Erstellt am: 3. 1. 2010 - 16:51 Uhr
Spannung durch Experimentieren
Das ist es also, das neue Jahr 2010.
Fühlt sich im ersten Moment gar nicht so anders an, mit seinen kleinen Schneeflocken, die vom Wind herumgewirbelt werden. Alles kommt mir etwas ruhiger, etwas gedämpfter vor. Wahrscheinlich immer so, nach einer turbulenten Zeit des Übergangs. Gerade diese anfängliche Ruhe, die allem Neuen innewohnt, kann man gut dazu nützen, einen Blick zurück und einen nach vorne zu machen. Ein bisschen zu resümieren und Gedankenspiele über die Zukunft anzustellen. Nicht mehr und nicht weniger soll heute Nacht in einer neuen, funkelnden Ausgabe des FM4 Soundparks passieren.
Zwischen den Stühlen

Schon längere Zeit liegen einige Platten bei mir auf dem Tisch, die ich ansatzweise angehört habe oder die noch auf ihre Erkundung warten. Immer wieder kam etwas dazwischen. Grippe, Stress, unvorhergesehene Dienste, familiäre Ereignisse, die nicht warten konnten. Doch dann kam endlich der richtige Moment. Den braucht es nämlich, um in die Welt von Valeot Records zu kippen. Die beiden Musiker Alexandr Vatagin und Peter Holy haben sich ihr ganz eigenes Sounduniversum zusammengebastelt, das sich zwischen sehr experimentellen Klängen, Jazzeinflüssen, Post-Rock und poppigen Sopngs bewegt.

Angefangen hat es wie so oft mit der Notwendigkeit, die eigene Musik herauszubringen. Für das Projekt Tupolev hatten Alexandr und Peter vorerst Probleme, ein Label zu finden. Nach ausgiebigem Touren und seit der Freundschaft mit den Italienern port-royal haben die beiden umtriebigen Musiker beschlossen, die Veröffentlichungen selber in die Hand zu nehmen. Auch wenn Valeot Records erst 2008 gegründet wurde, hat das Label jetzt schon eine beeindruckende Release-Liste vorzuweisen. Neben Alexandr Vatagins Soloprojekt, das in intime Elektroakustikgefilde abdriftet, haben Künstler wie Das Werner Kitzmüller Trio oder auch die rockigen Slon hier ihr Zuhause gefunden.

Während bei fast allen Projekten Alexandr Vatagin seine Finger im Spiel hat, sei es als Musiker oder Produzent, ist mit Protestant Work Ethic das erste Bandprojekt von "außerhalb" an Bord geholt worden. Die wohl poppigeste Veröffentlichung des Labels, die jetzt schon aufhorchen lässt. Ein genialer Schachzug, würde man annehmen, Alexandr und Peter hätten einen genauen, ausgeklügelten Masterplan im Hinterkopf. Doch eigentlich geht es den beiden als Liebhaber und anspruchsvolle Musiker vielmehr darum, den künstlerischen Aspekt hochzuhalten. Insofern ist ihr Label eine großartige Fundgrube für vielseitige Musik experimentelleren Zugangs, wobei in allem darüber hinaus auch immer eine Prise Pop zu finden ist. Genau das macht Valeot Records zu einer spannenden Plattform, durch die uns Alexandr Vatagin und Peter Holy in der heutigen FM4 Soundpark Ausgabe führen.
Valeot Records Listening Session:
| artist | song | |
|---|---|---|
| Tupolev | rnd2 | |
| Slon | Ellahoo | |
| Werner Kitzmueller Trio | Just You | |
| Protestant Work Ethic | Softer Waves | |
| Protestant Work Ethic | Slow Learner | |
| Slon | Nachtnebel | |
| Tupolev | fin |
Keine runden Lieder
Die Band, die mir im letzten Jahr wahrscheinlich am öftesten untergekommen ist, nennt sich Das trojanische Pferd. Die beiden charmanten und extravaganten Musiker Hubert Weilheimer und Hans Wagner haben im Sommer hier im FM4 Soundpark ihr Debüt vorgestellt, im besetzten Audimax gespielt und sind Anfang des neuen Jahres schon wieder mit einer Platte zur Stelle. Diesmal hat sich vor allem der sprudelige und zappelige Frontmann Hubert ganz zurücknehmen müssen, was ihm natürlich etwas schwer gefallen ist. Wer gibt schon gerne sein Baby aus der Hand. Doch will man andere Musiker die eigenen Stücke neu mixen und interpretieren lassen, dann bleibt einem wohl nichts anderes übrig.
So entstand "Hybrid", ein schwarzes Vinyl voll mit schrägen Elektronikklängen und überraschenden Arrangements. Aus den bekannten, wundervollen Melodien "vom Pferd" wurden ganz neue Stücke Rille für Rille in das rotierende Plastik geschnitzt. Die unterschiedlichsten Künstler, Produzenten, DJs und Musiker haben dafür ihre Messer ausgepackt. Der von Hubert hoch verehrte Sir Tralala hat sich beispielsweise des Songs "Menschenfresser" angenommen. Hans Wagners Freund Tobias Kovar hat eine bezaubernd glitzernde Version von "Romy Schneider" geschaffen und sogar ein kolumbianischer Minimal-Techno-Produzent namens Blanali hat sich an dem recht eigenwilligen "Nichts" versucht.

