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Musik, Film, Heiteres

Martin Blumenau

Martin Blumenau

Geschichten aus dem wirklichen Leben.

9. 11. 2009 - 18:15

Journal '09: 9.11.

Kippt der Audimaxismus Österreichs Kippen? Führt die Protest-Bewegung zu einem neuen Gesellschafts-Vertrag?

Siehe dazu auch die Blogs von Verena Ringler -Audimax ist ein Prototyp für Österreich. und von Florian Klenk - Den Audimaxismus braucht das Land.

Seit klar wurde, dass den aktuellen Studenten-Protest mehr als das sonst übliche leise Lüftchen durchweht, stellt sich/man mir die Frage, ob dieser Aufschrei denn das, was anhand der heuer sehr stark auftretenden Indizien und mehr als deutlichen Symptome als Tipping Point zu einer unumkehrbare Entwicklung hin zu einer Post-Demokratie zu erkennen war, aufhalten kann.

In anderen Bereichen, wie etwa der schnellen Umsetzung der neuen Kommunikations-Tools oder dem postideologischen Pragmatismus, mit denen die Audimaxisten das jeweilige, noch allzu stark im letzten Jahrtausend verhaftete Establishment in ihren Grundfesten schockte, ist die Antwort leicht: Ja. Da hat sich Entscheidendes bewegt.

Wer jetzt noch über digitale Medien und Social Networks witzelt, wird von der Mehrheitsgesellschaft bereits schief angeschaut. Wer die junge Generation jetzt noch nach alt-ideologischen Maßstäben misst, erntet nur mehr Kopfschütteln.
Denn in diesen, ein wenig überschaubaren Bereichen hat sich was gedreht, ist was gekippt.

Ob der Studentenprotest aber als Pars pro toto herrangezogen werden können, was gesamtgesellschaftliche Entwicklungen des Landes betrifft: ich weiß nicht. Ich bin da alles andere als überzeugt oder gar sicher.

Das Cockpit des Gesellschafts-Dialogs

Aktuell haben sich aber durchaus besonnenere Menschen als ich es etwa bin zu dieser Erkenntnis durchgerungen. Das ist gut, weil sie mich dazu zwingen, das schon einmal Überlegte noch einmal durchzudenken und meinen bisherigen Erkenntnisstand durchzuargumentieren.

Die sonst Besonnenen sind Florian Klenk, Falter-Politik-Chef oder auch die Politologin Verena Ringler, die - wie der Zufall so spielt - direkt vor mir eine Gastrede im besetzten Audimax gehalten hat.

Beide fassen ihre Gedanken in einer sehr grundsätzlichen Analyse zusammen. Zuerst zu Ringler, auch weil sich Klenk später auf sie bezieht.
Verena Ringler schreibt im hier bereits vielfach verlinkten und erwähnten Blog-Magazin ZiB21.com unter dem Titel Audimax ist ein Prototyp für Österreich davon, dass der Protest mittlerweile ein "Cockpit des Gesellschafts-Dialogs in Österreich" geworden sei. Und davon, wie erstaunlich es wäre, dass weder Politik (von der es allerdings auch niemand erwartet hat, auch weil dort die primitivsten Management-Routinen nicht mehr funktionieren) noch vor allem die Opnion Leader der Wirtschaft von der Struktur des Protests lernen wollen.
Zitat Ringler: "Diese Bewegung ist einerseits ein selbstverwaltetes 24/7 Organisationswunder an diversen Unis, ... andererseits ... längst die gesellschaftliche Rückkopplung auf ein unzureichend modernisiertes politisches System im geografischen Herzen der EU."

Details dazu in der Lang-Variante des Vortrags von Verena Ringler.

Warum sie das so optimistisch mache? Drei Gründe sagt Ringler: "Audimax, dieses sozio-politische Experiment im Saal, ist prozesshaft wie die Europäische Union, hochqualifiziert wie ein Center of Excellence und partizipativ wie 2.0. ... Audimax ist ein Center of Excellence. ... Audimax, dieses über Nacht entstandene Cockpit des Gesellschafts-Dialogs in Österreich ist damit weit mehr als ein Protest. Die Bewegung für Bildung hat das Zeug, zum Prototypen für Österreich zu werden; nein, zum Prototypen für Österreich 2.0."

