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Musik, Film, Heiteres

Irmi Wutscher

Gesellschaftspolitik und Gleichstellung. All Genders welcome.

27. 10. 2009 - 20:31

Protest in Selbstorgansiation

Unibesetzung, Tag sechs. Was passiert eigentlich hinter den Kulissen? Wer kocht? Organisiert? Twittert? Streamt?

Die Uniproteste auf FM4

Seit sechs Tagen ist das Wiener Audimax nun schon besetzt. Wie es dort aussieht und was die Studierenden so treiben ist ja dank Livestream, , Twitter und Co. hinreichend bekannt. Mich hat aber interessiert, wie die Aufrechterhaltung und Organisation des Protests hinter den Kulissen funktioniert. Wo die Freiwilligen herkommen, was es alles zu tun gibt, was in den Töpfen und Vorratskammer der Volksküche so zu finden ist und wie man es schafft, dass hinterher auch alles wieder sauber ist. Deswegen war ich Dienstag Nachmittag auf der Wiener Hauptuni und habe mich umgesehen, wie die studentische Selbstorganisation funktioniert.

Das Orga-Team

In einem Nebenraum des Audimax hat das Organisationsteam sein Lager aufgeschlagen. Mehrere Arbeitsgruppen teilen sich den kleinen Raum: An einem Tisch werden Videos produziert, die später auf die Website unsereuni.at gestellt werden. In einem sichtgeschützen Eck schieben MedizinstudentInnen freiwillig Sanitätsdienst und betreuen allfällige Verletzte. Auch das Presseteam und die Koordination haben sich hier ein Büro aufgebaut.

Presseteam Unibesetzung
Philip und Manon vom Presseteam

Hier ein bewegter Blick hinter die Kulissen der Presseabteilung:

"Es gibt verschiedene Gruppen, in denen immer ungefähr zehn Leute mitarbeiten" erzählt Manon vom Presseteam "Wir haben eigentlich immer genügend Freiwillige, das funktioniert sehr gut." Auf die Frage, ob man abschätzen kann, wieviele Leute insgesamt mitmachen, meint Philip: "Wir haben knappe 60 Arbeitsgruppen, wenn man sich überlegt, dass zu jeder AG mindestens zwei Leute gehören, plus die ganze Presseorganisation plus die Leute, dies ich im Orgateam engagieren, würde ich sagen, dass bestimmt 400 - 500 Leute regelmäßig hier sind."

Die Vernetzung dieser Leute erfolgt über den Infopoint, einen Stand im Gang hinter dem Audimax. "Dort wird immer eine zuständige Person angegeben und so kann jede/r mit jedem/r kommunizieren." Es hängen auch Treffpunkte und Aufgabenbereiche der verschiedenen AGs aus "Das ist allerdings immer ein bisschen schwierig" meint Johannes, der gerade Dienst am Infopoint hat "Denn man weiß nie genau, gibt’s die AG wirklich noch. Aber wir versuchen, das so gut wie möglich zu koordinieren und für Leute, die neu kommen, Infos bereit zu stellen und deren Fragen zu beantworten."

Infopoint Hauptuni
Johannes macht Dienst am Infopoint

Welche AGs und wieviele es wirklich gibt, ist eben schwer zu sagen ergänzt seine Kollegin Marlies. Die Palette reicht jedenfalls von Buttons basteln, Transparente malen, die Demos und Aktionen organisieren oder eben die inhaltlichen Gruppen. "Jetzt hat sich gerade eine gebildet, die finde ich sehr interessant, das ist die AG zur Umsetzung der Forderungen." Die hat anscheinend heute schon getagt.

Kamera & Schnitt: Alexandra Augustin (& Veronika Weidinger)

Die Volksküche

Eine der wohl beständigsten AGs ist die Volksküche, sie sorgt seit letzten Donnerstag für die Verpflegung der UnibesetzerInnen "Angefangen haben wir mit einem Einkaufswagen voll Popcorn, Mittlerweile haben wir vier Gaskocher, eine ziemlich gute Infrastruktur und ein eigenes Café," erklärt Steffi, die von Anfang an dabei ist. Zu Essen gibt es meist Eintöpfe oder Nudeln, es wird auf vegetarische bzw. vegane Zubereitung geachtet. "Das Essen ist großteils gespendet, es bringen eigentlich permanent Leute etwas vorbei, das kann sein Kuchen, Reis oder Gemüse. Außerdem wird gedumpstert, d.h. wir klappern die Hinterhöfe der Supermärkte nach brauchbaren Lebensmitteln ab, die sonst weggeworfen werden. Durch freiwillige Spenden haben wir uns jetzt eine eigene Kassa aufgebaut und gehen die nötigsten Sachen, die so nicht hereinkommen, auch einkaufen"

