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Musik, Film, Heiteres

Veronika Weidinger

26. 10. 2009 - 22:35

#audimax #unsereuni #unibrennt

Debatten aus dem besetzen Audimax - das Innen nach Außen.

Die Uniproteste auf FM4

you are the media

Sonntag abend erzählen die BesetzerInnen der Akademie dem Plenum im besetzten Audimax zur Frage, wie sie mit den Medien umgehen, via Skype Konferenz, dass sie eine Arbeitsgruppe gebildet haben. Zu erfahren ist das via Livestream, der fast rund um die Uhr aus dem Audimax überträgt. Eine TV-Station hat um einen Intervievpartner angefragt. Steht auf Twitter. Neben den Diskussionen im Plenum sind auch die "off mic"-Gespräche vor Ort online mitzuhören: Ob nun abgestimmt werden soll, eine Debatte beendet sei, Unsicherheiten wie weiter oder klare Ansagen der Gruppe am Podium.

Bei einer derartigen Transparenz der Vorgänge im besetzten Hörsaal scheint die Frage nach dem Umgang mit Medien obsolet - was hier abgeht, geht live und ungeschnitten raus. Neben dem Stream sind es die Blogs, Twitter und Facebook, die ständig updaten; das Innere des Protests dreht sich nach außen, wie Jana Herwig auf digiom schreibt.

Livestream aus dem Audimax

unsereuni.at

Politische Debatten anderer Art

Am Sonntag abend hängen rund 1000 ZuseherInnen im Stream, am Montag schon mehr als doppelt soviele, 2500. Auch wenn der Stream, wohl wegen Überlastung, nicht mehr ganz so einwandfrei funktioniert, überraschend, dass der Stream überhaupt steht, sowas in der Bandbreite aufzustellen ist alles andere als ohne. Die Debatten vor Ort liefern erfrischendes Material. Und: klarerweise kein Vergleich zu den anderen politischen Debatten, die in Österreich via TV oder Stream zu sehen sind. Dort sind es eindeutig verortbare ProtagonistInnen mit vorhersehbaren Statements, deren Überraschungseffekt, wenn, dann eher in rhetorischer Finesse, denn im Inhalt liegt. Personen aus dem Parteiensystem lassen nach relativ durchschaubaren Regeln Argumente ab, Diskussion im Sinn von Weiterentwickeln von Ideen, klar, da ist der Nationalrat auch nicht der Ort für...

Im politischen Protest Langgediente sind zwar im Audimax zu sehen, nur, sie bekommen aber auch am Tag 5 der Besetzung keinen großen Raum. Wenig ist auch von der offiziellen Studierendenvertretung zu hören; die solidarisiert sich zwar mit dem Protest, hat aber offenbar wenig Chance, sich mit den bei der ÖH-Bundesvertretung vorhandenen Strukturen und Rollenverteilungen einzubringen.

So gibt es heute noch immer keine klaren AnsprechpartnerInnen, wird der Protest scheinbar immer noch von, wie Markus Zachbauer meint, „Normalos“ getragen, denen es auch nach fünf Tagen noch nicht zu blöd wird zu diskutieren – etwa darüber, ob sich knackige Forderungen auf Flyern rhetorisch eher wie die einfachen Formulierungen einer FPÖ lesen, nämlich populistisch. Immer wieder angesprochen: die Frage nach einer klaren Positionierung gegen rassistsiche und sexistische RednerInnen – und apropos Sexismus, der scheint im Audimax immer wieder Thema zu sein, wie durch diverse Wortmeldungen und Appelle, dem entgegenzuwirken, deutlich wird. Aber, wie´s eine der BesetzerInnen pragmatisch auf den Punkt bringt: Sexismus gibt’s in der Gesellschaft und also auch hier - und damit müssen wir umgehen. Das „hier“ gilt übrigens gleichermaßen für´s erweiterte Publikum draußen, wie die erbärmlich sexistischen Kommentare über Rednerinnen im Chat auf der Livestream Site zeigen.

"Draußen" mischt sich übrigens immer wieder ein – wobei, die Trennung von drinnen und draußen, in körperlich vor Ort anwesende BesetzerInnen und alljenen, die das von sonstwo miterverfolgen irgendwie verwischt. So wurde von draußen auf die Ankündigung der rein männlich besetzen Liste von Gastredern im Audimax unmittelbar reagiert – mit dem Aufruf, Frauen einzuladen. Sofort kamen auch konkrete Vorschläge, Namen. Ist fein, wenn im Forderungskatalog der BesetzerInnen was von Frauenquote steht, es mutet seltsam an, wenn in Bereichen der eigenen Einflussnahme davon nichts übrig ist. Mit der Idee an sich, eine Besetzungen möglichst rasch um Programm, neben Partys ist es auch Content, zu erweitern, ist als über Jahre bewährter Standard derartiger Aktionen übernommen worden.

