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Martin Blumenau

Martin Blumenau

Geschichten aus dem wirklichen Leben.

14. 11. 2009 - 21:15

Journal '09: 14.11.

20 Tage später: der Uni-Protest ist globalisiert, der Sarrazynismus in der Debatten-Mitte angekommen und Österreich weiter kein Einwanderungsland. Eine kleine Zusammenführung.

Alles zum Uni-Protest unter fm4.orf.at/uni. Franzobel zum Fall Zogaj, und dann noch eine kleine Reihe darüber, wohin Diskurslosigkeit führt, und das war der Ausgangs-Punkt rund ums Thema Sarrazin/Sloterdijk.

Vor drei Wochen hab ich - mitten in die damals frischen Uni-Proteste - das thematsiert, was im bundesdeutschen Diskurs schwelte: die von Peter Sloterdijk noch weitergetriebene Sarrazin-Debatte rund ums Naserümpfen des deutschen Bürgertums, was elitaristischen "Man wird's ja noch sagen dürfen!"-Unflat, der sich gegen Migranten oder scheinbare Minderleister richtet, betraf.
Mir war das auch deshalb wichtig, weil es am drauffolgenden Nationalfeiertag galt, Österreichs weggeschobene Rolle als Einwanderunsgland herauszustreichen. Ein Selbstbekenntnis, das im jetzt wieder aufpoppenden Fall Zogaj wichtig gewesen wäre, um zu einer sinnhaften (und weitreichenden) Lösung zu kommen.

Drei Wochen später...

Auschnitt aus dem Bericht der heutigen taz: "Motiviert zu den Besetzungen wurden die Studierenden durch die seit Wochen andauernden Massen-Proteste in Österreich. In Wien hatten (Studierende) Ende Oktober den größten Hörsaal der Universität besetzt, in ihren Presse-Mitteilungen sprechen die Studierenden von einem 'internationalen Zusammenhang', der durch die Wiener Initiative hergestellt sei, als Ansprech-Partner werden Kontakte zu Österreichern vermittelt.
In der Berliner Humboldt-Universität bekommt ein österreichischer Komilitone donnernden Applaus, als er die Studierenden mobilisiert, man solle 'einen Flächenbrand' wie in seiner Heimat entfachen."

Drei Wochen später haben sich alle Debatten gedreht und entwickelt.

Die zuerst in Wien gestarteten, später auf ganz Österrreich ausgeweiteten Studierendenproteste haben es auf ein globales Level geschafft, der Funke ist auf Deutschland übergesprungen, wo man scheinbar nur auf einen Anlassfall gewartet hat, Solidaritäts-Aktionen und Proteste reichen bis Berkeley.
Die beste Überblickskarte findet sich hier auf Tom Schaffers ZurPolitik-Site.

Während heimische Hausmeister täglich irgendwelche Kosten zusammenrechnen, die durch diese (unbezahlbare) praktische Übung in politischer Bildung und Partizipations-Demokratie, durch diese Bürger-Initiative, die es geschafft hat, das zentrale Problem der Republik anzugehen, und sich als erste lösungsorientierte politische Bewegung seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, manifestiert, angeblich entstehen, sehen die sonst wesentlich konsistenteren deutschen Studis das als Ansporn, um auch ihre Misere offen auf den Tisch zu legen. Was dort auch deutlich offener zur Kenntnis genommen wird - weil Bildungspolitik in Deutschland nicht mit dem Makel des "G'scheiterlns" versehen ist, mit der ihr hierzulande eine parteiübergreifende Koalition der dumpfen "Brauchmanet!"-Kräfte jahrzehntelang das Wasser abgegraben haben.

Genau die sind jetzt die letzten Widerständler gegen eine inhaltliche Beschäftigung mit den (mittlerweile von Mittelbau, Profs und Rektoren unterstützten) Protesten; und es werden immer weniger. Zuletzt ist sogar die Kronen-Zeitung umgefallen und fordert jetzt Lösungen von "der Politik".

