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Musik, Film, Heiteres

Martin Blumenau

Geschichten aus dem wirklichen Leben.

28. 10. 2009 - 20:04

Journal '09: 28.10.

Which side are you on? Ein wildes Pamphlet für einen neuen Denkansatz der alten Medien, deren Bedeutung im aktuellen Uni-Protest 2.0 gerade pulversiert wird.

Die Uniproteste auf FM4

Die aktuelle Uni-Protest-Bewegung, die heute in großen Demonstationen kulminierte, lehrt uns eine Menge.
Mich jedenfalls.

Auch auf der ganz persönlichen Ebene.
Da wurde ich wieder an verschüttetes Wissen erinnert, das sauber verstaut im Regal lag: dass nämlich Menschen, die sich als gänzlich unpolitisch gerieren, grundsätzlich genau dazu hinterfragt werden müssen. Weil "sich nicht für Politik interessieren" letztlich sich nicht fürs Leben interessieren heißt, bzw. sich wichtige Entscheidungen aus der Hand nehmen lassen.
Aber wenn dann Leute, die dir bislang als unpolitische, aber aktionistisch hochbegabte Hedonisten bekannt waren, ihr wahres Gesicht, das einer arroganten, sich aristokratisch gebährdenden Elite, zeigen und einer kollektiven Anstrengung ausschließlich nichts als Verachtung überhaben, sollte dieses alte Wissen wieder zum Einsatz kommen.

Nichts ist nicht politisch.
Wer das nicht leben will, mag das tun, wird von mir aber als Dialog-Partner nicht ernstgenommen werden können.

Ausspiel-Hoheit

Die andere große Lehre betrifft die Situation der Medien.
Die ändert sich dieser Tage beträchlich, und gerade anlässlich der diesmal so deutlich anderen Wirkung und Bedeutung dessen, was die alten Medien, was der Mainstream zugeschrieben bekommen, ist eine Neubewertung nötig.

Dies ist die erste Protestaktion in Österreich, die nicht von einem klassischen Medium getragen oder von den Mainstream-Medien abhängig ist - sie funktioniert über ihre eigenen, viele Menschen erreichenden Ausspielkanäle.
Das garantiert nicht nur die Kontrolle über die eigenen Aussagen, das erlaubt auch Unabhängigkeit, was Zeitabläufe betrifft.
Alles Tugenden, die z.B die politischen Parteien verloren, aus der Hand gegeben haben: die müssen sich von den Medien, an deren Info-Gängelband sie hängen, herumschubsen lassen, terminlich und haben die Kontrolle längst verloren.

Wo stehst du?

Dieser neuen Kraft sind sich die #unibrennt-Aktivisten vielleicht erst zum Teil bewusst. Das ist daraus zu erkennen, dass viele Aktivisten und Sympatisanten noch recht analog und defensiv denken.
So kam in diesen Tagen immer wieder indirekt eine ganz alte Frage aufs Tapet: Which side are you on? Als ob die Forderung nach einer klaren Schwarz/Weiß-Positionierung im Rahmen der neuen Medienmöglichkeiten noch nötig wäre. Die klassischen Proteste der Pete Seeger-Generation mögen noch nach dieser Mobilisierungs-Strategie funktioniert haben - Protest 2.0 braucht das nicht mehr.

Wo die Medien in einer Situation wie dieser stehen sollten, hab ich schon am Samstag (als andere noch mit einem baldigen Ende des Protests rechneten) so beschrieben: "Gegen die Fehler der Nomenklatura gehört angeschrieben, weil sie sich ja auf alles und alle auswirken. Die Denk-Fehler der Nicht-Mächtigen, in diesem Fall der Jungen, gehören behandelt, aber auf einer ganz anderen, fördernden Ebene."
Also: der Vorwurf für die Mächtigen, der Rat für die Machtlosen.

