Erstellt am: 12. 1. 2010 - 19:37 Uhr
Ohne Praktikum geht's nicht
FM4 Spezialtag: Praktikum
"Ganz ohne Praktikum ist es sehr schwierig, an einen Job zu kommen", sagt einer, dessen tägliches Geschäft die Vergabe von Jobs ist: Georg Horacek ist oberster Personalchef der OMV. Er empfiehlt Studierenden bzw. angehenden Hochschul-AbsolventInnen, während des Studiums mindestens zwei bis drei Praktika zu absolvieren. Das sei aber die absolute Untergrenze.
Ich treffe Horacek im 19. Stock der neuen Konzernzentrale im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Durch die Glaswände seines Büros sieht man über ganz Wien. Die OMV findet sich bei den Rankings der beliebtesten österreichischen Arbeitgeber immer wieder unter den Top Ten. Gerangel um Praktikumsplätze, wie man es aus anderen Branchen kennt, herrscht hier aber trotzdem keines.

Die OMV beschäftigt jeden Sommer bis zu 450 PraktikantInnen. Dazu kommen pro Semester etwa 50 Fachhochschul-Studierende, die ihr Pflichtpraktikum absolvieren. In dem österreichischen Öl- und Gas-Konzern kommen vor allem Studierende naturwissenschaftlicher und technischer Studien als PraktikantInnen unter, nur ein kleiner Teil des PraktikantInnenheeres sind WirtschaftswissenschafterInnen.
Horacek beschreibt die Lage am OMV-Praktikumsstellen-Markt so: "Es ist nicht schwierig Praktikanten zu finden, aber es ist auch nicht so, dass wir total überlaufen sind." Bei den NaturwissenschafterInnen und TechnikerInnen kämen auf jede freie Praktikumsstelle zwei Bewerbungen. Etwas anders sieht die Situation allerdings bei den Wirtschaftsstudierenden aus. Dort kämen auf jeden freien Praktikumsplatz gleich sieben BewerberInnen, so Horacek.
Was Horacek nicht empfiehlt: nach dem Studienabschluss noch ein Praktikum zu absolvieren. Solche "Übergangspraktika" seien in seiner Branche nicht üblich, dort bekommen die meisten nach dem Studium einen ganz normalen Job. Die sogenannte "Generation Praktikum" kennt Horacek nur aus den Medien, nicht aber aus seinem Arbeitsumfeld.
Ganz anders in der Werbung
Ganz andere Verhältnisse herrschen in der Werbebranche. Dort gibt es zuhauf fertige AkademikerInnen, die Praktika absolvieren. Das findet Alois "Luigi" Schober, Geschäftsführer der Werbeagentur "Young & Rubicam Vienna", zwar absolut nicht begrüßenswert, bevor jemand aber gar keinen Job hat, sei es gescheiter, ein Praktikum zu machen, meint er. Auch bei "Young & Rubicam" gibt es PraktikantInnen mit Studienabschluss.
Schober sitzt in einem schicken Büro in der Rotenturm-Straße. Im Konferenzzimmer stehen Trophäen von Werbe-Preisverleihungen. "Die Zeiten sind sehr hart geworden", meint der Werbefachmann. Seinen Schätzungen zufolge sind, nicht zuletzt aufgrund der Wirtschaftskrise, 40 Prozent der Werber in Wien arbeitslos.
Mit Bewerbungen wird seine Firma nahezu überhäuft. Etwa 1800 trudeln pro Jahr in dem 75-Leute-Betrieb ein. Von diesen 1800 können aber nur 20 pro Sommermonat ein Praktikum absolvieren. Dabei seien Praktika "elementar", so Schober, um im Kreativ-Bereich an einen Job zu kommen. Die Wissensvermittlung ginge nämlich in seiner Branche über die Unternehmen und nicht über die Universitäten.
Wenn Schober einen Job zu vergeben hat, ist für ihn nicht unbedingt die Zahl der im Lebenslauf aufgelisteten Praktika das Ausschlaggebende. Vielmehr interessiert ihn, wo der/die BewerberIn die Praktika absolviert hat. Für Schober zählt, dass jemand Auslandspraktika gemacht hat und dass jemand im Zuge seiner Praktika verschiedene Werbe-Disziplinen durchlaufen hat. Am entscheidensten sei aber, ob jemand Erfahrungen in einem "Top-Unternehmen" gesammelt hat.
Kann man eigentlich auch zu viele Praktika machen? Es bringe jedenfalls nichts, einfach möglichst viele zu machen, meint Georg Horacek von der OMV, auch mit zwölf Praktika in der Tasche habe keine Garantie auf einen Job. Oft klappt es auch mit "nur" vier. Das wäre jedenfalls besser als achtmal das gleiche.

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