Volksküche
Mhhhmm, es gibt Spaghetti in der VoKü

Als ich dort bin, werden gerade die letzten Reste von Gemüsespaghetti an eine hungrige Meute verteilt. Die Essenden geben durchwegs an, dass ihnen das von der Volksküche gekochte Mahl ausgezeichnet schmeckt. Und bis jetzt hat es auch immer für alle gereicht, meint Steffi, sie habe noch nie jemanden hungrig wegschicken müssen.
Auch beim klassischen WG-Streitfall Abwasch gibt es angeblich keine Probleme: "Jeder räumt seinen Mist selbst weg" meint Steffi "Eigenverantwortung ist das Credo."

Die IT

Was bei diesem Uniprotest besonders auffällt: die gute Kommunikation nach Außen. So haben zum Beispiel gestern an die 2.500 Menschen via Livestream den Vortrag von Christian Felber von ATTAC verfolgt. Ein Umstand, den die Damen und Herren von der IT-Arbeitsgruppe selbst eigentlich als gar nicht so weltbewegend einschätzen: "Im Großen und Ganzen war es keine große Hexerei" meint Thomas. "Es gibt eine Plattform, eine Kamera, einen Laptop und eine Internetverbindung. Man legt einen Account an und kann schon streamen."

IT Team
Das sind die Damen und Herren, die den Stream betreuen.

Auch Leute zu finden, die freiwillig und unbezahlt - auch über Nacht - den Stream und die Website betreuen war bisher kein Problem, meint er: "Das hat sich bis jetzt ergeben, es waren immer genug Leute da die mithelfen wollen. Das hat an sich gepasst, wir hoffen, dass es so weitergeht." Grundsätzlich, muss man nicht IT-Experte sein, um in der Arbeitsgruppe mitzuhelfen "Es macht immer jeder, was er grad kann. So funktioniert das."

Vorbildwirkung?

Ein Umstand, der wohl für alle AGs gilt, die sich dieser Tage auf der Hauptuni vernetzen, etwas auf die Beine stellen und so ihren Beitrag zur Unibesetzung leisten. "Innerhalb jeder Gruppe kann jeder herkommen und sagen: ich kann was, ich hab was, ich möchte mitarbeiten." erzählt ein begeisterter Schüler, der schon von Anfang an dabei ist und gerade im Orga-Zimmer Tee trinkt. "Es funktioniert auf freiwilliger Basis, weil die Leute ein Ziel haben, weil sie eingebunden sind. Das ist etwas, was die Politik von dieser Sache lernen könnte."

Transparent

Ob die Uni-Besetzung ein Vorbild für die Politik ist oder sein kann, sei jetzt einmal dahingestellt. Sie funktioniert jedenfalls bestens, auf Basis freiwilliger Selbstorganisation. Und es sieht auch nicht so aus, als würden die Freiwilligen wegbrechen. "Ich glaube nicht, dass die Unterstützung abflaut" meint Manon aus der Pressestelle "Müde sind wir alle, weil wir wirklich hart arbeiten, aber das würde ich nicht als generelle Ermüdung bezeichnen. Im Moment ist ein Ende der Besetzung nicht absehbar. Wir wollen sie auch auf alle Fälle noch weiterführen. Seit gestern spürt man noch mehr Motivation, weil jetzt langsam die Aktionen anstehen. Morgen ist die Großdemo, um 17 Uhr vor der Uni, und weitere Aktionen sind auch noch in Planung."

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  • nickkay | vor 838 Tagen, 17 Stunden, 36 Minuten

    Hähhh?

    "In einem sichtgeschützen Eck schieben MedizinstudentInnen freiwillig Sanitätsdienst und betreuen allfällige Verletzte." - wie kann man sich beim streamen, Buttons Basteln und Transparente Schreiben verletzen?
    Linke mit zwei linken?

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    • mjrchiphazzard | vor 838 Tagen, 16 Stunden, 28 Minuten

      hast dich noch nie verletzt, oder wie? steht ja nicht da, um was für verletzungen sich da handelt. schmisse werdens wohl keine sein...

    • tom1305 | vor 838 Tagen, 16 Stunden, 22 Minuten

      don't feed the troll.