Das besondere bei dieser Mixplatte ist sicher die große Herausfoderung, vor der die Remixer standen. Eigentlich sollte man die aufgenommenen Songs den Künstlern ja in einzelnen Spuren bereitstellen. Das kann allerdings zum Problem werden, wenn nicht mit Metronom gearbeitet wurde und man die Songs meist in einem Raum aufgenommen hat, sodass auf allen Spuren nicht nur das jeweilige Instrument, sondern auch alle anderen zu hören sind.
Doch die vom trojanischen Pferd beauftragten Künstler haben großartige Arbeit geleistet. Hubert und Hans sind derart euphorisch, dass sie uns die Remixe gleich persönlich vorstellen werden. Jedoch nicht, ohne uns in ihrer witzigen Art in einem kleinen "Workshop" ihre Erfahrungen über Remixe und Vinylmastering näher zu bringen. Also, beware of the remixed horse!
Rück-
Die vergangene Dekade war eine ausgesprochen gute für die heimische Musikszene. Soundparkchef Stefan "Trishes" Trischler und ich haben uns zum Jahreswechsel laut Gedanken zu den Entwicklungen österreichischer Musik der letzten zehn Jahre gemacht, nachzulesen in Autrian Heroes Of The Zeros, Pt.1 und Autrian Heroes Of The Zeros, Pt.2. So haben wir uns dazu entschlossen, in den kommenden vier Sendungen alle Soundparkmoderatoren zu bitten, ihre ganz persönliche Bestenliste des Jahrzehnts zusammenzustellen und zu präsentieren. Den Anfang macht Mari Lang mit ihrem Mix, der von unbekannteren Acts wie Krane bis zur ausgezeichneten Soap&Skin reicht.
Mari Langs "Austrians Heros Of The Zeros Mix":
| artist | song | |
|---|---|---|
| KRANE | Girls Dream Of Robots | |
| MADITA | Because | |
| SEELENLUFT und FLORIAN HORWATH | Horse With No Name | |
| ALALIE LILT | How I Learnt To Disappear | |
| SOAP + SKIN | Spiracle | |
| WHEN THE MUSICS OVER | Easy | |
| MEL | Changing | |
| HEINZ | Mein Ganzes Herz | |
| KOMMANDO ELEFANT | Du Bist Wie Ein Rocksong | |
| MAURACHER | Rosary Girls |
... und vorwärts

Aber der Blick ist auch vorwärts gerichtet in dieser Soundparkausgabe. Wir hören uns durch neue Alben von Tunesmith und Marsmobil, lauschen der charmanten Akustik EP "Naked Bears" von den Villachern Bionicbabies und skippen durch viele neue Songs, die in den letzten Wochen im FM4 Soundpark geposten worden sind.
Ich kann jetzt schon sagen, es wird ein gutes Jahr für österreichische Musik werden, wenn ich nur daran denke, dass in den nächsten Monaten tolle Alben von Velojet, Garish, Madita und einigen anderen Künstlern veröffentlicht werden. 2010 kann kommen!
Der FM4 Soundpark startet in der Nacht von Sonntag 03. auf Montag 04. Jänner um 01:00 Uhr und läuft bis 06:00 Uhr früh!
Fahrplan durch die Sendung:
- 01:00 bis ca. 01:30 Uhr: Neues aus dem FM4 Soundpark
- 01:30 bis ca. 02:15 Uhr: Valeot Records Listening Session
- 02:15 bis ca. 03:10 Uhr: Neuschnee und Listening Session "Hybrid" von Das trojanische Pferd
- 03:10 bis ca. 03:50 Uhr: Neu im Soundpark und Marsmobil
- 03:50 bis ca. 04:50 Uhr: Tunesmith unb Bionicbabies in the Mix
- 04:50 bis ca. 06:00 Uhr: Mari Langs "Austrian Heroes Of The Zeros Mix"
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