Österreich 2.0

Dem ist nicht zu widersprechen.
Es sei nur festgestellt, dass dieses Modell eben ein studentisches, ein bessergebildetes ist, das (bei drastisch auseinandergehender Bildungsschere) nicht für andere gesellschaftliche Bereiche gilt.

Die von Ringler und später auch von Klenk erkannte Miteinbeziehung von migrantischen Gruppen sehe ich nicht. Die zweite Generation ist in ihrer Marginalisierung verharrt.
Wie es im gestrigen Im Zentrum ausgerechnet die Personalentwicklerin Gundi Wentner ansprechen musste, werden da die Weichen der Selektion viel früher, nämlich bereits mit 10 Jahren gestellt.
Die Bindestrich-Österreicher bleiben im aktuellen Protest unsichtbar, weil sie nicht Teil der Bewegung sind.

Das hat vor allem mit ihrer Sprachlosigkeit zu tun.
Das sensationelle und wirklich überraschende an der Sprache der #unibrennt-Bewegung ist die Ruhe, Gelassenheit und Eloquenz, die in ihrer analytischen Unaufgeregtheit das peinlich berührten Gestammel der Verantwortlichen umso drastischer ausleuchtet.
Hatte es die Politik, auch die Uni-Politik, früher mit ideologisch-erregten Aktivisten und brav-gedrillten ÖH-Parteisoldaten leicht, so stinkt man aktuell mit Minister-Sätzen wie "Wir haben den Studenten ein Geld gegeben." brutal ab, wenn die unprovozierbaren Gegenüber mit postideologischer Gleichmut wohlfeile humanistische Grundsätze deklamieren.
Das war vor zwei Jahren beim Prototypus Barbara Blaha (ihrer Zeit voraus...) spürbar, ist jetzt flächendeckend der Fall.

Audimaxismus für ganz Österreich

Wie ich gehört habe, ist Klenks Analyse auch im aktuellen Falter 45/09 nachzulesen.

Florian Klenk greift das in seinem Blog unter dem Titel Den Audimaxismus braucht das Land und führt den Ringler'schen Gedanken vom neuen Gesellschafts-Dialog weiter - in Richtung Generationen-Vertrag.
Klenk meint, dass es im Protest nur vordergründig um bessere Bedingungen im Uni-Betrieb und Bologna, um Geldnot und Schikanen (=Gebühren und Beschränkungen) gehe: "Hinter der Klage über Geldnot und Schikanen steht auch die Enttäuschung über das Ausbleiben von Visionen für dieses Land, dessen Grenzen nach Osten vor genau 20 Jahren fielen und das sich in einer globalen Welt nur durch mehr Bildung behaupten kann. Die Studenten spüren, dass die großen Versprechen der Leistungsgesellschaft nicht eingehalten werden."

Weil nämlich nicht Bildung und Susbildungsstatus, sondern immer noch Herkunft und die Zugehörigkeit zur richtigen Partie mehr zählen würden - normalerweise (das sagt jetzt nicht Klenk, sondern ich, ihn interpretierend) ein sicheres Indiz für eine Bananenrepublik auf dem Weg in den Ruin.

Eine handlungstechnisch gelähmte Polit-Elite, sagt Klenk "trägt zwar große Worte im Mund: Sicherheit, Leistung, Gerechtigkeit, Europa. Doch wenn es um die Umsetzung dieser Ideale geht, regieren Inkompetenz und Intrige. Nicht nur die Bestellung für die EU-Institutionen, auch die großen Debatten der letzten Monate haben das vor Augen geführt. Banken, Bildung, ORF, Justiz, Migration, Sicherheit: Über keinen Bereich wird in diesem Land noch vernünftig verhandelt."

