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Musik, Film, Heiteres

Maria Motter

Maria Motter Graz

Bücher, Bilder, Kritzeleien. Und die Menschen dazu.

25. 2. 2010 - 20:33

Keine Angst vor weißen Wänden

Die Plattform Parasite-Net hat nun ihre eigene Galerie, Street Artists treffen sich zum Battle in vier Wänden und finnische Comics gehen ins Dreidimensionale. Drei White Cubes in Graz, die es zu besuchen lohnt.

Der Holzwürfel ist genau genommen ein Quader und steht auf dünnen Stelzenbeinen. Weißes Licht strahlt aus zwei eingebauten Neonröhren, das Kunstwerk von Marlene Hausegger zeigt den Betrachtern die Zähne. Und trotzdem möchte man sofort das Kabel ziehen und sich den "White Cube Wolf", wie Daniela Haberz das Konstrukt nennt, ins eigene Wohnzimmer stellen.

Kunstschaffende können sich bei Haberz für die Plattform parasite-net bewerben, einen Großteil der KünstlerInnen sucht die junge Galeristin selbst aus.

Seit zwei Jahren betreibt die Grazerin Daniela Haberz die Internetplattform parasite-net zur Präsentation und Vernetzung von KünstlerInnen. Doch die virtuelle Welt ist nicht genug. Zur permanenten Entwicklung im Netz wurde die Plattform diesen Winter um einen realen Raum erweitert.
Denn bei ersten Vernissagen in ihrer Wohnung wurde der Platz schnell knapp, und auch wenn es in der para_SITE-Galerie in der Grazer Kaiserfeldgasse bei gutem Andrang noch enger werden kann, so gibt es jetzt einen Raum, den auch Passanten wahrnehmen und betreten. Und in dem Kunst von noch weniger bekannten jungen KünstlerInnen aus- und aufgestellt werden kann, wie derzeit Marlene Hauseggers "Who is scared of the White Cube?".

Noch bis Samstag in Graz zu sehen: Marlene Hausegger: Who is scared of the White Cube?", Finissage am 27. Februar, 11 Uhr.

Daniela Haberz neben beleuchtetem Kunstobjekt
Daniela Haberz in ihrem White Cube neben Marlene Hauseggers White Cube.

Die Galeristin und Kuratorin erinnert Hauseggers Arbeit an Schöpfungen von Takashi Murakami, mich an das Dōmo-kun-Maskottchen eines japanischen TV-Senders. Das schlichte und zugleich strahlende Stück hat Marlene Hausegger eigens für die Ausstellung angefertigt, den Galerieraum hat sie in kleinem Maßstab nachgebaut.

Wie erstrebenswert ist es, in einem White Cube auszustellen? Und wie verhalten sich Künstler und Kunstbetrieb zueinander?, hat sich Hausegger gefragt. Die 25Jährige thematisiert die Angst Schreibender vor einem weißen Blatt Papier und jene des Künstlers vor der nackten Leinwand. Gleichzeitig ist das zähnezeigende Kästchen eine Karikatur des weißen Raums. Denn ein feiner Humor zeichnet Hauseggers Arbeit aus.

Im Central Park in New Work legte sie eine überdimensionale Spiegelei-Skulptur auf eine Wiese. In Graz erweiterte sie die frisch gestrichenen Fußgängerstreifen mit Kreide zu einem riesigen Zebra. Mit Klebebändern wurde ein Holzscheit in Bruck an der Mur zum Turnschuh. Viele Menschen sehen den Sneaker nicht, andere wiederum nehmen das Holz nicht wahr.

Ein Holzscheit unter einer Straßenüberführung über der Mur in Bruck wirkt durch aufgeklebte Bänder wie ein Turnschuh
"Brooklyn an der Mur", 2009.

"Plötzlich beginnst du, genauer hinzuschauen und wirst auf Dinge aufmerksam, die du zuvor nicht gesehen hast", sagt Haberz. Eine ihrer Lieblingsarbeiten ist "Lasertears": Dafür hat Marlene Hausegger bunte Stäbe an jene Leuchtobjekte in Brillenform gelehnt, die Optiker als Werbung benutzen. Das Straßenbild wird in der Ausstellung um an der weißen Wand fortgeführte geklebte Linien verlängert. Die Stäbe wiederum wecken Assoziationen mit den Stabarbeiten des Konzeptkünstlers André Cadère, die Haberz auf der Biennale gesehen hat. Parasite-net ist international angelegt, und für die Kellerräumlichkeiten sind Präsentationen von Videokunst geplant.

