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Musik, Film, Heiteres

Christian Fuchs

Christian Fuchs

Twilight Zone: Film- und Musiknotizen aus den eher schummrigen Gebieten des
Pop.

23. 8. 2009 - 18:00

Es war einmal in Naziland...

Ein Vergeltungsmärchen, ein Sprachexperiment, eine Hommage an das Kino selbst: "Inglourious Basterds" ist Quentin Tarantinos vielschichtigster Film.

Einige von euch werden inzwischen schon herausgefunden haben, wie sehr dieser Film eventuelle Erwartungshaltungen sprengt. Weder kämpfen Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" auf den Spuren eines ähnlich betitelten italienischen Schundepos aus den siebziger Jahren. Noch steht überhaupt ein Haufen verwegener Hunde wirklich im Mittelpunkt.

Denn es gibt gar kein Zentrum in diesem Streifen, keine Hauptfiguren, auf die sich alles konzentriert, keine konventionelle Narration. Sondern nur eine Aneinanderreihung von kammerspielartigen Szenen, zusammengefasst in fünf Akten, bevölkert von einem Gewusel von Charakteren.

Eine bewusste Mogelpackung also. Noch mehr als die restlichen Tarantino-Werke beschwört "Inglourious Basterds" bodenständig-trashige Thrills und Kicks und erweist sich doch als höchst artifizielles Experiment mit Genrekino-Samples.

Auch die geballte Action, die der Trailer ebenso verspricht wie die knallige Posterkampagne, wird nicht eingelöst. Wenn körperliche Gewalt in diesem Film losbricht, dann nur in sekundenlangen, umso heftigeren Eruptionen, die der Regisseur in homöopathischen Dosen über die 154 Minuten Laufzeit verteilt.

Die Aggression, die Härte und Gnadenlosigkeit, mit der die bluttriefenden Plakate werben, kommt in "Inglourious Basterds" stattdessen in unzähligen Wortwechseln zum Ausdruck. Genau, es wird geredet, parliert, diskutiert, endlos scheinbar.

Das klingt spröde und anstrengend? Keineswegs. Meine Damen und Herren, dieses Vergeltungsmärchen aus dem Zweiten Weltkrieg zählt zu den unterhaltsamsten, spannendsten und ergiebigsten Filmen des Jahres.

Inglourious Basterds

Im Vorfeld hörte sich "Inglourious Basterds", von dem diverse Drehbuchentwürfe schon lange kursierten, dabei noch nach einer Rückkehr zum abgebrühten Männerkino des frühen Tarantino an. Genau diesen Weg schlug der Autorenfilmer aber nicht ein. Glücklicherweise, muss ich sofort hinzufügen.

Denn seit "Jackie Brown" zeichnet sich eine wunderbare Entwicklung im Schaffen des Ex-Videothekars ab, die für mich mit den beiden "Kill Bill"-Teilen einen ersten Höhepunkt erreichte. Tarantino, der Großmeister des coolen Bubenfilms, rückt plötzlich noch entschieden coolere Frauen ins Bild.

Gleichzeitig lässt der postmoderne Zitatefladerant, der sich davor eiskalt hinter seinen ironischen Referenzen verschanzte, plötzlich Emotionen zu: Melancholie, Schwermut, Freude.

"Inglourious Basterds" setzt diesen Weg mitreißend fort, bringt mit der Figur der Rächerin Shosanna Dreyfus (gespielt von der fantastischen Mélanie Laurent) eine Ausnahmefrau in sein Ensemble von Ausnahmemännern. Und wieder scheut sich Quentin T. nicht davor, große Gefühle zu provozieren, anstatt sich wie früher auf das Beifallklatschen besserwisserischer Filmgeeks zu verlassen.

Seit dieser Richtungsänderung scheinen die formal stets perfekten Stilübungen des Regisseurs eine Seele, ein Herz, eine notwendige Sentimentalität bekommen zu haben.

