Standort: fm4.ORF.at / Meldung: ".HBC Couture: Designer Scouts Fashion Show"

Musik, Film, Heiteres

Gerlinde Lang

Gerlinde Lang

Innerlichkeiten. Äußerlichkeiten.

25. 1. 2010 - 21:41

.HBC Couture: Designer Scouts Fashion Show

Things are looking up bei der Berlin Fashion Week! Wir kaufen uns eine Sonne und gehen zu 9 Modeschauen auf einmal.

Meine Ungeduld mit dem downgedressten Berliner Publikum lässt nach,

mein Gastgeber googelt das Für und Wider von Sonnenlichtlampen, und massig Shows auf dem Programm - things are looking up auf der Berlin Fashion Week! Minus elf Grad, die Frisur sitzt!

Die Zelte der offiziellen Mercedes Benz Fashion Week stehen ja in der Nähe der Uni am Bebelplatz.

Doch das Modevolk zieht lieber weiter. Mittelfette Labels wie Michalsky, LalaBerlin und Kaviar Gauche tun sich zu einer eigenen "StyleNite" zusammen. Spandau Ballet machen dort die Hausband, und Kaviar Gauche zeigen ihre erste Schuhkollektion.
Es sind ... äh ... Overknees.
Andere, die einen Namen, aber noch kein Geld haben, laden zu 3x3 Fashion Shows ins ehemalige Collegium Hungaricum unweit des Fernsehturms. Das nennt sich dann ".HBC Couture: Designer Scouts Fashion Show". Der Punkt am Anfang scheint wichtig. Zwischen Holztäfelung, Spiegelsäulen und Neonkunst füllt sich die Hütte. Hier im .HBC werden sonst auch gerne Parties abgehalten.

Spoken Word untermalt die erste Show von Starstyling, und am Anfang gibt es doch tatsächlich eine gottverdammte Performance mit Mikro-in-die-Hose-reinstecken und Sich-auf-den-Boden-Schmeissen.

Ein sehr gut aussehender farbiger Herr. Und soll ich euch noch was sagen? Seine Socken waren violett!

Ein bisschen Schimmer Schimmer, ein bisschen Glitzer Glitzer geht bei Starstyling immer. Die Kollektion heisst "Jessica Nussbaum".

Die Models tragen transparente Plastikmasken mit aufgemalten Augen, Lippen oder Bärten. Oder Basthaare mit unzähligen Schellen darin. Im Hintergrund wieder Spoken Word: Japanisch, Deutsch, Englisch, Französisch, dazu verschiedene Musiken, als ob man beim Radio die Sender verstellt.

Metallicprint! Bei den Schuhen, zum Beispiel links mit Muppets-meets-Schellen, herrscht große Originalität, jedoch auch großes Gewackel. Das Material der Jacken heisst Wrapped Wool. Bei Starstyling ist tatsächlich das Styling der Star, das kann man mögen oder auch nicht, von den 70 Looks dauert es aber ca. 60, bis man nicht mehr Bast und Masken und Wackelschuhe und Gedöns wahrnimmt, sondern die Schnitte der Klamotten.

Weinrote Quastelschuhe, weiße HiTops. Das Publikum steckt sich eine Zigarette an und springt auf, man will sich auf dem Filzlaufsteg die Beine vertreten, doch da nahen ja schon die nächsten Models! Hier ein wenig Beige vom Label Von Bardonitz.

Und dann noch die Macho-Fotografen neben mir am Medienpodest. "Wirst du so sitzen, wenn du fotografierst? Du bist groß." Ich so: "Stell dich doch hinter die Herren neben mir, die sind genauso groß wie ich." Anderer Fotograf: "Kein Blitz bitte, das ruiniert mir alle Fotos." Ich so: "Meine Kamera kann nur mit Blitz." Fotograf:"Ja weisste, ich bin hier um Geld zu verdienen." Ich so: "Das ist ja lustig, ich auch!" Mann oh Mann oh Mannomann! Da erspähe ich einen Platz in der leibhaftigen Front Row. Er ist leer! Nix wie hin. Der Rest geht in einem Blitzlichtgewitter unter, natürlich hat jede/r Anwesende ihre/seine Kamera mit. Har har, Pech gehabt, Keule.

Schon wieder Pause! Man erfrischt sich unter Neonkunst.

"Seid ihr Schwestern oder vom gleichen Mädchenpensionat?"- "Vom gleichen Mädchenpensionat!"

