Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Heroes of the zeroes: Keine Einigung in Sicht"

Musik, Film, Heiteres

Susi Ondrušová

Scheinlicht im Nebelwerfer. Reis(s)ende Rückblicke auf bleibende Bühnen.

30. 12. 2009 - 13:12

Heroes of the zeroes: Keine Einigung in Sicht

Ist das Album jetzt tot oder nicht?

Ein paar Details/Making-Of-Randnotizen der FM4 Heroes of the Zeroes Umfrage

Martin Blumenau hat als einziger eine Z-Band in seine Liste eingebettet: Zwan. Mit nur vier Wirkungsjahren wären die von Albert Farkas in diese Liste eingeforderten Long Blondes die kurzlebigste Band in der Top100-Alben Auswertung gewesen. Philipp L'Heritiers Nummer 1 der Dekade hat es tragischerweise nicht in die Top100 geschafft: Joanna Newsom mit "The Milk-Eyed Mender". Selbiges passierte auch Marcus "Makossa" Wagner mit Lindstrom&Prins Thomas. Manche Mitarbeiter schickten - ob der Angst vor dem Auswahlverfahren - gleich mehr als die angeforderten 10 Albumtitel. Nina Hofer beriet sich mit Christian Holzmann nur zwei E-Mails lang, welches Tool-Album denn aufs Stockerl gehievt werden sollte.

Ein Vergleich mit dem Ende 1999 im selben Verfahren (dafür nur Plätze 1-40) lukrierten 90er Jahrescharts ergibt (nur/doch) vier Artist-Überschneidungen: Portishead, Radiohead, Daft Punk und Tocotronic haben uns schon in den 90ern intensiv beschäftigt (und das bei diesem 90er-Ranking: 9/10/20/29). Mit dem Argument "der Rolling Stone hatte 'London Calling' von The Clash auch in den 1980-Jahrescharts berücksichtigt, weil in USA 1980 erschienen" schafften es die "69 Love Songs" von Magnetic Fields auch noch in unsere die Liste (USA-VÖ 1999/Europa-VÖ 2000).

Manche KollegInnen hatten wegen dieser Umfrage-Herausforderung schlaflose Nächte, manche KollegInnen interessieren sich nicht für – das Album.

Der Mensch soll ein Gewohnheitstier sein, wenn daraus die Tatsache der langsamen Anpassung entspringt aber auch das Talent für Timing ans Tageslicht kommt, darf es also nicht verwundern, dass nun pünktlich zum Ende der Zero-Years das Album-Format vielerorts "endgültig" zu Grabe getragen wird. Insofern hätte es mich nicht überraschen dürfen, als Kollege Einöder auf meine Sammelbitte nach zehn favorisierten Alben aus den Jahren 2000-2009 folgendes Mail zurückschickte:

Re: die rückblickskeule aka der lottogewinn des jahrzehnts

"wir machen die top100 alben? im jahr 2009? entweder da steckt ein lustiges, ironisches oder intelligentes konzept dahinter, das ich nicht verstehe oder das ist ein bissi weltfremd!

ich hab nachgerechnet: die letzte cd, die ich mir gekauft hab, war zirka märz 2008, vor mehr als eineinhalb jahren auf einem flohmarkt eine alte beastie boys. für mich wär ein tracks-basiertes rückblicksteil irgendwie passender. wir spielen ja auch keine alben im radio, von der obskuren lagune einmal abgesehen. dort gehört so ein album-zeug auch hin - in den sumpf, zu den sammlern, liebhabern und nerds.
ich hab nicht einmal einen cd-player! sollt ich doch irgendwo einmal eine cd finden, die es im netz nicht zum download gibt, muss ich sie erst in den computer konvertieren und von dort evtl auf mein handy spielen.
gut, ein album ist auch mehr als nur was physisches, bei vielen künstlern eine fast philosophische sache. wie passt lied eins auf lied zwei? welches thema zieht sich quer durch alle songs und titel? mache ich ein konzeptalbum? aber diese herangehensweise ist vermutlich sowohl bei künstlern als auch bei uns konsumenten eher ein minderheitenprogramm. der kunst-zugang halt. wie bei noise- oder freestyle-alben, wo eh nicht ganz klar ist, wo ein lied anfängt und das andere aufhört!"