Inglourious Basterds

Jetzt bekommt auch die Sprache, immer schon das Hauptelement jedes Tarantino-Films, eine andere Funktion. Die Sätze in "Inglourious Basterds" sind nicht bloß clever aufgepimpter, aber letztlich ermüdender Smalltalk wie in "Death Proof", "Reservoir Dogs" oder dem ewig überschätzten "Pulp Fiction". Kein künstlerisch veredeltes Quatschen über Banalitäten findet mehr statt.

Im Vergleich zu den selbstzweckhaften Verbalexzessen in anderen Tarantino-Streifen erzählen die Dialoge, die - zur Hälfte untertitelt - in amerikanischem Englisch, britischem Englisch, Hochdeutsch, Österreichisch, Französisch, Italienisch und einem Mix aus all diesen Idiomen gleichzeitig geführt werden, unglaublich viel zwischen den Zeilen.

Sprache als Instrument der Unterdrückung und des Ausdrucks der Macht, das ist eines der Schlüsselthemen von "Inglourious Basterds". Um feinste Nuancen geht es dabei, um minimale Akzentverschiebungen, um perfides Tarnen und Täuschen.

Dass der Film durch seinen wahnwitzigen multilingualen Mix gewissermaßen unübersetzbar wird (was die deutschsprachigen Verleihfirmen nicht von einer sinnlosen Synchronfassung abhielt), liegt auf der Hand, kümmerte den Regisseur aber mutigerweise überhaupt nicht.

Inglourious Basterds

Apropos Mut: Quentin Tarantino legt mit "Inglourious Basterds" auch seinen ersten dezidiert politischen Film vor. Und gerade weil er frech den gesamten Lauf der Geschichte ändert, weil er sich mit dem Vorspannsatz "Once upon a time in Nazi occupied France" gleich ein gesamtes Paralleluniversum abseits historischer Tatsachen erfindet, wirkt er radikaler als bemüht akribische Faktenfilmer.

Die braune Vergangenheit wird in diesem Film nicht bewältigt. Sie wird ins Groteske verzerrt, verstümmelt, in Fetzen geschossen, verbrannt.

Wenn sich andere durchaus wohlmeinende Regisseure dem Dritten Reich nähern, dann ist bei aller zeigefingerhaften Warnung vor dieser Greuelära noch immer eine Ehrfurcht vor der nationalsozialistischen Ästhetik zu spüren, siehe etwa Bryan Singers "Valkyrie".

Tarantino dagegen erklärt gerade den Bilderwelten, Zeichen und Codes des Faschismus den Krieg wie kaum ein Regisseur zuvor. Da gibt es beispielsweise keine Diskussion mehr, ob Regimedarling Leni Riefenstahl nicht doch visuell aufregende Filme drehte oder ob Emil Jannings vielleicht sogar ein guter Schauspieler war.

Auch die handwerklich auffälligsten und in ihrer Position zwiespältigen Künstler der Nazizeit, da verzichtet "Inglourious Basterds" bewusst auf Grauzonen, stehen für den erstickend biederen Mief der deutschen Volkskultur. Und vor allem dagegen fährt Tarantino die gesamte Maschinerie der amerikanischen Popkultur-Coolness auf und auch das freigeistige Kunstverständnis der Franzosen.

Dass der menschliche Freiraum für die Täter, den Filme wie "Der Untergang" oder "The Reader" erkämpften, erst recht keinen Platz hat, versteht sich von selbst. Den perversen Nazi-Kasperln und schmierigen Sadisten in "Inglourious Basterds" bleibt nur ein grindiger, würdeloser Tod.

Inglourious Basterds

Ausgerechnet dem unernsten Exploitationfetischisten Quentin Tarantino gelingt somit, was kein seriöser Filmemacher richtig schaffte. Ein lustvoll gemeiner Exorzismus, eine Art Schlussstrich in Sachen Nazi-Aufarbeitungskino.

Parallel dazu erweist sich dieser Streifen als Ohrfeige und offene Provokation für die Legionen von Mitmenschen, die noch immer oder schon wieder mit rechtsradikalen Ideen kokettieren. Denn "Inglourious Basterds" zieht alle und alles, was solchen Leuten heilig sein könnte, zuerst ins Lächerliche und dann in den blutigen Dreck.

