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Musik, Film, Heiteres

Christian Fuchs

Christian Fuchs

Twilight Zone: Film- und Musiknotizen aus den eher schummrigen Gebieten des
Pop.

29. 1. 2010 - 16:02

Welcome to Fight Club

Er kombiniert, er analysiert, er raucht Pfeife. Vor allem boxt sich Robert Downey Jr. aber als Actionheld durch die Neuversion von "Sherlock Holmes".

Am besten nicht nachdenken, nicht reflektieren, keinen ernsthaften Gedanken verschwenden. Das raten führende US-Kritiker-Päpste, wenn es um Guy Ritchies aktuellen Film geht. Und sie haben erst einmal recht.

"Sherlock Holmes" ist einer dieser lautstarken, überzogenen, effektüberladenen Blockbuster. Pures, selbstzweckhaftes Popcornkino.

Dabei geht es in Hollywoods neuestem Actionknaller eben nicht um Terminatoren, Riesenroboter oder kostümierte Comichelden. Sondern um eine britische Kulturikone, die von feingeistigen Anhängern fanatisch verehrt wird. Sherlock Holmes, der legendäre Meisterdetektiv aus dem späten 19. Jahrhundert, steht für forensische Arbeitsmethoden, nüchterne Schlussfolgerungen und analytisch-rationales Denken.

Beim Kombinieren darf man dem Herrn auch in Guy Ritchies Version zusehen. Aber noch mehr wird in diesem Film gefochten, geritten und geboxt. Mit bloßen Fäusten, versteht sich. Guy Ritchie erfindet "Sherlock Holmes" neu, als muskulösen Actionhelden mit Waschbrettbauch, der nebenbei auch ein scharfsinniger Denker ist.

Sherlock Holmes

Dabei beruft sich Ritchie bei seiner radikalen Neuinterpretation auf den zentralen Namen überhaupt: Sir Arthur Conan Doyle. Denn dass Sherlock Holmes diverse Martial Arts-Techniken beherrschte und sich in der Kunst des Bare Knuckle Boxing übte, all das steht schon in den berühmten Romanvorlagen, sagt der Regisseur.

Es ist aber nicht bloß die extreme Betonung der körperlichen Komponente, die diesen Holmes-Film so seltsam macht. Auch nicht die Tatsache, dass der Detektiv seinen Karo-Anzug und den berühmten Deerstalker-Hut konsequent im Schrank lässt oder nur gelegentlich zur Pfeife greift.

Viel zu sehr hetzt der Ex-Madonna-Ehemann Ritchie von einem bombastischen Set zum nächsten, greift ständig in die digitale Trickkiste und ermüdet mit seinen Trademark-Kameraspielereien, siehe auch "Snatch", "Revolver" oder "RocknRolla".

Sherlock Holmes

Ist "Sherlock Holmes" also ein einziges überteuertes Multiplex-Missverständnis? Nein, das dann doch wieder nicht, denn da sind die Schauspieler. Allen voran der große Robert Downey Jr., der sich neben Johnny Depp zum führenden Exzentriker inmitten des Mainstream-Kinos entwickelt hat.

Sein Holmes ist kein nostalgisch anmutender Detektiv aus einer vergessenen Ära, sondern ein Rock'n'Roll-Dandy mit Defekten. Ein gleichzeitig verwirrter und messerscharfer Denker, ein charmant verkorkster Superheld des 19. Jahrhunderts.

Ebenfalls köstlich: Jude Law an der Seite von Robert Downey. Dr. Watson ist plötzlich kein treuherziger alter Gefolgsmann mehr, sondern ein selbstbewusster, cleverer und höchst gutaussehender Partner, der mitten im Geschehen steht und ebenso viele Schläge austeilt.

Es ist die Chemie zwischen diesen beiden Männern, die den Film zur Gänze trägt. Und auch bei der Pressekonferenz in London sprühen kleine Funken, schieben sich Downey und Law gegenseitig die Wuchteln zu.

Sherlock Holmes

Wer nun gleich von einem homosexuellen Subtext spricht, wie ihn viele Vorberichte verkündeten, interpretiert zu viel in den Film hinein. Aber es ist schön zu sehen, wie die beiden sympathischen Gockel mittels ihres ausgeprägten Dandyismus die herkömmlichen Fallen des Buddymovies und der Männerbündlerei umschiffen.