Du spinnst!

Ich war kurz erschüttert. Das ist also die Haltung der KonsumentInnen von der alle reden? Hier die oldschool-Nerds, dort die "neuen Flexiblen", die abgesehen vom lästigen Tonträger nicht einmal mehr ein leicht kompatibles Abspielgerät besitzen?

Im Profil fasst Robert Rotifer unter dem Titel "Die Untergeher" zusammen, dass die "größte Pop-Revolution des einsetzenden 21. Jahrhunderts freilich keine musikalische, sondern eine technologisch-ökonomische" war.

ondrusova

Darf ich vorstellen: The Kinks: The Definitive Collection. Mein erstes selbst gekauftes Album.

ondrusova

Darf ich vorstellen: Grant Hart: Hot Wax. Mein letztes selbst gekauftes Album.

Bestand doch die große Herausforderung der letzten zehn Jahre darin, überhaupt mit diesem World Wide Web klarzukommen und erstmals auf sich als Band aufmerksam zu machen. Weil nicht mehr nur eine Öffentlichkeit bedient wird, sondern weil jede Öffentlichkeit nun auch ihre eigenen speziellen Konsum- und (wichtig, um dem Album näher zu kommen) Informationsregeln hat. Dann kommt da noch der persönliche Grad der Übersättigung dazu. Salat fertig. Mahlzeit.

ondrusova

Und hier mein letzter Vinylkauf. Modest Mouse: No One´s First And You´re Next

Simon Reynolds rechnet sich im Musikblog des Guardian aus, dass die Mehrzahl der Top 20 Alben der Pitchfork-Dekadencharts aus den ersten fünf 00er Jahren stammt und erreicht damit zwei Denkpfade: Der eine Pfad endet in der Conclusio: "Früher hats qualitativ hochwertige(re) Musik gegeben", der andere will meinen "Früher hats weniger gegeben!"

Dass Genre-Grenzen ineinander verschwimmen und so aus früher (früher!) überschaubaren Genres, Subgenres entstehen die sich vermischen, so dass man gar nicht mehr weiß, was Henne und was Ei ist, ist nichts Neues. Dass Lieblingsbands nicht mehr "nur" ein "Post" angehängt bekommen, sondern gleich ein Lexikon an Genrezusammenfassungen auf Wikipedia spazieren führen, ist diese Entwicklung etwa etwas, das mich hindert oder mir hilft ein Album zu hören und als solches zu begreifen? Wenn Album eben nicht EIN Track ist, sondern ein zusammenhängendes Ganzes repräsentiert, das nicht einmal ein intellektuelles Konzept braucht, sondern einfach nur: einen Anfang und ein Ende!

ondrusova

Hier der Vollständigkeithalber der letzte Nacht getätigte Track-Download: Bitches: Can Not Love

In der aktuellen Jänner-Ausgabe kündigt die Spex an, die "klassische Rezension" mit einem "Pop-Briefing" zu ersetzen, einer Art schriftlichem musikalischen Quartett. Mit der "Singles Club"-Reihe im Rahmen des Music Weekly-Podcast vom Guardian werden clever beide Lager bedient: Solche, die die Single als Einzeltäter begreifen (wollen) und solche, die durch eine Single auf ein größeres Etwas aufmerksam werden (wollen).