Der besetzte Audimax der Universität Wien

APA/HERBERT PFARRHOFER

Die Uni-Proteste auf FM4

  • Wir berichten von den Protesten an den österreichischen Unis, aus Wien, Linz und Salzburg, zwischen 15 und 19 Uhr auch mit Studiogästen aus den Reihen der Audimax-BesetzerInnen und der ÖH.

Deine Nummer ins Studio: 0800 226 996

Das geheime Netzwerk...

Die AktivistInnen, deren "geheime" Netzwerkstruktur Philip Sonderegger beschreibt, haben über das verlängerte Wochenende Stellung im Audimax behalten, darauf hätten nicht viele gewettet. An anderen Unis, in Wien, aber auch in Innsbruck, Linz und Graz sind Aktionen am Laufen oder in Planung – der Protest an den Unis soll weitergehen. Die Forderungen sind mittlerweile ausformuliert und werden wohl ob der der Besetzung inherenten Debattenfreudigkeit noch weiter diskutiert werden. Wie alltags- und werktagstauglich die Uniproteste sind, wird sich ab Dienstag, zeigen. Der Unibetrieb startet wieder, damit sind auch die Rektoren wieder im Spiel; und der Hauptadressat der Proteste, Johannes Hahn. Der VP-Wissenschaftsminister ignoriert gewissermaßen, was in den Hörsälen vorgeht, er erklärt sich ausschließlich zu Gesprächen mit der ÖH bereit.

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  • caveb | vor 1631 Tagen, 9 Stunden, 28 Minuten

    http://orf.at/091027-44080/index.html

    "Außerdem wurden gegen seinen Widerstand die Studiengebühren von SPÖ, Grünen und FPÖ de facto abgeschafft, was im laufenden Wintersemester zu einem Ansturm auf die Unis führte."

    Ohne Studiengebühren wären jetzt auch mehr Studenten auf der Uni als voriges Jahr.
    Und wenn es an den Studiengebühren läge, dann würde dies bedeuten das diese doch sozial selektiv wären. Was ja immer wieder verneint wird.

    Studiengebühren helfen nur gegen Karteileichen, und die benötigen sowieso keine Resourcen als Karteileiche.

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    • caveb | vor 1631 Tagen, 9 Stunden, 17 Minuten

      und "de facto" ist auch ein dehnbares Wort.

  • gringo2000 | vor 1631 Tagen, 16 Stunden, 6 Minuten

    fh hs1 an der tuwien ebenfalls

    http://www.ustream.tv/channel/tu-brennt

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  • johnleehookerelectro | vor 1631 Tagen, 18 Stunden, 22 Minuten

    bei der firma verbund an der freyung bzw "am hof" geht seitdem ich dem haustechniker heute in meiner wega-notgeilen polemik gsagt hab das es laut internet bald "abgehen"soll, die panik bis rauf zum vorstand,ich würd die hackn sofort stehen lassn haha

    aber es sollt echt friedlich abgehen(wozu hama das derby ..und da geht e schon lang nixmehr wirklich)

    wenns stress gibt von uni seite aus und es brennen autos undson shit hat damn HC wieder prozente dazugewonnen

    also chillts

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  • judo1 | vor 1631 Tagen, 23 Stunden, 28 Minuten

    Bericht aus dem Hörsaal

    Auch in Linz wird aus dem HS1 berichtet

    http://subtext.at

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  • winterresidenz | vor 1632 Tagen, 1 Stunde, 47 Minuten

    „das ganze differenzierter sehen!“ wollt ich jetzt fast schreiben. und dann hab ich nachgedacht:

    für ausfinanzierung, für erhöhung des bildungsbudgets, für eine umfassende bildungsreform (auch im schulwesen), für ein gerechtes stipendiensystem (gleiches recht für alle, auch für nicht-österreicherInnen), gegen jede art der numerus-clausus-politk (auch in deutschland), für die geplante erhöhung des bildungsbudgets in deutschland (10% der staatsausgaben, hab ich gehört), aber auch für die wiedereinführung von studiengebühren, für die, dies sichs leisten können, für kurzfristige zugangsbeschränkungen, wenn wegen zu großem ansturm die qualität der lehre in gefahr ist, aber gegen zugangsbeschränkungen als langfristiges instrument der uni-politik,…

    das sind jezt nur ein paar meiner persönlichen standpunkte. die decken sich nur teilweise mit den forderungen der öh bzw. der protestbewegung im audimax und anderswo an den unis. jeder hat sicher ganz verschiedene standpunte, und teilweise widersprechen die sich ganz klar.

    ich geh trotzdem zur info-veranstaltung morgen in innsbruck. weil das immerhin ein anfang ist. und man über alles diskutieren kann. und es besser ist, als nichts zu unternehmen.

