Erstellt am: 23. 2. 2010 - 12:34 Uhr
Pretty Things Happen
Ein Talent kommt selten allein. Das ist das Fazit aus der gestrigen FM4 Soundpark Studio2 Session. Der Sänger von Velojet singt nicht nur und spielt Gitarre, sondern auch Trompete und Klavier, einer der Geiger bläst zwischendurch auch mal ins Sousaphon, und bei Dust Covered Carpet werden sowieso alle Instrumente im Kreis herumgereicht, vom Glockenspiel bis zur Carimba. Aber alles der Reihe nach...

Honest Sound of Nature
Gleich beim ersten Song von Dust Covered Carpet, die die gestrige Session eröffnen durften, ist es wieder da: das Studio2-Gänsehaut-Gefühl. Immer wieder wird man von der Qualität des Sounds in diesem Aufnahme-Studio des Wiener Funkhauses überwältigt. Dagegen kann man sich nicht wehren, wie eine Wucht trifft einen jede gezupfte Seite, jeder Schlag auf Snare- und Bassdrum, jedes gesungene Wort.

Gerade bei Dust Covered Carpet mit ihren nahegehenden Songs, die einem in so speziellen Rahmen auch noch so intim dargebracht werden, war das spürbar. Erst am Tag zuvor ist das 6er-Kollektiv von einer zweiwöchigen Tour durch Österreich, Deutschland und Tschechien zurückgekommen. Müde sind sie, aber auch gut eingespielt. Kein loser Haufen aus MusikerInnen mehr, sondern eine Band sind sie nun und das merkt man.
Man hört sogar den Schnupfen
Die Atmosphäre im Studio2 ist nach einer so langen Tour durch verrauchte Lokale mit ausgelassenem Publikum etwas ungewohnt für Dust Covered Carpet.

"Es ist so leise, dass man sogar meinen Schnupfen hört.", bemerkt Sänger Volker verblüfft. Fünf Songs geben sie zum Besten, einer davon ("peak of a feeling") vom ersten Album und die restlichen vier vom neuen Album "a cloud pushed and squeezed." Zu den sechs Basic-Members gesellten sich dann auch noch zusätzlich Trompete und Posaune, die Melodika wurde geblasen, Glockenspiel, Klarinette, Akkordeon, Carimba und manches mehr ineinander verwoben, um sich zusammen mit all den schwingenden Stimmbändern zu einer warmen Decke zusammenzustricken.

"Danke für das ganze coole Equipment, das wir nie wieder in unserem Leben sehen werden.", bedanken sich die Dusties, nach der Session im Studio2. Doch es ist eindeutig zu früh um den Teufel derart an die Wand zu malen, denn wenn es so gut weiter geht mit Dust Covered Carpet und ihrem besonderem Actionfolk-Sound, steht der Band nichts weiter im Weg. Hoffentlich beehren sie dann auch uns einmal wieder, denn um es mit einer ihrer Textzeilen zu sagen: "it isn't so bad, when things repeat."

You talk to me in poetry
Velojet auf Tour
- 11.03.10: Graz, ppc
- 12.03.10: Leoben, Kuke
- 20.03.10: Groß Gerungs, Willage Festival
- 26.03.10: St. Pölten, Freiraum
- 27.03.10: Eggenfelden, Platinum
- 09.04.10: Hall, Stromboli
- 29.04.10: Salzburg, Rockhouse
- 19.06.10: Thal bei Graz, Sautrock
- 14.08.10: Wattens, Wiesenrock
Nach einer kurzen Umbaupause sieht das Studio2 gleich ganz anders aus. Neben vier eigens mitgebrachten Riesen-Glühbirnen, die die Stimmung im Raum noch schöner werden lassen, wurde ein Bösendorfer-Flügel herbeigezaubert, ein riesiger Kontrabass lehnt in der Ecke, Geigen und ein Cello bevölkern die Szene. Man fragt sich, wer das alles spielen soll, sind Velojet doch eigentlich nur zu viert. "FM4 sollte von nun an lieber nur noch Solo-Artists einladen," rät uns Velojet-Bassistin Marlene vor der Session, "dann habt ihr nicht so viel Aufwand wie mit uns."
Dabei ist es doch gerade das, wofür das Studio2 da ist: Für jedes noch so selten gespielte Instrument gibt es den richtigen Stecker, für jede Stimmlage die richtige Mikrofon-Einstellung, für die ausgefallensten Arrangements die richtigen Utensilien. Und geduldige, professionelle Techniker, die das Studio2 wie ihre Westentasche kennen und mit gutem Rat auf die Wünsche der MusikerInnen einzugehen wissen.

Zu siebent stehen Velojet dann auf der Bühne. Drei Streicher der Band Neuschnee, die auch auf "Heavy Gold", dem neuen Album von Velojet, zu hören sind, begleiten die Indie-Rocker. Und Velojet entpuppen sich als wahre Allround-Musiker. Keyboarderin Lisi bespielt den Bösendorfer, singt, crashed mit den Becken, Sänger Rene spielt nicht nur Gitarre, sondern ebenfalls am Flügel und sogar Trompete und Bassistin Marlene wechselt gekonnt zwischen E- und Kontrabass und bringt mein Lieblingsinstrument des gestrigen Abends zum Einsatz: das Omnichord. Sogar die drei Streicher singen nebenbei auch mal, spielen Melodika und mein zweites Lieblingsinstrument das Sousaphon.

Der singende Herr links im Bild war eine von vielen Überraschungen, die Velojet mitgebracht haben. Bernhard Eder hat vor einiger Zeit den Velojet-Hit "I follow my heart" gecovert, das hat der Band so gut gefallen, dass sie sein Cover wiederum gecovert haben und so kam es, dass sie den Song gestern Abend gemeinsam performt haben. Auf jeden Fall ein Highlight dieser FM4 Soundpark Studio2 Session. Wenn man vorher noch kein Velojet-Fan gewesen sein sollte, ist man es allerspätestens in diesem Moment geworden, so viel ist sicher.
Wie auf einem Piratenschiff
Acht Songs haben Velojet für den gestrigen Abend eigens arrangiert und aufgenommen. Dass beim letzten Song "driving home" dann auch noch Dust Covered Carpet als Chor mitgewirkt haben, war ein krönender Abschluss für einen wunderbaren Abend mit zwei großartigen österreichischen Bands. "Wie auf einem Piratenschiff", hat sich Velojet-Sänger Rene während des Soundchecks noch gefühlt, weil ihn die großen schwarzen Rohre der Klimaanlage an Kanonenrohre erinnert haben. Nach der Session sieht das Publikum aber eher aus, als hätten sie gerade eine Luxusyacht nach einer Fahrt auf ruhiger, wohltuender See verlassen. Völlig entspannt und glücklich.

Ausgestrahlt wird die FM4 Soundpark Studio2 Session mit Velojet und Dust Covered Carpet am Montag, 1.März in der FM4 Homebase (19-22 Uhr). Das Video zur Session gibt es demnächst hier an dieser Stelle zu bewundern.

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