  • outlaw | vor 838 Tagen, 21 Stunden, 33 Minuten

    mehr geld für bildung statt für banken

    sorry, bei allem verständnis für die proteste... aber den studierenden hätt ich mehr zugetraut als solche billige kronenzeitungspolemik

    Auf dieses Posting antworten
    • atagod | vor 838 Tagen, 20 Stunden, 47 Minuten

      selber besser machen

    • dilak | vor 838 Tagen, 18 Stunden, 22 Minuten

      um die breite teile der bevölkerung anzusprechen und zumindest ein annäherndes verständniss der studentischen anliegen zu erreichen ist es unumgänglich "ihre sprache zu sprechen".
      Ein:
      Die Einführung des Bologna Prozess und der in Folge daraus entstandenen Studeineingangsphase führte zu einer Quasi-Zugangsbeschränkung und Verschulung des Uni Betriebes....

      Stimmt zwar (wahrscheinlich), check aber keiner.
      Ich als Bsp für den nichtstudierenden durchschnittsmenschen kann mir die daraus resultierenden Problem und Hürden für studierende nur ca. vorstellen.
      Leute die noch weiter weg sind von der Uni also noch weniger.

    • outlaw | vor 838 Tagen, 12 Stunden, 55 Minuten

      dilak

      schon klar, dass "griffige" forderungen oder formulierungen nötig sind - nur nervt es schon ein bisschen (sehr!) dass jeder, der vom staat geld braucht/will mit dem hirni-argument "aber den banken hat der staat doch auch geld gegeben..." kommt.

      und wenn das dann auch noch von den studenten kommt, find ich persönlich es halt ein bisschen enttäuschend.

  • thedude2002 | vor 838 Tagen, 22 Stunden, 33 Minuten

    und so kann jedeR mit jedem/r kommunizieren

    Bin ich jetzt ein rechter, wenn ich diese Schreibweise für totalen Schwachsinn halte?

    Sorry Jungs und Junginnen ...

    ... das stört den Lesefluss

    Auf dieses Posting antworten
    • vedral | vor 838 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten

      Langsam artet dieses Genderschreibweise zu einer Perversion aus.

    • justicex | vor 838 Tagen, 19 Stunden, 43 Minuten

      nein, keine sorge

      du kannst damit auch ein typischer linker sein. linke männer können genauso wenig mit geschlechtergerechtigkeit anfangen, wie konservative.

    • balancepoint | vor 838 Tagen, 18 Stunden, 40 Minuten

      binnenibegone.awardspace.com

      Zumindest für Mozilla FIrefox gibt es eine Erweiterung zur Selbsthilfe.

      Mhhhmm? Das Essen in der Volxküche ist leider zum Vergessen. Milchreis mit Gemüse und Sugo über alles.

    • dilak | vor 838 Tagen, 18 Stunden, 30 Minuten

      hahaha!

      Das Essen in der kostenlosen von freiwilligen in kürzester zeit ohne infrastruktur errichteten vk ist zum vergessen. hahaha :))))

      Danke! balancepoint
      So viel witz hätt ich dir nicht zugetraut.

    • dilak | vor 838 Tagen, 18 Stunden, 19 Minuten

      jetzt seh ich erst:

      balance point: "ich bin
      eine alternative Punk-Rock Band"

      Das wird immer besser. genial.

    • mjrchiphazzard | vor 838 Tagen, 16 Stunden, 24 Minuten

      @justicex

      uh, ja, alle über einen kamm scheren, das hilft sicher um sexismus zu bekämpfen. ist ja nicht so, als ob das wieder auf genau das gleiche hinausläuft.

    • justicex | vor 838 Tagen, 15 Stunden, 26 Minuten

      @mjrchiphazzard

      das hast du recht, war auch nicht ernst gemeint. aber ich meinte: die politische linie sagt nichts über die haltung zum thema frauenrechte usw. aus.

    • justicex | vor 838 Tagen, 15 Stunden, 25 Minuten

      da, nicht das

    • tittietwister | vor 838 Tagen, 15 Stunden, 8 Minuten

      das festmachen von "geschlechtergerechtigkeit" an unleserlichen schreibweisen ist lächerlich. beinahe so lächerlich wie das "gerechtigkeitsverständnis" der AG woswaaßiwiesiesichnennenund-innen, die für eine frauenquote von "mindestens (!) 50%" eintritt.

  • aaah | vor 839 Tagen, 6 Stunden, 43 Minuten

    :-) ... !

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