Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Künstler, mach Kunst!"

Musik, Film, Heiteres

Marc Carnal

Marc Carnal

Wer sich weit aus dem Fenster lehnt, hat die bessere Luft. Lach- und Sachgeschichten in Schönschrift.

7. 2. 2010 - 15:00

Künstler, mach Kunst!

Aber bleib bei deinen Leisten.

Frohes Schaffen! Möge es ein Schöpfen werden. Keine Größe ohne Größenwahn. Lass all die Romane aus deiner Feder fließen, die schon längst hätten geschrieben werden müssen, komponiere Musik, die zu schön ist für diese Welt, male, als gäbe es kein Morgen. Künstler, wir brauchen dich, ohne dich wäre es karg auf diesem Erdenrund. Lass unsere Herzen heiß und schnell schlagen. Wir wollen es dir danken.

Künstler, mach Kunst.

ABER: Bleib bei deinen Leisten. Deine Meinung zur Europäischen Union und zum Regenwald ist nicht bedeutend, nur weil du Künstler bist. Politik ist eine Disziplin, die sich mit dem Allgemeinen beschäftigt, also bleib du beim Speziellen. Wenn du nach meinem Lieblingssong nicht das nächste Lied spielst, sondern vom Auditorium erwartest, deine Ansichten zur Wirtschaftskrise zu akklamieren, soll ich da mitklatschen, nur weil mir deine Musik gefällt? Soll ich das doppelseitige Interview mit dir über die amerikanische Außenpolitik erbaulich finden, weil ich deine Romane im Billy-Regal aufgereiht habe? Soll ich es etwa nicht manipulativ und dreist finden, wenn ich deine aus Fertigteil-Sprache gebildeten ‚Statements‘ zu irgendwelchen Skandalen lesen muss, wenn du im Windschatten deiner Popularität in Bereiche vorstößt, für die es genug eigene Protagonisten und Experten gäbe?

Künstler, mach doch einfach Kunst!

UND: Sei ruhig faul dabei. Der Müßiggang ist ein heiß sprudelnder Quell an Inspiration. Wenn die Musen dich dann mit Zungenküssen locken, wirst du brennen und arbeiten, als wäre es dein letzter Tag. Du wirst dabei wie von selbst fortschreiten und lernen.
Militärische Disziplin dagegen ist beim Militär gefragt, wo sonst. Und auch wenn auf allen Kanälen rund um die Uhr Pop-Rekrutierungs-Formate laufen sollten – Sieh nicht hin! Mit Ausdauer, Fleiß, ehernem Willen und Verbissenheit wird man entweder Schirennläufer oder Dieter Bohlen, aber kein Künstler. Du brauchst nur dein Talent, deinen Kopf und die Werkzeuge für die Kunst, beispielsweise die Stimme. Nachgewiesenermaßen beeinflussen Zellulitis oder unmodische Brillen die Stimmgewalt keineswegs.
Du bist kein Soldat und kein Sportler, du bist Künstler.

Also mach Kunst.

ABER: ‚privare‘ sagten die Römer immer dann, wenn sie ‚bewahren‘ meinten, und ‚privat‘ heißt folglich so, weil es etwas zu bewahren gilt, dein Leben also, dein Glück und Pech, deine Nacktheit, deine Familie. Künstler, mach Kunst und lass uns mit deinem geilen Body verschont. Wir wollen vielleicht manchmal, aber müssen keineswegs wissen, ob dein Partner gerade eine Suppendiät macht oder schnarcht. Dein Beruf bedingt auch nicht, im Zuge von Homestorys mit einem guten Roten vor deiner Bücherwand dabei gefilmt zu werden, wie du die Entbehrungen deiner Adoleszenz erörterst. Und wirf alle Einladungen zu Events ungelesen weg, in diesen Stunden, in denen du Teil einer Society oder gar ein VIP wirst, kannst du Kunst schaffen.
Deine eigene Kunst.

Mach sie

und keine andere. Und wenn man dich mit einem noch so ergiebigen Geldregenschauer dazu bringen will, Ideen und Geschmack von anderen umzusetzen, sag nein und vertrau dir selbst. ABER: Hör auch auf mit falscher Künstler-Romantik. Armut macht nicht unbedingt kreativ. Geld bedeutet auch Freiheit und Zeit, beides brauchst du in Fülle. Steck jeden Cent mit ruhigem Gewissen ein, den wir für dich auszugeben bereit sind. Du hast es verdient, denn du machst uns froh.

So, Künstler.

Genug der Worte, raus mit dir aus dem Internet. Zieh dich warm an, geh spazieren, denk dir dabei was Schönes aus und dann schreibe, spiele, male, meißle mit Verve und Konzentration an deinem Werk . Das ist dein Beruf, nichts anderes.