How to act on the information

Dienstag hab ich eine Site mit 22 neuen Regeln für neuen Journalismus vorgefunden (danke Philip!), die hier im morgigen Journal ausgeführt werden müssen.
Die unterstützen das alles aus einem ganz anderen Blickwinkel heraus. Der Verfasser ist Brite und die österreichischen Uni-Proteste sind ihm tendenziell wohl egal - die Schlüsse aber sind ähnlich.
Da heißt es: "We would help people in the community become informed users of media, not passive consumers." oder "For any coverage where it made sense, we'd tell our audience members how they could act on the information we'd just given them. This would typically take the form of a 'What You Can Do' box."

Warum ist diese ideologische Koinzidenz kein Zufall?
Weil der Journalismus vor einer Änderung in genau diese Richtung steht, einem echten Turnaround. Und das Netz, die neuen Ausspielwege, die Blogs und Social Communities diktieren die Bedingungen.

Die Ohnmacht, die die Holzmedien und der Mainstream anlässlich des Uni-Protests 2.0 fühlen, ist nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird.

Die Zukunft hat dieses Wochenende begonnen

Es geht nicht nur um Flexibilität durch die Etablierung eines seriösen zweiten Standbeins im Web - das Profil oder der Falter etwa haben alles komplett verpennt, weil sie hiefür geistig nicht gerüstet sind und sich noch in der Gutenberg-Galaxis wähnen.
Es geht auch nicht um die klassischen Hochjubel- und Niederhau-Mechanismen mit denen der Boulevard sich bisher auf solche Situationen eingestellt hat - zwar reagieren die Boulevard-Medien auf die aktuelle Audimax-Situation (rein instinktiv) richtiger als die sogenannte Qualitäts-Presse, sie haben aber nicht mehr die Macht, ein Geschehen einfach abzuwürgen, wenn sie die nächste Sau durch das mediale Dorf treiben wollen. Protest 2.0 existiert solang, solange seine Ausspielwege etwas Interessantes anbieten; der Boulevard kann da nur reagieren (und viel schlechter diffamieren).
Es geht auch nicht um die analytische Expertise (von der ich ja gern behaupte, dass es sie nur in Spurenelementen gibt) der Qualitäts-Medien - die wäre dann, wenn man dort begriffen hätte, welcher Paradigmenwechsel in der Berichterstattung gerade vonstatten geht, durchaus notwendig, findet aber wegen geistiger Kurzatmigkeit nicht statt.

Um das hier noch deppensicherer klarzustellen: die Proteste haben einen einzigen Zweck. Nämlich sehr deutlich zu machen, dass im Bereich Uni/Bildung so vieles im Argen liegt, dass die Betroffenen es nicht mehr stillschweigend hinnehmen können. Und dass Lösungen gefunden werden müssen, schnelle und sinnhafte Lösungen für ganz akute Probleme.
Die Erarbeitung dieser Lösungen obliegt den Zuständigen, die bereit sein müssen sich einerseits aus dem Faulbett der Möglichkeitsform, in dem sie sich seit Jahrzehnten suhlen zu erheben und andererseits die Anstöße der Protest-Bewegung ernstnehmen müssen.

Man steht also an einem Scheidepunkt

Es geht um weitaus mehr: um das tatsächliche Begreifen der neuen Medien und der ihnen innewohnenden Kraft.
Ein Medienmacher, der das bis jetzt noch nicht begriffen hat, ist ohnehin ein Spätzünder.
Ein Medienmacher jedoch, den nicht einmal das aktuell passierende Fanal aufrüttelt, ist verloren.

Und nur hier stellt sich die Frage: Which side are you on?
Die durch den Zeitfluss und die Selbstverständlichkeit mit der die Digital Natives mit der Gegenwart umgehen beförderte (und unaufhaltsame) Besetzung der Gegenwart durch gegenwärtige Kulturtechniken erlauben keine Laviererei.
Entweder die Medienmacher stellen sich ihrer Aufgabe - für die Menschen dazusein, als Kontroll-Instanz der Machthaber aller Bereiche (und nicht als ihre Haberer, wie aktuell in allen ressorts, egal ob Innenpolitik, Wirtschaft, Kultur oder Sport umfassend üblich) zu agieren; oder sie werden von den Elitaristen hinter den neuen Ausspielwegen einfach überrollt.