Eine aus Styropor ausgeschnittene Wolke schwimmt auf einem Teich, am Himmel stehen Wolken
Das hätte auch den Impressionisten gefallen: "Swimming Cloud 1", Lac Salagou 2007.
Ein Mann mit einer Pferdekopfmaske steht vor einer Mauer, auf der ein kopfloses Pferd aufgezeichnet ist.
On with head: "Horse", Wien 2009.

Emerging Artist

"Das englische Emerging Artist beschreibt es gut", erklärt Daniela Haberz die programmatische Ausrichtung ihrer Galerie. Aufkeimende, neue Kunst und ihren KünstlerInnen möchte sie Platz bieten. "Es ist wichtig, in Graz etwas zu machen und zu bewegen, und nicht davon zu laufen", findet Haberz, die Jahre in Galerien in London Erfahrungen gesammelt und bereits dort mit einer Partnerin einen Kunstraum betrieben hat.

Im April wird die nächste kuratierte Ausstellung eröffnet, zu sehen sein werden Arbeiten der Weizerin Roswitha Weingrill, die an der Universität für angewandte Kunst in Wien studiert.
Bis Graz endlich eventuell und vielleicht doch unter Umständen eine Universität für bildende Kunst bekommt, darf man sich über das private Engagement sehr freuen. Und wenn es denn jemals so weit sein sollte, wohl erst recht.

Auf zu neuen Dimensionen

Weiße Quader stehen derzeit auch im Forum Stadtpark. Zu eindimensional wurde den finnischen ComiczeichnerInnen von Kutikuti die Heftform für die zehnte und letzte Ausgabe ihrer jährlich erschienenen Anthologie. Also hat Tommi Musturi seine KollegInnen aufgefordert, mit ihren Comiccharakteren ins Dreidimensionale zu gehen.
Wild und bunt, aber auch schneeweiß mit einem Zelt mit Sittichplastik am Dach von Hanneriina Moisseinen oder als Patchwork-Bettdecke mit Zeichnungen aus einer Geschichte über eine fiktive Metal-Band namens Dark Trolls von Jan Andérzen ist die Wanderausstellung ein Augenschmaus. Nicht nur für Comicleser.

Noch bis inklusive Sonntag, 28. Februar, im Forum Stadtpark zu sehen: Finnische Comicwelten von GlömpX und online gibt es hier Einblicke.

Kleine Bilderrahmen mit aus Papier gefertigten Mini-Skulpturen des finnischen Comiczeichners Mikka Väyrynen
"Too Much White Paper" von Mikka Väyrynen.
Aus Pappe und Papier gebaute finnische Comic-Welten
Patchwork-Decke mit vielen aufgedruckten Comiczeichnungen
Patchwork made in Finland.

Street Art in vier Wänden

Flyer zu Street Lab-Veranstaltung: ein Comic-Männchen bemalt eine Wand

Auch Street Artists erscheinen weiße Wände zunehmend attraktiv. Beim Street Lab werden sich am Freitag, 26. Februar, Sprüher zu einem Battle mit Spoken Word-Einlagen und Musik in vier Wänden treffen. Zwei leere Holzwände stehen bereit, je zwei Teams bearbeiten sie eine Stunde lang nach Themen, die das Publikum vorgeben wird. Am Start sind mit dem Londoner Ronzo, den Deutschen Petar 1 und Trus auch die beiden Schweizer Nesk und Jens neben den heimischen Street Artists Oren und Fnord von Permanent Unit und der einzigen Frau in der Runde: Miz Justice aus Wien. Wobei: Das Wort Sprüher nehme ich besser zurück, zumal in Innenräumen nur sparsam mit Dosen gemalt werden wird. Pinsel und Roller kommen zum Einsatz.
Damit nicht eingespielte Teams gegeneinander antreten, wird gewürfelt, und das Arbeitsmaterial für alle bereitgestellt. Wer in die jeweils nächste Runde aufsteigen darf, entscheidet das Publikum mit Zetteln - Papierfliegerfalten, hallo!