Das ganze "Wollen" nutzt aktuell unterm Strich zu wenig, weil sich ja alle KünstlerInnen von ihrer Kunst ernähren möchten. Wer sich als MusikerIn ökonomisch glücklich schätzen kann, landet nicht einen Plattenvertrag sondern unterschreibt einen Werbelizenzvertrag. Dazu kann man stehen wie man will, aber "nur" deswegen gehe ich als Band doch nicht ins Studio – nur weil sich mit Werbelizenzen für einen einzelnen Song mehr Kohle verdienen lässt als mit dem Albumverkauf. Geh ich deswegen weniger proben?

Vielleicht sollte mit der aktuellen Rückblickskeule ja nicht das Albumformat zu Grabe getragen werden, sondern einfach nur Wertungen und Listen (oder auch: Sternchen und Pünktchen). Die Village Voice setzte bei ihrem Dekaden-Rückblick gleich auf die Kategorie "Genre Hype".

Während sich die Village Voice-Zusammenfassung natürlich herrlich unterhaltsam liest, frage ich mich, ob wir - die KonsumentInnen – nicht eigentlich damit leben lernen sollten, dass Popularitäts-Vergleiche mit einer unendlichen Öffentlichkeit keinen Sinn ergeben, weil: ich bin mein eigener Lester Bangs und halte mich wahlweise an Schwanzanfang oder am dicken endloseren Teil des Long Tails auf.

Aber deswegen werde ich doch nicht dass das Zeitdokument eines musikalischen Status-Quo auseinanderreißen und zersplittert zu Grabe tragen? Klar seh ich, dass das Album an Stellenwert verloren hat, weil in der digitalen Welt das Kostenlos-Denken wegen ungeklärter Tantiemenfragen und Urheberrechtsituationen überhand genommen hat, aber deswegen verliere ich doch nicht mein Interesse an den Über-Geschichten sowie an den Fußnoten dieses - von mir aus nun aktuell "nerdigem" Dingsda - dem Album.

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Forum

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  • marcellus | vor 1753 Tagen, 21 Stunden, 48 Minuten

    fehlende Qualitätsdebatte

    ob Album oder Einzelstück ist für mich mittlerweile recht egal kommt doch meist sehr auf die Band an. Viel schlimmer ist für mich die meist fehlende Qualität, beginnend mit furchtbaren Aufnahmen, "Loudness War", etc... und dem Geplärre aus Handyboxen oder furchtbaren Miniboxen. Lieber hör ich keine Musik als in mieser Qualität.
    Für Musik bezahlen ist okay, aber man sollte dem Kunden auch die Chance geben Qualität kaufen zu können. Momentan ist es mehr wie friss oder stirb, die Chance dazu hat man nicht wirklich.
    Denkanstoss z.B. hier:
    www.dynamicrange.de/de

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    • antihdready | vor 1723 Tagen, 14 Stunden, 7 Minuten

      re fehlende Qualitätsdebatte

      Ich bin auch der Meinung.

      Einzige ausweg ist an die konsumet.at beschweren, die sollen auch CD Datenbank erstellen welche dynamisch sind oder nicht!

  • noneedforanickname | vor 1754 Tagen, 56 Minuten

    läßt du deine platten immer versiegelt?
    wünsche einen guten rutsch

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    • ondrusova | vor 1754 Tagen, 8 Minuten

      im gegenteil meine bessere hälfte wundert sich warum ich das plastik immer ganz runterreiss, diesmal hab ichs aufgschlitzt diese modest mouse! ebenso guten rutsch*

  • einoeder | vor 1754 Tagen, 14 Stunden, 9 Minuten

    na schau: jetzt hab ich (fast) den ganzen tag radio gehört, und endlich auch ein album des jahrzehnts gefunden.

    es heißt: heroes of the zeros.

    das war eine sehr schöne sendung mit super radiohits (die ich ja so gern hab) und sperrigem zeug, was aber (weil sperrig) in keine top100-singlesliste hineingewählt worden wär. weil setze 15 "kid-a-ist-so-super"-musikvollsuperauskenner in einen raum, und sie präsentieren dir 25 lieblingslieder. allein von der kid a.

    der albumrückblick hatte mehr seele als jeder superhitcountdown superhits haben kann.