Der Herr in der Mitte hat Glück, sein Freund links ist Optiker und hat entspiegelte Gläser in beider Humana-Brillen eingesetzt. "Komm mich doch besuchen, ich arbeite bei Brilliant Optik in der Friedrichstrasse", werde ich eingeladen. "Gleich gegenüber vom Friedrichstrassenpalast!" So, bitte wieder alle hinsetzen.

Oho, Popo! Julie Eilenberger, 24, aus Dänemark ist noch Studentin und entwirft schon verdammt selbstsicher transparente Galaxien: "Marry Me Nature".

Stil in Berlin-Bloggerin Mary filmt Herrenmode auf dem Laufsteg. Oh, gleich zweimal lila Socken!

Hallo Männer, die ihr Farbe tragen und doch dezent bleiben wollt: A. D. Deertz hat da was für euch!

Wenn es möglich ist, von gebrochenen Farben gerührt zu sein, dann bin ich es jetzt. Das Publikum seufzt glücklich.

Das Label hieß gerade eben noch ADD und stellte auch Frauenbekleidung her, aber diese Zeiten sind vorbei! Wibke Deertz hält derzeit bei ihrer dritten Männerkollektion.

Dieser Mann aus dem Publikum sieht so aus, als hätte er sich schon in den vergangenen Saisonen bei A. D. Deertz eingedeckt.

Ja ist denn schon wieder Pause?! Alle haben es eilig, denn die Getränke gehen auf's Haus. Hier noch ein recht berliniges Outfit: Handtasche, Kamera, raufgehefteter Saum.

So, meine Lieben, zum Schluss kommt das Beste: Der seidige Jersey von JULIAUNDBEN. Und ich sage das nicht nur, weil mir ein sehr freundlicher Ben beim Samplesale lächelnd einen guten Preis für ein Shirt gemacht hat, obwohl um ihn herum die Stimmung so brodelte wie das Ikea-Kinderparadies auf einem Zuckerhigh.

Und endlich: High Heels in der Keilabsatzwüste!

Finalmente hier noch die Kollektion, die ich wegen kaputter Kamera nicht würdigen konnte: Vladimir Karaleev. Durch die Augen von Mary Scherpe/Stil in Berlin/Quite Contrary und Timo Feldhaus/De:Bug.

Haftungsausschluss

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

Zum Eingabeformular Kommentieren

  • madameclaudine | vor 747 Tagen, 10 Stunden, 9 Minuten

    hey, jan joswig! der netteste mann in den front rows dieser welt.

    Auf dieses Posting antworten
  • mizanthrop | vor 747 Tagen, 15 Stunden, 39 Minuten

    lots of freaks - zumindest der transparenz kann ich jedoch was abgewinnen.

    Auf dieses Posting antworten
  • fille87 | vor 748 Tagen, 5 Stunden, 6 Minuten

    thanks gerline lang. auch für die versüßung so manch tristen abends mit dem wohlklang deiner stimme ;).

    Auf dieses Posting antworten
  • generator3punkte | vor 748 Tagen, 11 Stunden, 19 Minuten

    Bin

    Bin jetzt kein Fashionfreak aber das was man da so sieht schaut alles ein wenig nach DDR-Look aus. Gefällt mir gar nicht.

    Aber das kann auch an den Fähigkeiten des Fotographen liegen...

    Auf dieses Posting antworten
    • generator3punkte | vor 748 Tagen, 11 Stunden, 17 Minuten

      ...

      Bzw. DDR Style wird durch HBLA-Schüler aufgepeppt.

  • go1988 | vor 748 Tagen, 12 Stunden, 37 Minuten

    Ich bleib dabei: das oberste und allererste Gebot bei Kleidung muss sein, unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurde, bzw. ob es Second hand ist.

    Und das Argument mit Mode = Kunst versteh icha uch nicht ganz. Schließlich bleibt die mieste Kunst erhalten, oder wird Dokumentiert. Die Fashion Ween von vor einem jahr interesseirt aber kein Schwein. Weil Mode eben Mode ist. Schnell da, schnell weg, schnell in, schnell out (wenn es solche aktegorien überhaupt noch gibt)

    Auf dieses Posting antworten
  • robertglashuettner | vor 748 Tagen, 23 Stunden, 54 Minuten

    das fachgespräch ab minute 3:45 ist episch.

    Auf dieses Posting antworten
    • gerlinde666 | vor 747 Tagen, 12 Stunden, 17 Minuten

      hahaha, allerdings! und huch, die leserchen sind verwirrt von der existenz einer sogenannten mode. sowas aber auch.

  • stiller | vor 749 Tagen, 38 Minuten

    Wo bin ich hier?

    Bei FM4 oder beim Friseur?

    Auf dieses Posting antworten