Boah, die Armen nerven...

Soweit ist man in Deutschland (noch) nicht.
Dort hat sich das Thema des "Sozialneid von oben", der konservative Wunsch nach Abtrennung von der Unterschicht, als zentrale Debatte etabliert - was natürlich auch mit der neuen schwarz-gelben Regierung zu tun hat, deren gedämpfter und als sozial verkleideter Neoliberalismus schlauerweise schon verhandelt wird, ehe er erste Zeichen setzen kann.

Denn dafür ist ein öffentlicher Diskurs gut: dass Wichtiges schon diskutiert wird, bevor es zu unsinnigen Handlungen kommt. Institutionelle Abwesenheit von Diskurs (Musterland: Österreich) hingegen lässt nur die Möglichkeit des Hinterherjammerns nach bereits zerbrochenem Porzellan offen. Das ist dann kein Diskurs, sondern ein Heulsusen-Chor und somit recht sinnleer.

Siehe auch: Stephan Lessenich, Klaus Dörre und Hartmut Rosa "Soziologie – Kapitalismus – Kritik. Eine Debatte." erschienen bei Suhrkamp.

Der interessanteste Denk-Ansatz ist meiner Meinung nach der von Stephan Lessenich, einem Soziologie-Professor aus Jena, der in einem Essay in der aktuelle Ausgabe des Freitag - in seiner Netz-Variante leider inkomplett...- wo er folgendes sagt:

"20 Jahre nach dem Mauerfall erleben wir somit eine neue Bürgerbewegung, die diesmal nicht nach Inklusion strebt - vielmehr nach Exklusivität. Die von ihr angestrebte neue Bürgergesellschaft konstituiert sich als Exklusivraum sozialer Differenz: diese Gesellschaft feiert weibliche Kanzlerinnen und erträgt schwule Außenminister, aber sie duldet nicht die Lebensweisen, Handlungsmuster und Ausdrucksformen der nicht-bürgerlichen 'Unterschichten' - ganz gleich ob deutscher oder nicht-deutscher Staatsbürgerschaft."

Anmerkung: In Österreich gibt es nicht einmal das, was in Deutschland gefeiert und ertragen wird. Frau Glawischnig kann sich mit Kinder-oder-Karriere-Pseudofragen rumschlagen und Schwulsein ist so böse, dass es bis über den Tod hinaus zumindest weggedrückt werden muss.

Aktive Entsolidarisierung

eat the poor - sloterdijk-cover

Lessenich warnt vor der bewusst vorangetriebenen und auch noch mit (von Sloterdijk verwendeten) Signets wie "Freiheit = Gleichheit" geschmückten Komplett-Entsolidarisierung der Gesellschaft, ihrem vollständigen Zerreißen in Ober und Unter. Dass die noch vor Jahresfrist sowohl mit Neoliberalismus als auch mit Neokonservativismus komplett an die Wand Gefahrenen es nunmehr mit entideologisierten Argumenten (noch übler: dem "gesunden Volksempfinden") probieren, verbessert die Lage nicht.

Im angesprochenen Magazin Freitag findet sich im übrigen eine Skizze über den Fortgang der Sloterdijk-Debatte: wer wann so in etwa was, und vor allem: mit welcher Intention, gesagt hat. Eine taktische Analyse auf hohem Niveau also.

So führt man Debatten, meine ich.

Auch der Fußball, wo derlei eher verortet ist, setzt dieser Tage Diskurs-Themen. Andreas Rüttenauer, taz-Sportredakteur schreibt, dass vor allem DFB-Chef Theo Zwanziger so etwas wie gesellschaftspolitische Sendebewusstsein entwickelt habe. Nach dem Kampf gegen den Rechtsextremismus und dem Versuch in der Integrationspolitik ein korrektes Vorbild zu sein, setzt sich Zwanziger jetzt - Anlassfall Enke - für ein Aufbrechen der starren Männlichkeits-Pose, die Themen wie Homosexualität, psychische Belastung, mentale Defekte oder Burn-Out und Depression wegdrängt, ein.
Und wird auch hier massiv Bewusstsein für ein Umdenken schaffen.

