Erstellt am: 30. 1. 2010 - 16:59 Uhr
Verbarrikadiert
"Weg mit der Barrikade! Weg mit der Barrikade!" schreien die Demonstranten. Sie werden auf dem Christian-Broda-Platz bei der Mariahilfer-Straße von der Polizei eingekesselt. Alle fünf Straßen, die zu dem Platz führen, sind mit Tretgittern versperrt. Dahinter haben sich Polizisten mit Schutzschildern aufgestellt. Die Polizei will verhindern, dass die Demonstranten zur Hofburg ziehen, dorthin, wo Burschenschafter aus dem deutsch-nationalem Lager am Korporationsball gerade Walzer tanzen. Gegen diesen Ball richtet sich die Demonstration.
Die laut Polizei 500 Demonstranten auf der Marihilfer-Straße, sind aber nicht nur darüber entzürnt, dass dem Wiener Korporationsring für seinen Ball die Hofburg zur Verfügung gestellt wird. Immerhin ist der Korporationsring der Dachverband von über 20 Burschenschaften aus dem deutsch-nationalen Lager, darunter auch die Burschenschaft "Olympia", die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als rechtsextrem eingestuft wurde. Fast noch mehr Ärger herrscht darüber, dass die Gegen-Demonstration im letzten Moment von der Polizei verboten wurde.

Unter den Demonstranten befindet sich auch der grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger. Er hält das Demonstrationsverbot für eine "Provokationsstrategie" seitens der verantwortlichen Politiker. Und diese Strategie geht voll auf. Gegen 20 Uhr versucht eine Gruppe Vermummter die Polizeiabsperrung in der Mariahilfer-Straße zu durchbrechen. Zusätzlich fliegen Flaschen, Piraten und Rauchbomben aus den Reihen der Demonstranten in Richtung der Polizisten. Die haben inzwischen Verstärkung von der Sondereinheit WEGA bekommen. Dann wird auch noch ein Wasserwerfer aufgefahren. Ein Trupp von Polizisten stürmt in den Kessel, zerrt einen jungen Punk zu Boden und verhaftet ihn.

Ähnliche Szenen spielen sich an allen fünf Absperrungen ab. Auch Besucher eines nahe gelegenen Billardcafés und Touristen befinden sich in dem Kessel. Ein Tourist aus Osteuropa weiß gar nicht, dass er gerade mitten in einer Demonstration steckt, sondern glaubt, in ein Clubbing geraten zu sein.
Indes fordert die Polizei die Demonstrierenden per Lautsprecher auf, die Demo zu verlassen. Wer dem Kessel allerdings entfliehen will, muss lange anstehen. Die Polizei lässt die Leute nur einzeln raus und nimmt dabei die Personalien jedes einzelnen auf. Sie alle müssen jetzt mit einer Verwaltungsstrafe rechnen.
Bilanz des Abends
Weitere Bilanz des Abends: 14 Verhaftungen und mehrere Verletzte. Das wäre vermeidbar gewesen, glaubt Karl Öllinger. Viel sinnvoller wäre es in seinen Augen gewesen, die Demonstration zu genehmigen und sich mit den Veranstaltern über eine Route zu einigen.
Die Polizei schreibt indes in einer Aussendung an die Presse: "Das Ziel der Wiener Polizei, den Ballbesuchern ungehinderten und störungsfreien Zugang zur Hofburg zu ermöglichen, wurde erreicht."

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