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Musik, Film, Heiteres

Christian Lehner mit Hut

Christian Lehner New York

Süß/saure Geschichten aus dem Big Apple.

1. 10. 2009 - 18:42

What happened to The Simpsons?

Wie Seth MacFarlane mit seinen Serien "Family Guy", "American Dad" und neuerings "The Cleveland Show" Homer und Co. den Rang abzulaufen droht.

Keine Ahnung, wie der Impact derzeit über die deutschsprachige Fernsehlandschaft zu spüren ist, aber seit dem Kinoerfolg von The Simpsons Movie ist es in den USA verdächtig ruhig geworden um unsere gelben Freunde aus Springfield.

Die Sitcom läuft zwar weiterhin prominent am Sonntagabend im Rahmen der Fox-Animation Domination. Doch die Ratings sind seit längerem rückläufig. Das Season-Finale der 20. Staffel Ende Mai hatte weniger Zuseher als sämtliche Vorgänger in der Geschichte der Serie. Nichts Ungewöhnliches in Zeiten der fortschreitenden medialen Ausdifferenzierung sollte man meinen, würde er im direkten Vergleich dazu nicht viel besser abschneiden. Aber dazu später.

Viel schwerer wiegt, dass die Simpsons als Zitat verschwunden sind, wenn es um die Auseinandersetzung mit der amerikanischen Alltagskultur geht. Die ewig sprudelnde Quelle der Simpsons-Referenzen in Pop, Medien und Diskussionen, sie scheint versiegt.

Überhaupt, die dysfunktionale Vorzeigefamilie wirkt zunehmend unzeitgemäß. Als wären dieser Monumentalserie nicht nur die guten Geschichten, der unter der Brachialität vergrabene Humanismus und der Charakter der Figuren über die letzten paar Staffeln abhanden gekommen, – all das sind Vorwürfe, die Fans seit Jahren erheben – es ist viel schlimmer: Die Simpson scheinen die Fähigkeit verloren zu haben, uns die Welt erklären zu können.

Springfield droht in der jetzigen Machart allmählich zur Museumsstadt der eigenen, glorreichen Vergangenheit zu verkommen. *Snief I*.

Sync 1: Folge eins der akutellen Simpsons-Staffel, die ebenfalls letzten Sonntag auf Fox ausgestrahlt wurde, stammt aus der Feder von Seth Rogen. Vielleicht erinnerte Homer The Whopper ja deshalb an bessere Zeiten, was das Storytelling betrifft. Rogan nutzte übrigens die Gelegenheit, seinen Cock-Fight mit der Entourage Posse über die Simpsons fortzusetzen.

Springfield vs Quahog

Schuld daran ist (auch) Peter Griffin. Ihr kennt ihn sicher, den Family Guy. Er geistert seit Jahren mehr oder weniger erfolgreich durch deutschsprachige Kanäle. In den USA läuft die Cartoon-Serie in indirekter Nachbarschaft zu den Simpsons auf Fox und übertrifft die Konkurrenz am eigenen Sender mittlerweile in allen Bereichen.

Tatsächlich wirkt "Family Guy" beim Erstkontakt wie ein billiger Rip Off der Simpsons. Sowohl das Setting als auch die Anlage der Charaktere gemahnen an die übergroße Familiengeschichte aus Springfield. Allerdings gibt es der Family Guy noch eine Spur überdrehter und anarchischer.

Familienoberhaupt Peter Griffin ist derber und dümmer als Homer, Ehefrau Lois nachgiebiger und aufgesexter als Marge und der übergewichtige Sohn Chris womöglich gar ein verkappter Schwuler (jessas!).

Lois & Peter Griffin (Family Guy)

Eine typische Family Guy Episode besteht in der Regel aus der Aneinanderreihung von Gags, die die Storylines eher aushebeln, als sie voranzutreiben – ein Umstand, auf den in diversen South Park und Simpsons Folgen in Form von Seitenhieben hingewiesen wurde, die vom Family Guy prompt zurückgespielt wurden.

Sitcom Populismus pur

Die Serie ist ein Feuerwerk aus popkulturellen Referenzen, Brachial-Zoten, aberwitzigen Musical-Einlagen und absurden Rückblenden, die selten oberhalb der Gürtellinie angesiedelt sind und zielsicher den guten Geschmack torpedieren.

