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Musik, Film, Heiteres

Andreas Gstettner

Andreas Gstettner

Vertieft sich gern in elektronische Popmusik, Indiegeschrammel, gute Bücher und österreichische Musik.

10. 10. 2009 - 16:40

Medienkritik und Stadtgeschichten

Eine FM4 Soundparknacht mit The More Or The Less, Soopertrash, David Pfisters 90er Mix und "death to the 80s".

Klar, für das Wochenende ist meist ein recht hedonistisches oder gar elitäres Programm angesagt. Vielleicht ist die FM4 Soundparknacht auch deshalb ein guter Platz für langsamere, leisere Töne, für breit angelegte Systemkritik, Erinnerungen an musikalische Jugendsünden und für viel neue, unbekannte Musik. Natürlich bleibt auch genügend Raum für Funk- und Discogroove, für experimentell-poppige Gamesmusik und sogar ein kleiner, staubiger Westernsoundtrack macht den Abschluss der Sendung, bei dem wir in den Sonnenaufgang reiten.

Also satteln wir die Pferde.

The More Stadtgeschichten The Less Lärm

Der Hype des Singer/Songwritertums bewegt sich in Wellen. Oft erzeugt der Counrty-Wind nur sanfte Wasserhügel auf Österreichs Musikseen, manchmal kann jedoch ein richtiger Sturm losbrechen, zumindest emotional.

Tobias Pötzelsberger

Der Salzburger Musiker Tobias Pötzelsberger liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Sein Solo-Projekt The More Or The Less, das mittlerweile zur richtigen Band angewachsen ist, schlägt oftmals sanftere Töne an und auch die Geschichten, die Tobias erzählt sind eigentlich Alltagssituationen. Und doch erzeugt das Debüt "We, The People" einen Sog, der in tiefere Gefühlswelten führt.

Der Eröffnungssong "All In All" startet mit Tobias alleine in einem kleinen Zimmer. Während er die Anweisungen an seinen Techniker gibt, aufzunehmen, hört man durch seinen Kopfhörer den Klick, zu dem gespielt wird und mit dem einzigartigen Quietschen, der durch Rutschen auf den Stahlsaiten einer akustischen Gitarre zustande kommt, beginnt Tobi mit zerbrechlicher Stimme zu singen. Alleine diese Sequenz vermittelt schon, dass es hier um Intimität geht. Zwar beruhen viele Songs von "We, The People" auf wahren Beobachtungen, jedoch werden die einzelnen Szenen dann im Kopf weitergesponnen. The More Or The Less erzählen somit fiktionale Lebensgeschichten im urbanen Umfeld, mit denen sich eigentlich jeder identifizieren kann.

The More Or The Less
CD Präsentation: 28. Oktober 2009, 20.00 Uhr Wiener WUK
Livekonzert: 29. November 2009, 20.00 Uhr Salzburg - Waldklang @ Waldbad Anif

We the people, Plattencover

Neben einigen balladesken Epen, wie dem sehr reduzierten "How To Lose The War" oder dem mit Cello verfeinerten "As Seen By The Things", besticht Tobias Pötzelsberger auch mit Songs, die in Richtung uptempo gehen. So ist die Single "Ms. Anderson" in bester Elliott Smith Qualität die ideale Einstiegsnummer in das melancholische Reich des Salzburger Singer/Songwriters. Diese und einige Nummern mehr gibt es in einer Listening Session zu hören, bei der Tobias uns mehr über die Geschichten hinter seinen Songs erzählen wird.

Multimediale Systemkritik im Lo-Fi-Elektropop Gewand

Der Gitarrist und Songschreiber Nenad Stankov ist ein Arbeitstier. Ein Workaholic, wenn man seinen Bandkollegen trauen darf. Alleine im "stillen Kämmerlein" hat er seine Elektro-Funkvergangenheit abgestreift, um sich verzerrten Gitarrensounds zu widmen. Doch in seinem Projekt Soopertrash sind nach wie vor viele digitale Elemente zu finden.