Das wäre eigentlich schon viel mehr, als man sich von einem geplanten Remake eines spaßigen Italo-Kriegsfilms erwarten hätte können.

Dabei habe ich die grandiosen schauspielerischen Leistungen, vom zurecht überall gefeierten Christoph Waltz als sardonischem SS-Offizier Landa bis zum smarten Michael Fassbender als britischem Agenten, von der ganzen Basterdstruppe unter Führung des comichaften Brad Pitt bis zum herrlich eingesetzten deutschen Ensemble gar noch nicht erwähnt. Daniel Brühl führt als Propaganda-Babyface sein nettes Image köstlich ad absurdum, August Diehl sorgt neben dem grandiosen Waltz für Gänsehaut.

Am überraschendsten überhaupt ist schließlich die enorme Eleganz dieser bösen Komödie, die atemberaubende Schönheit vieler streng durchkonzipierter Kameraeinstellungen.

"Inglourious Basterds" ist nicht bloß ein kathartischer Befreiungsschlag, eine Reflexion über Sprache, eine Begegnung mit virtuosem Schauspiel, sondern auch, im wortwörtlichen Sinn, eine feurige Liebeserklärung an das Kino selbst.

Inglourious Basterds

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  • oxymoron | vor 890 Tagen, 19 Stunden, 47 Minuten

    der respekt vieler anderer filmemacher für nazi-ästhetik und "soldatenmoral" war und ist zum kotzen. da liefert dieser tarantino einen brillanten gegenentwurf.
    bei der vorstellung, die ich besucht habe, ist ein mittelaltes deutsches paar, dessen männlicher part auf dem weg zu seinem platz laut "alles aufstehen" kommandierte, nach der zweiten hitler-szene gegangen.

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  • miikesmama | vor 899 Tagen, 4 Stunden, 17 Minuten

    Also ich glaube ja fest daran dass der leibhaftige Satan unter uns weilt - er ist männlich, hässlich und dreht Filme...
    ich weiß nur noch nicht, ob es Gaspar Noe oder Eli Roth ist!?

    Auf dieses Posting antworten
  • nickkay | vor 900 Tagen, 5 Stunden, 10 Minuten

    Der erste tarantino

    Bei dem nicht aus einem kofferaum gefilmt wird. Oder habe ich Dad übersehen?

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    • flonaldinho | vor 900 Tagen, 4 Stunden, 56 Minuten

      Und der erste(?) in dem er selber nicht mal einen Cameo-Auftritt hat.

      Aber dafür Bela B. :-)

    • nickkay | vor 898 Tagen, 19 Stunden, 16 Minuten

      In den kill bills war er nicht dabei und in jackie brown auch nur als anrufbeantworter - also in der synchro nicht

    • flonaldinho | vor 892 Tagen, 19 Stunden, 15 Minuten

      In Kill Bill spielt er einen der Crazy 88 und Synchro gilt nicht ;-)

    • locki172 | vor 711 Tagen, 3 Stunden, 40 Minuten

      na, er spielt einen toten soldaten. zumindest laut wikipedia.

  • johanzuckerl | vor 900 Tagen, 17 Stunden, 8 Minuten

    Das erste was mir durch den kopf ging, als ich Landa in aktion sah: STASI!
    Stichwort das Leben der Anderen.
    hmmm.

    Der Film ist soooo Deutsch. Ausgerechnet Tarrentino erklärt den Piefke, was Piefke ist. Achso, steht schon alles da:

    http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,642401,00.html

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    • johanzuckerl | vor 900 Tagen, 17 Stunden, 3 Minuten

      goof: das verflxte spiel mit der telefonschnur. Vor den sechzigern hatte wohl noch kein hörer eine spirale.

      die taverne der babelsbergstudios taucht doppelt auf. Bei der kellerszene und dann beim verhör im funkraum.