Wo die Drastik bei den Simpsons als Stilmittel die Brutalitäten, das Absurde, die Langeweile und den Horror der durchschnittlichen amerikanischen Mittelklasse-Existenz entblößt, den Menschen dabei aber immer wieder über das gute alte Konzept der Liebe mit sich und den anderen versöhnt, steht sie bei Family Guy kontextlos im leeren Raum und ist einzig der Übertretung verpflichtet. Family Guy, das ist Sitcom-Populismus pur.

So entsprechen die Abenteuer der Familie Griffin perfekt den viral zirkulierenden Web 2.0 Kicks zwischendurch, den Videos von Spei-Orgien, brutal-lustigen Unfällen, peinlichen Momenten der Selbstentblößung und so weiter und so youTube. Keine Comic-Serie bildet das derzeit besser ab als Family Guy, niemand ist da dichter dran als Seth MacFarlane.

My Family Guy favs: Brian & Stewie

The Biggest Loser

Dabei hat alles mit einer Niederlage begonnen. Der mit allen popkulturellen Wassern gewaschene Schöpfer der Sitcom musste seinen Family Guy bei Erstantritt Ende der 90er Jahre nach kurzer Zeit wegen schwächelnder Quoten in den vorläufigen Ruhestand schicken. Wie seinerzeit bei Star Trek generierte jedoch die Syndikatisierung der Serie und der DVD-Verkauf der ersten Staffeln einen Hype, der 2004 zur Wiedereinsetzung durch Fox führte.

Mittlerweile regiert Family Guy dort den Sonntagabend. Popstars wie Moby zählen zu den größten Fans, Venezuela will Stationen bestrafen, die die Serie spielen und Stewie, das sardonisch-clevere Baby der Griffins, mausert sich zu einer Art Kinderstar – oft zitiert, immer häufiger auf T-Shirts auftauchend.

Homer goes Peter?

Und die Simpsons? In einer fatalen Strategie scheinen die Macher die Charaktere nun umgekehrt am Humor der Konkurrenz auszurichten, während Family Guy mit zunehmenden Erfolg bessere Stories entwickelt und mittlerweile auch schlagendere Einblicke in die kollektive Psyche der Jetztzeit gewährt.

Doch MacFarlane will mehr: mit American Dad installierte der neue Comic-Zampano 2005 eine zweite Serie auf Fox, die ganz im Zeichen der dunklen Bush-Jahre stand und noch immer steht. Selbst in dieser Serie, in der sich alles um den patriotischen Familienvater und CIA-Agenten Stan Smith dreht, überblendet die Drastik der Darstellung sämtliche politischen Implikationen, seien sie noch so aufgelegt; wiewohl MacFarlane seine Sitcoms generell eher am Zeitgeist des Marktes auszurichten scheint, als einer küntlerischen Vision zu folgen.

Change for America: The Cleveland Show

Vergangenene Sonntag lief dann auf Fox erstmals The Cleveland Show, ein Spin-Off von Family Guy.

Und auch hier hängt MacFarlane seine Nase in den Wind des Zeitgeschehens: Cleveland Brown ist ein Stammtischfreund Peter Griffins und er ist schwarz. Nun hat er seine eigene animated Sitcom. "It's about time", wie er am Ende der ersten Folge mit Blick in die fiktive Kamera sagt. Vom Präsidenten zur Sitcom.

Auch hier wagt MacFarlane weniger, als der erste Blick vermuten lässt. Cleveland, der bei Family Guy aufgrund seiner verschleppten Sprechweise einem altem rassistischen Stereotyp entsprechend zurückgeblieben, aber gutmütig angelegt ist, darf jetzt schlauer und offensiver agieren. Die Handlung wurde von New England in den Süden der USA verlegt. Dort lässt sich das Thema Rassismus brachial aber auch risikofrei abhandeln, schließlich ist man aus dieser Ecke nichts anderes gewohnt.

The Cleveland Family

Sync 2: Arianna Huffington, Gründerin der Huffington Post, leiht in der Cleveland Show der Frau eines Nachbarn ihre Stimme. Jener ist - nicht ungewöhnlich für MacFarlene-Sitcoms - ein sprechender Bär with some kind of germanic accent.