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    • helbast | vor 1754 Tagen, 13 Stunden, 36 Minuten

      aus dir wird noch was Einöder. Alles Gute für 2010.

      Dein morb.

    • blumenau | vor 1754 Tagen, 12 Stunden, 23 Minuten

      aus dem braucht nix werden. der ist bereits grandios.

    • selbalist | vor 1754 Tagen, 12 Stunden, 1 Minute

      Vielleicht fällts sein außerordentliches Talent auch nur deshalb so auf, weil Andere bei FM4 halt eher so, naja, wie du sind Blumenau.

  • yaketiyak | vor 1754 Tagen, 15 Stunden, 48 Minuten

    Double Gatefold 180g Vinyl 3 Discs Album Memories

    Der Punkt ist: Radio war NIE ein Medium für die Vermittlung/Bewerbung/Präsentation ganzer Alben (die ursprünglich nur Song-Kollektionen waren; erst in den sechziger Jahren entwickelte sich das "Konzept"album, die DoLP, das Dreifach-Album etc. usw.)). Radio war immer das Trägermedium für Singles, Einzelsongs und Hits (sieht man von Ausnahmeflächen wie der "Kompletten LP" der MusicBox z.B. ab, aber das ist Geschichte; selbst das "FM4-"Album der Woche" wird nur noch schlaglichtartig beleuchtet). Und gerade das "Cherrypicking" der Nullerjahre - sei es als bewusst gesetzter Reduktionismus oder genährt von Geiz, Schmalhanselei, Überdruss oder Bequemlichkeit - markiert auch die Scheidelinie zwischen Hype und Kunst, zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen Pop-Unbeständigkeit und Werk-Charakter. Wobei sich im Idealfall ALLES in 3:30 Minuten verdichten, transportieren, sagen lässt.

    Insofern wären natürlich Single-/Song-/Track-Charts nicht nur die zeitgemässere, sondern auch die medienadäquatere Form. Und die offensivere, zugespitztere, unmittelbar "nachprüfbarere" dazu.

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    • martinpieper | vor 1754 Tagen, 14 Stunden, 39 Minuten

      Ob das Album, nennen wir es doch auch mal "liederzyklus", den hat es vor der erfindung der langspielplatte nämlich auch schon gegeben, weniger zeitgemäß als der track ist? kommt auf das genre an, denk ich. und das ist auch kein besonderes phänomen der nuller jahre. das war bei soul in den 60er jahren auch schon so (ausnahmen bestätigen die regel). die großspurige ansage "album des jahrhunderts" hat mir in ihrem leichten wahnsinn besser gefallen, als die subjektive (von mir aus "zugespitzere") feinspitz/song/track-auswahl, von einzelmenschen ist ja auch toll, ist aber für "statistisches zusammenzählen" weniger geeignet.

    • ondrusova | vor 1754 Tagen, 14 Stunden, 26 Minuten

      was soll "unmittelbar nachprüfbarere" heissen odr bringen?

    • yaketiyak | vor 1754 Tagen, 1 Stunde, 56 Minuten

      "Unmittelbar nachprüfbarer" heisst schlichtweg, daß ein 3:30-Track, wenn er im Radio abgespielt wird, umgehend zu rezipieren und subjektiv zu bewerten ist. Das funktioniert bei einem Album, das gerade mal mit einem Track vorgestellt wird, naturgemäß nicht. Schon gar nicht, wenn es als "Werk" und nicht als Songkollektion konzipiert ist.