Wie weit da der österreichische Zechenkasgeruch-Umkleidekabine-Machoismus im Bereich Fußball hinterherhumpelt, ist gar nicht messbar. Immerhin schafft es (nicht zum ersten Mal) ein mutiger Bursche namens György Garics die richtigen Worte zu einem Anfang zu finden.

Keine Sorge: ich will hier nicht behaupten, dass alles mit allem zu tun hat; jedes der hier angerissenen Themen ist eigenständig zu diskutieren.
Hin und wieder tut aber eine Zusammenführung ganz gut, zumal es ein paar gemeinsame Nenner gibt: Kommunikationslosigkeit, Diskursarmut, Entsolidarisierung.

Und am Schluss noch ein Abstecher...

Und mir zumindest tut auch der Blick über die Grenzen gut. Auch in die Schweiz, selbst in die mittlerweile zum übergeschnappten Zentralorgan des Raubtier-Kapitalismus gewordene Weltwoche. Dort schreibt der Chef, der mir nur noch mit den weit aufgerissenen Augen des Verschwörungstheoretikers vorstellbare Roger Köppel im Editorial über seine Heimat, das Nichteinwanderungsland: "Wer nach Amerika auswandert, will sich neu erfinden und Amerikaner werden. Wer in die Schweiz kommt, sucht ein intaktes Umfeld und bessere Löhne." Ein Kleinstaat, meint Köppel, könne nur wie eine Elite-Uni funktionieren: sich um Leute bemühen, die Mehrwert versprächen. Das wäre weder hartherzig noch arrogant, sondern der einzige Weg Wohlstand zu bewahren.

Nun ist die Schweiz mit ihrem Programm der inneren Abschottung (es ist dort wie sonst wohl nirgendwo unmöglich sich zu integrieren, weil das aktiv abgelehnt wird) und der bewussten Zweiteilung der Gesellschaft (Schweizer und hochqualifizierte Fachleute, die sie bedienen) kein Vorbild für irgendjemanden sonst.

... und eine Hoffnung.

Weil mir aber klar ist, dass die, die Sarrazins Kopftuchmädchen-Spruch und Sloterdijks "Man wird doch wohl noch..."-Assistenz zustimmen, auch die Köppel-Definition richtig und lässig finden:
Genau dieser präzis gesetzte Unterschied zwischen den USA (die er mit "Amerika" meint) und der Schweiz ist letztlich ein Plädoyer für Arigona Zogaj & Familie. Die wollen Österreicher werden und sich neu erfinden, wie die Jukics.

Und weil Österreich (und nicht wie die Schweiz und auch nicht wie das Konstrukt, das die neue deutsche rechtsliberale Machtelite im Kopf hat) ein Einwanderungsland ist, das egalitäre Behandlung verspricht, ist ein Weg jenseits der bei den sprachlichen Nachbarn aufpoppenden Verengung der Gesellschaft möglich.

Bei uns gibt es zwar keine Diskussionskultur (weshalb die StudentInnen dann tun mussten, was sie taten), aber Hoffnung durch Handeln.

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  • wunderteam | vor 818 Tagen, 22 Stunden, 19 Minuten

    Boah, die Armen nerven...