Der andere Protest, der diffuse...

Der Unmut gegen diese Erstarrung, diesen Un-Diskurs, diese politische Unkultur hat sich bislang in einem ganz anderem protest kanalisiert: den Protest-Stimmen für den politischen Populismus, der in Österreich ausschließlich rechts stattfindet, und dort auf Xenophobie, Sündenbocksuche und Anti-Intellektualismus zurückgreift.

Dass sich nun hier (sage wieder ich, Klenk als Ausgangspunkt nehmend) auch von der anderen Seite, der Intellektuellen gezielter Protest regt, ist die eigentliche Überraschung.
Denn damit war bislang nicht zu rechnen: die heimischen Essayisten und Autoren sind zu sehr in internen kleingeistigen Grabenkämpfen verhaftet um eine breite Diskussion loszutreten, die Holzmedien haben ziemlich versagt und der ORF ist diesbezüglich, als Teil der Debatte in einer verdammt schwierigen Position.

Aus dieser Überraschung nun, dass die bislang als Protest-Lulus abgestempelten Studenten das leisten, was die Intelligenzia des Landes nicht zusammengebracht hat, leiten Ringler oder Klenk ihre Generalisierung ab.
Klenk auch unter Einbeziehung der anderen gesellschaftlichen Teile: "Die Studenten thematisieren aber nicht nur Ausbildung und Auswahl der Eliten, sondern auch das drohende Schicksal der Unterschicht. Anstatt deren Ausbildung zu reformieren, reibt sich ein pragmatisierter Lehrer-Gewerkschaftsblock die Hände.

Genau da aber ist die Sollbruchstelle.

Gefühlt mag der Studentenprotest auch Ümit aus Wien 17, Branko aus Leoben oder Cem aus Telfs gefallen - weil dort die Mächtigen blöd ausschauen. Wenn es aber schon die sogenannten Qualitäts-Medien nicht schaffen aus den Protesten eine Gesamt-Bildungs-Debatte zu machen und das zentrale Thema des Ganzen, nämlich Zugang zu Bildung zu schaffen, auf die Agenda zu setzen, dann droht die Debatte zu einer Special-Interest-Angelegenheit zu verkommen. Die dann wiederum nur (zurecht) einen Teil der Menschen interessiert. Was dann wiederum niemals zu einer Debatte über einen neuen gesellschaftsvertrag im Sinn Verena Ringlers (Stichwort: Cockpit für Österreich) oder im Sinn Florian Klenks (Stichwort: Visionslosigkeit, ungehaltene Versprechen der Leistungsgesellschaft) führen kann. Das und eine daraus folgende sehr sehr breite Debatte ist wiederum die wohl einzige Möglichkeit das mehr als nur drohende Kippen in einen postdemokratischen, autoritären Secuity-Staat zu verhindern.

Und daran mag ich, allen grandiosen Ansätzen zu Trotz, eben nicht wirklich glauben.
Weil diese hier schon am Horizont heraufdräunden Debatte über sowas wie einen neuen Gesellschafts-Vertrag jetzt zwar ein (unerwartetes) Startfenster bekommen hat, auch weil die medialen Tools, mit deren Hilfe sie stattfinden könnte, den Praxistest bestanden hätten - aber der entscheidende Part noch nicht gecastet ist.

Elitenversagen, Casting-Versagen

Dass in einem solchen Umfeld eine Regierungspartei ein derart unsensibles Signal in die falsche Richtung geben kann wie das hier hätte ich vor ein paar Tagen noch für nicht möglich gehalten.

Florian Klenk spricht das eh in seinem Schlusssatz an: Die Generation Erasmus spürt, dass das Elitenversagen Auswirkungen auf ihr eigenes Fortkommen und das des Landes hat. Medien und Parteien müssen die Aufbruchsstimmung erkennen und die wichtigsten Akteure dieser Bewegung in politische Institutionen locken."
Ich habe meiner Hoffnung darüber bereits Ausdruck verliehen (um mir da auch Kritik einzuhandeln.) - aber verlassen darauf würde ich mich nicht.