Frauen haben es schwer in dieser Konstellation, dementsprechend geht Rachel McAdams, die als Irine Adler das rare Love Interest im Holmes-Universum verkörpert, eher unter. Durchaus seinen Platz erobert sich Mark Strong, der als diabolischer Lord Blackwood sichtbaren Spaß hat. Und Hans Zimmer, der hier seinen großartigsten Soundtrack seit "The Dark Knight" abliefert, zählt zu den heimlichen Stars des Film.

Am besten nicht nachdenken jedenfalls. Die Action ist massiv, die Story nebensächlich, auch wenn sich Sir Conan Doyle im Grab umdreht.

Aber Robert Downey und Jude Law bei ihren Gefechten zuzusehen, dass reicht für einen Feelgood-Abend im Popcorn-Kino der persönlichen Wahl.

Sherlock Holmes

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  • alabaster | vor 741 Tagen, 19 Stunden, 45 Minuten

    Ich hatte ja schon beim "Baader-Meinhoff-Komplex" eine gnadenlose Verwurstung zum Blockbuster-Schwachsinn mitsamt "brennenden Motorrädern, die über Hubschrauber schanzen, und dann kommt dieser riiieesige Tanklastzug. . ." erwartet.
    Aber den guten alten Holmeser zum Martial-Arts-Gekloppe zu machen, geht dann doch fast noch weiter.

    Wenn man erst mal auf dieser Schiene ist, könnte man ja als nächstes eine Victor-Hugo-Vorlage zur Space Opera machen oder zB Erskine Childers "Rätsel der Sandbank" als Spionagethriller. Oder Dostoevskijs "Aufzeichnungen aus einem Totenhaus" als Survivaltrip wie BattleRoyale. Oder "Die Brüder Karamasow" als romantische Kommödie.

    War nicht schon Total Recall eigentlich E. Zolas "Germinal", nur halt auf dem Mars??

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    • christianfuchs | vor 740 Tagen, 21 Stunden, 19 Minuten

      ritchie & die darsteller behaupten, das wäre schon alles in den conan doyle-büchern drinnen.

      ich kenne die buchvorlagen nicht, bin aber trotzdem milde skeptisch.

    • alabaster | vor 739 Tagen, 16 Stunden, 46 Minuten

      also ich les heute mal die buecher diagonal. bin ja shcon gespannt. . .

  • avecplaisir | vor 743 Tagen, 9 Stunden, 49 Minuten

    dr. junior

    der gute mann soll geruechterweise in der wiederbelebung der anne rice-verfilmungen den lestat spielen. irgendwie ist das noch eigenartiger als holmes.

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  • beastmaster | vor 744 Tagen, 11 Stunden, 25 Minuten

    Neuinterpretationen

    von altbekannten Charakteren stehe ich eigentlich wohlgesonnen gegenüber, aber eine Figur wie der "klassisch interpretierte" Holmes wäre wieder einmal eine schöne Abwechslung gewesen im Kino.

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  • veliec | vor 744 Tagen, 14 Stunden, 17 Minuten

    ach...robert downey jr. ach...

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  • guybrushthreepwood | vor 744 Tagen, 16 Stunden, 10 Minuten

    die hauptdarsteller wären eher für eine wooster/jeeves verfilmung geeignet.

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  • johnleehookerelectro | vor 744 Tagen, 18 Stunden, 42 Minuten

    ja das beste von guy ritchie is ein nike werbespot http://tinyurl.com/yz7xkel (geiler EaglesOfDM song..)
    dafür kann er in 3 minuten das verpacken was andere in 90 nicht schaffen.
    aber für 90 minuten reichts bei ihm halt nicht für ne echte explosion..nichtmal mit ray liotta..bisl aufgesetzt meistens

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    • johnleehookerelectro | vor 744 Tagen, 18 Stunden, 41 Minuten

      http://tinyurl.com/yz7xkel

    • johnleehookerelectro | vor 744 Tagen, 18 Stunden, 25 Minuten

      wobei bubedameköniggras is schon ein kultfilm über den man lange mit allen diskutiert hat

  • nickkay | vor 745 Tagen, 4 Stunden, 17 Minuten

    Heath Ledger...