    Der Diskurs zu diesem Thema wird in Deutschland schon recht lange geführt - zumindest im politischen Kabarett. Siehe Wilfried Schmickler über über neoliberale (Sozial-)Rassisten:

    http://www.youtube.com/watch?v=lip7T352jC4

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  • mannextdoor | vor 820 Tagen, 7 Stunden, 11 Minuten

    blumenau trägt mit seinem agressiven wer sich nicht ordentlich artikulieren kann, der solls sein lassen, bzw wer nicht meiner meinung ist muss mich rhetorisch schlagen können um nicht ganz blöd dazustehen
    diskussionsstil genauso zu einer in "gebildetet" und "nicht gebildetet" trennung der gesellschaft bei.

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    • blumenau | vor 820 Tagen, 6 Stunden, 25 Minuten

      genau!
      schuld ist immer der der öffentlich anstößt und kritik übt!
      der der sich nicht auseinandersetzen will hingegen ist schuldlos, an allem, immer schon!

    • truhe | vor 819 Tagen, 14 Stunden, 33 Minuten

      Wer eine gewisse minimale Gesprächskultur verlangt ist kein gesellschaftlicher Spalter.
      Sowas kann und wird schlicht nur dazu führen das Niveau von öffentlichen Debatten zu senken, was im österreichischen Fall eine weitere Verschärfung der Unerträglichkeit darstellt. Wenn man keine Ahnung hat, soll man die Klappe halten, sich entsprechend informieren und dann das Maul aufreißen. Niemand verbietet hier jemandem den Mund, nur die durch Politik und Boulevard bereits auf das allerletzte und unterste Niveau gezogene Herumkrakehle in der es inzwischen bereits beinahe ausschließlich um irrelevant Schwachsinn geht ist, wie man täglich sieht, nicht in der Lage in irgend einer Form konstruktiv, lösungsorientiert oder zumindest einigermaßen wahr zu sein und ist somit absolut inakzeptabel, das hat mit Bildungssnobismus überhaupt nichts zu tun. Wie weit nach unten wollen wir uns denn noch orientieren? Beginnen wir dann uns gegenseitig öffentlich die Fresse einzuschlagen damit auch der letzte Primitivling sein Recht auf Meinungsäußerung wahrnehmen kann?

    • mannextdoor | vor 819 Tagen, 14 Stunden, 17 Minuten

      Mir gehts hier nicht gegen Diskussionskultur, sondern darum wie man mit jemandem umgeht, dem man eine solche abspricht. Bzw. ob man eine fehlende rhetorische Gewantheit bei Meinungsverwanten eher akzeptiert als bei Meinungsfremden.

    • truhe | vor 819 Tagen, 12 Stunden, 26 Minuten

      Naja, das liegt in der Natur der Sache. Wenn jemand anderer Meinung ist wie ich und diese Meinung weder rhetorisch noch faktisch in irgendeiner Form transportieren kann, dann ist meine Aktzeptanz seiner Meinung gegenüber natürlich geringer sein. Das heißt nicht zwangsläufig dass ich ihn für blöd halte, allerdings kann ich ohne arrogant zu sein verlangen dass er sich über das über das er spricht sich mindestens soweit informiert dass er seine Meinung einigermaßen darlegen kann. Dann werd ich auch nicht in die rhetorische Trickkiste greifen um ihn damit auszuhebeln. Ich werde aber sicher nicht argumentative und rhetorische Unfähigkeit als Grundlage einer von mir zu akzeptierenden Meinung anerkennen. Wenn jemand konstruktiv und lösungsorientiert mit jemandem diskutieren will dann darf das Gegenüber erwarten dass die hermeneutische Latte so hoch liegt dass man nicht bei Adam und Eva beginnen muß.
      Neimanden wird verweigert sich zu informieren und ein einigermaßen passables Deutsch anzueignen - wenn ich nicht Schifahren kann, dann fahr ich auch nicht auf die schwarze Piste, oder rechne zumindest damit dass es mich ein paarmal ordentlich stecken wird und mich dann über meine eigene Unfähigkeit ärgern, aber ich kann wohl kaum verlangen dass...

    • futbol | vor 819 Tagen, 11 Stunden, 14 Minuten

      Der Punkt ist doch ein anderer.

