit haben in den vergangenen Monaten alles richtig gemacht. Sänger Michael hat für seine Freundin Songs aufgenommen, um sich dafür zu entschuldigen, dass er kein besonders guter Boyfriend ist. Mittlerweile laufen die Tracks mit der romantisch-kitschigen Synthie-Fläche und den exaltierten, aber voll konträren Lyrics auf Abspielgeräten auf der ganzen Welt. Die Musikjournaille überschlägt sich in Lobeshymnen und für Michael, Jeff, Ian, Ayed und Nate hat es sich gut getroffen, dass das Studium endlich fertig war. Schließlich gibt es einen Planeten zu betouren.

Und das Gelernte einmal zu überprüfen. Jeff Apruzzese, Bassist von Passion Pit, erzählt mir nämlich vor dem Konzert, dass er seinen Abschluss in music business gemacht hat. Über das, worüber er auf der Uni gelernt hat, kann er nur lachen. Totally outdated, findet er, der mit seiner Band innerhalb von wenigen Monaten via Blogs die Musikwelt erobert hat. Dass er noch vor 10 Monaten (viel länger gibts Passion Pit als Band noch gar nicht) keinen Gedanken daran verschwendet hat, in Europa Festivals zu spielen. Seine Bands vorher sind aus dem Bostoner Univiertel nie herausgekommen. An eine Karriere als Musiker hat er nie gedacht.

Und während im Backstagezelt am Melt! business as usual herrscht, sich schlecht gelaunte Plattenfirmenmenschen "Ich hasse Festivals" zuraunen und sich über das Wetter beklagen, blödeln Ayed und Ian herum, freuen sich über den Regenbogen und geben mir für eine kurze Zeit das Gefühl, es touren nicht bloß notorisch gelangweilte Bands durch die Festivals dieser Welt.

Live verkörpert Sänger Michael genau das, was Brandon Flowers von den Killers seit Jahren nicht schafft: eine exaltierte Bühnenshow, die das Publikum mitreißt und die eigene Freude zum Ausdruck bringt. Dazu braucht er kein Glitzerjacket und keine Glamourschminke und kein aufgesetztes Gestikulieren. Ihm reicht seine Band, die sich benimmt wie der Cast von Superbad. Ein Traum!

11. Oasis

waren auch da.

Liam Gallagher von Oasis auf der Bühne

12. Das Publikum

Ich war noch nie vorher ganz allein auf einem großen Festival. Aber schließlich trifft man ja einen Haufen netter Menschen. Christin, die Bookingagentin und Olga, die kanadische Künstlerin, die in Berlin studiert, sind vielleicht noch irgendwie vorherzusehen. Aber die Anwältin Tatjana, Maximilian, der Die-Hard-Vashti-Bunyan-Fan und Julian, der Fußballtrainer aus Rumänien, sind dann doch recht unerwartete Bekanntschaften, für die ich dem Melt!-Festival höchst dankbar bin. Supergrüße!

Und liebe Wiener, die ihr mir vor vielen Wochen via VK geschrieben habt: ich hab eure Nachricht versehentlich gelöscht. Tut mir ur ur leid! Aber ich hoffe, ihr habt ein schönes Festival gehabt.

BONUS

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Ich hab ein schönes Video gedreht, das recht kurz ist. So fühl ich mich gerade:

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  • eastend | vor 1037 Tagen, 3 Stunden, 57 Minuten

    Schöne Zusammenfassung und man könnte noch so viel mehr schreiben, aber das ist ja das Problem am melt! zuviel auf einmal. Man schafft einfach nicht alles.
    So ging es wohl auch Arthur, denn parallel zu BlocParty lief im Coca Cola Tent: "The New Wine" und anschließend "Berlin Bergen Mash-Up Surprise" mit Whitest Boy Alive, The New Wine, Kakkmaddafakka und den kurzentschlossenen Who Made Who. Für mich eines der Highlight. Seht selbst:

    http://www.youtube.com/watch?v=YQR5RidplqU

    http://www.youtube.com/watch?v=6UGdkxksOcw

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  • dextercrowley | vor 1037 Tagen, 10 Stunden, 49 Minuten

    Hach ja, das Melt... Mein "erstes Mal" 2006 war eine Offenbarung, 2007 war dann alles ein wenig deja-vu, oft dieselben Acts mit sehr ähnlichen Sets. (Letztes Jahr ging es dann mit dem Sónar in eine etwas andere Richtung...)

