Erstellt am: 5. 3. 2010 - 23:00 Uhr
Meeting Thomas Vinterberg
Die Burg hat dieser Tage irgendwie besonderen Pop-Appeal. Gerade erst premierte ein neues Sibylle Berg Stück, Herta Müller hat gelesen (ok vielleicht doch mehr Klassik), aber Birgit Minichmayr hat viele Engagements, René Pollesch wird im Mai inszenieren und auch Thomas Vinterberg ist da.
Der Mann, dessen Namen wir vor allem mit Dogma 95 verbinden, jenem Manifest, das eine neue Einfachheit und Reinheit ins Kino und seine Produktion bringen wollte. Vinterberg war einer der Begründer dieser Bewegung und sein Film "Das Fest" das erste Zeugnis davon.
Später hat Vinterberg etwa "Dear Wendy" gedreht oder Blur Videos. Und gerade hat er sein neuestes Werk "Submarino" auf der Berlinale vorgestellt.

Um die Dogma-Philosophie ist es heutzutage ruhig geworden, meint auch Thomas Vinterberg im Interview: I´ve often been asked if there is still life in dogma and we don´t know. At the moment it´s completely dead. It was a revolting, anarchistic, arrogant attempt to break with all the conventions of European filmmaking, and very quickly it became a success and then it became a convention itself. It even became fashion. If it lives up again we never know.
Und vielleicht ist Theater ohnehin das "wirklichere" Dogma. Vinterberg dazu: We were seeking the moment, in theatre that’s what you have. Es erinnere ihn also ganz schön an damals.
Bühne
„Das Begräbnis“ ist Vinterbergs erste Arbeit für die Bühne. Das Stück hat er wiedermal mit Mogens Rukov geschrieben; der gilt übrigens als der "große alte Mann" hinter der Dogma-Bewegung, er ist Professor an der Dänischen Filmhochschule, wo neben Vinterberg auch etwa Lars von Trier studiert hat.

"Das Begräbnis" ist eine Fortsetzung des Erfolgsfilmes „Das Fest“. Im dem konfrontierte der älteste Sohn am 60. Geburtstag des Vater diesen vor versammelter Gästeschar mit Missbrauchsvorwürfen: das hätte auch die Schwester ins Grab gebracht. Und einen Abend lang kämpft dieser Sohn zwischen all den Feier- und Amüsierwütigen darum, nicht länger als jemand abgetan zu werden, der eine Wirklichkeit von einer Fikiton nicht unterscheiden kann.
"Das Begräbnis" setzt rund 10 Jahre später ein. Die Familie hat sich seit dem Eklat aus den Augen verloren. Nun trifft man einander anlässlich des Todes des Vaters wieder. Doch: die alten Gespenster sind nicht gemeinsam mit dem Patriarchen gestorben.
Transponiert
Gespielt wird auf einer Drehbühne, Ort der Handlung ist erneut der Familiensitz, das Landhotel. Die Fahrigkeit der Personen und die Angriffslust des Films sind auf den Theaterbrettern wiederzufinden. Es wird viel geraucht und getrunken, geschrien und geweint. Besonders frappant war für mich übrigens die Rolle des Kochs (und besten Freund des ältesten Sohnes). Denn dieser Bühnenkoch wirkt wie ein veritabler Doppelgänger des Filmkochs; gerade erst ist „Das Fest“ nämlich wieder über meinen Bildschirm geflimmert, und so wurde diese Rolle zu meinen perfekten Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Außerdem ist Johanna Wokalek mit von der Partie und die Musik zum Stück stammt von Zbigniew Preisner, bekannt vor allem durch seine Soundtrackarbeiten für Krzysztof Kieślowski. Und das ist auch die Frage, die sich im Interview nicht mehr unterbringen ließ. Ob Vinterberg denn ein Kieślowski-Fan sei? Oder warum Preisner? Ich hätte auch noch gerne über die Zeit an der Filmschule geredet.
Allein, der Zeitplan ist während der Proben einigermaßen durcheinander geraten und wir haben nur knappe 10 Minuten. Viel zu kurz um alles unterzukriegen.
Ein sehr ruhiger und angenehmer Mensch übrigens der Herr Vinterberg und seine Kindheit in der Hippie-Kommune, die Bedeutung von Familie und seine Arbeit mit Metallica haben wir dann doch noch besprechen können.
Interview mit Thomas Vinterberg

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