Haftungsausschluss

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

Zum Eingabeformular Kommentieren

  • viktualiapfefferminz | vor 734 Tagen, 18 Stunden, 49 Minuten

    Marc, danke für einen Text, der schon so lange notwendig war und das Phänomen Künstler so pointiert beschreibt.

    Auf dieses Posting antworten
    • alpiarts | vor 734 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten

      Bist Du Künstler? Täte mich wundern...

  • preeins | vor 735 Tagen, 8 Stunden, 20 Minuten

    darf morb jetzt als Marc Carnal schimpfen?

    Auf dieses Posting antworten
  • eierspeis | vor 735 Tagen, 8 Stunden, 29 Minuten

    Bin ich wirklich der Einzige hier, der den sarkastischen Unterton aus diesen Text gelesen hat?

    Auf dieses Posting antworten
    • selwalist | vor 735 Tagen, 8 Stunden, 17 Minuten

      sarkasmus kann ausdifferenziert und (verhältnismäßig) subtil oder plump und peinlich sein, und halt auch alles dazwischen. hier bewegen wir uns eher auf zweiterer ebene.

      dass der herr carnal damit aufgrund des inhaltlichen leichtgewichts seiner sonstigen themen gut damit fahrt (was ich schätze), aber hier jetzt mal ganz schiarch in die muschel greift, darum gehts wohl.

  • whsonic | vor 735 Tagen, 10 Stunden, 40 Minuten

    kein Maulkorb

    Warum sollen Künstler nicht zu allem möglichen ihren Senf absondern?
    Erstens machen das alle anderen auch und zweitens: Wenn sich Politiker erdreisten, über Kunst zu reden und nebenbei damit die Lebensbedingungen von Künstlern sehr stark beeinflussen (Beispiel: Künstlersozialversicherung bzw. Rückforderungen), dann haben die Künstler wohl auch das Recht, etwas über Politik zu sagen. Oder Fußball. Oder Mode. Ich muss es ja nicht lesen, wenn ich nicht will. Und glauben schon gar nicht.

    Auf dieses Posting antworten
    • alpiarts | vor 735 Tagen, 4 Stunden, 51 Minuten

      word

    • garibaldi | vor 734 Tagen, 10 Stunden, 10 Minuten

      Klar darf er das, nur geht das halt allzu oft ganz schiach in die Hose. Wieviele Bands sind in meiner Gunst schon schlimm abgestürzt, weil sich ein Member bei einem Interview als verschrobener Ungustl geoutet hat? Die Arschlochliste ist mindestens solange wie eine Indie & Alternative Top100.

  • diamondback | vor 735 Tagen, 13 Stunden, 48 Minuten

    dein falscher brautvater wird dir, ob dieses textes, eventuell den unterkiefer verbiegen. mich beruehrt beides (text und kieferbruch) nicht.

    Auf dieses Posting antworten
  • winnetou2 | vor 735 Tagen, 18 Stunden, 22 Minuten

    Journalist, mach Recherche!

    Auf dieses Posting antworten
  • breitchev | vor 735 Tagen, 18 Stunden, 53 Minuten

    Marc, Marc,.. Du warst doch einmal ganz lustig. wer hat Dir bloß eingeredet, eine karriere als konservativer troll zu beschreiten?

    Auf dieses Posting antworten
  • selwalist | vor 735 Tagen, 19 Stunden, 55 Minuten

    jetzt bin ich schon schwer am überlegen, ob ich dir das nächstemal, wenn ich dich sehe, ein paar saftig schmatzende faustwatschen verpass.

    blogger, bleib bei deinen kleingeistigen gesellschaftsgehirnblähungen, dass war doch bisher immer ganz amüsant.

    "Unglaublich aber wahr: 40 Jahre nach Brecht, 2 Jahre vor der Jahrtausendwende und mitten in der schönsten Postmoderne müssen wir erkennen: Kunst und Leben sind doch nicht zwei getrennte Dinge."
    Christiane Kühl in der taz

    Auf dieses Posting antworten
    • elvishasleftthebuilding | vor 735 Tagen, 10 Stunden, 36 Minuten

      Fast jeder will seine eigene Meinung gespiegelt haben

      Kunst gehört vielleicht zum Leben, aber auf Künstler als Welterklärer setzen nur jene die selbst nicht denken wollen.

      Essen gehört übrigens auch zum Leben, was Ferran Adria oder Reinhard Gerer zur Klimaerwärmung oder zum Islamismus zu sagen haben ist dennoch zweitrangig für mich.
      Gleiches gilt im übrigen bei den meisten Politikern und Journalisten.

      Truth is in the eye of the beholder.