    Vielleicht 2010 mal wieder Ferropolis, bin gespannt was dann so alles anders ist... Location, Leute, Lineup sind ja eh immer fast perfekt. Vielleicht werd ich langsam zu alt für Camping... :)

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  • crisismakeup | vor 1037 Tagen, 10 Stunden, 56 Minuten

    schöne review! Buraka waren DIE überraschung schlechthin, herrlich.
    Erol Alkan & Boys Noize fand ich etwas fad, da fand ichs später bei Ellen Allien um einiges besser und abwechslungsreicher..

    ...aber Patrick Wolf fehlt, der war für mich das Highlight des Sonntags, und das bei Tageslicht!

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    • kathkath | vor 1037 Tagen, 9 Stunden, 51 Minuten

      wah! du hast wirklich wirklich recht!
      Patrick Wolf war so schön, dass sogar die sonne hervorgekommen ist. :)
      & Buraka heben jetzt einen guten platz in meinen wiedergabelisten bekommen!

    • crisismakeup | vor 1037 Tagen, 9 Stunden, 33 Minuten

      jahaaa, da sagt er "lasst uns die sonne beschwören" und exakt zum schluss-refrain reißt der Himmel auf und strahlt auf die Bühne! Herrlich! Patrick Wolf kontrolliert die Sonne!
      So gesehen die beste Lightshow des Festivals, hehe.

      ich freu mich auf Oktober..

  • kathkath | vor 1037 Tagen, 10 Stunden, 58 Minuten

    beeindruckendes line-up, beeindruckende menschen, beeindruckendes festival!!
    ausgezahlt hat sich diese lang fahrt auf jeden fall. das konnte nicht einmal das wechselhafte, das nicht-festival-taugliche-wetter verhindern.
    Simian Mobile Disco hat mich ein bisschen enttäuscht - vielleicht lags auch einfach an der fehlenden lichttechnik oder ich war doch schon ein bisschen müde.
    zumindest hast du einen fan deiner festivalgeschichte dazugewonnen!
    und wie war das? - see you 2010!

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  • rohstoffexperte | vor 1037 Tagen, 13 Stunden, 42 Minuten

    waren auch da?!

    des wars?! das is alles über oasis?!?! sag einmal...? man hätte wenigstens "oasis-waren auch da...und legendär" schreiben können!

    geiles foto aber....

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    • redde | vor 1037 Tagen, 13 Stunden, 30 Minuten

      das mit "legendär" sehen grundsätzlich nur Oasis-Fans so, dem Rest sind die Streithähne mittlerweile egal.

    • rohstoffexperte | vor 1037 Tagen, 13 Stunden, 9 Minuten

      Streithähne...

      i glaub die letzte eskalation der beiden liegt jahre zurück!diese zeiten sind vorbei. werden ja auch älter...
      sie sind noch immer die größten!

      ...legendär...

    • crisismakeup | vor 1037 Tagen, 11 Stunden, 3 Minuten

      ja, Oasis waren auch da. Viel mehr nicht.
      und waren ganz bestimmt nicht legendär. Das war das lustloseste Konzert, was ich bisher von den Herrschaften gesehen habe. Legendär war höchstens die Setlist, beste B-Seiten-Auswahl und sogar My Big Mouth! aber Liam hat nicht mal die Zeilen fertiggesungen, so wenig Luft war da drinnen (siehe auch youtube), und Noel schien irgendwie..traurig(??) zu sein...oder zumindest apathisch. Da wär einiges mehr gegangen.
      In der ersten Reihe wars eh super, aber die Menge haben sie nicht begeistern können, was eben nicht nur an der Menge selber lag, es war so "hier sind unsere Songs, macht doch damit was ihr wollt"...wie es im Oasis-Interview im Melt-Heftchen hieß: "was wollt ihr mit dieser Tour erreichen?" - "5 Millionen Pfund!"
      Half The World Away war aber trotzdem unschlagbar.

