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Musik, Film, Heiteres

Christian Fuchs

Christian Fuchs

Twilight Zone: Film- und Musiknotizen aus den eher schummrigen Gebieten des
Pop.

22. 2. 2010 - 12:38

Mad Max als Mönch

Ungewöhnliches Untergangskino: Denzel Washington kämpft sich in "The Book Of Eli" als spiritueller Schwertkämpfer durch ein postapokalyptisches Amerika.

Es ist also wieder mal passiert. Zumindest auf der Kinoleinwand. Amerika liegt in Schutt und Asche, nur wenige Menschen vegetieren nach der Apokalypse in armseligen Verhältnissen herum.

Einer dieser Überlebenden ist ein älterer, verhüllter Mann, der ein geheimnisvolles Buch mit sich herumschleppt. Eli heißt dieser Einzelgänger, Denzel Washington spielt ihn mit grimmigem Blick.

Auf seiner Wanderschaft macht der unnahbare Fremde in einer heruntergekommenen Stadt halt. Und weil "The Book Of Eli" nicht nur ein postapokalyptisches Drama ist, sondern auch ein handfester Western, residiert dort ein Verbrecherboss namens Carnegie in einem Saloon.

Der Paradebösewicht (Gary Oldman) will um jeden Preis das Buch von Eli. Denn dieser vergilbte Schmöker verspricht jede Menge Macht. So leicht lässt sich der wortkarge Wanderer seinen Besitz aber nicht abknöpfen.

Und weil dieser Film auch noch ein Schwertkämpfer-Epos ist, spritzt jede Menge Blut in den Wüstensand, als Carnegie seine Banditen auf den Titelhelden hetzt. Gemeinsam mit einem rebellischen jungen Mädchen (Mila Kunis) flüchtet Eli aus der Stadt, die Verfolger dicht auf den Fersen.

The Book Of Eli

Man nehme: den erschütternden Roman "The Road" von Cormac McCarthy. Italienische Spaghettiwestern voller schmutziger Antihelden. Japanische Samuraifilme voller klirrender Schwerter. "Kozure Okami" meets "Keoma", und zu diesem Mix fügt man dann noch eine gewaltige Prise "Mad Max" hinzu. Das Ergebnis heißt "The Book Of Eli".

Eigentlich hätte dieser postmoderne und postapokalyptische Cocktail wirklich daneben gehen können. Wer braucht schon noch einen weiteren aufgesetzten Zitatefilm von Filmnerds für Filmnerds, auf den Spuren von Quentin Tarantino?

Aber "The Book Of Eli" funktioniert. Denn hinter der Kamera sitzen die Brüder Albert und Allan Hughes, zwei der wichtigsten afroamerikanischen Filmemacher in Hollywood, denen wir kompromisslose Ghetto-Szenarien wie "Menace To Society" und "Dead Presidents" verdanken, aber auch den Comicschocker "From Hell". Die Hughes Brothers hauchen ihrem bizarren Untergangsabenteuer tatsächlich so etwas wie eine Seele ein.

Es ist allerdings eine zutiefst religiöse Seele, was manche Zuseher verstören wird. Aber immerhin, dieser Film meint es trotz aller comichaften Referenzen ganz schön ernst.

The Book Of Eli

Wer die spirituelle Botschaft ignoriert, bekommt immerhin grandiose Schauwerte geliefert. Landschaften, die in Asche und Nebel versinken. Atmosphärische Tristesse. Knochenharte Action. Denzel Washington läuft als kriegerischer Mönch zur Form seines Lebens auf. Gary Oldman darf endlich wieder einmal diabolisches Overacting zeigen. Und die junge Mila Kunis fasziniert mit charismatischer Rock'n'Roll-Coolness.

Und da ist noch die Musik. Die stammt vom britischen Produzenten Atticus Ross, der zum engen Umfeld der Nine Inch Nails gehört. Für "The Book Of Eli" schuf er einen Gänsehaut erregenden, hypnotischen Soundtrack, der an "Blade Runner" und die legendäre Berlin-Trilogie von David Bowie erinnert.

Manchmal kommen einander all die Einflüsse und verschiedenen Elemente in die Quere. Und am Ende verwandelt sich "The Book Of Eli" tatsächlich in eine Gospelpredigt. Aber bessere postapokalyptische Unterhaltung wird man derzeit nicht finden.