    • ondrusova | vor 1754 Tagen, 1 Stunde, 20 Minuten

      ich bin vom internet erschlagen, ich tu mir echt schwer darauf zu reagieren, weil ich zwar weiss was du meinst, aber das fangt ja schon bei deiner obigen definition (Medium für die Vermittlung/Bewerbung/Präsentation ganzer Alben) an, die ich so auch nicht ganz teilen kann und bei dem werk vs. songkollektion. das zu beantworten geht leider nicht mit postings. vielleicht werde ich mein begehr an einer anderen stelle besser erklären können.

  • blumenau | vor 1754 Tagen, 19 Stunden, 28 Minuten

    nun, die hype-sache hat nicht die village voice, sondern der grandiose einzelkämpfer und denker christopher r. weingarten gesetzt, hier ist seine (die beste) rede des jahres nachzuhören http://fm4.orf.at/stories/1605726/

    und natürlich ist das album, wie artur richtig anmerkt und es reynolds auch gut begründet, seit jahren nur noch ein tool für den kommerziellen zirkel (medienaufsehen - radioairplay - tour) und hat für den konsumenten zunehmend keine bedeutung. siehe auch http://fm4.orf.at/stories/1604272/

    Auf dieses Posting antworten
    • northernline | vor 1754 Tagen, 17 Stunden, 26 Minuten

      nur noch ein tool für den kommerziellen zirkel

      Da stimme ich zu.

  • kosk | vor 1754 Tagen, 20 Stunden, 26 Minuten

    die Top 100 Tracks wären in der Tat wesentlich interessanter bzw. unterhaltsamer gewesen. Alben interessieren nur FM4-Redakteure und sonstige Klugscheißer und bemühte Distinktionsbedachte.

    Auf dieses Posting antworten
    • pamphletear | vor 1754 Tagen, 15 Stunden, 33 Minuten

      so ein schmarrn. nur weil sich viele leute nicht mehr die zeit für alben nehmen wollen, sind nicht alle anderen automatisch entweder fm4-redakteure, klugscheißer oder distinktionsbedachte. schon mal was von der liebe zur musik gehört? mir tun alle leid, die sich nicht auf komplette alben einlassen wollen, oder nein: sie tun mir nicht leid. selber schuld, wer sich diesen hörerfahrungen freiwillig verschließt.

    • helbast | vor 1754 Tagen, 13 Stunden, 35 Minuten

      du bist so sophisticated! Sooo.

  • northernline | vor 1754 Tagen, 21 Stunden, 33 Minuten

    s/w-Denken

    Also für mich als Musiker wäre es schön/nützlich, wenn es da nicht so ein s/w-Denken gäbe. Album ja oder nein, mein Gott, wenn interessiert's, es geht um die Musik und nicht um das Trägermedium. Wer ein ("physisches" oder "virtuelles") Album machen will soll ein Album machen dürfen, wer eine 4-Track-CD machen will, soll das machen dürfen, wer einzelne Lieder machen will, soll das ebenfalls machen dürfen und so weiter und so fort. Der Markt und manche Hirne sind mir da einfach viel zu konservativ und unflexibel eingestellt.

    Auf dieses Posting antworten
    • jennyand | vor 1754 Tagen, 20 Stunden, 46 Minuten

      es kann/darf/soll eh jedeR musikerIn "machen" was er/sie will. die diskussion ist aber mmn weniger eine sender-, sondern mehr eine empfängerspezifische. nun müssen und sollen sich die "sender" nicht zwangsläufig den hörgewohnheiten der "empfänger" unterordnen, wer aber leben will von der musik, ist diesen gegebenheiten zumindest ausgeliefert.

      natürlich gibt es (noch) die alben-hörer, singlesclub-abonnenten usw. ob aber plattenfirmen (kleine wie große) noch alben pressen, wenn si niemand mehr kauft, ist mehr als fraglich.
      und: es geht immer auch um das trägermedium. (wer will kann das sogar von mcluhan ableiten.)

    • pfisterbua | vor 1754 Tagen, 20 Stunden, 29 Minuten

      trotzdem wird in in diesen diskussionen die rolle der protagonisten meistens völlig vergessen. und so unerheblich ist dieser aspekt eben nicht. und ein stream irgendwo im cyberspace motiviert die jüngste band schon nicht mehr.

