Erstellt am: 23. 2. 2010 - 20:03 Uhr
Adam Green in Interview und Konzert
Betty hat Geburtstag und geht zum Konzert von Adam Green. Andere warten schon am Nachmittag, um den Musiker am Fußweg vom Hotel zur Venue zu erwischen.

Die meisten werden versuchen in die erste Reihe zu kommen, an den Rändern werden sich die Tanzlustigen versammeln, was zu sehen kriegen alle, weil jedes Adam Green Konzert Entertainment bedeutet. Davon zeugen die spannungsbeladenen Chöre in den ersten Reihen: Der Name wird gerufen, um den Sänger aus dem Backstage-Raum auf die Bühne zu locken, abwechselnd mischen sich "Britney Spears"-Chöre oder das "Seven Nation Army" Intro dazu. "James Dean"-Rufe dürfen da auch nicht fehlen.
Gefühlte 20mal war Adam Green schon in Österreich auf Besuch, seine Popularität ist hierzulande unangefochten. Man könnte fast meinen, unabhängig von seinem Album-Output, kann man schon mal die "Ausverkauft"-Flagge auf den Mast - äh - Schornstein hängen. Man will ihn hüpfen sehen und singen hören. Pop. Ein Popstar in der Stadt. Das Bild des Adam Green? Schrullig, verschroben, talentiert, unglaublich talentiert und fast schon melodiebesessen. Auf seinen mittlerweile sechs Alben finden sich zahlreiche Beweise dafür, dass er einen festen Platz im Anti-Folk-Olymp verdient hat (wenn auch nicht am Kimya Dawson Thron) und stets um kleine musikalische Neuerungen bemüht ist. Vor allem was den musikalischen Exorzismus seiner Songs betrifft.

Adam Greens aktuelles Album "Minor Love"erinnert nur wenig an das selbstbetitelte "Garfield"-Debüt oder gar an "Friends Of Mine". Enthält nur mehr Spurenelemente von dem, was Adam Green zu dem heißgeliebten und begehrten Indie-Posterboy gemacht hat. Für mich, die zwei Jahre lang diese Leichtigkeit des Seins und den Witz an seinen Songs im Alltag mit sich getragen hat, ist "Minor Love" eine Überraschung.

Denn nachdem sich der Charme von "Gemstones" über "Jacket Full Of Danger" zu "Sixes&Sevens" nicht halten konnte, hörte sich "Minor Love" wie eine Offenbarung an. Eine Songgrube interessanter Inhalte. Es ist nämlich kein Schmäh-Album, sondern zeigt Adam Green als den Songschreiber, der sich von seiner Figur entfernen kann und trotz persönlicher Inhalte das Album auch für die interessant macht, die an seiner privaten Person eigentlich überhaupt nicht interessiert sind. Diese Gratwanderung, den liebesbedürftigen Teenies als Projektionsfläche erhalten bleiben und den Abgeklärten oder Übersättigten unter ihnen (falls das als Gegensätze erlaubt ist) ebenso das Ohr zu rauben, macht wohl einen guten Songschreiber aus.

"Boss Inside", "Breaking Birds" oder der Opener "Braking Locks", "Oh Shucks" oder "Dont Call Me Uncle" – die Entscheidung fällt schwer. In den besten Momenten erinnert "Minor Love" an eine entschärte "Megapuss"-Version, die Banhart´sche Feder halt. In den besten Momenten hört man den Witz nicht als egozentrische Selbstdarstellung erklingen, sondern erkennt den surrealen Aspekt als alt bewährtes Stilmittel der Antifolk-Schule. Das reicht doch? Und wenn man was Privates erfahren möchte? Lest doch seinen Blog und werdet schlau aus ihm.

In seinem 2005 erschienenen Buch "Magazine" schreibt Adam Green, dass er das "On The Road" seiner Generation schreiben wollt und es "bleib zuhause" heißen soll. Mit seinem Blog führt öffentlich Tagebuch in Foto-Magazin-Form. Im Interview meint er "it became this idea that I could make this thing up! Also the company I was hanging out at the time all had blogs so I was just imitating them." So entstand ein Blog, der hauptsächlich Freundschaften und alle damit einhergehenden Zwischenfälle dokumentiert. Erfühlte Wahrheiten und erwünschte Lügen. So called life.
Den Beipackzettel für ein Konzert verabreicht zu bekommen, lässt einen auf die Zwischentöne aufmerksam werden. Beim Interview kommen wir relativ leicht auf die Teufel der Vergangenheit zu sprechen, seine Scheidung fasst er mit "the whole year was coloured with some sadness" zusammen, folgende Erklärung kratzt am konfliktreichen Fass ohne Boden an, der sich durch die Vermischung Entertainer-Figur und privater Mensch mit Problemen befüllt. Robbie Williams lässt grüssen und das ist sicher nicht böse gemeint.

Mitleid braucht es an diesem Montag Abend nicht. Adam Green kommt und hüpft und zieht sich aus, um zum Beispiel das neue Songmaterial – ohne Bandbegleitung – vorzustellen.
Er singt ein Geburtstagsständchen an besagte Betty, nimmt Blumen entgegen, steckt Liebesbriefe in seine Hosentasche, schüttelt Hände und Hits aus dem Ärmel. Lässt sich küssen, als ihm jemand verrät, seinen im Moshpit verlorenen Schuh unter dieser Bedingung zurückzugeben. Die vorangestellte Rede, dass er doch nur dieses eine Paar Schuhe mithat und wer denn überhaupt warum seinen Schuh eingesteckt hat und nicht rausrückt, wird im Saal-Lachen erstickt. Schwierig.
Stell dir vor du willst verstanden werden und hast keine Sprache dafür – sondern nur Songs. Oh shucks! Ich bleibe am Beobachter-Stuhl picken und schleich mich vor der letzten Zugabe. Er wird hoffentlich bald wiederkommen, dann wird das "Hi, how are you?" nochmal gestellt.

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