Erstellt am: 2. 11. 2009 - 17:16 Uhr
Partnerschaft eintragen
Wie geht eigentlich die Mehrzahl von Bräutigam?
Bräutigame, Bräutigamme, Bräutigams? Letzteres gäbe immerhin Platz für ultralustige Wortspiele (Betreff: Hochzeitsnacht), was der Duden umgangssprachlich sogar erlaubt.
Europa im Vergleich: so schaut die rechtliche Lage in den einzelnen Staaten aus - Wikipedia.
Richtig ist aber Bräutigame. Das Wissen könnte für Menschen, die am Standesamt arbeiten, ab 1. Jänner durchaus essenziell sein. Weil schließlich sind am Wochenende Details zum geplanten Gesetzespaket für eingetragene Partnerschaften ans Licht der Presse gekommen.
Bisher waren Schwule und Lesben in Österreich nämlich auf wilde Ehen angewiesen. Die Diskriminierung hat insofern ein Ende, als dass diese nun per Gesetz erstens beseitigt und zweitens gleich wieder eingeführt wird.

Die Welt im Vergleich: Ehe oder Todesstrafe? - Wikipedia.
Weil mit dem, was man so landläufig unter einer Ehe versteht, hat die eingetragene Partnerschaft nicht viel zu tun. Sie wird zwar der Ehe nachempfunden, aber trotzdem wird mit jedem Wort im Gesetzestext klar sein, dass sie eben nicht dasselbe ist.
Eine Zeremonie auf dem Standesamt gibt es etwa nur dann, wenn Bürgermeister und Bezirkshauptmannschaft ihr Okay dafür geben. Kinderadoptionen spielt es nicht - genausowenig wie Besuche für lesbische Paare in der Samenbank.
Deswegen herrscht auch große Uneinigkeit in den verschiedenen Vereinen, Zirkeln und Initiativen der LGBT-Communities, ob das jetzt cool ist oder nicht.
Ein Kompromiss
Einerseits ist es ja ein Meilenstein, dass die ÖVP mit ihrem erzkonservativen Familienbild von ihrem Njet abrückt. Andererseits gehen die neuen Bestimmungen vielen Organisationen nicht weit genug, und deswegen die Wogen hoch.
Hauptsächlich deswegen, weil der ausgehandelte Kompromiss von der HOSI Wien, Österreichs dienstältester schwul/lesbischer Interessensvertretung, hinter den Kulissen forciert worden ist, und jetzt vorsichtig beklatscht wird.
Dementsprechend ist der HOSI Wien Obmann Christian Högl unter Beschuss. Die Details, die aus dem Justizministerium durchgesickert sind, entsprechen nämlich nicht einmal der Position, zu der sich die ÖVP in ihrer Perspektivengruppe vor einigen Jahren durchgerungen hat. Dort ist nämlich noch von einer Partnerschaft nach Schweizer Vorbild die Rede.
In zwei Wochen wird das ganze Paket den Ministerrat passieren, noch vor Weihnachten wird sich das Parlament damit befassen.
Das Gesamtpaket der rechtlichen Gleichstellung ist noch nicht fertig. Wichtige Bereiche wie das Sozial- oder das Innenresort haben ihre Vorschläge für die Materiengesetzgebung noch nicht veröffentlicht. Dennoch wird es wohl große Unterschiede zwischen dem österreichischen Modell und dem angeblichen Vorbild, dem Schweizer Partnerschaftsgesetz geben.
Während sich Clemens Steindl vom Katholischen Familienverband freut, dass es in Zukunft "mit gutem Grund keine Pseudotrauungen auf Standesämtern" gibt, ist die neue eingetragene Partnerschaft für Helmut Graupner vom Rechtskomitee Lambda "auf der Ebene einer Hunde-Anmeldung" und eine "geplante gesetzliche Demütigung und Erniedrigung gleichgeschlechtlicher Paare".
Ganz schön viel Stoff, der Christian Högl von der HOSI Wien da also um die Ohren fliegt. Ich habe ihn heute zum Interview getroffen und mit ihm über die ÖVP, Kompromisse und den 1. 1. 2010 gesprochen:
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