Angst vorm Publikum?

Wer sich vorm Publikum fürchtet, wer Angst vor Postings, Reaktion und Feeback hat, wer scih angesichts einer direkten Auseinandersetzung und vor allem Angreifbarkeit ins Hoserl macht, der muss sich halt mit Abt Armin und den anderen Angshasen einbetonieren. Für die alte Schule wird es durchaus einen Markt geben, ein paar Jahre lang, keine Sorge.

Letztlich wird aber eine womöglich langweilige, passive, angepasste und ultrabrave Generation der Technologie-Mächtigen allein durch die Wucht ihrer Ausspiel-Kompetenz über die alten Füchse hinwegrollen.
Und zwar viel früher als erwartet.
Nämlich ab genau jetzt.

"Which side are you on?" ist also keine Kernfrage für den Studentenprotest (denn es ist egal, welche Meinung der Berichterstatter zu einzelnen Forderungen hat - es ist seine Aufgabe die Umstände abzubilden und sich da blöde Ablenkungssschmähs (a la "Was die für einen Dreck machen! Was das kostet!") zu verkneifen und über die Substanz zu berichten.
In meinem Fall sind das nicht die Details der inhaltlichen Forderungen, sondern die Bedeutung der Aktions-Struktur und des Protest-Ablaufs, seine mediale Wirkung. Dort liegt meine Expertise, das ist meine Seite.

Die Hoheit um die öffentliche Meinung

Für die Forderungen zur Uni/Bildungs-Reform gibt es andere, Berufenere, die diese Diskussion vorantreiben müssen, und zwar nicht mit oder gegen den/die Forderer, sondern mit dedr drängenden Nachfrage den tatsächlich Verantwortlichen gegenüber, egal ob Minister oder Rektor.

Wer Twitter, denm Hauptausspielkanal des Protests, immer noch für einen überflüssigen Quasseldienst hält, wird nun allmählich umdenken müssen: warum, steht hier.

Die handelnden Akteure in den neuen Medien werden das leisten, nicht nur die direkten Kanäle, sondern auch die analytischen Blogs dahinter.
Die Zauderer in den alten Medien werden nachziehen müssen, weil sie sonst eine ihrer letzten USPs, der letzten Kernkompetenzen verlieren werden. Nämlich die Hoheit über die öffentliche Meinung.

In der derzeitigen Situation braucht sie, die alten Medien, nämlich keiner. Und, komisch, keiner vemisst sie.

Doch, einer: ich.
Ich wünsche mir, dass sie Teil der Zukunft sind, die dieses Wochenende begonnen hat. Und dass die, die erkennen, dass man allerspätestens jetzt handeln muss, dort das Heft des Handelns in die Hand nehmen; auch wenn die Alten noch so viel greinen.

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  • tjure | vor 1637 Tagen, 6 Stunden, 2 Minuten

    "Nichts ist nicht politisch" zu schreiben, zu glauben, alles, auch was man nicht kennt, oder was man im Moment nicht behandelt, miteinschließen zu können, qualitativ und quantitativ, ist nicht gescheit.

    Zeitungen wird es wohl auch noch länger als ein paar Jahre geben. Die twitternde Studentin ist nicht der Mehrheitsmensch.
    Der der Hauptklientel der kommerziellen Massenmedien bleibt.
    Der will täglich Horoskop und tödlichen Autounfall. Und den Schuldigen für eigene Unzulänglichkeiten.

    Der braucht weiterhin kollektive Wahrheiten, und die gibt's besser denn je in Krone&Co.