    ...hätte sich wohl als Dritter im Bunde neben Depp und Downey eingereiht, hätte er nicht vorzeitig ausgecheckt.

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    • johnleehookerelectro | vor 744 Tagen, 18 Stunden, 49 Minuten

      das mitm auscheken is auch irgendwie der entscheidente unterschied der ihn im nachhinein weniger charismatisch, mehr selbstmitleidig und vorallem unprofessioneler als seine addicted-kollegen macht

    • watchtowerman | vor 743 Tagen, 17 Stunden, 13 Minuten

      hört sich schon ziemlich menschenverachtend an.

      wie unprofessionell vom ledger
      da hat er sich doch glatt selbst umgebracht.

      ich weiß ja nicht....

    • johnleehookerelectro | vor 743 Tagen, 16 Stunden, 48 Minuten

      sicher is es ne gradwanderung, vorallem seitdem sie sich wie zuchtpferde auf ne rolle mit pharmazeutischen hilfsmitteln hintrimmen (vorallem beim joker)
      aber konstl stanislawski und co würden sich auch im grab umdrehen wenn er das von ledger wüsste
      ein schauspieler hat wirklichkeiten zu trennen sonst is er nicht wirklich einsetzbar..is halt so in dem job

    • johnleehookerelectro | vor 743 Tagen, 16 Stunden, 42 Minuten

      daniel day lewis braucht nach nem film laut eigenen aussage ca 1 monat bis er wieder in die reale welt einsteigen kann.
      insofern will ich dem ledger nicht zu nahe treten weil das wie gsagt ne grenzwertige sache is..aber ich mein nur das man vl nicht zuviel respekt vor seiner rolle(n) haben sollte...eher kontraproduktiv als ganzes nöm

    • johnleehookerelectro | vor 743 Tagen, 16 Stunden, 32 Minuten

      das man vl nicht zuviel respekt vor den ledger rolle(n) haben sollte

      respekt vor der rolle -> vor sich selbst eben schon...

  • sidohatmichmeineexgenannt | vor 745 Tagen, 8 Stunden, 4 Minuten

    ha, jamie foxx spielt robert downey in den lol

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  • erynnia | vor 745 Tagen, 11 Stunden, 31 Minuten

    gelungen aber...

    guter film; der allseits präsente männer-typus ala dr. house ist auch hier nicht zu übersehen. scheint in mode gekommen zu sein und downey jr. hat mich stellenweise in seinem spiel sehr an hugh laurie erinnert. schade jedoch, dass die frauenfiguren so blass und austauschbar waren. wäre dieser aspekt sowie die story ein wenig ausgefeilter gewesen, hätte es durchaus ein sehr guter film werden können.

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    • friedhof | vor 744 Tagen, 20 Stunden, 32 Minuten

      meine rede: ich sah in holmes/watson permanent house/wilson.

    • christianfuchs | vor 744 Tagen, 20 Stunden, 29 Minuten

      die frauenfiguren waren tatsächlich eher blass. ich denke aber (siehe "batman begins" etwa) hier wollte man(n) ganz bewusst den focus auf die beiden hauptfiguren richten. vielleicht verbessert sich das im sequel etwas.

      dr. house hab ich ja noch nie länger als zehn minuten gesehen (grundsätzliche & extreme abneigung gegen krankenhausserien aller art), aber der vergleich verwundert mich. für mich hat downey jr. schon was sehr exzentrisches, flamboyantes, rocknroll-mäßiges in der rolle. was ich beim onkel doktor gar nicht sehe.

    • watchtowerman | vor 744 Tagen, 18 Stunden, 57 Minuten

      naja dr. house spielt gerne flying V & zitiert die Rolling stones.
      Aber ein dandy ist er nicht wirklich.

      Andererseits ist House/wilson ja sowieso an Holmes/Watson angelegt

      siehe Wikipedia

    • erynnia | vor 744 Tagen, 17 Stunden, 52 Minuten

      House/wilson - Holmes/Watson

      stimmt, ich erinnere mich. somit beisst sich die katze wieder in den schwanz. und auch wenn house kein dandy ist, so hatte ich doch auch hauptsächlich die mimik/gestik und das spiel an sich als ähnlich empfunden. aber vielleicht bin ich einfach nur nach 3 maligem ansehen aller staffeln schon zu house-verseucht. gegen die flamboyanz bei allen dreien (depp, downey jr., laurie) hab ich absolut nichts, im gegenteil, mehr davon!