      Man sollte versuchen auf den Inhalt eines Postings einzugehen und nicht darauf abstellen wie rhetorisch gut es vorgetragen wurde. Blumenau will doch gar nicht auf schlecht vorgegragene Argumente eingehen, sonder versucht den Poster möglichst blöd ausschauen zu lassen. Selbst wenn er genau weiß, was der Andere eigentlich sagen will. Es ist halt leichter seinen Gegenüber mit Geringschätzigkeit zu begegnen als sich mit seinen Argumenten (die einem nicht gefallen) zu beschäftigen.

      Da wird Form über Inhalt gestellt. Bevor man seine eigenen Standpunkte hinterfragt wird der Widerpart als Trottel hingestellt. Ein sinnvoller, argumentativer, beidseitig befruchtender Dialog mit Personen wie Blumenau ist schwerlich möglich.

    • mannextdoor | vor 819 Tagen, 8 Stunden, 14 Minuten

      seh ich genauso
      ich würd gerne blumenau dazu hören. und wie groß er seinen beitrag zur zusammenführung von "ober" und "unter"schicht selber einschätzt würde ich in diesem kontext auch nochmal gerne wissen

  • pixacao | vor 820 Tagen, 10 Stunden, 41 Minuten

    hat blumenau eigentlich seine politischen koordinaten etwas nachjustiert?
    sloterdijk-kritik (wenn auch nur zarte) überrascht in diesem blog ja doch ein bisschen ...
    danke jedenfalls für das aufmerksammachen auf den lessenich-artikel!

    Auf dieses Posting antworten
    • blumenau | vor 820 Tagen, 8 Stunden,

      das hat mehr mit deiner leseschwäche zu tun. hier ist die kritik bereits fett und deutlich: http://fm4.orf.at/stories/1630277/

    • pixacao | vor 818 Tagen, 6 Stunden, 55 Minuten

      na ja, is was anderes, aber stimmt, da war schon mal was mit sloterdijk ; )
      und jetzt bitte ZIZEK!!!!!!

    • pixacao | vor 818 Tagen, 6 Stunden, 53 Minuten

      *fett* hat er micht genommen weil ich diese zeichen benutzt hab :

  • markenheini | vor 820 Tagen, 19 Stunden, 53 Minuten

    nach diesem Interview spielt der Garics gegen Spanien nicht. Außer der Dico kriegt wieder einmal gar nix mit, was auch möglich ist.

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  • pixacao | vor 821 Tagen, 5 Stunden, 1 Minute

    ich plädiere auch dafür, ein paar migranten aufzunehmen, die sich bei uns 'neu erfinden' wollen ...
    wär eine schöne symbolische geste, tät außerdem niemandem wirklich weh...
    man soll auch gerne akademisch dikutieren, ob sich österreich nun endlich offiziell als einwanderungsland deklarieren soll oder nicht.

    aber: irgendwann einmal wird sich die symptompolitik erschöpfen und man wird das politische augenmerk auf die ursachen der migration richten müssen: extreme globale ungleichverteilung des reichtums und (zumeist ökonomisch motivierte) bewaffnete konflikte ... wenn man dagegen nicht bald r a d i k a l e maßnahmen ergreift - und weiterhin ganze erdteile ausbeutet oder sinnlose kriege führt (afghanistan! viell. bald pakistan!) - werden WIR, die reichen länder, mit dem mauerbauen gar nicht mehr nachkommen, so gestürmt werden unsere festungen werden ...
    es geht nicht darum, ausländer nach österreich zu lassen, damit auch in zukunft unsere pensionen gesichert sind oder damit auch in zukunft noch jemand die 'dreckarbeit' erledigt - das sind hilflos-beschränkte argumentationsansätze ...
    nur eine radikale globale umverteilung der güter kann die gewalt aus dem system bringen und das migrationsproblem dauerhaft lösen ...