  • fargonaut | vor 901 Tagen, 5 Stunden, 13 Minuten

    "...Die Sätze in "Inglourious Basterds" sind nicht bloß clever aufgepimpter, aber letztlich ermüdender Smalltalk wie in "Death Proof", "Reservoir Dogs" oder dem ewig überschätzten "Pulp Fiction"..."

    den einzig ermüdenden und aufgstetzten Talk hat Tarantino bei Kill Bill mit dem Superman Dialog verbrochen!
    Bei den anderen Filmen hat das alles gepasst

    Auf dieses Posting antworten
    • ambre | vor 900 Tagen, 8 Stunden, 22 Minuten

      pah! der superman-MONOLOG ist genial.

  • softmachine | vor 902 Tagen, 20 Stunden, 44 Minuten

    top 3 der skurillsten synchronfassungen:
    1.blair witch project
    2. das fest (dogma !)
    3. inglourious basterds

    Auf dieses Posting antworten
    • beastmaster | vor 902 Tagen, 3 Stunden, 4 Minuten

      4.borat

    • johanzuckerl | vor 900 Tagen, 16 Stunden, 57 Minuten

      alle tschechischen Filme in deutscher FASSUNG. Slawistik Akademiker in Action!

    • flonaldinho | vor 900 Tagen, 6 Stunden, 57 Minuten

      Auf Platz 1 muss man eindeutig "Brüno" setzten.
      An sich schon kein Meisterwerk, aber auf Englisch zumidnest komisch, rutscht er in der deutschen Synchro in Richtung Bully-Herbig-Schwulenklamauk ab.

  • shiloh | vor 902 Tagen, 23 Stunden, 42 Minuten

    basterd - bastard
    Dasselbe?

    Auf dieses Posting antworten
    • christianfuchs | vor 902 Tagen, 20 Stunden, 34 Minuten

      keineswegs

      http://www.filmtipps.at/films/ingl.php

  • michaelkoepf | vor 903 Tagen, 2 Stunden, 46 Minuten

    Ein paar Gedanken

    Ich denke nicht dass Tarantino der Riefenstahl-Ästhetik bzw. der propagandistischen Bildermacht des Faschismus eine Abfuhr erteilt - ich habe es eher so empfunden als würde er es für seine Inszenierung gebrauchen und damit kokettieren (siehe auch Rammstein - ohne damit eine Offtopic Diskussion provozieren zu wollen).

    -- Spoiler Alarm --
    Als Beispiel dafür würde ich gerne das Finale von Operation Kino hernehmen. Ist man anfangs noch angewidert zu sehen wie Hitler und die anderen Nazis sich über die gewaltverherrlichende Inszinierung des Propagandafilms "Stolz der Nation" amüsieren so haben sich sicherlich einige von uns dabei ertappt wie man zufrieden dasitzt und das ebenso cineastisch-zelebrierte Abschlachten der Menschen (ja, das sind dennoch immer noch Menschen) im Kinosaal mit einem Lächeln oder gar "fuck yeah" Lachen goutiert. In diesem Moment wurde man genauso in den Sog von gut funktionierender Propaganda gezogen und fand es richtig und gut die Menschen sterben zu sehen da sie "eh nur Nazis sind" - Entmenschlichung, einer der Grundzüge der faschistischen Propaganda.

    Der von Waltz so großartig gespielte Hans Landa ist ja der Inbegriff dieses "auf den Leim gehens". Hand aufs Herz: wer hat während des Films kein einziges Mal wegen seines...

    Auf dieses Posting antworten
    • michaelkoepf | vor 903 Tagen, 2 Stunden, 38 Minuten

      Hand aufs Herz: wer hat während des Films kein einziges Mal wegen seines Charmes oder seiner Eloquenz schmunzeln müssen. Am Ende des Tages bleibt er die Nazi-Bestie, klar, aber immer wieder geht man dem Intellekt und Charme von Landa auf den Leim.

      Für mich ist der Film - neben großartiger Unterhaltung - auch ein geglücktes Lehrstück zum Thema Manipulation der Gefühle bei dem einem im Nachhinein betrachtet das Lachen durchaus im Hals steckenbleiben soll(te).