Denn: in der unterirdisch schwachen Form, in der sich die für diese Matches zuständigen Player seit Monaten übers Spielfeld schleppen wird das nicht passieren. Egal ob im Medien- oder im Polit-Bereich.

Deswegen ist es möglich, dass wir im Oktober/November dieses Jahres durch den hochdiskursiven Input der studentischen Protest-Bewegung die Rettung der österreichischen Demokratie erlebt haben. Es ist aber zumindest genauso möglich, dass die, die diesen Traumpass aufnehmen und im Tor unterbringen müssen, versagen und diesen Sitzer verschludern.
Österreich kippt also weiter, auch wenn es gerade soviel Hoffnung gab wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.

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  • futbol | vor 90 Tagen, 52 Minuten

    Heute Club 2!

    Nächste Chance für die Audimaxler Argumente vorzubringen. Auch diesmal wieder Gender-Gerecht: 2 weibliche Vertreter der Protestbewegung.

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    • futbol | vor 89 Tagen, 8 Stunden, 19 Minuten

      Enttäuschende Diskussion...

  • gottts | vor 90 Tagen, 19 Stunden, 37 Minuten

    Klutschei..erei mit Tonnen von Rechtschreibfehlern

    Selten so pseudointellektuellen Mist gelesen, wie das hier. Gatulation! Wohl ein Tütchen zuviel mit den Besetzern (sorry muß wohl noch ein Innen hinten dran aber das spar ich mir aus Prinzip) geraucht?! However - es muß langsam Schluß sein mit diesen anarchistischen Zuständen in den Hörsälen! Ich schlage vor endlich flächendeckend Handystörsender (sollte auch mobiles Internet unterbinden) rund um die besetzten Zonen zu installieren, dann bricht die Organisation zusammen wie ein Kartenhaus. Dann noch unangekündigte Feuerwehrübungen mit Rauchbomben abhalten und den Rest, also die die nicht freiwillig laufen, gleich mit dem Schlauch hinterher spritzen - fertig.

    Auf dieses Posting antworten
    • gottts | vor 90 Tagen, 19 Stunden, 35 Minuten

      ...gut - es sollte Klugsch...erei heißen ;-).

    • alpiarts | vor 90 Tagen, 18 Stunden, 13 Minuten

      Na, Du bist ja ein Spaßvogel.

  • mafu | vor 90 Tagen, 23 Stunden, 53 Minuten

    Audimax volksfest

    also ich weiß nicht ob ich vielleicht einfach nur zu unintelligent bin um das alles zu verstehen aber ich finde was da zur zeit im audimax bzw an österreichs unis abgeht und das mein eigentlich lieblingssender fm4 diese vandalen unterstützt is eine bodenlose frechheit. sind die mensaparties nichtmehr gut genug, jetz muss schon tagsüber in den hörsälen gesoffen werden.
    ich muss dazu sagen dass ich selbst "nur" ein normalgebildeter facharbeiter ohne höheren abschluss bin der jedoch diesen schwachsinn mitfinanzieren darf.
    in österreich gibts zuviele "ich weiß nicht was ich tun will jetzt studier ich mal ein paar jahre" studenten die alle mitgeschliffen werden. wenns da strengere zugangsbestimmungen bzw. tests gäbe wäre auch mehr geld für die da, die wirklich was lernen wollen.
    hab jetzt die letzten paar tage mit einigen studierenden gesprochen und die einstimmige meinung ist das diese radaumacher rausgeschmissen werden sollten damit die wirklich studierenwollende wieder zu den vorlesungen können.

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    • floetenschlumpf | vor 90 Tagen, 19 Stunden, 37 Minuten

      warst du schon im audimax? es wurde und wird dort auch gesoffen, aber nicht tagsüber sondern erst irgendwann in der nacht. so wie du das auch jedes wochenende machst. nur nicht im audimax.

