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Musik, Film, Heiteres

Robert Glashüttner

Robert Glashüttner

Videospielkultur, digital geprägte Lebenswelten, Musik aus Österreich

25. 7. 2009 - 22:57

Spielekultur statt Spielezensur

Deutsche Gamer gehen auf die Straße und demonstrieren gegen politische Bevormundung.

"Game Over für Verbote, Game Over für Zensur!" - Wer heute, am 25. Juli, durch Berlin Mitte spaziert ist, hat einen Demozug der ungewöhnlichen Art zu sehen und hören bekommen. Just jene, denen man gerne nachsagt, politisch desinteressierte Nerds zu sein, haben den Spiele-PC abgeschalten und sind trotz des wechselhaften Wetters für ihr Hobby auf die Straße gegangen. Die Route des Gamer-Demozugs verläuft vom Brandenburger Tor bis zum Roten Rathaus, dem Sitz des Berliner Senats. Parallel dazu finden auch Demos in Karlsruhe und Köln statt.

Der Zug der "Wir sind Gamer"-Demo in Berlin.

eSport ist kein Mord!

Etwas verhalten sind sie anfangs noch, die Spielerinnen und Spieler. In einem Demozug marschieren und lauthals markige Sprüche skandieren ist für die heutigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ungewohnt. Bisher waren es offizielle Sprecher von Verbänden und Ligen sowie Wissenschafter und Psychologen, die gegen den schlechten Ruf von Computer- und Videospielen in die Presche gesprungen sind.

Ein an der "Wir sind Gamer"-Demo teilnehmendes Pärchen mit Pixel-Design Anstecker.

Doch seit sich die Lage nach dem Amoklauf in Winnenden, einem immer stärker eingeforderten Herstellungsverbot von Action-Computerspielen und einer möglicherweise ausufernden Gesetzesnovelle zu Internetsperren markant zuspitzt, haben auch die am meisten Betroffenen bemerkt, dass es an der Zeit ist, ihre Bürgerrechte zu nutzen: die Spieler selbst.

Die Gruppe ist in ihrer Größe zunächst überschaubar, dafür auffallend heterogen. Neben jungen, politischen Vertretern von den Grünen, der FDP und der Piratenpartei reihen sich aufmüpfige eSportler neben Pärchen mit selbstgemachten Ministeck-"1-Ups" und anderen Spielkultur-Afficionados. Was leider gänzlich fehlt, sind zum Thema passende Transparente und Schilder. Außer Partei- und Peace-Fahnen schwenkt und trägt man hier nichts außer Gamer-T-Shirts und "Grand Theft Auto"-Buttons. Doch die sieht man leider kaum vom Gehsteig aus.

Und so klingt die Gamer-Demo:

Zwei Aktivisiten der "Wir sind Gamer"-Demo in Berlin.
Die deutsche Bundesministerin für u.a. Familie und Jugend, Ursula "Zensursula" von der Leyen, steht mit ihrer Politik im Kreuzfeuer der Kritik der Demonstrierenden.

Wider die Bevormundung

futurezone.ORF.at: "Bundestag beschließt Internet-Sperrgesetz"

Bundestags-Petition: "Gegen ein Verbot von Action-Computerspielen"

Demonstration für Spielkultur:
"Wir sind Gamer!"

Nach rund einer Stunde endet die Demo mit einer kleinen Kundgebung der Initiatoren und der teilnehmenden Oppositions-Parteien. Die kurzen Reden sind hinsichtlich Kritik und Forderungen sehr konzis und verantwortungsbewusst.

Es wird auf die wissenschaftlich nicht nachweisbaren kausalen Zusammenhänge zwischen fiktionaler und real ausgeübter Gewalt sowie der fachlichen Inkompetenz der SPD/CDU/CSU-PolitikerInnen beim Thema Netz- und Spielekultur hingewiesen und deren populistische Meinungsmache verurteilt. Vor der starken Lobby der Waffen- und Schützenvereinen hätte man bald wieder einen Rückzieher gemacht, nun würden schwächere Sündenböcke gesucht.

Schlusskundgebung der "Wir sind Gamer"-Demo in Berlin.
Aktiv werden, damit die Situation nicht noch düsterer wird.

Und wo ist die Industrie?

Mag sein, dass der eine oder die andere Mitmarschierende auch in der Spieleindustrie tätig ist. Offiziell ausgewiesen hat sich heute in Berlin davon jedenfalls niemand. Kein Wunder, verhält sich die deutsche Games-Industrie in der immer absurder werdenden Zensur- und Verbotsdebatte zunehmend passiv. Da es sich vorwiegend um einen internationalen Markt handelt, lagert man die Entwicklungen für für deutsche Verhältnisse heikle Produkte ins Ausland aus und gestaltet andere Teilmärkte - etwa den aufstrebenden Browser-Game- und MMO-Markt - zunehmend abseits der Politik. Dass die Regierungsparteien aus Angst vor Wählerstimmen diesen potenten und vielseitigen Markt zunehmend vergrault, ist - über die gesellschaftspolitischen Fragen hinweg - vor allem wirtschaftlich unverständlich.

Teilnehmer und Initiatoren der "Wir sind Gamer"-Demo in Berlin spielen "Killerschach".
Bei der Schlussveranstaltung spielt die Piratenpartei eine Partie "Killerschach". Spätestens seit Bobby Fischer sollte bekannt sein, dass das gesellschaftlich angesehene Schach weder physisch noch psychisch ein Kinderspiel ist.

