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Musik, Film, Heiteres

Christian Lehner mit Hut

Christian Lehner New York

Süß/saure Geschichten aus dem Big Apple.

1. 2. 2010 - 18:45

Grammy Knödel im Pornoladen

Eine Nachschau mit Verspätung. Oder: wie DJ Ötzi bei der diesjährigen Grammy Verleihung zu unerwarteten Ehren kam.

Je verzweifelter eine Industrie, desto greller das Licht. Nächstes Jahr dann bitte in Mörbisch. Und die späte Bestätigung von Mutters Pop Theorie: das klingt tatsächlich ALLES gleich - Bon Beyonce Pink Eyed Swift.

FB Status Update, Sunday 10:39 pm

Hat´s jemand gesehen?

Hat´s jemanden interessiert? Die Krise der Musikindustrie, sie ist vorbei! Einfach weggefegt, gestern bei der Verleihung der Grammys. Motto: Schau nicht dort hin, wenn du da hinschauen kannst: Opulenz, Operette, gleißendes Licht. Gitarren wie Dildos, Muskeln überall, Lack und Leder, Alien Combos, 3D Michael, Orchester Armeen, Kanonenrohre und Zirkusattraktionen. Pop als Opera Buffa. Glamour mit Maschinengewehr. Sex von braven VorzeigeschülerInnnen. Mit Disziplin und Furor vorgetragen. Dann wird das schon. Trotz Umsatzminus.

Amerika kämpft drei Kriege. Auch diesen lässt es sich etwas kosten. Selbst im Jahr des großen Jackson Abtritts und der zwei unerwarteten Außenseiter-Erfolge durch Susan Boyle und Lady Gaga ist der Eisberg wieder ein großes Stück geschmolzen. Über 12% Umsatzrückgang im Bereich des Tonträgerhandels waren es laut Nielsen Soundscan 2009. Auch der digitale Verkauf ist ins Stocken geraten. Also sammelte man die großen 300 zum letzten Gefecht. Angeführt vom R&B Terminator Beyoncè Knowles stürmte gestern Abend eine Angriffswelle um die andere über die Bühne des Staple Center in LA.

Beyonce

Im gleißenden Licht der Zweckbündnisse war dabei nicht mehr auszumachen von welchem Pop-Panzer man gerade überfahren wurde. Hauptsache mächtig. Pink, Peas, Pon (Jovi)? Rock, Rap, R&B? Autotune, Autotune, Autotune? Country Schlager oder Punk Musical? Eiserne Arien der Betroffenheit, von den Bühnen geschmettert wie Sperrfeuer. Das Timbre des Todes aus dutzenden Kehlen. Herr Wagner hätte seine Freude daran gehabt. Sein größter Fan möglicherweise auch.

Der Trend zur Konvergenz der Styles im Mainstream Pop, er wurde dieses Jahr auf die Spitze getrieben und führte auch im Bereich der Mode direkt in die Tiefgarage.

Die Alpen glühn im Burgenland

Diese nah an Mörbisch gebaute Leistungsschau des schlechten Geschmacks und der großen Verzweiflung verdeutlichte auch eins: selbst Pop, der immer auch von der Übertreibung, dem Glamour, dem "Larger than life"-Prinzip lebt, hat seine Schmerzgrenzen, lässt sich nicht beliebig um sich selbst potentieren, wenn dahinter tatsächlich nichts als das große Nichts lauert.

Bezeichnend auch, dass die „Industrie“ offenbar ausgerechnet jener Artistin misstraut (und sie mit Nebenpreisen abspeiste), die im vergangenen Jahr mit ihren ausgeklügelten Pop-Designs den Mainstream auf den Kopf stellte und darüber hinaus den Beweis erbrachte, dass eine globale Karriere aus dem Nirgendwo auch in diesen Zeiten durchaus möglich ist, wenn man denn auch ihre Zeichen richtig lesen kann.

Für den erhellensten Moment des Abends sorgten allerdings die notorischen Black Eyed Peas. Ich kann mich an diesen Alpentraum von einem Auftritt nur insofern erinnern, als dass er frappant die Ski-Verhüttelung des Amerikanischen Mainstream Pops versinnbildlichte. Dieses Ballermann meets Apres Ski Spektakel, vorgetragen in Kostümen, die es nie in die original Star Wars-Saga der 70er Jahre schafften, klang tatsächlich nach DJ Ötzi – sä one and only - insofern ein virtuller Ehren-Grammy für Österreichs größten Popstar. Grammy Knödel im Pop Pornoladen. Schmecks!