    • rohstoffexperte | vor 1037 Tagen, 10 Stunden, 23 Minuten

      @crisismakeup

      teilweise geb ich dir recht.oasis sind keine festival band!das muss man sagen. zumindest nicht für ausser-englische festivals! wenn man aber fan is, weiß man das. sie sind keine anheitzer. brauchen sie auch nicht. sie sind einfach nur geil, auch wenn sie nur da stehen :-() in wien im februar haben sie ja fast viel mit dem publikum gesprochen...und das beste konzert war im juni, in manchester!!! mann...da waren sie wirklich geil drauf! aber, noch kurz zu melt.noel schrieb in seinem blog auch, dass es nicht gut war! war wohl kein guter tag...muss man auch haben dürfen.

    • rohstoffexperte | vor 1037 Tagen, 10 Stunden, 1 Minute

      nachsatz

      also die aussage: "was wollt ihr mit dieser Tour erreichen?" - "5 Millionen Pfund!"sollte man doch mit augenzwinkern sehen! das nämlich nur die kohle zählt, ist bei oasis DEFINITIV nicht der fall. preise für konzertkarten (oasis-konzerte) sind immer um die 40 pfund/euro!!!nach eigener aussage findet noel kartenpreise zwischen 70 und 100 pfund (wie es die stones;auch u2 machen) oder mehr für eine frechheit! bitte keine blöden sprüche von wegen "ja oasis mist,dann würd keiner kommen bla bla" in manchester waren 70.000 Menschen!!! und nach einer 45 minütigen pause wegen technischer probleme, haben sie sogar den leuten die möglichkeit gegeben, ihr geld zurück zu bekommen!!! und die karten kosteten 42 Pfund! LEGENDÄR :-)

    • crisismakeup | vor 1037 Tagen, 9 Stunden, 36 Minuten

      hab nie gesagt, dass OASIS an sich nicht so etwas wie legenden sind. Aber der Melt-Auftritt, das war einfach zu wenig, AUCH für Oasis. Denn wenn ne Crowd erstmal positiv/neugierig gestimmt ins Konzert gehen, kann man sie begeistern, vergraulen, unterhalten oder langweilen. Und leider haben sie nichts getan, dass letzteres nicht eintritt. Oasis haben manchmal sehr wohl ihre eigene Form des "anheizens", sei es eben wenn Liam mit dem Publikum spielt oder wenn Noel geschichten/Witzchen erzählt. Aber Melt war fad. Punkt. Das muss man einfach sagen, als auch fan (wie ich es einer bin, sollte das nicht ersichtlich sein).

    • rohstoffexperte | vor 1037 Tagen, 9 Stunden, 26 Minuten

      versteh schon...ich hab sie auch beim frequency 05 gesehen. das war das "fadeste" was ich von ihnen gesehen habe! aber ich fands trotzdem geil!! ich finde auch, dass liam einfach stark is, auch wenn er nur oben steht. mit tamourin am kopf etc. von noel ganz zu schweigen! meine güte....komm´ richtig in extase ;-) auf www.oasisfanclub.at entsteht was tolles :-) zur zeit noch in arbeit aber bald gehts los...JFYI

