Erstellt am: 23. 2. 2010 - 16:05 Uhr
Tagsüber bei Sibylle Berg
Für nur einen Tag ist Frau Berg nach Wien gekommen. Mal schnell bei den Proben vorbeigucken. Dann reist sie erst wieder zur Uraufführung von Nur nachts an, die am 26. Februar im Wiener Akademietheater stattfinden wird.
Solche premierenden Theaterabende sind für Sibylle Berg übrigens nicht die angenehmsten, genauer: sie selbst nimmt Worte wie "furchtbar" in den Mund, "ausgeliefert" oder "Theater hat zu viele unbestimmbare Größen". Dann fügt sie lachend hinzu: "Kinder, macht ordentliche Berufe".
Sibylle Bergs "Nur nachts" (Rowohlt Theater Verlag) wird an folgenden Terminen im Akademietheater gegeben. In den Hauptrollen: Dietmar König, Alexandra Henkel, Sarah Viktoria Frick, Daniel Jesch sowie Marcus Kiepe
Nur nachts tituliert sich selbst als Komödie. Es geht um zwei, Zitat "mittelmäßige, mittel-Alter, mittelprächtige" Menschen, die noch mal einen Neuanfang wagen wollen – oder auch nicht. Geister werden ihnen geschickt, um sie von ihrem verwegenen Vorhaben abzubringen. Ein Fünf-Personen-Stück inklusive Gesang, inszeniert von Nikolaus Helbling, mit dem Sibylle Berg schon oft zusammengearbeitet hat.
Drinnen
Wir treffen uns im durchwegs royal anmutenden Hotelzimmer, schwerer Samt hängt von Fenster und Bett, so ich mich richtig entsinne. Draußen weht ein grauenhafter Wind, den Frau Berg gar nicht schätzt und froh ist, hier drinnen zu sein. Entspannt aufs Sofa drapiert. Als wir den aktuellen Roman Der Mann schläft - eine Geschichte über die Anwesenheit der Liebe, aber auch ihre Abwesenheit bzw. die Auswirkungen des Nicht-Mehr-Besitzens - streifen, meint Sibylle, dass der echt schöne Rezeptionen gehabt hätte: Eine Frau etwa habe geschrieben, dass sie ihren Mann nun anders sehen und bei ihm bleiben würde. "Oi Alter", sagt die Autorin und weiter, dass andere die Protagonistin wiederum unerträglich fanden.

Der Roman wäre aber auch schon wieder einigermaßen entfernt, weil das alles immer sehr schnell geht, vielleicht sogar vergeht? Sie wisse zwar nicht, wie das bei anderen der schreibenden Zunft sei, meint aber wahrscheinlich ähnlich: “Wir müssen ja wirklich recht viel produzieren, damit man überleben kann – also es gibt ja entweder die Literaturschmarotzer, die sich dann durchreichen lassen und permanent in irgendwelchen Bahnwärterhäuschen leben, oder du lebst davon und arbeitest, und dann musst du einfach irre viel arbeiten. Und das lässt keine große Gefühlsblicklichkeit zu, weil du nach Beendigung eigentlich schon wieder am nächsten Projekt bist.“
Demnächst
Und so hat Frau Berg nach der Wien-Premiere ein Theaterstück in Stuttgart anstehen. Sein Thema: der/die Angestellte. Anschließend widmet sie sich dem Untersuchungsfeld Hass, erneut in Dialogform. Danach wird es erst wieder einen Roman geben, "da weiß ich aber noch nicht richtig wogegen".
Vorhang!
Frau Berg über ihr Stück, die Theaterarbeit und andere Dinge, wie etwa Hunde.
Mehr Frau Berg auf www.sibylleberg.ch

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