    • jennyand | vor 1754 Tagen, 20 Stunden, 19 Minuten

      schon, aber nothernline mockiert sich da über etwas, was es so nicht gibt. selbst wenn das album "tot" ist, kann jeder eines aufnehmen, der sich dazu berufen fühlt und es auf zig verschiedene arten in den umlauf bringen.
      künstler sind in der tat viel freier als noch vor 10, 20, 30, 40 jahren. in den sechzigern war es (ein ungeschriebenes) gesetz, dass veröffentlichte singles nicht mehr auf ein album kamen. danach war das gros der musiker immer noch im sehr engen single-album-tour korsett verschnürt. seit einiger zeit macht jeder, mehr oder minder was er will, oder ist zumindest in der lage das zu tun. von seiten der künstler ebenso wie von seiten der rezipienten.
      ob's noch jemanden interessiert, ist eine andere frage.
      (die dritte ebene, nämlich die des jouralismus und der blogger, lasse ich jetzt bewusst beiseite.)

    • jennyand | vor 1754 Tagen, 20 Stunden, 14 Minuten

      und das "c" bei mokieren hätte ich mir sparen können.

    • pfisterbua | vor 1754 Tagen, 20 Stunden, 14 Minuten

      ja geb ich dir vollkommen recht.

    • northernline | vor 1754 Tagen, 20 Stunden, 4 Minuten

      @jennyand

      Ja, aber das ist ja genau das Groteske an der Situation, dass sich die "Sender" den Hörgewohnheiten der "Empfänger" unterordnen sollen, nur weil die konservativ/unflexibel/wasauchimmer sind. Das finde ich eben so seltsam... Seit wann ordnen sich Künstler ihrem Publikum unter?! Und das ist meiner Meinung nach das Schöne an der Jetztzeit, dass diese Strukturen langsam beginnen aufzubrechen und man eben nicht mehr daran gebunden ist, dass man unbedingt ein physisches Album mit ca. 12 Liedern herausbringen muss. Aber Markt (rezensiert werden ja z.B. fast nur Alben) und Hirne von Musikkonsumenten hinken da eben ein wenig nach.

      Und das Trägermedium "CD" ist ja nun noch ein sehr junges. Ich kann mich erinnern, als ich in der Oberstufe war, hat jemand gesagt, dass es ab nächstem Jahr kaum mehr Vinyl-Platten geben wird. Und wir haben ihn natürlich ausgelacht und wenig später ziemlich blöd geschaut. Wenn ich so nachdenke, ich habe ja schon einige Trägermedien kommen und gehen gesehen, ich habe LP mehr oder weniger gehen gesehen, Kassette gehen gesehen, MiniDisc kommen und gehen gesehen, CD kommen sehen, MP3 kommen sehen,... Also ein ziemliche Vielfalt und sooo alt bin ich auch wieder nicht. Und...

    • northernline | vor 1754 Tagen, 19 Stunden, 53 Minuten

      ... da wird sich in den nächsten Jahren auch noch was tun. Deshalb hab ich mich damit abgefunden, dass mir das Trägermedium ziemlich wurscht ist. Ich finde auch dieses Wehklagen jedesmal wenn ein neues Trägermedium kommt und ein altes geht (man erinnere sich an Vinyl vs CD) ziemlich lächerlich.