No King Of The Hill (no more)

Der frisch geschiedene Cleveland, der zu Beginn von Folge eins von den Family Guy Protagonisten in Rhode Island verabschiedet wird, plant mit seinem Sohn nach Kalifornien zu ziehen, landet aber schlussendlich in den Armen der Highschool-Liebe aus seinem Heimatkaff im Süden. Dort gilt es nun eine Familie zu gründen und die Wirren des Alltags zu entflechten.

Noch fällt es schwer, sich ein Urteil über die Cleveland Show zu bilden. Serien haben es ja so an sich, dass zunächst die Protagonisten eingeführt werden, ehe ihre Geschichten in Fahrt kommen.

Fakt ist, dass MacFarlane ab nun drei von vier Cartoon-Sitcoms bei Fox am Start hat, denn der von mir heiß geliebte, aber für den Murdoch-Sender wohl schon immer zu subtile und leise, King Of The Hill musste der Cleveland Show weichen und wurde endgültig eingestellt. *Snief II*.

Einzig verblieben im Umfeld der MacFarlane Shows sind die Simpsons, die trotz Quotenrückgang noch immer über eine solide Fanbasis verfügen. Doch schon munkelt man, dass der Dauerbrenner nach der vertraglich zugesicherten Season 22 eingestellt werden könnte.

Dann wird man möglicherweise die Antwort kennen auf die Frage: What the f..k happened to the Simpsons?

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  • mistersimpson | vor 861 Tagen, 22 Stunden, 16 Minuten

    22 staffeln simpsons, das hat keine andere zeichentrickserie geschafft und das muss denen mal erst einer nachmachen. das da irgendwann die luft raus is, ist klar.
    "drawn together" ist aber die gestörteste, kommerzielle serie die ich kenn. sei hier nur mal so am rande angemerkt. ;)

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  • os84 | vor 864 Tagen, 15 Stunden, 12 Minuten

    der reiz der serie liegt in der charakterentwicklung. schon aufgrund ihres stets gleich bleibenden alters muß sich der schuh einfach mal abtragen. ich hab auch das gefühl das matt groening ohnehin seit ein paar jahren mehr liebe in futurama gesteckt hat, statt in seinen gelben goldesel

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  • alabaster | vor 864 Tagen, 16 Stunden, 45 Minuten

    South Park hat den Simpsons schon seit Jahren den Rang abgelaufen, wenns ums zynischsatirische Kommentieren von aktuellen Entwicklungen geht.
    Man sehe sich die Folgen "Cartoon Wars" an, seitdem seh ich, wenn ich mal wieder von irgendjemandem gezwungen werd, Family Guy zu sehen, vorm inneren Auge immer die Seekühe hin- und herschwimmen und die "Ideenbälle" apportieren.

    Zuletzt im Ö-TV diese Simpsons-Folge gesehen, in der sie nach Afrika kommen weil am Anfang die Supermarkt-Einpacker streiken. Das wird aber später nie mehr aufgegriffen!! Wenn Simpsons-Autoren meinen, durch die Abwesenheit dramaturgischer Geschlossenheit, acting-out-of-character all the way und den Mangel jeglichen Realitätsbezugs, gewürzt lediglich durch surreale Momente wie fleischfressende Giraffen und dergleichen zu Family Guy aufschließen zu können, ham se sich aber gehörich geschnitten.

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  • breitchev | vor 864 Tagen, 19 Stunden, 19 Minuten

    "Do you have any idea what it's like? Everywhere I go: 'Hey Cartman you must like Family Guy, right? Hey, your sense of humor reminds me of Family Guy, Cartman!' I am nothing like Family Guy! When I make jokes they are inherent to a story! Deep situational and emotional jokes based on what is relevant and has a point, not just one random interchangeable joke after another!

    5 tage 9 stunden zur mid-season premiere..

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  • fargonaut | vor 864 Tagen, 20 Stunden, 44 Minuten

    der Simpsonsserie ist die Raffinesse verloren gegangen, ca. ab der 11. Staffel
    schön zu sehen an den SideShow- Tingle tangl-Bob Folgen.

    Pötzlich wurde nur noch auf Gaststars gesetzt und man versuchte die Witze der alten Staffeln zu kopieren.