    • beastmaster | vor 744 Tagen, 8 Stunden, 58 Minuten

      Dr. House ist doch offiziell an Holmes angelehnt, oder ? Aber Holmes war nie so zynisch oder herablassend

    • kaeferin | vor 744 Tagen, 6 Stunden, 24 Minuten

      ...holmes/house... toller vergleich! warum bin ich nicht selbst draufgekommen? ... soundtrack übrigens sehr toll (sowie film!)

    • kewagi | vor 743 Tagen, 14 Stunden, 9 Minuten

      naja.

      nicht alles, was medial passiert, muss immer auch starke, präsente, supertolle frauen haben. an sich spricht nix dagegen, eher dafür, aber das als grundlage für die qualität eines films heranzuziehen, ist dann doch ein wenig gar klassisch vergendert.

    • erynnia | vor 743 Tagen, 13 Stunden, 22 Minuten

      naja

      in diesem film hätte man die frauen, wie ich finde, auch auslassen können - so belanglos und überzeichnet 'unantastbar' waren sie. entweder man widmet selbst den kleinen rollen genauso viel liebe wie den großen oder es is eben kein super-guter film. und: auch der bösewicht hätte eine ecke/kante vertragen. hat also in meinem fall nichts mit "vergenderung" [was für ein konzept!] (?) zu tun.

  • avecplaisir | vor 745 Tagen, 12 Stunden, 3 Minuten

    rollentausch

    irgendwie waere mir lieber gewesen, wenn law holmes waere und downey jr. watson (haette auch optisch besser zur vorlage gepasst).
    wenn der film auch okay ist, so wundert mich generell, fuer was man ueberhaupt eine vorlage verwendet, wenn man die charaktere dermassen veraendert, sodass sie nicht mehr wieder erkennbar sind (das wesen macht doch den menschen aus, und nicht der name oder die eigenschaft logisch denken zu koennen). warum kann es dann nicht einfach irgendein anderer detektiv sein, wie z.b. auch schon agatha christie vom doyle abgekupfert hat, aber zumindest einen poirot daraus gemacht hat, der fuer sich etwas ganz eigenes ist.
    dasselbe gilt fuer den neuen (letzten) star wars film. warum muss man geschichte unbedingt umschreiben, man kann doch selber neue persoenlichkeiten kreieren. da haette es doch genauso captain XY sein koennen, der mit dem raumschiff Z durchs weltall zieht.

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    • christianfuchs | vor 745 Tagen, 11 Stunden, 42 Minuten

      aber captain xy oder detektiv abc garantieren nicht für einen run auf die kinokassen. ebendieser ist aber relativ essentiell für filme dieser größenordnung.

    • avecplaisir | vor 745 Tagen, 11 Stunden, 21 Minuten

      donnergrollen

      hmm, da waere ich mir gar nicht so sicher (wenn du natuerlich damit recht hast, dass dies die intention ist), weil die aufmerksamkeit haben blockbuster-filme ja immer. das resultat ist ja meist, dass die sogenannten fans enttaeuscht aus dem kino gehen, und der masse ist es eh egal, was da ueberhaupt auf der flaeche namens leinwand abgeht, solange es nur blitzt und donnert (ich spreche jetzt vom popcorn-kino)

    • avecplaisir | vor 745 Tagen, 11 Stunden, 12 Minuten

      interessenshalber

      ganz andere geschichte: mich wuerde interessieren, ob du mary and max gesehen hast, und was du davon haelst;
      (waere fast schon ein kolumnen-versuch, fragen sie christian fuchs; wie finden sie film X?)

    • christianfuchs | vor 744 Tagen, 20 Stunden, 36 Minuten

      mary & max

      nie gehört davon, jetzt eben mal nachgeschaut, hört sich interessant an...

    • avecplaisir | vor 744 Tagen, 12 Stunden, 39 Minuten

      ist es auch

      eine unglaublich nette aussenseiter-geschichte regelrecht herzzerreissend detailverliebt umgesetzt (ganz ohne kitsch).