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    • alpiarts | vor 1637 Tagen, 4 Stunden, 20 Minuten

      "Nichts ist nicht politisch":
      Ich sitze am Klo und scheiße. Ur politisch.
      Ich schlafe täglich etwa 8 Stunden. Ur politisch.
      Nichts gegen Meta-Ebenen, aber sie krampfhaft herbei zu glauben...naja. Im übrigen werde ich jetzt duschen gehen, das entspannt und ist natürlich: politisch. Na sicher.
      s.m.i.l.e.

  • pega | vor 1638 Tagen, 5 Stunden, 21 Minuten

    erinnert

    mich sehr starkt an den wahlkampf der piraten in deutschland. ich fand das toll. so etwas kannte ich davor nicht.

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    • alabaster | vor 1637 Tagen, 2 Stunden, 58 Minuten

      yeah!

  • veliec | vor 1638 Tagen, 5 Stunden, 34 Minuten

    ein leidenschaftlich verfasstes journal, also so empfinde ich, wenn ich's lese.

    ich finds super dass was passiert, weil es endlich passiert, weil man endlich was tut und aufsteht. ich bin nicht einverstanden mit allen forderungen, aber egal, hauptsache es ist endlich laut geworden!

    Auf dieses Posting antworten
  • urfrosch | vor 1638 Tagen, 7 Stunden, 50 Minuten

    bin ich der einzige, der blumenau-texte unlesbar findet?

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    • caveb | vor 1638 Tagen, 7 Stunden, 7 Minuten

      über das muss man hinwegsehen,
      dafür ist der inhalt meist interresanter als geschliffene texte.

  • yaketiyak | vor 1638 Tagen, 9 Stunden, 45 Minuten

    Wein oder Wasser

    http://carta.info/16420/internet-offenes-mediensystem-wein-wasser-umair-haque/

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  • diqits | vor 1638 Tagen, 10 Stunden, 36 Minuten

    Es geht hier längst nicht nur mehr um Studiengebühren

    Die Studenten möchten mit ihren Protesten eins klar stellen, dass niemand für Sie Partei ergreift. Alles geht vom Volk aus, alles kann auf eigenen Wege verändert werden. Web 2.0 hat es geschafft, den Standpunkt zu setzen. Möchte ich zu den Blendern oder den Denkern gehören.

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  • ramonmorales | vor 1638 Tagen, 12 Stunden, 5 Minuten

    KEINE DEMOS mehr ...

    Und ich bin absolut für die Studien gebühr, wird doch eh 100% rückvergütet bei dementsprechenden Erfolgen. So trennt man Willige von Unwilligen.
    Übrigens, WIR das VOLK muss dafür bezahlen das der verursachte DRECK und MÜLL wieder beseitigt wird. Hoffentlich schlägt sich das gleich in der Erhöhung der Gebühren nieder!

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    • caveb | vor 1638 Tagen, 10 Stunden, 47 Minuten

      wenn man willig ist, und nebenbei arbeiten muss. dann kann man die studiengebühren trotzdem zahlen, weil:
      man punkt a wegen dem arbeiten eh genug geld hat
      punkt b, weil man keine zeit hat den erfolg nachzuweisen, weil man ja arbeiten musste um sich sein studium (mit und ohne studiengebühren) zu finanzieren.

      aber bitte mit dem thema besser befassen, es geht ja nur laut mainstreammedien/minister um die studiengebühren. bzw wird von diesen Studiengebühren gefordert um die Unis vollautomatisch aus der misere zu ziehen.

      die demonstranten fordern ja ein viel größeres maßnahmanpaket.

    • mjrchiphazzard | vor 1638 Tagen, 10 Stunden, 21 Minuten

      also wer allen ernstes immernoch denkt, mit der wiedereinführung der studiengebühren wären alle studientechnischen probleme gelöst und dank "rückvergütung" fände auch keine benachteilung sozial schlechtergestellter statt, der hat sich mit der materie ja noch so überhaupt nicht auseinandergesetzt, dass man sich dafür schon fast fremdschämen muss.
      menschen, die das thema einfach nicht interessiert, sollten dann auch keine meinung dazu haben, statt nur irgendwelche phrasen zu dreschen, die ihnen von "ihrer" partei oder "ihren" medien vorgegeben werden...