    Family Guy hatte nie die Raffinesse die die alten Simpsonfolgen ausmachten.
    Da kommen nur "unverhersehbare" schmähs drinnen vor(eben dieser ewige Rückblendenhumor) die man nach dem drittenmal Sehen durchschaut und danach nur noch Gähnen aus dem Zuschauer herauslocken.
    Der Sautrottelekelanarchismus den die Seth MacFarlane Serien durchzieht spiegelt nur das Hollywoodschema: lauter, schneller, mehr, mehr, mehr...
    ...dümmer, dreckiger, perverser...bla, furz!

    lieber klassisch Ren&Stimpy kucken, oder Robot Chicken!

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    • ambre | vor 864 Tagen, 18 Stunden, 34 Minuten

      bei ren&stimpy wird mir einfach nur schlecht, warum schaun das manche sogern?

    • mjrchiphazzard | vor 864 Tagen, 16 Stunden, 1 Minute

      weils halt eben so herrlich freakig ist, teilweise mit seiner kompleten realitätsverweigerung schon regelrecht ins dadaistische geht. allerdings hält mein magen das heute auch nicht mehr so aus, wie früher.

      übrigens danke fargonaut, endlich mal jemand, der den cut an der gleichen stelle zieht wie ich.

      schade ists ja meiner Meinung nach auch um Rockos modernens Leben und auch Daria :(

  • cikko | vor 864 Tagen, 21 Stunden, 34 Minuten

    ja, die synchronisation

    die ist bei family guy elendig schlecht. ich meine, dass das ein grund ist warum sich family guy im deutschprachigem raum nicht durchgesetzt hat. ein anderer ist, dass family guy so wie south park viel genauer auf das aktuelle politische und kulturelle tagesgeschehen in den staaten eingeht. das war bei den simpsons nie so, die halten sich eher an generellere themen die auch für uns europäer leicht verständlich sind.

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    • hmmm | vor 864 Tagen, 20 Stunden, 50 Minuten

      aber in der originalsprache..

      ..ist family guy einfach nur mehr 'hilarious' (auch für mich als europäer :)

  • watchtowerman | vor 864 Tagen, 22 Stunden, 2 Minuten

    ja, es steht derzeit wirklich nicht gut um die simpsons. seit ca. der 12 staffel haben sie kontinuierlich abgebaut, wobei man sagen muß der durchschnitt hat abgebaut weil in jeder staffel min. 5 episoden sind für die es sich dan wieder gelohnt hat.

    von den späteren fällt mir da spontan die ein in der Bart zu den Katholiken geht. großartig.

    aber in den Staffeln 2-11 waren sie einfach unereichbar. eigentlich jede Folge ein Knaller, dass muß eine Serie mal schaffen.

    deshalb sollte man sie echt nicht im selben Atemzug wie Family guy nennen.

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    • watchtowerman | vor 864 Tagen, 22 Stunden,

      (I know some folks hate Ed's singing, but it mostly seems like they're reacting to the fact that his voice launched a thousand Nickelbacks, which is like hating "The Simpsons" because of "Family Guy" or "American Dad".)

      Zitat von Pitchfork's Kritik zur neuen PJ LP.

      bringt es ziemlich auf den punkt :)

  • diamondback | vor 864 Tagen, 22 Stunden, 3 Minuten

    das ende von "king of the hill" ist in der wirklich sehr schade, aber die serie hatte ja schon 1-2 groebere unterbrechnungen hinter sich.

    rip hank!

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  • toteraltermann | vor 864 Tagen, 22 Stunden, 16 Minuten

    Dazu hat Daniel Kehlmann kurz vor Start des Simpsons-Kinofilms etwas sehr treffendes geschrieben (vor allem für jemandfen, der mit 30+ immer noch aussieht wie ein Sechzehnjähriger).

    http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?titel=Voltaire+und+Starbucks&id=47134811&top=SPIEGEL&suchbegriff=simpsons+kehlmann&quellen=&qcrubrik=artikel

    Ganz davon abgesehen: jede Serie hat ihre Zeit, und jeder Zeit hat ihre Serie. Die Popkultur frisst ihre Kinder.

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  • gisiebla | vor 864 Tagen, 22 Stunden, 49 Minuten

    und ich seh das ganze genauso!

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