"Organic Happy Freerange" nennt sich das Album, das von flirrenden Gitarren, treibendem Schlagzeug, harten Betas, spacigen Synthiesounds und poppigem Gesang bestimmt wird. Eine charmante Lo-Fi-Ästhetik wird mit sauberer Produktion und sehr bewusst geformten Klängen gemischt. Zwischen den eingängigen Harmoniebögen entspinnen sich Sprachsamples und Vocoderstimmen. Das alles ist Teil eines größeren Konzepts. Unter der partytauglichen Grundstimmung verbergen sich kritische Statements zu politischen, gesellschaftlichen und medialen Entwicklungen.

Soopertrash Live:
04. November 2009Fluc
23. November 2009 im Wiener B72.

Diese werden meist in parolenartiger Form vorgetragen, wobei der "Performancekünstler der Band", der gebürtige Amerikaner Alan Key die Position eines Informationssprechers übernimmt, der wie ein scheinbar objektives Element verschiedenste Zitate und Textbausteine in einen neuen Kontext einbaut. Ein Beispiel solch einer Rekontextualisierung ist der Song "Youporn Generation", in dem verschiedene Teile von einschlägigen Webseiten vorgelesen werden. Oder der Track "Alles Wird Besser", der sich einer Zeile eines bekannten Gedichts bedient, das auf die Berliner Mauer gesprayt wurde.

Auch Design ist für Nenad wichtig. Soopertrash spielen dabei mit Bildern der sechziger Jahre. Und das ist eigentlich die perfekte Analogie zur musikalischen Ebene. Denn die Medienlandschaft der Gegenwart wird mit Images der Sechziger wiedergegeben, so wie die neue Technologie verwendet wird um Musik wieder so aufnehmen zu können, wie es vor dreißig Jahren der Fall war. Sprich, alles live aufzunehmen, ohne dabei ein perfektes Studio aufsuchen zu müssen.

Die visuelle Umsetzung für Live-Konzerte macht durchaus was her, sowohl im spannenden, als auch sehr humoristischen Sinn. Alan, der in einem nachgebauten Fernseher seine Texte spricht, wird mittels digitaler Kamera auf eine kleine Leinwand hinter der Bühne projiziert. Bei allem, was Soopertrash machen, ist immer ein Augenzwinkern dabei. Das merkt man auch, wenn man sich mit Nenad und Alan unterhält, die sich selbst nicht allzu wichtig nehmen. Den Beweis dafür wird geliefert, wenn wir uns in der zweiten Soundpark Listening Session durch ihr gelungenes Debüt surfen.

Der Soundpark Backkatalog mit David Pfister

In jeder Schulklasse gibt es die üblichen Typen. Den Clown, den Ultracoolen, den Streber, den Frauenschwarm, den Schüchternen und das U-Boot. Von Letzteren ist wenig bekannt, außer man setzt sich mit ihnen persönlich auseinander. Von ihnen werden weder heroische Taten herumerzählt, noch wird über sie gelästert. Sie befinden sich immer etwas außerhalb des Focus, obwohl sie oft eine richtige Inspirationsquelle sein könnten.

Warum mir das einfällt? Vielleicht, weil sich David Pfister in meiner persönlichen Wahrnehmung erst relativ spät verankert hat. Der unmittelbare Eindruck ist sympathisch, witzig und höflich, doch was in ihm steckt, das offenbarte sich mir erst mit der Zeit. Für viele ersichtlich herausgebrochen sind einige seiner Talente nicht zuletzt auf der Lesereise der Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune, die mittlerweile als Bandprojekt dieser Tage ihr zweites Album "Wellen der Angst" veröffentlicht.

Davids musikalische Liebeleien sind jedoch wesentlich breiter gefächert, wie man bei seinen Auftritten im House Of Pain oft hören konnte. Diesmal geht es jedoch um Erinnerungen an die Jugend, wenn David Pfister uns seinen Mix von österreichischer Musik der neunziger Jahre präsentiert. Und da kracht es an vielen Ecken und Enden. Von wegen U-Boot, eher mehr Schlachtschiff!

"David Pfisters Back To My 90ies Mix":

artist song  
Ballyhoo She’s So Sad  
Der Scheitel Wahnsinn  
Novy Svet I Hasta Morir  
Jacques Brel Massacre Dans Vos Yeux  
Superformy Pop Will Save The World  
Naked Lunch Obsession  
Seven Sioux Little  
Falco Titanic  
Dr. Nachtstrom The Blues (Sickwon Remix)  
Pungent Stench For God Your Soul.. For Me Your Flesh  

Das war noch nicht alles...