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    • dankwart | vor 1632 Tagen, 1 Stunde, 3 Minuten

      "gleiches recht für alle.." und später "studiengebühren, für die, dies sichs leisten können.." ....
      .... Widerspruch???
      wer definiert wer sichs leisten kann, ist es dann noch gleiches RECHT für alle??

    • winterresidenz | vor 1631 Tagen, 20 Stunden, 24 Minuten

      definieren tuts dann der staat, und zwar mit ganz klaren grenzwerten für einkommen (der eltern), aber auch für selbsterhalter-stipendium usw.

      und mit "gleiches recht für alle" war jetzt mehr gemeint, dass auch nicht-österreicherInnen anspruch auf ein stipendium haben sollen (nicht wie jetzt: einheimische frei, ausländer bitte zahlen!). aber ja, in der diskussion lassen sich viele widersprüchlichkeiten finden.

      darüber hinaus finde ich nicht alles schlecht an bologna. nur ein ganz großes ziel, europaweite vergleichbarkeit (und mobilität, und ausgleich; sprich: internationalität) des studiums wird so nicht gefördert. weil momentan mehr eine stimmung des gegeneinander, als des mit- und füreinander unter studenten mit unterschiedlicher herkunft geschürt wird.

    • dankwart | vor 1631 Tagen, 7 Stunden, 39 Minuten

      bezüglich der stimmungsmache geb ich dir absolut recht.
      nur ist meines erachtens die definition der einkommen durch den staat bei elterlichen einkommen sehr mit vorsicht zu geniessen.
      ich kann dir aus eigener erfahrung sagen, dass es hier sehr wohl unrecht geschieht und nicht mit einem maß gemessen wird...

  • gijack | vor 1632 Tagen, 2 Stunden, 14 Minuten

    Dr. Antonio Andrioli vom Institut für Soziologie kritisiert im RAIFFEISEN-Hörsaal (= HS1) die Verkommerzialisierung der Universitäten. Welch Ironie.

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    • derfiedler | vor 1631 Tagen, 6 Stunden, 27 Minuten

      schön!

  • gijack | vor 1632 Tagen, 2 Stunden, 35 Minuten

    Nur zur Information: der HS 1 der JKU Linz ist seit 13.45 Uhr ebenfalls besetzt !!!

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    • freakes | vor 1631 Tagen, 23 Stunden, 43 Minuten

      jihaaaaaaaa

  • gidolf | vor 1632 Tagen, 3 Stunden, 55 Minuten

    Haha, da ist der Nationalrat nicht der Ort für? Dabei hätte ich eigentlich nichts gegen, ich kann da garnich genug von kriegen.

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  • wingsforwheels | vor 1632 Tagen, 8 Stunden, 37 Minuten

    Christian Felber

    Ich war selbst gestern beim Vortrag von Christian Felber, leider zu meiner großen Enttäuschung wurden auch von ihm wiederum nur polemische Phrasen gedroschen, ohne jede Kompromissbereitschaft zu zeigen. Und das gleichgeschaltete Publikum applaudierte. Genau die Ideologiebehaftetheit die man dem Wissenschaftsministerium vorwirft, passiert im Audimax ebenso. Und einem Josef Pröll - wie man auch zu ihm stehen mag - fast wortwörtlich vorzuwerfen, die Demokratie zugunsten eines autoritären Staates abschaffen zu wollen, grenzt an Realitätsverweigerung und trägt vermutlich nicht zur Verbesserung der Situation an den Unis bei. Auch das Argument der Bankenhilfe gegen das Unibudget auszuspielen ist in keinster Weise sachlich oder objektiv rechtzufertigen. Die beharrliche ideologisch geprägte und egoistisch motivierte Ablehnung von Studiengebühren für all jene, die sie sich leisten könnten, halte ich entgegen den Überzeugungen der Demonstranten nach wie vor für unsozial und unsolidarisch. P.S.: Ich habe einige Jahre Studienbeihilfe bezogen und danach mit vollem Verständnis Studiengebühren bezahlt. Dass ich derzeit keine zahlen muss, ist zwar für mich persönlich ganz nett, aber wie schon gesagt, solidarisch ist das definitv nicht.