  • futbol | vor 91 Tagen, 53 Minuten

    Basisdemokratie

    Hört sich ja alles schön und lieb an. Aber wenn man keine konkreten Forderungen hat, welche bestimmte Ansprechpersonen auch vertreten (dürfen), kann man dann zu Lösungen kommen?

    Soll Hahn mit 100en von Leuten verhandeln? Oder sind die Audimaxler nicht auf Kompromisse aus?

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    • besux | vor 88 Tagen, 17 Stunden, 54 Minuten

      zum einen find ich es lustig, dass jeder behauptet, man könne nicht mit dem plenum als ganzes sprechen, aber niemand den schneid hat das auch zu beweisen. gäbe ja keine bessere strategie als hinzugehen und dann entweder zu lernen, dass es sehr wohl geht, oder eben zu beweisen, dass es eine depperte idee der besetzerInnen ist.

      zum anderen: konkrete forderungen gibts eigentlich schon.

    • futbol | vor 88 Tagen, 2 Stunden, 22 Minuten

      du bist ja lustig. Was glaubst du, warum sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretung der Metallerbranche mit jeweils ca. 10 Vertreter treffen und verhandeln und nicht mit jeweils 300?

      Konkrete Forderungen wie

      - Bildung statt Ausbildung
      - Freier Hochschulzugang
      - Ausfinanzierung der Universitäten
      - usw.

      Was ist Bildung, was ist Ausbildung? Was heißt freier Hochschulzugang? Das ist doch nur Wischi-Waschi, und von dem aber möglichst viel.

  • harald123 | vor 91 Tagen, 4 Stunden, 57 Minuten

    Security-Demokratie

    Eben von einem Meinungsforschungsinstitut angerufen worden.
    "Darf ich Ihnen ein paar Fragen zur Sicherheit in Österreich stellen?"

    "Ja, sicher."

    "Wie sicher fühlen Sie sich in Österreich? Beantworten Sie in Schulnoten. 1 ist sehr sicher. 5 ist überhaupt nicht sicher."

    "1. Also sehr sicher."

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  • winterresidenz | vor 91 Tagen, 6 Stunden, 23 Minuten

    neben dem von mir als ganz große überdeutung angesehenen kipp-ding, gefällt mir noch einiges anderes nicht an deiner argumentation.
    am beispiel des EP-wahlkampfs vom frühjahr:
    - dass z.b. der konventionelle protest am politischen system nur von der rechten kommt, widerlegen medienphänomene wie h.p.martin oder f.dinkhauser doch ziemlich eindeutig.
    - generelles, undifferenziertes politiker-bashing und die kritk an ebenjenem lässt sich nicht vereinbaren. klar, ersteres hier nur als zitat ("...regieren inkompetenz und intrige."), aber schon auch im subtext mitschwingend. zweiteres hast du meiner erinnerung nach zu EP-wahlkampf-zeiten in einem journal zu einem bericht über den arbeitstag von o.karas betrieben. korrigiere mich, wenns falsch ist.

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  • wedge75 | vor 91 Tagen, 7 Stunden, 32 Minuten

    österreichs politische kaste, zum größten und (leider) wichtigsten, weil mächtigsten teil, ist vom volk, ihrer eigenen basis und der gnadenlosen realität dermaßen entfernt und abgehoben, aufgefressen durch postenschacher, gierigem selbsterhaltungstrieb, korruption, vetternwirtschaft, vollkommener unfähigkeit (weil nicht die besten spielen, sondern nur die richtigen) uvm., dass sie den endzügen des SED-ZKs alle ehre macht.
    kaum eine ahnung was draußen passiert und schon überhaupt keine ahnung, wie sie damit umgehen soll bzw. wie man den unterkante oberlippe im dreck steckenden karren zusammen wieder rausziehen kann. wenn sie sich nicht von grund auf reformieren, implodieren die apparate schneller als der schall, auswechslungen an der spitze ändern genau gar nichts.
    mir scheint aber auch, dass vor allem die unaussprechlichen davon profitieren werden. ich hoffe, micht zu täuschen.
    die zeichen für wirklich zukunftsorientierte veränderungen stehen günstig wie noch nie. wann ging jemals ein umbruch von Ö aus (siehe uni-proteste, die sich auf deutschland ausdehnen)?