    • tittietwister | vor 735 Tagen, 9 Stunden, 29 Minuten

      nicht selbst denken wollen?
      deiner logik nach sollte man also meinungen, darstellungen und denkansätze anderer konsequent ausblenden und nur sich selbst als einzige quelle der vernunft kultivieren um den status eines denkenden wesens zu erlangen?. hmmm.

      meiner meinung nach ist gerade das akkumulieren einer vielfalt an möglichen betrachtungswinkeln essenziell für brauchbare denkansätze. ansonsten ist das resultat eher ein konglomerat aus einseitiger egomanie und desinteresse an allem was außerhalb des eigenen blickfeldes liegt.

    • elvishasleftthebuilding | vor 735 Tagen, 9 Stunden, 15 Minuten

      Nichts ist auszublenden!
      Aber eine gesunde Skepsis gegenüber Kunstschaffenden, und anderen öffentlichen Personen, die sich in so einem Zusammenhang inszenieren ist immer angebracht.
      Je mehr jemand tatsächlich zu sagen hat, umso vorsichtiger wird er formulieren, und er wird auch automatisch weniger apodiktische Aussagen tätigen.
      Was aber nicht mit einer unklaren und sich in Beliebigkeit ergehenden Sprache zu verwechseln ist!

      Je weniger einer weiß, umso lauter redet er meist öffentlich darüber.

    • elvishasleftthebuilding | vor 735 Tagen, 9 Stunden, 12 Minuten

      Zu deinem letzten Absatz, imho passt es von der Aussage her:
      "It is bad when one thing becomes two... If one understands things in this manner, he should be able to hear about all ways and be more and more in accord with his own."

    • selwalist | vor 735 Tagen, 8 Stunden, 21 Minuten

      werter elvis,

      kann dir im groben in allem gesagtem zustimmen. ändert allerdings nichts daran, dass ich vom herrn carnal nicht eine welt erklärt haben will, von der er offensichtlich null plan hat. er soll halt bei seinen leisten bleiben.

      jedem künstler, politiker, zeugwart, der mich mit manifestativem quarkelkas und einzigen wahrheiten zuspeibt, würd ich übrigens dasselbe entgegnen.

  • normal30 | vor 736 Tagen, 4 Stunden, 22 Minuten

    danke

    ich war schon richtig verzweifelt

    Auf dieses Posting antworten
  • northgirl | vor 736 Tagen, 8 Stunden, 59 Minuten

    Ich kann diesem Text auch nicht uneingeschränkt zustimmen (zB da es schon Sinn macht, wenn Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, also auch erfolgreiche Künstler, sich für politische Dinge engagieren und damit andere Menschen zumindest dazu bringen können, über diese Themen nachzudenken), aber es sind da schon ein paar gute Gedanken drin - zB dass man als Künstler Phasen der Zeitlosigkeit braucht, um Inspiration zu finden und dass man mit Fleiß alleine höchstens Dieter Bohlen wird (schön gesagt:-)
    Leider sieht die Praxis so aus, dass man als Künstler einen Großteil der Zeit mit Dingen wie Organisation, Marketing, Werbung, Flyer machen, Auftritte/Ausstellungen/Lesungen organisieren, Internetzeugs betreuen etc verbringt und damit, in anderen Jobs Geld fürs Kunstmachen ranzuschaffen, und nur davon träumen kann, all die Energie in die tatsächliche Kunst zu stecken. Dafür braucht man leider viel mehr Geld, als es den meisten Künstlern gelingt, mit ihrer Kunst zu verdienen.

    Auf dieses Posting antworten
    • alpiarts | vor 736 Tagen, 5 Stunden, 22 Minuten

      Ich hoffe, der Marc liest das.
      Nachempfinden wäre zu viel verlangt.

    • northgirl | vor 735 Tagen, 18 Stunden, 26 Minuten

      Wozu dieser aggressive Ton?

    • alpiarts | vor 735 Tagen, 11 Stunden, 42 Minuten

      Weil es mich nervt,
      wenn sich Jemand über etwas ergeht,
      von dem er offensichtlich keine Ahnung hat.
      Kann Jedem mal passieren,
      aber dann gleich einen Journal-Beitrag zu machen,
      ist vermessen, geht daneben.

    • elvishasleftthebuilding | vor 735 Tagen, 8 Stunden, 17 Minuten

      northgirl, was no-name Künstler zu sagen haben interessiert id Regel ohnehin die Öffentlichkeit wenig.

      Imho ging es marc vorrangig um etablierte Personen, die bereits eine potentielle Zuhörerschaft besitzen.

    • northgirl | vor 735 Tagen, 7 Stunden, 23 Minuten

      Elvis, Du hast wohl eine naive Vorstellung davon, ab wann sich Kunst finanziell lohnt. Lass Dir als Beispiel gesagt sein: Viele von den Bands, die auf FM4 gespielt werden und regelmäßig live gut besuchte Konzerte spielen, bestehen aus Menschen, die in ganz anderen Jobs ihre Miete verdienen müssen. Name ist nicht gleich Geld!