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Musik, Film, Heiteres

David Pfister

David Pfister

Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

24. 11. 2009 - 06:00

Slow Attack

Brett Anderson, der ehemalige Sänger von Suede bereitet mit seinem neuen Album auf den Winter vor.

In den Neunzigern verkörperte Brett Anderson mit seiner Londoner Band Suede die dunkle Seite des Britpop. Hedonismus, Exzess und hoffnungslose Suche nach Geborgenheit und Liebe. Suede erlebten 10 Jahre einen atemlosen Strudel aus Hitparadenerfolgen, Bandumbesetzungen, Drogenexzessen und Depressionen. Suede waren ein Spiegel ihrer eskapistischen Zeit.

2003 löste sich die Band erschöpft auf. Seitdem arbeitet Sänger Brett Anderson weiter an seinen Soundtracks zwischen Romantik und brutaler Tagesbetrachtung.

Brett Anderson

Erst letztes Jahr hat Brett Anderson ohne viel Aufregung, fast schon geheim, sein zweites Soloalbum Wilderness veröffentlicht. Eine stille melancholische Winterplatte. Brett Anderson wechselte mit „Wilderness“ vom Majorlabelkönigreich auf kleine Indielabels und machte den Umstand eigentlich gar kein Budget für eine Platte zu haben, zu einem Vorteil. Nur mit drei, vier Instrumenten – Gitarre, Piano, Chello – führte er auf "Wilderness" eine akustische Reise durch sein London auf. Brett Anderson feierte das Wechselspiel aus Melancholie und brutaler Obszönität, die seine Heimatstadt unvergleichlich macht. Ein Fetisch, den Anderson schon seit der ersten Suede-Platte enthusiastisch pflegt.

Asphalt Worlds

Jetzt ein Jahr später führt Brett Anderson mit seiner neuen Platte Slow Attack konsequent die Reise durch die schönen und schauerlichen Abgründe von London weiter. Obwohl London nur immer der Austragungsort für Anderson’s Geschichten ist.

Wie auf allen Suede-Alben und Anderson’s Soloarbeiten begegnen uns wieder dämonisch-verführerische Frauen, die Leben saugen und gleichzeitig ihre Opfer nähren. Brett Anderson nähert sich sogar seinen frühen Suede-Werken so eng an wie noch nie zuvor. Nur hat er jetzt endgültig Position und Perspektive gewechselt. Es spricht jetzt nicht mehr der von seinen verzweifelten Sehnsüchten getriebene junge Mann, sondern Brett Anderson inszeniert sich jetzt als Beobachter von hoffnungslos Suchenden. Das ist alles sehr raffiniert durchdacht und macht besonders, wenn man das ganze Anderson-Werk im Auge hat, Sinn.

Brett Anderson

Auch musikalisch knüpft Anderson mit seinen neuen Liedern an das frühe Suede-Liedgut an. Allerdings klammert er die Glamrockgesten weitgehend aus und setzt auf viel akustisches Gerät, auf Harfen, Flöten, Tambourine. Eine im Rahmen gehaltene barocke Opulenz.

Brett Anderson’s größte Songwriterstärke allerdings, und wohl gleichzeitig auch Obsession, war immer das Drama und die große Geste des Alltags. Anderson erhöht und romantisiert vermeintliche Banalitäten oder alltägliche Katastrophen und ist damit ein großartiger Volkserzähler.

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  • yunichi | vor 810 Tagen, 14 Stunden, 47 Minuten

    ist ja eh alles gut und schön.
    blöd ist nur, dass bei jedem BA-solokonzert die menge in wirklichkeit nur darauf wartet, dass er ein suede-stück anspielt.

    soll er doch wenigstens den butler mal wieder anrufen um The Tears zu reaktivieren. die haben als suede-substitut wesentlich besser funktioniert.

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  • holzfällen | vor 811 Tagen, 16 Stunden, 54 Minuten

    amnesie

    mein weihnachtswunsch: "suede" und "dog man star" noch nicht zu kennen und zum ersten mal zu hören. nach geschätzen 1000 durchläufen weiß ich natürlich immer noch, dass diese beiden alben weltklasse sind, allein, ich spüre es nicht mehr, da sie sich bereits zu sehr abgenützt haben...

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