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    • futbol | vor 91 Tagen, 7 Stunden, 30 Minuten

      Yeah, mehr Privat weniger Staat!

    • wedge75 | vor 91 Tagen, 7 Stunden, 22 Minuten

      dass auch das nicht der weisheit letzter schluss sein muss, sieht man bei diversen privatisierten staatsbetrieben, wo genau so korrupt agiert wurde und erst recht wieder ex-politiker untergebracht wurden/werden, egal ob befähigt oder nicht

    • futbol | vor 91 Tagen, 7 Stunden, 16 Minuten

      da geb ich dir vollkommen Recht. Weil diese "privatisierten Staatsbetriebe" auch nicht wirklich privatisiert wurden. Der Staat hat dort weiterhin seine (wenn auch informellen) Finger drinnen. Siehe zB. AUA.

    • fenris79 | vor 91 Tagen, 5 Stunden, 58 Minuten

      Wobei ja nicht der Staatsbetrieb an sich das Problem ist sondern das korrupte Agieren.

    • futbol | vor 91 Tagen, 4 Stunden, 48 Minuten

      Dann müsste es einen Staatsbetrieb geben wo Leistung zählt und wo evaluiert werden darf. Wo Minderleister gekündigt werden dürfen. Wo Transparenz in den Prozessen und in den STrukturen herrscht. Wo mehr Markt in den Staat kommt...

    • wedge75 | vor 91 Tagen, 4 Stunden, 43 Minuten

      verwechsle nicht verstaatlichte mit verwaltung/beamte - und pragmatisierung gibts auch nimma

    • futbol | vor 91 Tagen, 4 Stunden, 33 Minuten

      Mit Staatsbetrieb meinte ich primär die Verwaltung/beamte. Wohl etwas mißverständlich ausgedrückt.

      Die von mir beschriebenen Attribute kann man aber sowohl bei der Verwaltung als auch bei den Staatsbetrieben finden. Ich will ja nicht mit der ÖBB anfangen... Und selbst wenn nicht mehr alle pragmatisiert werden die neu eingestellt werden, gekündigt oder versetzt kann praktisch trotzdem keiner werden. Sowas tut ein Staat nicht!

    • futbol | vor 91 Tagen, 4 Stunden, 31 Minuten

      Das machen nur phöse Manatscher! Beim Vater Staat haben sich alle lieb.

    • sfbuch | vor 91 Tagen, 3 Stunden, 27 Minuten

      @futbol: ich glaube zwar zu verstehen, was du sagen willst, aber leider verhält es sich auch hier nicht so eindimensional und zweitens ist es an dieser stelle etwas themenverfehlt.

    • oxymoron | vor 90 Tagen, 7 Stunden, 44 Minuten

      ob das rausschmeißen aller temporär nicht nötigen oder nicht guten arbeitern durch manager, deren gehälter mehr geld schlucken als die löhne 1000er überflüssiger hackler, volkswirtschaftlich und sozial sinnvoll ist, ist fraglich. vor allem, solange es nicht genug arbeit für alle gibt und der staat somit mehr arbeitslosengeld zahlen muss.

  • futbol | vor 91 Tagen, 7 Stunden, 41 Minuten

    Interessant auch, dass sie versuchen sich "Gender-Gerecht" in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zu allen 3-4 Diskussionsrundem im TV die ich gesehen habe wurden weibliche Audimaxler geschickt. Wobei die letzte Vertreterin bei der "Im Zentrum"-Diskussion eine herbe Klatsche hinnehmen hat müssen. Macht nichts. Wenn sie weiterhin so effizient ihre Protestbewegung gestalten wie von Blumenau beschrieben sind Argumente hoffentlich nicht so wichtig.