In dieser FM4 Soundparknacht gehen wir sogar noch weiter in der Zeitlinie zurück. Nämlich in die Achtziger Jahre. Das heimische Label Schönwetter Schallplatten hat sich in der österreichischen Musikszene umgehört, wer gerne seine "Jugendsünde" aus dieser Zeit neu interpretieren möchte. Unter dem Titel "death to the 80s" finden sich zwanzig Stücke, die auf unterschiedliche und witzige Art die Originale wiedergeben. Auszüge des Samplers gibt es in einem halbstündigen Soundpark Mix zu hören.

"death to the 80s" Mix:

artist song  
Norman Palm Girls Just Wanna Have Fun  
Velojet Say Say Say  
Bilderbuch Ich Fahre Mit Dem Auto  
Clara Luzia It’s A Sin  
Esteban’s feat. Christian Pitschl Susanna  
Deckchair Orange Bette Davis Eyes  
Martin Klein Always The Sun  
I Am Cereals The Look  
Fiago E=mc2  

Darüber hinaus werden neue Tracks von Euch aus dem FM4 Soundpark gespielt: Songs des Nachfolgeprojekts der Beautiful Kantine Band mit Namen Bo Candy And The Broken Hearts und ein chilliger Albummix von Villalogs "Cosmic Sister".

Also einschalten, zurücklehnen und sich unterhalten lassen!

Der FM4 Soundpark startet am Sonntag 11. Oktober um 01:00 Uhr Nachts und läuft bis Montag 12. Oktober 06:00 Uhr früh!

Fahrplan durch die Sendung:

  • 01:00 bis ca. 01:20 Uhr: Eure Songs aus dem FM4 Soundpark
  • 01:20 bis ca. 02:00 Uhr: Listening Session mit The More Or The Less
  • 02:00 bis ca. 02:20 Uhr: Neuheiten im FM4 Soundpark
  • 02:20 bis ca. 03:00 Uhr: Listening Session mit Soopertrash
  • 03:00 bis ca. 03:15 Uhr: Neue Elektronik und der Subotron Contests
  • 03:15 bis ca. 04:10 Uhr: David Pfisters Back To My 90ies Mix
  • 04:10 bis ca. 05:00 Uhr: Villalog im Interview und Mix
  • 05:00 bis 06:00 Uhr: "death to the 80s" und Bo Candy

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Forum

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  • johannesrausch | vor 865 Tagen, 4 Stunden, 11 Minuten

    super, tobi!

    freut mich echt fuer dich, dass das mit deiner platter was geworden ist und hier anklang findet!

    weiter so! :-)

    lg

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  • northgirl | vor 865 Tagen, 17 Stunden, 22 Minuten

    Oh, ich wünschte, ich würde mich im FM4-Empfangsgebiet befinden...

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  • kornundsprite | vor 865 Tagen, 17 Stunden, 30 Minuten

    ich war mal mit dem pötzelsberger im bett

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    • marccarnal | vor 865 Tagen, 15 Stunden, 52 Minuten

      ist aber auch nicht schwer beim tobi

    • endlessnameless | vor 865 Tagen, 6 Stunden, 56 Minuten

      ich nicht, aber ich glaub der war im borg in neumarkt... kommt mir auf alle fälle bekannt vor

    • tobiaspoetzelsberger | vor 865 Tagen, 6 Stunden, 6 Minuten

      wer solche freunde hat... :)

    • deathjrjr | vor 865 Tagen, 5 Stunden, 24 Minuten

      na super, u mich hat er am boden schlafen lassen

    • kornundsprite | vor 865 Tagen, 3 Stunden, 2 Minuten

      hat doch eh eine fußbodenheizung. und überhaupt, warst du in der nacht ganz woanders

  • johndoggett | vor 865 Tagen, 18 Stunden, 12 Minuten

    genial waren die connectedshows mit votava/pfister. ein wahnsinniges duo. meine schönsten radionachmittage.

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