    • jennyand | vor 1754 Tagen, 19 Stunden, 42 Minuten

      der reihe nach (obwohl wir nicht sehr weit voneinander entfernt sind, denk ich):

      unterordnen müssen und sollen sie sich nicht "zwangsläufig" schrieb ich. nur wenn wir von popmusik an sich sprechen, also den mainstream-mainstream (als abgrenzung zum alt. mainstream) miteingeschlossen, dann muss es als alltägliche praxis angesehen werden, dass man sich dem publikum anbiedert. gerade weil man ja "popular" sein will. ohne populus kein popstar.

      dass fast nur alben rezensiert werden hängt auch damit zusammen, dass sie noch immer (physisch) eine verkaufseinheit sind. musikmagazine werden von menschen gekauft, die auch alben kaufen, also angehörigen der holzklasse, wie blumenau sie nennt. dort kommen allerdings auch trackreviews vor (spex, musikexpress, nme, gap ...), die es meines wissens aber auch schon in den 80ern, in der spex gab (siehe 2000 schallplatten, von diederichsen).

      außerdem gibt es eben in gewissen sparten (sagen wir mal: indierock) eben fast ausschließlich alben, (die auch klar als solche funktionieren). kaum eine gruppe bringt einzelne songs raus, die dann nicht aufs album kommen (außer viell das was man früher b-seiten nannte.)

      dass man 2009 nur mehr "sex on fire" und "use somebody" hört, mag sein, kann ich aber weder bestätigen noch...

    • jennyand | vor 1754 Tagen, 19 Stunden, 42 Minuten

      ... dementieren. denn die sampler, für jene, die einzelne songs wollen, gabs auch schon (fast) immer. und tapes mit songs ... und und und

    • jennyand | vor 1754 Tagen, 19 Stunden, 29 Minuten

      wehgeklagt hat niemand. dass mit jedem trägermedium ein wandel der hörgewohnheiten einhergeht, werden aber auch sie nicht leugnen können. und wenns (scheinbar) nur der rein technische wandel ist. oder wollen sie allen ernstes behaupten, sie skippten (also spulten) bei der cassette gleich oft, wie bei der cd? und wie oft haben sie ihre lps im lp-man durch die stadt getragen? (klar geht es nicht um SIE persönlich. nur zur verdeutlichung, nichts für ungut.)

      raunzen muss man ja nicht. es kann herr fuchs mit discman, jemand anders mit ipod und eine dritte ganz ohne tragbarplayer rumlaufen. alles ok, alles höchst legitim (solange die musik nicht nach außer schallt. und viell sogar dann.) und vor allen dingen: alles sehr VERSCHIEDEN.

  • christianfuchs | vor 1754 Tagen, 22 Stunden, 8 Minuten

    die totale zerissenheit

    ich hör aus übersättigung auch schon sehr lange keine kompletten alben mehr, nur mehr einzeltracks oder gerade mal 2-3 am stück.

    aber: ich hab noch einen disc-man (!), mir kommt kein i-pod-dingsbumms ins haus, ha. ich mag cds, weil ich alben oft lieber anschau als höre.

    und: der geschätzte kollege einöder bringt schon richtige argumentationen ins spiel.

    aber: er hat mir unlängst auch gestanden, sich gar keine (vollständigen) filme anschauen zu können, weil ihn das langweilt.

    auch meine aufmerksamkeitsspannung wird täglich geringer. ich liebe den schnellen kick, den geilen nougatgeschmack ständig wechselnder tracks & frischer sensationen. ich bin pro one hit-wonder und geile hypes.

    gleichzeitig ist die große, lange, epische, ernsthafte erzählung (siehe mehrere staffeln toller tv-serien an einem wochenende) das einzige, was uns wirklich retten kann.

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    • jennyand | vor 1754 Tagen, 21 Stunden, 45 Minuten

      wirklich spannend wirds ja bei konzerten: ich persönlich schaff selten mehr als eine stunde, selbst wenn die musik zu meinen liebsten zählt und ansprechend dargeboten wird. ich plädiere sowieso für auftritte, die nicht länger als 50 min dauern. (es sei denn irgendeine postrockperformance macht es dringend nötig zwei stunden durchzufideln. wers mag...)
      und mehr als zwei bands an einem abend machen auch selten sinn, es sei denn, man pickt sich 2-3 lieder raus und sieht den rest von der bar aus. (btw. wieso sich manche menschen über schach und flu aufregen, wenn sie einen der beiden während eines konzertes an der bar erspäht haben, verstand ich noch nie. neid vielleicht.) alben höre ich trotzdem. songs auch.