    • christianfuchs | vor 903 Tagen, 1 Stunde, 59 Minuten

      film is a battlefield

      ich verstehe deine argumentation schon.

      aber (gewalt-)kino hat immer mit manipulation der gefühle zu tun, nur darum geht es ja. man soll sich ja manipulieren lassen, bis einem der schädel raucht & das herz klopft.

      sich dagegen zu sperren, heißt, den sinn von kino & kathartischer kunst nicht zu verstehen.

      der humanismus, der im echten leben, im miteinander & in der politik so wichtig ist, darf im kino still sein.

      wen ich jetzt an einige meiner lieblingsregisseure denke - an zulawski, argento, cronenberg, lynch, noé, von trier, fulci, scorcese, bigelow, peckinpah, tsukamoto - dann nehmen die selten gefangene in ihren filmen. um "wild bunch" & primal scream zu zitieren: if they move kill'em.

      man darf & soll im dunklen saal dem inneren schweinehund die hand schütteln.

    • os84 | vor 903 Tagen, 1 Stunde, 59 Minuten

      erlauben Sie herr fuchs

      aber Ihr link muß weiter gereicht werden! :)
      http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,642401,00.html

      @michaelkoepf
      Ich muß dir zustimmen. als der "bärenjude" den wirklich tapferen offizier bestialisch mit einem baseballschläger zermatscht hat oder maximilias papi doch noch erschossen wurde, kamen mir leichte zweifel wen ich jetzt eigentlich symphatisch finden sollte. obriger link ist allerdings eine sehr gute formulierung für (d)ein moralische dillema

    • michaelkoepf | vor 903 Tagen, 1 Stunde, 31 Minuten

      @christianfuchs
      gefühle nicht zuzulassen bzw. sich auf diese manipulation/hervorrufung eben dieser nicht einzulassen wäre in meinen augen eine todsünde am filmgenuß an sich, keine frage. ich bin gegen die hornbebrillte intellektualisierung von gefühlen wenn sie gerade passieren - sehr wohl aber kann man nach dem emotional ungefilterten erlebnis ein wenig reflektieren. ich verstehe auch deine argumentation - ich schätze wir haben einfach eine unterschiedliche wahrnehmung des gesehenen denn ich habe im dunkel des kinosaals meinem schweinehund die hand geschüttelt - und dass solte man doch zumindest kurz mit seinem moralischen kompass der inder realen welt zum einsatz kommt hinterfragen.

      @os84
      danke für den link, seeßlen sagt viele richtige und wichtige dinge aber "Pulp fiction" bezwingt den faschistischen Todeskitsch." empfinde ich eben ganz anders. tarantino bedient sich dem todeskitsch und bekämpft feuer mit feuer. der "tapfere" offizier der von eli roth in seiner eigenen hostel-manier zermatscht wird oder maximilians papi sind tolle beispiele von dir und zeigen dass tarantino eben nicht einen entgegengesetzten weg zu filmen wie "der untergang" einschlägt sondern ähnliche - er gibt den 0815-nazi-bösewichten ihre menschliche komplexität zurück. auch hier wieder: der umkehrschluss der entmenschlichung faschistischer propaganda.

    • michaelkoepf | vor 903 Tagen, 1 Stunde, 30 Minuten

      PS:
      findet es hier noch jemand witzig dass die basterds in der kellerszene enttarnt werden weil sie nicht wie richtige nazis 3 bier bestellen können ;))

    • os84 | vor 903 Tagen, 55 Minuten

      herr fuchs empfindet auch das faschistoide massaker von "300" als eine form von "heilsamer selbstreflektion", oder? ;) will ihm ja nicht unrecht tun, aber mein ding ist es auch nicht. in dem spiegel-artikel gibt es ja die passage "Wenn man Tarantinos Film etwas genauer ansieht, weiß man, dass es einen Preis für die Befreiung gibt. Die Guten, die keine Opfer mehr sein wollen, können auch keine vollständig Guten mehr sein." und trotzdem bleibt die opferbereitschaft, sich wenn nötig mit dem gesamten nazipack in die luft zu jagen. insofern macht es sinn das der film "inglorious bastards" heißt .. mit glorie oder "gerechter" rache hat es nicht viel zu tun. es geht rau und dreckig zu, wie in einem western. wirklich "gut" ist nur der, der schneller seine waffe zücken kann