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    • pixacao | vor 1632 Tagen, 6 Stunden, 18 Minuten

      @wingsofwheels
      D A S sind (övp-)PHRASEN!
      was felber gestern präsentiert hat, waren KEINE phrasen, sondern sehr KONKRETE KONZEPTE, die über das ökonomistische verständnis von bildung hinausgehen ...
      auch wenn du "mit vollstem verständnis studiengebühren bezahlt" hast, solltest du über so viel vorstellungskraft verfügen, dass du dir ausmalen kannst, dass studiengebühren (besonders für kinder aus migrantischen oder bildungsfernen schichten) nur eine weitere hürde für den besuch einer uni sind und sonst nichts bringen ...

      MEHR FANTASIE, LIEBE ÖVP_FUSSSOLDATEN!
      EURE ELITÄREN BILDUNGSVORSTELLUNGEN SIND GENAUSO >OLDSCHOOL

    • pixacao | vor 1632 Tagen, 6 Stunden, 14 Minuten

      WIE EURE POLITISCHEN REPRÄSENTANTEN

    • melkin | vor 1631 Tagen, 21 Stunden, 10 Minuten

      GROSSSCHREIBUNG IST SUPER!

  • duke75 | vor 1632 Tagen, 8 Stunden, 53 Minuten

    würden die clowINNEN hackln statt dauernd wegen jedem scheiß zu "demonstrieren", könnten sie sich die studiengebühren locher leisten!

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    • newtron | vor 1632 Tagen, 8 Stunden, 37 Minuten

      Ich muss Ihre Stereotype leider enttäuschen...

      habe auch die wochenendliche AudiMax-Luft geschnuppert, erhalte mich selbst, betreibe ein Doppelstudium mit dem (technischen) Hauptstudium unter Mindeststudienzeit mit Schnitt unter 1.5 und unterstütze die Wirtschaft auch noch mit dem Ersparten, das ich zuvor durch harte Arbeit für das Studium zusammengekratzt habe... und mein Gefühl war, dass ich da im Audimax nicht der einzige war... aber legen Sie mal Ihre großen Verdienste auf den Tisch, außer Spießbürgertum, das zu Ihrem Mittelklasse-Denken passt, wird da vermutlich nicht viel übrigbleiben... danke, dass Sie daran teilhaben, etwas zu verändern!

    • ernstanton | vor 1632 Tagen, 7 Stunden, 58 Minuten

      newtron

      Nein Sie enttäuschen gar nicht. Es ist schon sehr "Spießbürgerlich" zu arbeiten. Cool ist es allerdings im Winter zu demonstrieren und ab dem Frühjahr bis Herbst ab 11 Uhr auf der Donauinsel zu liegen (bis 11 Uhr schläft der normale Student außer er ist ein Spießbüger ca. 15%)
      Aber recht haben die Studenten wenn die Spießbüger die Partys und die dadurch entstanden Schäden im Audimax und der Wirtschaft bezahlen
      Party als Demo ist soweiso schon das letzte - Hochachtungsvoll ihr Spießbürgerlicher Stuerzahler und Finanzie

    • hooppallaa | vor 1632 Tagen, 7 Stunden, 3 Minuten

      Welche Arbeit bietest an, wieviel zahlst dafür?
      Um die anstellen, würdest andere Mitarbeiter wegschicken?

    • mjrchiphazzard | vor 1632 Tagen, 3 Stunden, 42 Minuten

      unbezahlte praktika machen übrigens auch nicht sonderlich finanzkräftig. nicht mal 2, oder 3. schon komisch, nicht?

    • tyroliangirl | vor 1631 Tagen, 21 Stunden, 37 Minuten

      Moment mal!

      @Duke75 so nicht! So einfach ist das nicht, mag man jetzt zu den Protesten stehen wie man will. Aber das ist eine Milchrechnung die Du hier aufstellst: gehst arbeiten ist alles in Butter (sprich Studiengebühren sind locker finanzierbar) und sonst eben nicht. Dann sind wir wieder bei den "braven, fleißigen" Studis und den Anderen. Sei versichert, wenn Du auf keinen finanziellen Rückhalt, z.B. seitens der Familie oder eines Stipendiums bauen kannst, dann wirst Du noch so viele Jobs ausüben können, und die Studiengebühren kannst Du Dir trotzdem nicht "locker" leisten (weil Mensch ja auch Lebenserhaltungskosten,etc. zu tragen hat). Wirf vielleicht mal ein Äuglein auf die aktuelle Armutsstatistik. Ist nur so eine Anregung zum nachdenken...