    • crisismakeup | vor 1037 Tagen, 9 Stunden, 21 Minuten

      und "5 Mio Pfund" sind nur mit halben augenzwinkern zu sehen, denn ansonsten würden sie nicht irgendwelche Festivals spielen, die nicht 100% ihrem Musikspektrum entsprechen, ohne einen kleinen Versuch zu starten, auch die nicht-hardlinerfans zu gewinnen, sozusagen zu beweisen "eh, wir sind nicht nur die Wonderwall-Band". So hat das eher den eindruck gemacht "ah jo, fahrnwer mal hin, Kohle gibts eh. Wenns denen nicht taugt, tjoa, also ICH werd mich da nicht extra für anstrengen."

      ach, könnt dich interessieren, hier gibts den mitschnitt als MP3 (irgendwo müsste es doch das volle video geben...??):

      http://bit.ly/X3p3w

    • rohstoffexperte | vor 1037 Tagen, 9 Stunden, 2 Minuten

      cool

      interessiert mich auf jedenfall! danke für den link!!! auf youtube findet man sicher was in mieser wackel qualität :-)hast du den eindruck, als wollen sie neue fans unbedingt gewinnen? ja?! kommt mir bei ihnen nie so vor! laut setlist vom link, sind ja nur 2 lieder von "dig out your soul" dabei gewesen.
      aber, das war auch shcon bei frequency, neue fans haben sie dort sicher auch nicht gefunden!!!

  • tschoenn | vor 1037 Tagen, 15 Stunden, 35 Minuten

    für die big wheel keine zeit mehr gehabt? ;)

    Auf dieses Posting antworten
    • redde | vor 1037 Tagen, 13 Stunden, 32 Minuten

      doch, der Herr war ja bei Koze und Matthew Herbert.

      Tobias Thomas war dort auch super übrigens! Überhaupt hab ich keine beschriebene Band des Herrn Einöder gesehen, außer Crystal Castles, die mich auf den Tribünen bissl gelangweilt haben und Digitalism, die zwar sonst gut gespielt haben, aber wo Jens nicht mal ansatzweise singen kann, geschweige denn schreien...

    • tschoenn | vor 1037 Tagen, 7 Stunden, 1 Minute

      ahja, stimmt. ja, tobias thomas war echt spitze. die crystal castles und die klaxons find ich absolut überbewertet - jetzt umso mehr, haben mich absolut nicht überzeugt. ich finde james yuill wär auch noch eine erwähnung wert, der war nämlich auch super!

    • redde | vor 1037 Tagen, 5 Stunden, 55 Minuten

      James Yuill war wirklich gut, hat ne echt gute Show abgeliefert, besser als damals in IBK als Support von Modeselektor...

      Mein persönliches Highlight war ja Tim Exile, sowas hab ich noch nicht gesehen... fast alles live gesampelt! Technisch vergleichbar versiert ist eigentlich nur Daedelus!

    • tschoenn | vor 1037 Tagen, 3 Stunden, 28 Minuten

      tim exile ist mir irgendwie entgangen. wär wahrscheinlich sinnvoller gewesen als bei den klaxons herumzusitzen (falls ich da jetzt laut running-order richtig kombiniere).

    • redde | vor 1036 Tagen, 22 Stunden, 5 Minuten

      wollte halbe halbe machen mit Klaxons, aber der Tim hat mich echt die Zeit vergessen lassen.

      War bei der Red Bull Stage, die ja an dem Tag auf den Sleeplessfloor verlegt werden musste (und ich immer noch nicht verstehe, wieso).

  • jubilee | vor 1037 Tagen, 19 Stunden, 39 Minuten

    welcome back!

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  • blam | vor 1038 Tagen, 2 Stunden, 26 Minuten

    wunderbare rezension! da platzt man vor neid.

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  • manuel9900 | vor 1038 Tagen, 6 Stunden, 4 Minuten

    wunderbarer review! zu meinem bedauern ist freitag nacht auch trentemoller entfallen...

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  • hootch | vor 1038 Tagen, 6 Stunden, 18 Minuten

    buraka som sistema waren der absolute wahnsinn- aber diplo musste auch so ungefähr alles gekonnt haben... nächstes jahr definitv wieder!

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