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    • pixacao | vor 821 Tagen, 4 Stunden, 59 Minuten

      und ich plädiere gegen scheindiskussionen

    • rautavaara | vor 820 Tagen, 19 Stunden, 44 Minuten

      Wie stellst du dir so eine radikale globale Umverteilung der Güter vor? Was sollte da in den nächsten 10 Jahren geschehen? Wie soll das in Österreich umgesetzt werden? Hast du irgendwelche realistisch umsetzbare Pläne?

      Im übrigen scheint mir der Kampf gegen die Taliban in keiner weise sinnlos. Mit pazifistischen Lösungsansätzen alleine scheint da kein Erfolg absehbar.

    • pixacao | vor 820 Tagen, 13 Stunden, 20 Minuten

      einer solidarischen weltwirtschaftsordnung kann man etwa durch folgende politische maßnahmen näher kommen:
      - radikale entschuldung der ärmsten länder
      - radikale kontrolle der finanzmärkte und einführung hoher spekulationssteuern
      - fairer handel statt ungehemmter freihandel
      - radikale beschränkung des handlungsspielraums multinationaler konzerne
      - drastische erhöhung der budgetausgaben für entwicklungshilfe (in ö betragen diese derzeit nicht mal 0,5 % des BIP (obwohl sogar die auslandseinsätze des bundesheeres hineingerechnet werden))
      - ...
      (buchtipp: Chr. Felber: kooperation statt konkurrenz)

      nichts davon passiert wie gesagt derzeit: die reichen lassen die armen weiter in den sweatshops und auf den plantagen zu hungerlöhnen für sie schuften, die lokale wirtschaft der armen länder wird weiter zwangsweise der weltwirtschaft angeschlossen, nahrungsmittelüberschüsse der reichen länder (hühnchenteile, konserventomaten etc.) landen auf lokalen märkten in entwicklungsländern und zerstören so selbige; amerikanische saatgutmonopolisten schließen mit bauern knebelverträge; elektroschrott, giftmüll etc. wird in afrikanischen dörfern endgelagert ...

      afghanistan:
      der kampf gegen die taliban ist aussichtslos ...
      man kann demokratie nicht herbeibomben. die afghanen wollen nach jahrzehntelanger besatzung durch ausländische mächte (briten, sowjets, usa) endlich frei sein und selbst über ihr land bestimmen ...
      die taliban haben sich mittlerweile mit den verschiedensten stammesführern/warlords verbündet und sind wieder so stark, dass sie zb sogar wieder in der lage...

    • pixacao | vor 820 Tagen, 13 Stunden, 19 Minuten

      ... sind, kabul zu terrorisieren ...
      die amerikaner (korrekt: isaf-truppen) werden von der bevölkerung mittlerweile gleich gefürchtet wie die 'taliban'. die bevölkerung befindet sich derzeit zwischen zwei fronten.
      (quelle und buchtipp: Malalai Joya: ich erhebe meine stimme)

    • futbol | vor 820 Tagen, 11 Stunden, 33 Minuten

      ich hoffe dir ist bewusst, dass die Schwellenländer für noch mehr Freihandel und gegen Protektionismus und gegen Subventionen sind um der Armut zu entrinnen. Dass du jetzt genau das Gegenteil forderst um dort die Armut auszulöschen ist absurd.

      Milliarden von Menschen haben in den letzten 20 Jahren durch die Globalisierung den Weg aus der (absoluten) Armut gefunden.

    • futbol | vor 820 Tagen, 11 Stunden, 28 Minuten

      Wenn du wirklich die Armut auf der Welt bekämpfen willst, solltest du z.B. dagen protestieren, dass jede Kuh in Europa mit einem Euro am Tag subventioniert wird, während Milliarden von Menschen weniger zum Leben haben.