The Book Of Eli

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  • headcore | vor 704 Tagen, 17 Stunden, 35 Minuten

    über weite strecken stimme ich dir zu: book of eli ist ein ziemlich gemütlicher actionflick - besonders anfangs. leider hat mir das gospelhafte ende ziemlich den spaß verdorben. und nicht nur das, generell hielt das ende ein paar (für mich) sehr unschöne überraschungen bereit, die nicht recht zum restlichen film passen wollten. das alte problem derer, die krampfhaft versuchen, den story twist am ende nicht allzu offensichtlich zu machen.

    die religiöse propaganda ist zwar präsent, bleibt aber selbst für überzeugte atheisten halbwegs erträglich (ganz im gegensatz zu verbrechen wie emily-rose, z.b.), da zumindest nicht versteckt und nicht so extrem übertrieben. außerdem braucht der held ja *irgendeine* motivation (goldschatz, frau, gott, rache; pick one, doesn't matter).

    also, der film war hübsch und liefere gute unterhaltung, verzettelte sich am ende (aber welcher tut das nicht). solide, unaufgeregte actionkost mit schönen bildern.

    trotzdem schade.

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  • tempusfugit | vor 719 Tagen, 13 Stunden, 22 Minuten

    Scheint ein ordentlich gemachtes Endzeit-Action-Movie zu sein.

    Allerdings können einem die USA-typischen christlichen, bibelfesten Bezüge in solchen Filmen mitunter sehr auf den Sack gehen.
    Siehe auch "I am legend".

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  • funkybird | vor 719 Tagen, 19 Stunden, 25 Minuten

    Wann kommt "The Road" endlich ins Kino??? John Hillcoat/Cormac McCarthy klingt nach einer Traumkombination. Dazu der Soundtrack vom Herrn Cave....
    Und wenn "Shutters Island" nur annähernd ans Buch rankommt gibts großes Kino! Wobei gerade die Lehane Bücher bis jetzt überdurchschnittlich gut verfilmt wurden.

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    • christianfuchs | vor 718 Tagen, 17 Stunden,

      7.10 leider erst, siehe weiter unten...

  • alabaster | vor 720 Tagen, 7 Stunden, 3 Minuten

    für Freunde des Postapokalyptischen empfehle ich jedenfalls immer wieder gerne "A boy and his dog".

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    • harald123 | vor 720 Tagen, 6 Stunden, 18 Minuten

      fand ich eher fad. trotz don johnson.
      dann lieber das hier:

      www.filmtipps.at/films/tomas_katz.php

    • fargonaut | vor 719 Tagen, 20 Stunden,

      noch ein Geheimtipp:
      M.A.R.K. 13 - Hardware von Richard Stanley

  • watchtowerman | vor 720 Tagen, 12 Stunden, 11 Minuten

    off topic:
    wirds von dir eigentlich berichte über "shutter island" & "bad lieutenant" geben?

    vorzugsweise natürlich über beide...

    für mich ist diese woche wohl der beste kinodoppelstart seit "no country for old man" & "there will be blood"

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    • christianfuchs | vor 720 Tagen, 8 Stunden, 23 Minuten

      "shutter island" definitiv.

      den "bad ltd" seh ich erst morgen, würd sich aber im doppelpaket anbieten...

    • watchtowerman | vor 719 Tagen, 21 Stunden, 14 Minuten

      großartig

  • milchmeister | vor 720 Tagen, 17 Stunden, 7 Minuten

    ja er funktioniert wirklich

    ich hab ihn gesehen
    und er gefiel

    klischeeeeee pur aber er gefiel

    selber anschauen und meinung bilden

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  • fargonaut | vor 720 Tagen, 17 Stunden, 24 Minuten

    ich kann mir einfach nicht vorstellen dass der Film funktioniert
    Post-Apokalypse-Filme waren nur bis in den 80ern gut

    einzige Hoffnung für dieses Genre:
    Sam Raimi dreht eine Fortsetzung von Armee der Finsterniss (vom Alternativen Ende anschließend)
    http://www.youtube.com/watch?v=x3HBCopB7Hc
    aber ohne CGI Effekte!
    sonst wird geknacktwatscht

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    • agentprovo | vor 720 Tagen, 17 Stunden, 9 Minuten

      nachdem er bei drag me to hell darauf geschworen hat, stehen die chancen schlecht!
      werde bereits präventiv beginnen meine handflächen zu trainieren... ;-)

  • nickkay | vor 720 Tagen, 21 Stunden, 57 Minuten

    Jupidu!

    Gary Oldman wieder einmal superböse - Schweinebacke Charles Bronson fällt mir da nur ein...
    Einen Kinobesuch ist mir der Eli aber trotzdem nicht wert.

