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Rainer Springenschmid

Rainer Springenschmid

Punk & Politik, Fußball & Feuilleton: Don't believe the hype!

12. 11. 2009 - 15:19

Negativer Asylbescheid für die Familie Zogaj

"Ich bin zuversichtlich, dass wir eine positive Entscheidung in der zweiten Instanz noch zustande bringen können", sagt Zogajs Anwalt.

Seit zwei Jahren ist der Fall Arigona Zogajs immer wieder in den österreichischen Medien, ein Fall, der symbolisch für den Umgang mit Migrantinnen und Migranten in diesem Land steht. Damals, im September 2007, sollte die Familie abgeschoben werden, die damals 15-jährige Arigona taucht unter und droht mit Selbstmord. Inzwischen leben Arigona Zogajs Vater und Geschwister wieder im Kosovo, Arigona und ihre Mutter sind noch in Österreich; sie sind beide wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung.

Arigona Zogaj lebt jetzt sieben Jahre in Österreich, geht hier zur Schule, spricht perfekt Deutsch. Heute erhielt die Familie Zogaj den Bescheid, dass ihr Asylantrag in erster Instanz abgelehnt wurde und ihnen die Ausweisung droht.

Behördenkommunikation via Kronen Zeitung

Bereits gestern Abend konnte das ganz Österreich aus der Kronen Zeitung erfahren, was Helmut Blum, der Anwalt der Familie Zogaj, für "aus rechtsstaatlicher Sicht völlig untragbar" hält. "Es kann nicht sein, dass eine Partei eines Verfahrens über die Medien erfahren muss, wie über ihren Antrag entschieden worden ist", so der Anwalt.

Familie Zogaj

Die Asylbehörde hat zwei Dinge entschieden: Der Asylantrag wird abgelehnt, und subsidiärer Schutz wird nicht gewährt, die Zogajs werden also auch nicht als Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt.
Das heißt aber trotzdem nicht, dass sie jetzt gleich abgeschoben werden. Denn binnen 14 Tagen kann der Anwalt der Familie Zogaj Beschwerde beim Asylgerichtshof, der zweiten Instanz, einlegen. Dort werden unabhängige Richter über den Asyl- und Flüchtlingsstatus entscheiden.

Für die zweite Instanz ist Helmut Blum zuversichtlich: "Ich sehe gute Chancen, erstens haben wir medizinische Gutachten, über die man nicht so ohne Weiteres hinweg gehen wird können, und zweitens wird ein unabhängiges Höchstgericht über diesen Fall entscheiden. Da gibt es keine Weisungen, die vom Innenministerium kommen können, sondern unabhängige Richter prüfen anhand der Gesetzeslage den Fall und entscheiden. Ich bin zuversichtlich, dass wir eine positive Entscheidung in der zweiten Instanz noch zustande bringen können", so Blum.

(Vor)Letzte Chance Asylgerichtshof

Fällt das Urteil auch in der zweiten Instanz negativ aus, dann bleibt nur noch der Gang zum Verfassungsgericht, und dann wird es schwierig: Zum Einen bedeutet das nicht automatisch einen weiteren Aufschub der Abschiebung, zum Anderen ist die Spruchpraxis des Verfassungsgerichtshofes laut Helmut Blum sehr streng.

Ein Antrag auf humanitäres Bleiberecht sei keine Alternative: "Ein Bleiberechtsverfahren wird es nicht geben können, weil die Frage, ob jetzt die Ausweisung der Familie Zogaj zulässig ist oder nicht, im Asylverfahren geklärt wird. Und wenn im Asylverfahren nicht herauskommt, dass die Ausweisung auf Dauer unzulässig ist weil die Integration schon so weit fortgeschritten ist, dann wird es auch keine humanitäre Niederlassungsbewilligung geben. Also entweder wir schaffen es im Asylverfahren, oder der Zug ist abgefahren."

Wie konnte das nur passieren

Im Innenministerium kann man sich übrigens nicht erklären, wie der Inhalt des Bescheids an die Kronen Zeitung gelangt ist. Da die Verletzung des Amtsgeheimnisses ein Offizialdelikt ist, werden jedenfalls Ermittlungen eingeleitet.

Radio-Tipp: Donnerstag, 12.11.09

In Connected (15-19) ist Autor Franzobel zu Gast bei Mirjam Unger. Er hat von Anbeginn an den Fall Zogaj verfolgt und sich intensiv für ein Bleiberecht der aus dem Kososvo stammenden Familie eingesetzt. Dieses Jahr hat er die Geschichte der Zogajs für das Festival Linz09 in dem Theaterstück "A Hetz oder Die letzten Tage der Menschlichkeit" verarbeitet. Zusammen mit einem sehr persönlichen Essay zum Thema Migration und Asyl ist dieses kürzlich als Buch erschienen. "Österreich ist schön. Ein Märchen" so der Titel.