    • christianfuchs | vor 903 Tagen, 21 Minuten

      "300"

      i say no no no.

      http://fm4v2.orf.at/fuchs/217782/main.html

    • seayou | vor 902 Tagen, 23 Stunden, 44 Minuten

      300 ist super (ib auch)! filme sind doch in wirklichkeit nie "propagandafilme" oder "faschistoide massaker", diese kategorisierungen sind einfach falsch, mit solchen behauptungen entlarven sich die kritiker selbst als kastldenker und deswegenkann man auch riefenstahl ohne schlechtes gewissen gut finden. das gute an filmen ist dass man die kontextualisierung selbst setzen kann (ein bischen grundintelligenz natürlich vorausgesetzt)!

      question: why so much violence?
      tarantino: because it is so much fun!

    • johnleehookerelectro | vor 902 Tagen, 23 Stunden, 17 Minuten

      das einzge bei tarantino das mich seit killbill bisl gestört hat,war das er trash machen will aber ein millionen dollar budget dafür verwendet was ich dann zunächst auf der leinwand als "weder noch" nicht ganz akzeptiert habe(widerspruch etc bla),aber mittlerweile bin ich geübt es als subgenre zu verstehen und mich einfach ohne grosses grübeln aber mit richtiger antizipation reinzuflashen

      bei 300 kann man sogar das antizipieren manchmal weglassen bzw es kommt viel direkter und brachialer,..+ REIN vom technischen"push-faktor"(also technische winkelmesserei und orchesta-abmischnungen etc) kann tarantino von 300 oder ridley scott und konsorten noch viel lernen..geschmackssache..mich pusht ein gohtischer coral nachdem ein 10 jähriger mit blossen händen einen wolf besiegen musste um in einer vergangenen kultur ein mann zu werden ein klein wenig mehr, als eine weinende braut die nen kopfschuss überlebt..geschmack und zeitpunkt etc

    • os84 | vor 902 Tagen, 22 Stunden, 46 Minuten

      @seayou
      find ich ehrlich gut wie du das siehst, nur glaub ich das nicht. den rahmen gibt der filmschaffende schon vor, drum heißt es ja rahmenhandlung. wenn ein künstler ein werk macht dann steht es natürlich der eigeninterpretation offen. trotzdem hat der künstler SEIN bild im kopf, so wie er es schaffen wollte und wie man es auch sehen sollte (seiner meinung nach). daher filme ganz losgelöst von der intention des filmschaffenden zu trennen ist verfehlt und sicher nicht (immer) gewünscht. speziell tarantino mut ich da scho eine gewisse künstlerische eitelkeit zu, vor allem nach jahren des scriptschreibens. wer will den nicht "richtig" verstanden werden?

    • seayou | vor 902 Tagen, 21 Stunden, 49 Minuten

      @os84: man kann den kontextuellen rahmen annehmen oder nicht aber die zwanghafte verknüpfung von künstler und produkt macht nicht immer sinn finde ich. problematisch wird es halt dann wenn es in der kulturkritik objektivivierend verwendet wird. gerade dann gibt der kritker mehr von sich selbst preis als von der intention des künstlers ^^

    • softmachine | vor 902 Tagen, 20 Stunden, 40 Minuten

      sorry, aber IB ist der beste, intelligenteste antiskinhead bzw. antifa film ever. nicht so ein rechter dreck wie "der untergang", der grenzte ja an wiederbetätigung und gilt als kult unter rechtsextremen.