Vereinte Kräfte

Die "Wir sind Gamer!"-Demos waren erfreuliche, erste Schritte zu einer zusammenwachsenden Bewegung gegen politische Beliebigkeit in Sachen Videospielkultur. Das ist wichtig, denn wirklich nachhaltigen Einfluss werden nur Initiativen schaffen, die die Kräfte bündeln und Vertreter von überall - Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs, Vereine, Bürger - an einen Strang ziehen lassen. Hoffentlich kommt bis zur deutschen Bundestagswahl am 27. September da noch einiges in Bewegung.

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Forum

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  • diqits | vor 930 Tagen, 7 Stunden, 40 Minuten

    Spieler sind keine Killer

    Nicht nur das die Politik mit einen verbot einverstanden ist. Nein Sie wird noch von den Medien bestätigt. Frontal21.. Hart aber unfair. und das vom öffentlichen deutschen Fernsehen. Statt mal in den Schulen Respekt und Anstand zu pflegen hilft man sich mit Waffenverboten und "möglichen" Ursachen. Hauptsache wegschauen, die meisten verkommen ja schon zu seelenlosen Vorbeigehern... Leider

    Auf dieses Posting antworten
  • diewindldie | vor 931 Tagen, 3 Stunden, 14 Minuten

    ziemlich schlimme situation!

    bin in letzter zeit viel auf deutschen gaming-blogs und der gleichen unterwegs, und was man da so zu lesen bekommt ist teilweise echt harter tobak! gipfel des ganzen war das auch titel wie WC3 da genannt werden! was kommt den dann als nächstes?? das nimmt wirklich unschöne formen an!

    die deutschen spieler haben mein solidarität!!

    Auf dieses Posting antworten
    • alabaster | vor 930 Tagen, 9 Stunden, 8 Minuten

      Wing Commander III ??!!

      das interessiert doch keine Sau mehr!

    • diewindldie | vor 929 Tagen, 15 Stunden, 6 Minuten

      lol

  • karlll | vor 931 Tagen, 9 Stunden, 12 Minuten

    Wo ist die Industrie?

    Wird wohl nicht gern mit der Piratenpartei mitmarschieren.

    Auf dieses Posting antworten
    • teaparty | vor 931 Tagen, 3 Stunden, 20 Minuten

      immer mit der ruhe,
      rom wurde auch nicht an einem tag erbaut.

      der nockie ist eingfahrn heut, reicht mal.

      lg,
      tea
      (squad command:#caramba cola)

  • schwedenschwein | vor 931 Tagen, 12 Stunden, 49 Minuten

    nice!

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  • cycus | vor 931 Tagen, 14 Stunden, 6 Minuten

    Guns don't kill people

    I kill people

    Auf dieses Posting antworten
    • mawe | vor 931 Tagen, 11 Stunden, 57 Minuten

      Guns don't kill people....

      lazers do.

  • sozialhirt | vor 931 Tagen, 16 Stunden, 36 Minuten

    als ich "Spielerinnen und Spieler" gelesen habe, habe ich aufgehört...

    ...zu lesen

    Geschlechtsneutrale Artikel sind schwer zu lesen, schwer verständlich und somit uninteressant.

    Setzen 5.

    Ein Pauschaleintrag am unteren Ende der ORF Site, dass alle personenbezogenen Bezeichungen geschlechtsneutral zu verstehen sind würde reichen - wenns denn schon sein muss, den grammatikalischen Genus nochmal deutlich zu machen (jeder der in der Volksschule Deutsch hatte sollte keinen solchen Zusatz benötigen)

    Auf dieses Posting antworten
    • robertglashuettner | vor 931 Tagen, 14 Stunden, 41 Minuten

      sprache schafft realität. geschlechtsneutrale formulierung ist internationaler standard. grundlegende information tut not: http://tinyurl.com/ly6qjs

    • octogen | vor 931 Tagen, 12 Stunden, 34 Minuten

      Armes Bubi

      Ich muss dich an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass dir die Feministinnen weit überlegen sind:
      Sie können das hier nicht nur leicht lesen, sondern sogar leicht schreiben.

      Also hör' mal lieber auf 'rumzuheulen und lern mal anständig lesen.

    • frkula | vor 931 Tagen, 10 Stunden, 2 Minuten

      lach ..
      "schwer zu lesen, schwer verständlich und somit uninteressant" - ich empfehle dann in weiterer konsequenz kinderbücher : )
      liegt auch im zusammenhang mit dem feinen unterschied "adjektiv" und "adverb", den es womöglich noch zu vertiefen gilt, nahe..

      die bilder hast dir aber wenigstens angeschaut, oder waren dir die auch zu "schwer" anzuschauen, weil darauf ja auch frauen und männer abgebildet sind?

    • alabaster | vor 930 Tagen, 9 Stunden, 5 Minuten

      noch grundlegendere Information:

      "Spieler" und "Mitspieler" s i n d geschlechtsneutral.

    • alabaster | vor 930 Tagen, 9 Stunden, 5 Minuten

      was natürlich nicht heißen soll, dass es mich nicht erfreuen würde, dass sich immer mehr Mädels für Compöterdaddeln intressieren

    • amijesus | vor 930 Tagen, 8 Stunden, 42 Minuten

      octo:

      FeministInnen muss es heißen