    • qball | vor 1638 Tagen, 9 Stunden, 56 Minuten

      brüll hier nicht so rum, ramonmorales

      capitals sparsam zu verwenden ist eine frage des anstandes in foren.

      mit dem "wir das volk muss das bezahlen"-blabla, bist du im übrigen völlig auf dem holzweg. tatsache ist, dass ein uniabsolvent zeit seines lebens, mit dem mehr an steuern dass er/sie einzahlt die kosten der ausbildung und ein sattes plus "dem volk" rückvergütet. der staat (oder auch in deiner niedlichen diktion "das volk") investiert also in studenten und bekommt es mit zins zurück.

      mehr dazu: http://tinyurl.com/ykmljju

    • rriotrradio | vor 1638 Tagen, 8 Stunden, 26 Minuten

      >>qball

      1. schreibst du selbst von uniabsolventen. das sind aber bei weitem nicht alle studierenden. und auch in diesem fall würde mich interessieren, wie dieser ROI den du da so locker behauptest denn konkret gerechnet ist.

      2. wenn du schon auf die oecd verweist, dann solltest du aber auch erwähnen, dass die oecd studiengebühren empfiehlt.

    • qball | vor 1638 Tagen, 8 Stunden, 11 Minuten

      @rriot

      den ROI behaupte nicht ich locker, sondern der ORF. verlinkten text lesen, bitte. danach können wir über studiengebühren reden.

    • rriotrradio | vor 1638 Tagen, 7 Stunden, 7 Minuten

      ok...dann glaubst du also, was der orf behauptet?

      gestern hat er ja behauptet, hunde wären klimatechnisch problematischer als SUV's...

      oder...ernsthaft:
      ich hinterfrage die ergebnisse eine studie. und da du offensichtlich von der richtigkeit dieser ergebnisse ausgehst frage ich DICH, wie denn das gerechnet ist.

    • qball | vor 1638 Tagen, 6 Stunden, 38 Minuten

      und selbst der ORF behauptet das nicht locker, sondern die OECD (link am ende des ORF-artikels). wie sich die zahlen zusammen setzten ist dort hinreichend dokumentiert.

      wenn dir damit dann etwas nicht passt, ist es an dir deine probleme damit darzulegen.

      btw. dass mit den SUVs kann sogar hin kommen.

  • genick | vor 1638 Tagen, 12 Stunden, 39 Minuten

    Jene 22 Regeln (seltsamerweise nicht verlinkt, siehe Regel 8) mögen vielleicht im Guardian gefunden worden sein, der Verfasser (Dan Gillmor) ist trotzdem kein Brite, sondern US-Amerikaner.

    http://www.guardian.co.uk/commentisfree/cifamerica/2009/oct/02/dan-gillmor-22-rules-news

    http://tinyurl.com/ybcmqqe

    Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang, dass immer noch und an vielen Stellen der größte Wunsch und die größte Kritik aus den Reihen der Protestbewegung auf die (mangelnde) Berichterstattung der »alten« Medien abzielt. (Nicht unbedingt Holz, aber jedenfalls Äther.)

    Allein auf die Macht, die in diesem Journalbeitrag den Kanälen des Protest 2.0 zugewiesen wird, scheinen selbst dessen ProtagonistInnen nicht völlig zu vertrauen. Vielleicht hätte da noch manches besser in eine Gillmorsche »Things we don’t know«-Box gehört.

    Auf dieses Posting antworten
    • blumenau | vor 1638 Tagen, 2 Stunden, 49 Minuten

      absichtlich nicht verlinkt. damit nur die streber (du) sie vorlesen. schließlich sind sie heute http://fm4.orf.at/stories/1630608/ thema.
      und, weißt was? genau JETZ verlink ich sie und keiner weiß mehr wovon du da redest!

      ps: dass die analogie in teilen der bewegung noch rulet, steht eh im text.
      und dass dies hier oder gar ich im aktuellen diskurs "macht" hätten, das ist eine von dir zusammengeträumte behauptung...