    • christianfuchs | vor 902 Tagen, 20 Stunden, 28 Minuten

      "300" vs "kill bill": für die diskussion bin ich jetzt zu müde, stöhn.

      aber alleine die erste schlägerei in der küche (the bride vs vernita) fetzt mehr/wirkt heftiger/körperlicher/tut mehr weh als der ganze (ästhetisch noch viel mehr als inhaltlich) öde "we are sparta"-dreck.

      ich find ja "300" vor allem visuell so letztklassig.

    • johnleehookerelectro | vor 902 Tagen, 19 Stunden, 26 Minuten

      300musik is dafür brunftiger

      killbill hat mehr ebenen um sich zu mitder sagenhaften "heroe-refelxion"zuspielen.und um diese gehts in beiden , um nix anderes

      300 spielt auf ner simplen "stolz herz und durchhaltevermögen"ebene aber gekonnt

    • johnleehookerelectro | vor 902 Tagen, 19 Stunden, 25 Minuten

      heroe-reflektion

    • christianfuchs | vor 902 Tagen, 19 Stunden, 3 Minuten

      alsooooo

      eh wurscht, aber...

      für mich gibts keine szene im kino der letzten zehn jahre, die mir auf einer simplen ebene mehr über durchhaltevermögen erzählt, als die lebendig-begraben-szene aus kill bill 1.

      alleine wenn ich die musik schon isoliert höre, krieg ich gänsehaut, im kino hab vor ergriffenheit geheult. mir reicht diese szene, um ich aus depressiv angehauchten momenten rauszuholen & mich selber zum durchhalten zu motivieren.

      vielleicht ist es auch der körperliche, der haptische und zelluloid-fixierte ansatz des digital-feindes tarantino, der ihn ästhetisch so irre überlegen gegenüber snyders visuellem kasperltheater macht.

      und brunftig? mir graust vor dem männerschweiß in umkleidekabinen.

    • johnleehookerelectro | vor 901 Tagen, 23 Stunden, 23 Minuten

      jaaa herr fuchs^^(ich weis es hat schon soo nen bart aber es juckt halt noch immer ein bisl in dne fingern bei dem thema) genau ihr text is mit mir in übereinsimmung
      kill bill hat mehrere ebnenen (keiner sagt das da die durchhalte eben ned dabei is)
      300 hat genau eine.
      und die 300 m-u-s-i-k is derbstens brunftig/böse/gothic synthie basslastig oder epochal böse woteva.(kommt zwar nicht an die erhabenheit eines hans zimmer ran aber deftig und passend zum film halt ). ned der scham den manche beim gemeinsamduschen haben war gemeint..wieauchimmer

      300 is halt wie bud spencer und terence hill nur ohne lachen

    • johnleehookerelectro | vor 901 Tagen, 23 Stunden, 17 Minuten

      300lebt halt nur von dieser wolf szene wo der junge aus der ägei zurückkommt und im schnee kniet mit diesem gothischen lied
      von diesem extremen adrenalin push ernährte ich mich den ganzen film lang..beim 4tern mal sehen vl mühsam

  • funkybird | vor 903 Tagen, 3 Stunden, 25 Minuten

    Guter Film! Jetzt muss nur noch "District 9", "Shutters Island" und "Die Straße" vom Herrn Hillcoat kommen. Dann habe ich meine geplanten must see´s durch!

    Auf dieses Posting antworten
    • christianlehner | vor 902 Tagen, 22 Stunden, 51 Minuten

      freu dich auf district 9 - hammer, hammer, hammer.

    • drpretorius | vor 902 Tagen, 2 Stunden, 41 Minuten

      Also auf District 9 bin ich wirklich gespannt, der Trailer haut mich jetz nicht soooo vom Hocker, die Aliens schauen aus wie "5th element" trifft "Starship Troopers" …

  • seayou | vor 903 Tagen, 3 Stunden, 58 Minuten

    .

    Auf dieses Posting antworten
    • seayou | vor 903 Tagen, 3 Stunden, 58 Minuten

      "bon giorno"

    • beastmaster | vor 903 Tagen, 1 Stunde, 29 Minuten

      john porno

    • seayou | vor 902 Tagen, 23 Stunden, 43 Minuten

      gotta love brad bitt!