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  • toteraltermann | vor 740 Tagen, 14 Stunden, 42 Minuten

    Buh

    Für diesen absolut unangebrachten König-Ludwig-II-Vergleich!

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    • alpiarts | vor 740 Tagen, 1 Stunde, 28 Minuten

      Von mir auch.

  • flexxo929 | vor 740 Tagen, 22 Stunden, 43 Minuten

    ein grammy für stephen colbert!

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  • nadir | vor 741 Tagen, 18 Stunden,

    hehe... netter bericht. immerhin: ein grammy fuer booker t. fuer "potato hole" (mit neil young an der gitarre). viel zu gut fuer diese schrottschau natuerlich, aber auch ein bisschen troestlich.

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    • christianlehner | vor 741 Tagen, 15 Stunden, 10 Minuten

      andere preisträger: phoenix (best alt album), leonard cohen (lifetime achievement award)- es gibt sie ja, nur wurden sie bei der show mehr oder weniger ausgeblendet - cohen unwürdigst mit einer ins talkover gemurmelten ansage und einer kurzen einblendung "erledigt".

      ulkig die nominierung von mgmt als best "new" artist ...

    • mclusky | vor 741 Tagen, 13 Stunden, 39 Minuten

      ...ich hab mich auch gefragt, ob die zac brown band den grammy wegen ihres albums von 2004 oder dem von 2005 oder gar dem 2 jahre alten letzten machwerk bekommen hat.

      mehr oder weniger ausgeblendet heißt in diesem zusammenhang übrigens pre-telecast. (ulkig passt da; wie phoenix aus der 70sten reihe an 69 unbesetzten vorbei auf die bühne tanzen)

      aber hey: dem sagmeister kann man gar nicht genug preise nachwerfen. der macht wirklich heißen scheiß! (akg detto, aber jetzt is genug mit falschen patriotismus. immerhin kommen ja noch die heiligen 3 oscars)

  • seayou | vor 741 Tagen, 18 Stunden, 8 Minuten

    fand es war ne schöne show, die red carpet interviews auf e waren va cool.
    den glamouranteil zu kritisieren..naja wir sind ja in der entertainment branche..

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  • sleazy | vor 741 Tagen, 18 Stunden, 52 Minuten

    autotune

    ja, wahnsinn. alles zum bricket hochkomprimiert und niedergemelodyned. und kein ende dieser bewegeung in sicht. aber schön, dass sich marilyn manson und elton john so gut verstehen.

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  • watchtowerman | vor 741 Tagen, 19 Stunden, 32 Minuten

    da gab es in der Simpsons "Be Sharps" Folge ja diese Szene wo Homer dem Zimmerservice als Trinkgeld einen Grammy gibt.
    hab mich früher immer gefragt woher dieser Hohn kommt.

    Seit ich die Veranstaltung & ihre Preisträger verfolge wundert mich gar nichts mehr.

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  • mrbrightside77 | vor 741 Tagen, 22 Stunden, 26 Minuten

    treffende aussage bezüglich der black eyed peas, ich konnte/kann den hype um diese band ohnehin nicht verstehen. aber gut, jedem das seine ...

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  • pfisterbua | vor 742 Tagen, 2 Stunden, 47 Minuten

    jetzt um so mehr. lady gaga ist ein unschätzbarer diamant!

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    • redken | vor 741 Tagen, 22 Stunden, 3 Minuten

      word

    • harryjen | vor 741 Tagen, 18 Stunden, 42 Minuten

      Schöner Vergleich.

      Hübsch anzusehen, glitzert in allen Farben, aber steht für gar nix außer sich selbst.

    • harryjen | vor 741 Tagen, 18 Stunden, 42 Minuten

      aber Diamanten sind wenigsten still dabei.

    • blumenau | vor 741 Tagen, 17 Stunden, 38 Minuten

      seit wann steht pop für mehr als sich selbst? und seit wann ist pop still?

    • harryjen | vor 741 Tagen, 16 Stunden, 26 Minuten

      Steht Pop für mehr als sich selbst?

      Selten. Muss er auch nicht, wenn er wenigstens Feenstaub versprüht.

      Ich bin mir eh nicht sicher, ob ich die Lady nicht doch gut finden soll, manchmal bricht da ab und zu ja doch ein schräger Moment durch.

      Leider zelebriert sie ihre Sinnlosigkeit dann derart offensichtlich, dass sie wieder völlig uninteressant wird, und ihre Musik ist über weite Strecken ein infantiler Käse, dass einer Sau graust.