    • bloesel | vor 1638 Tagen, 1 Stunde, 59 Minuten

      „und, weißt was? genau JETZ verlink ich sie und keiner weiß mehr wovon du da redest!“

      wow! es leben die medien 2.0

  • sicklikejosef | vor 1638 Tagen, 15 Stunden, 7 Minuten

    Auf der TU Wien spür ich zwar kaum etwas von...

    ...den Protesten

    dort hat gerade die Firmenmesse IAESTE statt gefunden, wo man sich seine Karrierechancen genauer ansehen kann, aber wenn man will hinter den Kulissen tut die Hochschülerschaft einiges.

    Auf dieses Posting antworten
  • aicaramba | vor 1638 Tagen, 19 Stunden, 18 Minuten

    sehr anregender kommentar

    fragt sich nur, inwieweit das in österreich wirklich spürbare folgen haben wird oder - wie so oft - einfach irgendwo im nichts verpufft. die demo heute war super, ich hoffe, es kommt bald die nächste. wie lang die besetzung noch dauern wird? hoffentlich lange genug. wie die medien (die politiker und die elite lesen halt noch "alte" medien) reagieren - fraglich. entweder sie erhöhen den druck laufend - oder irgendein katastrophales/sensationelles ereignis irgendwo auf der welt überschattet für eine woche die proteste - und danach werden sie nur noch in randnotizen wahr genommen. alles vorstellbar.

    ich hoffe wir rauschen derzeit nicht auf der spitze eine welle, sondern besteigen ein hochplateau.

    Auf dieses Posting antworten
    • aicaramba | vor 1638 Tagen, 19 Stunden, 8 Minuten

      und die kritiker

      bin heute zur erkenntnis gelangt (ist ja, altersbedingt, mein erster studentenprotest): konservative waren nie teil einer revolution. sonst würden sie ja nicht so heißen. insofern werden alle "spießer" (um ausgerechnet den "Heute"-Chefredakteur Schmitt zu zitieren (was ich mir nie gedacht hätte, dass es jemals so weit kommt)) einfach "stehen bleiben" und nach mäßigung schreien, ohne dass es die bewegung groß zu stören braucht.

      schlimm, dass so viele studenten, auch gute bekannte, offenbar zu den "spießern" gehören. das wusste ich bei vielen zwar auch vorher schon, aber so in aller klarheit zu sehen, dass die mehrheit im studentenheim, am institut, unter ehemaligen schulkollegen, einen dreck auf das, was auf den unis passiert, gibt, erschüttert mich schon etwas. aber schon zur schulzeit waren 22 von 24 klassenkollegen (gut, es war eine HAK) - wie in fünf Jahren eindeutig erkenntlich wurde, absolut unpolitisch. Das ist nun mal die Generation "bringt eh alles nix" und "wäh, politik". Kann man so durchs leben gehen? offenbar schon.

      aber wenigstens ein kleiner teil der studenten probt den aufstand - gegen jede zachheit. dass wenigstens der kritische teil der jugend irgendwas zustandebringt, das anzusehen (und mitzumachen) ist schon sehr befriedigend.