      Zum nachdenken:
      M. Yunus, der Mikrokredit-Erfinder aus Bangladesch hat gesagt, dass er einem Bettler nie Geld spenden würde. Dies würde seine Abhängigkeit erhöhen und in der Armut festhalten. Du musst ihm Möglichkeiten geben dass er sich selbst aus der Armut befreien kann. Mit Subventionen und Protektionismus hat er es erheblich schwerer.

      Aktive Armutsbekämpfung ist weitaus effektiver als passive Armutsbekämpfung. Deswegen sollte man (außer in Katastrophenfällen) auch nie Essen oder Gewand etc. nach Afrika schicken. Sondern in sinnvolle Investitionen investieren, z.B. Bildung, Infrastruktur, Zugang zu freien Märkten usw.

    • pixacao | vor 820 Tagen, 10 Stunden, 55 Minuten

      @futbol
      "Milliarden von Menschen haben in den letzten 20 Jahren durch die Globalisierung den Weg aus der (absoluten) Armut gefunden."

      echt? wo leben die?

      hab ich irgendwo gefordert, 'essen oder gewand nach afrika zu schicken'?
      ich spreche mich nur für eine solidarische weltwirtschaftsordnung aus. belege für die auswüchse der bestehenden ausbeuterischen weltwirtschaftordnung hab ich ja zur genüge angeführt ... ob jemand einem bettler geld gibt oder nicht, ist doch seine sache ... es sollte halt niemand betteln müssen ...
      und unsere kühe können sicher nichts dafür, dass in afrika menschen hungern... die subventionierung der landwirte bewirkt wohl in erster linie, dass viele bauern überleben können und die milch im supermarkt billiger ist als ohne stützungen ...

    • heimatstolz | vor 820 Tagen, 9 Stunden, 52 Minuten

      ich trommel wieder ein bisserl für die dritte welt.

    • futbol | vor 820 Tagen, 9 Stunden, 20 Minuten

      "Milliarden von Menschen haben in den letzten 20 Jahren durch die Globalisierung den Weg aus der (absoluten) Armut gefunden."

      echt? wo leben die?
      -> kleiner Tipp: China, Indien

      Das Bettler-Beispiel war symbolisch gemeint... Die Entwicklungshilfe sollte aktiv und nicht passiv betrieben werden. Hilfe zur Selbsthilfe sollte das Motto sein. Geld oder Nahrung zu schicken bringt keine nachhaltige Änderung.

      Doch, unsere kühe können etwas dafür. Wie du selbst angemerkt hast: In AFrika wird europäische Milch (und Lebensmittel) zu subventionierten Dumping-Preisen verkauft. So wird der einheimische Markt zerstört. GEschweige denn, dass sie nach Europa exportieren könnten.

      Und ohne Subventionierung würde die Milch noch billiger sein. In Österreich kostet z.B. ein Liter Milch ein Vielfaches von dem was es in Neuseeland kostet. Aber bei uns müssen ja künstlich Strukturen erhalten werden, wo ein BAuer 2 Kühe, 1 Schwein und 3 Hennen hat.

  • rafael | vor 821 Tagen, 5 Stunden, 6 Minuten

    bzgl. "flächenbrand wie in der heimat entfachen"

    ich wurde gestern auch öfters gefragt, ob ich sozusagen aus österreich geschickt wurde, den protest zu exportieren, oder wirklich hier (osnabrück) studieren würde ;)

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  • rriotrradio | vor 821 Tagen, 8 Stunden, 27 Minuten

    einen protest zu "globalisieren"...

    ...ist mit den instrumenten von heute keine wirklich grosse sache...weiss ich aus eigener erfahrung.

    am ende des tages zählen die ergebnisse. mal sehen...

    Auf dieses Posting antworten
    • rriotrradio | vor 821 Tagen, 8 Stunden, 26 Minuten

      ps:

      ich plädiere für einen bildungs-soli...einkommensabhängig und kontrollierbar zweckgebunden.