Erstellt am: 2. 11. 2009 - 18:55 Uhr
Nicht im traditionellen Sinn "politisch"
Zwischen (Miss)Verständnis und Zugangsbeschränkungen
SPÖ-Kanzler Faymann erklärt sich zwar immer noch solidarisch mit den Protestierenden, ist aber gegen Besetzungen und sieht in der Sache selbst eine "Art von Zugangsregelungen" als notwendig an.
Blitz-Umfrage unter 213 Studierenden der Universität Wien, Ende letzter Woche, durchgeführt vom Institut für Jugendkulturforschung.
Neben VP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat sich Kanzler Faymann damit in die Topliga jener katapultiert, gegen die sich die Proteste fortan richten werden.
Aber wer besetzt, protestiert und demonstriert hier nun schon seit zwei Wochen? Auch wenn mancherorts davon die Rede ist, dass in den Hörsälen Vermummte am Werk sind - ein schlichter Blick in die audivisuelle Übertragung aus dem Audimax zeigt die handelnden Personen, wir hören ihre Stimmen, erkennen Habitus und Stil - und der Eindruck vom Anfang stimmt noch immer:
- 3/4 der Befragten gehören keiner Hochschul- oder Parteipolitischen Organisation an.
- 2/3 der Befragten meinen, dass keine Partei ihre bildungspolitischen Ansichten vertritt.
"Normalos" tragen den Protest an den österreichischen Unis. Am Tag 11 der Uniproteste wird dieser Eindruck durch eine Studie des Instituts für Jugendkulturforschung bestätigt.
Pragmatik statt institutionalisierter Politik
Nur die Minderheit der am Protest Beteiligten gehört einer institutionalisierten politischen Gruppierung an, die Mehrheit - drei Viertel - hat mit politischem Engagement in geordneten Bahnen gar nichts am Hut, weder auf dem Level der ÖH noch von Parteien.
Die Uniproteste auf FM4
- "Freie Bildung für alle": Bundesweiter Aktionstag
- Unizugang, frei geregelt oder beschränkt?
- Die Uni brennt auch in Berlin:
- Nicht im traditionellen Sinn "politisch": Mit
- Bildung und Markt
- Uni, Quo Vadis?:
- Journal '09: 31.10. Angewandter Audimaxismus
- Was bringt der Bachelor?
- Wenn das schon utopisch ist...
- Studieren? Blockieren? Demonstrieren?
- Viel Lärm um wenig
- Doch nicht so angepasst?: Jugendforscher Heinzlmaier im Interview auf science.orf.at (29.10.2009)
- "Wir sind die Uni": Proteste auch in Innsbruck
- Zu viele für den Audimax
- Durch die Realismusbrille: Die Proteste in Graz
- Journal '09: 28.10.Which side are you on?
- Raus auf die Straße
- Journal 09
- Protest in Selbstorganistation
- #audimax #unsereuni #unibrennt
- Journal '09: Studis und Unis. Rat und Vorwurf
- Die Basis und die Demoktratie
- Audimax besetzt
- Malen nach Zahlen
- und alles im Überblick auf fm4.orf.at/uni

Zwei Drittel der Befragten meinen, dass keine Partei ihre bildungspolitischen Ansichten vertritt. Junge Menschen zu erreichen, damit tun sich vor allem die beiden (ehemaligen) Großparteien extrem schwer. Zwar wurden bei den letzten Wahlkämpfen immer wieder diverse Kanäle neuer Medien genutzt, aber, wie die Politikwissenschafterin Eva Zeglovits bei anderer Gelegenheit gemeint hat, ist es eben nicht damit getan, junge hippe Kanäle zu nutzen; gepunktet wird auch bei Jugendlichen immer noch mit Inhalt, und damit, konkrete Bezugspunkte zu ihrer Lebensrealität und ihren Problemen zu haben. Zurück zu den AktivistInnen an den Unis; sie sehen sich, so Studienautor Phillip Ikrath, nicht im traditionellen Sinn "politisch", gesellschaftspolitische Forderungen, meint Phillip Ikrath, würden kaum eine Rolle spielen, bzw. werden die Forderungen nicht einem größeren politischen Kontext aufgefasst. Im Mittelpunkt steht ihre eigene, die konkrete Situation an den Universitäten, die sie verbessern wollen. Wie sie das tun, nämlich im Kollektiv zu agieren, damit können wiederum die ParteipolitikerInnen schwer umgehen, auf symbolischer Ebene gibt´s kaum Annäherung.
Die da oben machen ja doch was wir wollen?!
Phillip Ikrath: Wir haben dort Individuen getroffen, die unterschiedliche Zielvorstellungen haben - manche sagen, wenn sich diese Art des Protests bewährt und wenn ein gewisser Teil dieser Forderungen umgesetzt werden kann, dann sollte man auch in Zukunft drüber nachdenken, Proteste abseits der ÖH zu organisieren. Andere meinen, sobald Forderungen umgesetzt worden sind, gibt es für diese Protestbewegung keine Zukunft, weil sie ihre Ziele erfüllt hat und dadurch selbst obsolet gemacht hat. Und, die meisten sind sehr optimistisch.
Zum Nachhören
Das gesamte Interview mit Phlipp Ikrath
Kommentieren