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Forum

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  • elvishasleftthebuilding | vor 6 Tagen, 6 Stunden, 10 Minuten

    In 2er Instanz?
    Sind die dank Ausschöpfung aller juristischen Möglichkeiten (und einiger anderer), sowie Rat und Tat von Seiten hilfsbereiter NGO`s nicht schon bei der 120. Instanz?

    Was natürlich viele Jahre gedauert hat, bzw wohl auch dauern sollte ...

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  • rriotrradio | vor 7 Tagen, 10 Stunden, 56 Minuten

    ich dagegen halte (ohne rechtsexperte zu sein)...

    ...das humanitäre bleiberecht für die einzige realistische option. einen positiven asylbescheid WIRD es nicht geben.

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  • octogen | vor 7 Tagen, 11 Stunden, 47 Minuten

    Egal, wie die hergekommen sind...

    ...wenn eine jetzt 17-jährige bereits 8 Jahre ihres Lebens hier verbracht hat, also ungefähr die Hälfte ihres Lebens, dann hat niemand mehr das Recht, sie abzuschieben.

    Dass illegale Einwanderer wieder zurückgeschickt werden, ist verständlich, aber nur, wenn das direkt nach der illegalen Einwanderung passiert.
    Wenn man praktisch eine Generation später draufkommt, dass da irgendwann mal wer illegal eingewandert ist, und dann Menschen abschieben will, die effektiv hier aufgewachsen sind, hört sich der Spaß auf.

    Demnächst kommt noch wer auf die Idee, dass die Urgroßeltern von sonstwem im 1898er Jahr illegal eingewandert sind, und jetzt wär' doch gerade ein günstiger Zeitpunkt, die Abschiebungsstatistik an FPÖ-Wählerstimmen anzupassen, und schon wird aus heiterem Himmel irgendwer abgeschoben.

    Mir kommt angesichts der menschlichen "Qualitäten", die hier von einigen Politikern gezeigt werden ("Exempel statuieren", etc.) das ganz große Kotzen.

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    • mistersimpson | vor 7 Tagen, 11 Stunden, 29 Minuten

      ob die fekter wohl auch ihre eigene oma abschieben würde?

    • locutus | vor 7 Tagen, 8 Stunden, 22 Minuten

      In diesem Fall wurden die Entscheidungen sogar sehr schnell getroffen. Der Vater hat 2001 Asyl beantragt und wurde 2002 abgelehnt. Daraufhin haben 2002 die Mutter und ihre Kinder Asyl beantragt, was 2 Monate später wieder abgelehnt wurde. 2003 werden neue Anträge gestellt die im gleichen Jahr wieder abgelehnt wurden usw. Hier die ganze Chronologie:

      http://derstandard.at/fs/1256744632204/Chronologie-Der-Fall-Zogaj-beginnt-2001

      Ich denke auch, speziell unter Berücksichtigung der psychischen Zustände speziell von Arigona und Mutter, dass schon längst humanitäres Aufenthaltsrecht hätte erteilt werden müssen, weiters ist es auch nicht die "Schuld" der Kinder, dass die Eltern damals illegal eingereist sind, aber die langjährigen Verzögerungen ergaben sich primär durch Anträge und Einsprüche.

  • heimatstolz | vor 8 Tagen, 2 Stunden, 2 Minuten

    auf wiedersehen!

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    • fightclub | vor 7 Tagen, 23 Stunden, 53 Minuten

      genau, wo kommen wir dahin, wenn wir menschen wie menschen behandeln.

    • appetiteforconstruction | vor 7 Tagen, 23 Stunden,

      sehr richtig! ich mein, warum sollte man einer jungen frau, die hier aufgewachsen und verwurzelt ist und hier das bildungssystem durchlaufen hat, auch die chance geben, in österreich zu bleiben und sich hier ihr leben aufzubauen? nein, da haben doch alle viel mehr davon, sie irgendwohin zu verfrachten, wo sie nicht sein will und nichts machen kann. humanitäres bleiberecht? - braucht doch eh keiner!

      verteidigt wird so was dann auch gerne von menschen, die bestürzt die bedrohung "unserer christlichen kultur" beklagen, wenn gefordert wird, dass in klassenzimmern keine kreuze mehr hängen sollen.

      an ihren taten sollt ihr sie erkennen...

    • mistersimpson | vor 7 Tagen, 11 Stunden, 48 Minuten

      merkt man ja auch viel von dieser christlichen nächstenliebe im alltag oder in diversen zeitungen...