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  • meuterer | vor 717 Tagen, 22 Stunden, 25 Minuten

    Vorprovinz

    Graz ist was Kunst betrifft ein gefährliches Pflaster. Wenn die Kunst zu ausgefallen ist kann es schon passieren das man von einem Heugabelschwingenden Mop(einige auch aus dem Rathaus)aus der Stadt gejagt wird. Ich empfähle Kunst die sich an das Bäuerliche und Ländliche orientiert und besser nichts aus dem Ausland, das sieht man hier auch nicht so gerne.

    Verdammt, ich werde schon wieder misstrauisch beobachtet weil ich vor diesem komisch schimmernden Kasten sitze.....

    Auf dieses Posting antworten
    • semiotic | vor 717 Tagen, 19 Stunden, 32 Minuten

      Mop? Lern schreiben bevor du dich anmaßt, einen Befund über eine Stadt und ihre Beziehung zur Kunst abzugeben.

    • meuterer | vor 717 Tagen, 17 Stunden, 44 Minuten

      Ok, ich meinte heugabelschwingende Meute.
      Aber jetzt mal ehrlich, was hat Graz an Kunst zu bieten außer dem Kunstgraus und dem Murgerinnsel?

    • semiotic | vor 717 Tagen, 17 Stunden, 25 Minuten

      Geb dir prinzipiell natürlich recht, man muss aber auch immer dazu bedenken dass Graz eben eine Kleinstadt mit ein bißchen mehr als 200,000 Einwohnern ist; daür ist das kulturelle Angebot dann doch nicht so schlecht. Der Steirische Herbst ist das einzige relevante Festival für Gegenwartskunst in Österreich, die Diagonale ist noch immer in Graz, auch das Forum Stadtpark ist existent, auch wenn's ein bißchen in die Irrelevanz abgedriftet ist – soweit die großen Institutionen; dazu noch eine, nach meinem Einschätzen, aufstrebende unabhängige Szene + eine deutliche Verbesserung in der Abendunterhaltung mit Niesenberggasse, Kombüse etc. Das generell sehr viel reaktionäres Gedankengut vorhanden ist, will ich nicht abstreiten, aber dagegen ist anzukommen.

    • pablo21 | vor 717 Tagen, 14 Stunden, 47 Minuten

      kinder...

      ...der gesamte museenkomplex joanneum, inklusive der neuen galerie, das kunsthaus, das künstlerhaus, der international hoch angesehene kunstverein, der skulpturenpark, das zeughaus, die alte galerie, das museum im palais - da gibt´s nicht mal 'prinzipiell' etwas zum recht geben. graz ist schon ein sehr gut unterwegs was die kunst angeht. die murinsel btw ist ein café - oder ist da mittlerweile auch ein museum drin?

      und 'empfehlen', um gottes willen, schreibt man nicht mit 'ä'.

    • tittietwister | vor 717 Tagen, 11 Stunden, 39 Minuten

      nicht zu vergessen auch die denkmalgeschützten nazifresken im öh-gebäude und die hauswandvereinnahmende monstermalerei ums eck vom lendplatz.

      graz ist sicherlich nicht schlecht unterwegs was das kulturelle betrifft, vor allem weil es gerade aufgrund der geringen einwohnerzahl mit den studenten eine relativ starke junge und kulturinteressierte fraktion gibt.

      dass es aber trotz allem ein ländliches kaff ist sieht man dann halt gelegentlich wieder an der bedenkenlosen zerstörung von schöner streetart. schneewittchen mit puffn auf grünen kacheln hinterm kastner, du wirst wir fehlen :(

    • charneo | vor 717 Tagen, 8 Stunden, 8 Minuten

      Vorprovinz IN uns

      Gefahr, Meute oder Mop seh ich in Graz nicht (dazu fehlt das Temperament, die Unwissenheit wäre ja groß genug…) –
      Wohl Strukturen, welche zum Glück funktionieren wie in jeder Kleinstadt unserer Breite, aber leider geht das auf Kosten des Schneewittchens mit Puffn hinterm Kastner. Umso größer die Stadt umso mehr Freiraum für Streeart, aber nur weil ab einer kritischen Stadtgröße `ordnende Strukturen’ nicht mehr jeden Fleck erreichen und so Kunstbiotope länger überleben können. Diese Räume werden dann von Underground- bis Subkultur gegen Homeless bis Zwielichtige errungen (siehe NY/Brooklyn). KUnSTZEiTGeIST ist bzw. soll nicht von diesen externen Faktoren abhängig sein, es liegt an jedem einzelnen es entstehen zu lassen… (sonst entsteht KUnST n i e).