    Auf dieses Posting antworten
  • verenar | vor 91 Tagen, 11 Stunden, 6 Minuten

    Post-Pessimismus

    Hallo Martin, - gut, dass Du den Faden weiterspinnst. Erstens, die "zweite/dritte Generation" sehe ich sehr wohl in der Bewegung Audimax (wenn auch noch mit Mobilisierungs-Potenzial; anfangs waren da mehr im Hörsaal als jetzt). In der Demo am 5. Nov stand ich vor jungen Bindestrich-Österreichern am U-Loritz Platz. Sie schrien sich eloquent pro Uni Protest, gegen das Kleinformat aus. Zweitens, ich vermute, die tatsächlichen Agenten für den Wandel in Ö sind die hergekommenen Deutschen. Ich lerne nach einigen Jahren Ausland hier in OE Deutsche auf der Uni kennen; v.a. aber auch in Head Hunter Firmen, Architektur-Büros, PR-Firmen. Sie sind teils die grösste Ausländergruppe. Sie erbleichen ob unserer Nomenklatura von Parteibüchern.

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  • onpulse | vor 91 Tagen, 18 Stunden, 23 Minuten

    "die wichtigsten Akteure dieser Bewegung in politische Institutionen locken"

    an dieser stelle wird klenks/blumenaus forderung zur systemerhaltenden logik: das kann doch nur bedeuten, dass ein junges elitengrätzl rausgepickt und in alte diskursbahnen und strukturen gelenkt werden soll - wo es genau gar nichts mehr anrichten kann.

    das neue am audimaxismus, seine botschaft, sind aber weniger brillierende akteure oder inhaltiche forderungen, sondern die neue form und organisation der kommunikation und entscheidungsfindung (erinnert irgendwie an den US-caucus - zumindest in der 2.0-obama-version, oder?), die eben dezentral und inhaltlich informierter abläuft als eine gemeinderatssitzung, wo eben andere (in erster linie zwischenmenschliche, also seilschaften u intrigante gschichterl) ebenen im vordergrund stehen, die mit entscheidungsfindung nichts zu tun haben sollten.

    was hier passiert ist auch nicht so sehr österreich 2.0, sondern demokratischer diskurs 2.0 - jetzt auch in Austria! - selbstorganisation, mut zum auftritt und zur wortmeldung, selbstverständliche aktzeptanz pluralistischer perspektiven... das ist nun die generation, die in einer neuen kommunikationskultur aufgewachsen ist, die jetzt aus dem netz schlüpft.

    es sollte darum gehen, diese neue politische und diskursive kultur zu integrieren, die sich ja gerade durch ihre horzontalen strukturen auszeichnet, anstatt jetzt, ähm, kontroarevolutionär die pfründe zu...

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    • blumenau | vor 91 Tagen, 1 Stunde, 58 Minuten

      onpulse - wenn man kleinmütig ist, dann bedeutet es das, was du da schreibst, ja.
      aber: istb kleinmut eine tugend?

    • onpulse | vor 90 Tagen, 18 Stunden, 32 Minuten

      nein, aber kleinmut ist österreichisch. genauso wie die logik, wonach es schon reicht, die zentralen heads rauszupicken u in alles-wie-gehabt-strukturen zu verfrachten... das ist eben ein schritt zu wenig u passiert ohnehin automatisch: einige audimaxler wird man in wenigen jahren in diversen institutionen wiederfinden u bei der nächsten besetzung werden dann ihre bilder in der zib2 gezeigt (wie jetzt zB misik '87).

      aber so wird eine beeindruckende bewegung zur headhunting-farm für das "andere österreich" umgedeutet? so machtlos, wie das "andere ö" bisher war, wünsch ich mir das nicht.

    • onpulse | vor 90 Tagen, 18 Stunden, 11 Minuten

      und nein, kleinmut ist keine tugend - natürlich wäre das immer noch besser als nichts, aber es könnte schon ein bisschen mehr sein, als bloß zur abwechslung mal die richtigen leute mit einflussreichen gestaltenden karrieren auszustatten (dass das überhaupt ein thema ist..).