    • christianfuchs | vor 1754 Tagen, 21 Stunden, 30 Minuten

      eine stunde ist auch ziemlich die perfekte länge, von monströsen ausnahme-ekstase-künstlern abgesehen.

      die eine stunde verbringe ich dann aber gerne möglichst mitten im geschehen. und renn nur zwischendrin ganz schnell an die bar & zurück.

    • alexandraaugustin | vor 1754 Tagen, 11 Stunden, 35 Minuten

      disc man rules!!! mein alter macht nach xxx jahren schlechter behandlung immer noch alles mit!

      ich gestehe, ich hab mir vor drei wochen einen mp3 player gekauft. und was ist passiert? gestern ist mir das dingsdingsklimbim eingegangen! es war wohl gut so.

      außerdem: was wäre eine zugfahrt ohne alle spex cds durchhören, was wäre eine liebe ohne liebevoll gebrannter cds mit herzenstücken drauf?

    • christianfuchs | vor 1753 Tagen, 19 Stunden, 52 Minuten

      oh ja, der disc-man & die zugfahrt, meine lieblingskombi. der pfister hat auch noch einen.

      guten rutsch.

  • rainbowjohnny | vor 1754 Tagen, 22 Stunden, 15 Minuten

    ...puhhh...

    ...album ist unverzichtbar....nerd hin oder her....was ist ein nerd überhaupt - bin ich das schon, wenn ich mich in den plattenladen schiebe und mir ne scheibe kauf (ein album!!!), also das normalste auf der welt mache?? oder wenn ich einen cd player oder plattenspieler zu hause stehen hab und die auch noch benütze? musik am handy, wenn ich das schon lese....

    interessiert viel zu wenige für musik die über den zeitraum eines tracks hinausgeht. versteh ich nicht. alben vermitteln einem soooo viel - und ich werd mich hüten nicht in eine artworkdiskussion zu schlittern - gutes zeug über die länge eines albums gibts genug - vom anfang der nullerjahre bis heute.
    aber ich versteh euch eh alle, die ihr keine physisch philosophische ware ersteht (oder nicht mal raubt)...

    ...es ist wohl keine einigung in sicht, download, vinyl, cd...album, track,......
    egal...musik wirds immer geben - bei mir muss sie halt wo reingeritzt sein, damit das auch für ewig und einen tag in meinem besitz ist und nicht als file untergeht - im sumpf.

    *thez*
    http://www.fm5.at/Rotes%20Blitzlicht%20f%C3%BCr%20deine%20eigene%20Sicherheit/

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  • flexxo929 | vor 1754 Tagen, 22 Stunden, 46 Minuten

    Habt ihr die Alben gewichtet oder gleichwertig gelistet? Falls letzteres zutrifft kommt mir die Aussage, dass zwei Juroren reichen, um das Tool-Album in die TOP 100 zu befördern, komisch vor.
    Wär es nicht repräsentativer, die Liste auf TOP 50 zu kürzen?

    Auf dieses Posting antworten
    • blumenau | vor 1754 Tagen, 19 Stunden, 25 Minuten

      schau sie dir doch erst einmal an, ehe du sie inhaltlich anmeckerst...

    • flexxo929 | vor 1754 Tagen, 17 Stunden, 9 Minuten

      Ich hab die Methodik gemeint, nicht den Inhalt.

    • caveb | vor 1749 Tagen, 1 Stunde, 15 Minuten

      weils bei FM4 nur gefühlte 2 redakteure gibt die "nicht-FM4 Musik" hörn
      (gräßlicher Ausdruck)

      Und das sind eben H&H