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    • harald123 | vor 720 Tagen, 19 Stunden, 11 Minuten

      warum nicht?

  • selwalist | vor 721 Tagen, 6 Stunden, 19 Minuten

    ich zieh mir den ...

    ein ander mal rein. solange the road hier nicht ins kino kommt (amazon immer noch preorder, hach!), schau ich mir doch keine bites davon an. zumal gestehe ich dem streifen wohl nicht die ironie zu, die zitatorgien wie die tarantinos so schön macht.

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    • eulenmensch | vor 720 Tagen, 19 Stunden, 38 Minuten

      so super is "the road" aber gar nicht. viele haben hier wohl zu hohe erwartungen. vor allem das ende ist überfüllt mit kitsch.

    • christianfuchs | vor 720 Tagen, 17 Stunden, 3 Minuten

      hmmm...beim john hillcoat? na ich weiß nicht, da bin ich gespannt.

      ich hab das buch im urlaub am strand gelesen und hab unterm sonnenschirm geheult. auf den größten denkbaren pessimismus und eine absolute abrechnung mit dem menschsein dann doch auf eine menschliche geste zu setzen, das macht den alten cormac m. zum wichtigsten autor der gegenwart.

    • selwalist | vor 720 Tagen, 16 Stunden, 53 Minuten

      das ende war auch im buch nicht sehr mccarthy-esk, halt ein semi-happy-end. ohne jenes wär ich daran (an dem buch) wohl aber auch zugrunde gegangen, ein stück.

    • elend | vor 720 Tagen, 9 Stunden, 31 Minuten

      dass mich ein buch zum heulen bringt, gibt es selten - the road hat es geschafft (zwar nicht unterm sonnenschirm aber dennoch) ... sehr intensives buch. ganz großartig.

    • eulenmensch | vor 720 Tagen, 2 Stunden, 7 Minuten

      ja, das buch fand ich auch super, aber der film war wirklich nicht gut. es passiert quasi 2 stunden nix, also wirklich gar nix, nix nix nix, bis es sich zu einem kitschigen ende hoch schaukelt, das man aber auch schon zu beginn so erraten hätte können, ohne das buch zu lesen.

  • gunstreetboy | vor 721 Tagen, 6 Stunden, 49 Minuten

    stichwort the road - ist damit zu rechnen, dass der irgendwann bei uns in die kinos kommt?

    Auf dieses Posting antworten
    • christianfuchs | vor 721 Tagen, 6 Stunden, 41 Minuten

      weiß da wer was darüber? ich leider nicht, obwohl ich gerüchteweise was von mai herumschwirren hörte.

    • heidlbär | vor 720 Tagen, 20 Stunden, 18 Minuten

      The Road

      Also laut Senator startet der Film zumindest in Deutschland in den Kinos, allerdings jetzt erst im Oktober, nicht im Mai.

      Für einen Film, der bereits im Jahr 2008 gedreht wurde ist das - sorry - eine bodenlose Frechheit!

      Ich mach da nicht mehr mit. Wenn sie unser Geld nicht wollen, bitte, dann halt nicht!

    • joelkairo | vor 720 Tagen, 18 Stunden, 36 Minuten

      ja, ist gerade von Mai noch einmal nach hinten auf den 07.10. verschoben worden.

    • christianfuchs | vor 720 Tagen, 16 Stunden, 57 Minuten

      frechheit

      mit solchen entscheidungen - nur damit
      das oktoberwetter zum film passt? - gräbt sich die filmindustrie gerade das eigene grab.

      wenn es keine rasche lösung für die internationale verleih-/lizenz-politik gibt, dann wird's finster in zukunft.

      ich bin ein glühender verfechter von kino & dvds & bezahlen für die kunst (wenn filme & musik & bücher als DIE essentiellen lebensmittel nix wert sind, was ist dann was wert?) aber es wird einem nicht leicht gemacht...alle meine download-kumpels haben "the road" schon zuhause...

    • eulenmensch | vor 720 Tagen, 12 Stunden, 39 Minuten

      ich bin normalerweise auch jemand, der gerne für kino und dvd zahlt, aber in so einem fall sollte man sich den download schon überlegen. mir wär einfach die gefahr zu groß, dass ich, bis der film dann in vielen monaten endlich ins kino kommt, eh schon von allen seiten zu viele eindrücke und spoiler mitbekommen haben und mich der film dann gar nicht mehr interessieren würd.