      Ich könnte alle Effekt-/Choreo- und Kostümschlachten in den Videos verkraften, wenn die Musik nicht so zweifelsfrei klar machen würde, dass die Frau einfach nur mit allen Mitteln an die Spitze will.

      Ist Pop still?

      Auch nicht, aber in ihrem Fall wär das schon ein Schritt vorwärts.

      Roisin Murphy hat schon vor fünf Jahren die gleiche Schiene bedient, aber bei der war wenigstens die Musik gut.

    • blumenau | vor 741 Tagen, 13 Stunden, 57 Minuten

      irrtum beim schienenvergleich: roisin ist für ein deutlich älteres publikum (schau dir einmal die konzerte an).

      süß ist es von einer grellen pop-künstlerin zu fordern, dass sie leiser sein soll - erinnert mich an foyer des arts und "stell die beatmusik ab!"

      pop ist die zelebrierung seiner selbst, nie mehr gewesen. wenn dabei noch sowas wie eine erkennbare autorenschaft oder gar etwas wie sinnstiftung abfällt, ist das ein (seltener) benefit, aber nicht der regelfall.

    • alpiarts | vor 741 Tagen, 13 Stunden, 9 Minuten

      "aber bei der war wenigstens die Musik gut."
      Da ist schon was dran.

    • christianlehner | vor 741 Tagen, 12 Stunden, 47 Minuten

      das selbstreferentielle ist ja eine der grundsubstanzen des pop. bloßes aufpimpen und liebloses vermengen der parameter zum zwecke gefühlter marktbedürfnisse reicht aber nicht (mehr). ich frage mich: nach wem jabbsen die dort noch?

      interessant ist auch, dass der ehemalige schattenmarkt "indie" in den usa mittlerweile ein drittel des musikbuiz ausmacht, bei dieser grammy gala aber völlig ausgeblendet wurde.

      und lady gaga? die ist doch die transparenteste und authentischste all dieser mainstream pop-geschöpfe. die gibt ja auch tatsächlich die richtung vor, in die ihre maschine saust.

      und weil alle vom "großen jahr der ladies" faseln: ich glaube, dass es genau diese unabhängigkeit ist, die den grauen herren dieser industrie wirklich angst macht (und nicht der kreuzbiedere und brave r&b terminator).

    • heinzheinrich | vor 740 Tagen, 20 Stunden, 14 Minuten

      wie pop zu sein hat und für was er steht bestimmt noch immer jeder für sich selbst. nur so kann die persona lady gaga, für sich selbst (ent)stehen. das einzige worüber MAN reden kann ist doch, wie einer darstellt (roisin gaga) / beobachtet (alt jung), nicht was er darstellt / beobachtet oder nicht. da liegt der lcd von pop. d.h. auch zu akzeptieren, dass gewisse ausnahmewesen eine art von geistigem snobismus pflegen und sich einbilden geld sei nicht unerläßlich notwendig, um pop zu sein. auf der einen wie auf der anderen seite und allen zwischenstufen der wertschöpfungskette. @trent raznor: "The Grammys = the old guard / old media propping up their puppets trying to convince the outside world (and each other) they're relevant."

    • harryjen | vor 740 Tagen, 18 Stunden, 58 Minuten

      @blumenau

      "pop ist die zelebrierung seiner selbst, nie mehr gewesen. wenn dabei noch sowas wie eine erkennbare autorenschaft oder gar etwas wie sinnstiftung abfällt, ist das ein (seltener) benefit, aber nicht der regelfall."

      Und findest du das gut? Oder gar unterstützenswert?

  • blumenau | vor 742 Tagen, 6 Stunden, 9 Minuten

    die black eyed peas-assoziation ist tatsächlich verblüffend.
    und irgendwie war auch klar, dass man sich eher in pink und beyonce flüchtet und sich nicht so sehr über lady gaga drübertraut.
    taylor swift hab ich bei ihrem SNL-auftritt recht erfrischend gefunden, dürfte kein püppi, sondern eine autorin sein.
    komischerweise war mein gesamteindruck besser als der der letzten drei, vier jahre...

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    • christianlehner | vor 741 Tagen, 15 Stunden, 5 Minuten

      everybody´s a letterman

      bei snl sehen alle guest hosts immer wie die weltmeisterInnen aus, weil die amis ja doch in sachen auftritt und rede ganz weit vorn sind, die mods von den snl autoren mitgeschrieben werden und die show auch mehrmals geprobt wird.

  • prom000 | vor 742 Tagen, 11 Stunden, 20 Minuten

    Diese nah an Mörbisch gebaute Leistungsschau

    ???
    Den Vergleich verstehe ich jetzt nicht.

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