    • rafael | vor 1638 Tagen, 17 Stunden, 51 Minuten

      du implizierst hier gewissermaßen, dass der dem konservativen lager zuordenbare teil der studentenschaft unpolitisch/unkritisch wäre. da wäre ich vorsichtig. dort es gibt ziemlich sicher ebenso viele politisch bewusste menschen, wie unter jenen, die jetzt im audimax ausharren - nur denken die eben in eine andere richtung.

      abgesehen davon versteh ich nicht, wie du nach den geschehnissen der letzten woche hier immer noch die mär von der ismaehoiswuascht-generation bemühen kannst. was sich derzeit in wien abspielt ist ganz klar(!) nicht(!) nur das werk einer engagierten elite. ganz im gegenteil. und wäre der protest im endeffekt kein von den (zugegeben linken) "normalos" getragener, er wäre längst schon versandet.

      was ich im grunde damit sagen will: bilde dir nicht ein, teil eines exklusiven zirkels der politsch erleuchteten zu sein. weil erstens ist dem höchstwahrscheinlich nicht so und zweitens tust du dir und deiner umwelt damit nix wirklich gutes. (was natürlich - bitteschön - ganz und gar nicht heißt, dass deine ansichten schlecht wären, oder du nicht mit vollster überzeugung für sie einstehen solltest!!)

      abgesehen davon: dass, was die kollegen in wien und mittlerweile auch in den ländern da abziehen, ist so clever, so wichtig und so...

    • rafael | vor 1638 Tagen, 17 Stunden, 50 Minuten

      ...konsequent, dass mans gar nicht oft genug irgendwo hinschreiben kann!

    • nyxx | vor 1638 Tagen, 9 Stunden, 58 Minuten

      "was sich derzeit in wien abspielt ist ganz klar(!) nicht(!) nur das werk einer engagierten elite."

      damit wäre ich ganz ganz vorsichtig (wenn auch nur um im nachhinein nicht enttäuscht zu sein), was aicaramba da sagt ist mmn schon richtig: nimm deine vs-klasse und schau wie viele davon durch die filter ahs/bhs bis zu einem studium gekommen sind UND jetzt die proteste tragen. steht neben dir noch jemand von den alten kollegen?

      natürlich unterstützen auch die "normalos" die anliegen der studenten, aber die haupt"last" liegt schon auf unseren schultern. und man sollte auch nicht ganz aus den augen verlieren, wie vielen menschen da draussen die ganze sache einfach komplett wurscht ist.

      damit will ich aber auf keinen fall unterstellen, dass irgendjemand innerhalb dieses protestes "teil eines exklusiven zirkels der politsch erleuchteten" ist, da stimm ich dir vollkommen zu.

    • tittietwister | vor 1638 Tagen, 9 Stunden, 17 Minuten

      "natürlich unterstützen auch die "normalos" die anliegen der studenten, aber die haupt"last" liegt schon auf unseren schultern."

      aicaramba kritisierte den seiner/ihrer meinung nach politisch nicht interessierten (!) oder "spießigen" großteil der hochschüler, während rafael darauf aufmerksam machte, dass die proteste vor allem von "normalos", also ansonsten nicht politisch aktiven (!) studenten, getragen wird.
      dass andere "normalo"-gruppierungen (hakler, pensionisten,...) nur in sehr gemäßigtem rahmen beteiligt sind ist irgendwie klar, schließlich kämpfen diese parallel dazu um eigene interessen.

    • wedge75 | vor 1638 Tagen, 7 Stunden, 39 Minuten

      hakler/pensionisten/alle müssen aber enorm großes interesse an sehr gut ausgebildetem nachwuchs haben, denn ohne den, zerbröselt die volkswirtschaft noch schneller als eh schon ...

    • tittietwister | vor 1637 Tagen, 19 Stunden, 35 Minuten

      hakler/pensionisten/alle müssen nichts außer sterben (und aufs klo gehen, wie unser schulpfaff so nett formulierte).
      die ersten hakler/pensionisten/alle, die von einer verbesserung des uni-systems profitieren, sind die erben der hakler/pensionisten/alle, weshalb die aktuellen hakler/pensionisten/alle keinen wirklichen grund haben, selbst auf die barrikaden zu steigen.

    • wedge75 | vor 1637 Tagen, 9 Stunden, 33 Minuten

      deine kurzfristige denkweise ist daneben, nach mir die sintflut, was scheren mich meine nachkommen! unglaublich ewiggestrig