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Veronika Weidinger

Veronika Weidinger

2. 11. 2009 - 18:55

Nicht im traditionellen Sinn "politisch"

Mit institutionalisierter Politik haben die Uni-AktivistInnen nichts am Hut.

Zwischen (Miss)Verständnis und Zugangsbeschränkungen

SPÖ-Kanzler Faymann erklärt sich zwar immer noch solidarisch mit den Protestierenden, ist aber gegen Besetzungen und sieht in der Sache selbst eine "Art von Zugangsregelungen" als notwendig an.

Blitz-Umfrage unter 213 Studierenden der Universität Wien, Ende letzter Woche, durchgeführt vom Institut für Jugendkulturforschung.

Neben VP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat sich Kanzler Faymann damit in die Topliga jener katapultiert, gegen die sich die Proteste fortan richten werden.

Aber wer besetzt, protestiert und demonstriert hier nun schon seit zwei Wochen? Auch wenn mancherorts davon die Rede ist, dass in den Hörsälen Vermummte am Werk sind - ein schlichter Blick in die audivisuelle Übertragung aus dem Audimax zeigt die handelnden Personen, wir hören ihre Stimmen, erkennen Habitus und Stil - und der Eindruck vom Anfang stimmt noch immer:

  • 3/4 der Befragten gehören keiner Hochschul- oder Parteipolitischen Organisation an.
  • 2/3 der Befragten meinen, dass keine Partei ihre bildungspolitischen Ansichten vertritt.

"Normalos" tragen den Protest an den österreichischen Unis. Am Tag 11 der Uniproteste wird dieser Eindruck durch eine Studie des Instituts für Jugendkulturforschung bestätigt.

Pragmatik statt institutionalisierter Politik

Nur die Minderheit der am Protest Beteiligten gehört einer institutionalisierten politischen Gruppierung an, die Mehrheit - drei Viertel - hat mit politischem Engagement in geordneten Bahnen gar nichts am Hut, weder auf dem Level der ÖH noch von Parteien.

Soziologe Philipp Ikrath
Philipp Ikrath führte die Studie durch.

Zwei Drittel der Befragten meinen, dass keine Partei ihre bildungspolitischen Ansichten vertritt. Junge Menschen zu erreichen, damit tun sich vor allem die beiden (ehemaligen) Großparteien extrem schwer. Zwar wurden bei den letzten Wahlkämpfen immer wieder diverse Kanäle neuer Medien genutzt, aber, wie die Politikwissenschafterin Eva Zeglovits bei anderer Gelegenheit gemeint hat, ist es eben nicht damit getan, junge hippe Kanäle zu nutzen; gepunktet wird auch bei Jugendlichen immer noch mit Inhalt, und damit, konkrete Bezugspunkte zu ihrer Lebensrealität und ihren Problemen zu haben. Zurück zu den AktivistInnen an den Unis; sie sehen sich, so Studienautor Phillip Ikrath, nicht im traditionellen Sinn "politisch", gesellschaftspolitische Forderungen, meint Phillip Ikrath, würden kaum eine Rolle spielen, bzw. werden die Forderungen nicht einem größeren politischen Kontext aufgefasst. Im Mittelpunkt steht ihre eigene, die konkrete Situation an den Universitäten, die sie verbessern wollen. Wie sie das tun, nämlich im Kollektiv zu agieren, damit können wiederum die ParteipolitikerInnen schwer umgehen, auf symbolischer Ebene gibt´s kaum Annäherung.

Die da oben machen ja doch was wir wollen?!

Phillip Ikrath: Wir haben dort Individuen getroffen, die unterschiedliche Zielvorstellungen haben - manche sagen, wenn sich diese Art des Protests bewährt und wenn ein gewisser Teil dieser Forderungen umgesetzt werden kann, dann sollte man auch in Zukunft drüber nachdenken, Proteste abseits der ÖH zu organisieren. Andere meinen, sobald Forderungen umgesetzt worden sind, gibt es für diese Protestbewegung keine Zukunft, weil sie ihre Ziele erfüllt hat und dadurch selbst obsolet gemacht hat. Und, die meisten sind sehr optimistisch.

Zum Nachhören

Das gesamte Interview mit Phlipp Ikrath

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  • mistersimpson | vor 830 Tagen, 19 Stunden, 21 Minuten

    würd mich interessieren, was das dritte drittel für eine partei angeben würde, die ihre interessen vertritt.

    Auf dieses Posting antworten
  • prom000 | vor 832 Tagen, 8 Stunden, 29 Minuten

    Die Problem ist aber

    unpolitisch und ohne Hausmacht/mitglied einer partei kannst eben nix durchsetzen bzw. wie willst verhandeln?
    Selber höre ich viel negatives über die Besetzer, as allen Alterstufen und egal mit welcher bildung, was ich zwar verstehen kann aber eben auch schade finde da ich mit einigen Forderungen schon komform gehen.

    Auf dieses Posting antworten
    • blumenau | vor 831 Tagen, 17 Stunden,

      die verhandlungsrealität straft dich bereits ab...

  • malefue | vor 832 Tagen, 21 Stunden, 14 Minuten

    ultra-linksgrün...

    fehlt da nicht noch mindestens ein links?
    http://tinyurl.com/yj8paod

    Auf dieses Posting antworten
  • kewagi | vor 832 Tagen, 23 Stunden, 6 Minuten

    endlich :)

    ich hab schon gefürchtet, dieser faktor geht in der berichterstattung ganz unter.

    ja, einige der teilnehmenden personen und gruppen sind politisch orientiert (meistens links), ein paar auch in organisierter form. daraus zu schliessen, dass dies ein linker protest wäre, ist aber der typische "was nicht a ist, muss b sein"-irrtum, den menschen immer wieder gerne begehen.

    natürlich wird im audimax unter anderem auch gesellschaftspolitik diskutiert, bis die sonne wieder steht, aber der konsens, dass es sich hier um einen protest unterschiedlichster menschen handelt, hält noch.

    mein einziger wehmutstropfen bisher war der ausschluss von studentenverbindungen - nicht, weil ich besondere sympathien für solche hege, sondern weil es hier um eine bessere universität für alle geht, und das muss auch gruppen einschliessen, die man persönlich nicht hoch schätzt. aber soweit ist der rinks-lechts-beissreflex wohl doch noch nicht zurückgegangen.

    danke jedenfalls für den artikel!

    Auf dieses Posting antworten
    • caveb | vor 832 Tagen, 22 Stunden, 45 Minuten

      stimme zu,

      nur diese gruppen die man nicht schätzt, sind intollerant gegenüber anderen gruppen.

      man kann ruhig burschenschaften sagen, wenn man burschenschaften meint.

      mich würde eine breitere basis auch nicht stören, nur dafür müsste man andere teile ausgrenzen, aufgrund von niederen motiven (aussehen, herkunft, hautfarbe, nationalität)

    • prom000 | vor 832 Tagen, 8 Stunden, 32 Minuten

      wobei es eben einen unterschied gibt zwischen den christlichen nicht schlagenden verbindungen die man eher der ÖVP zurechnen kann(gibt aber auch genug SPÖ politiker dort) und den schalgenden Verbindungen bzw Burschenschaften dei eher der FPÖ, Rechten usw. zuzurechnen sind. Die berühren sih zwar immer mal wieder, aber grosse teileder ersten gruppen lehnen die zwei sehr sehr vehement ab.