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Musik, Film, Heiteres

Christian Fuchs

Christian Fuchs

Twilight Zone: Film- und Musiknotizen aus den eher schummrigen Gebieten des
Pop.

6. 3. 2010 - 15:45

Kostümierte Hasen, paralysierte Ziegen

"Alice in Wonderland" und "The Men Who Stare At Goats": Hollywood forscht an den psychedelischen Rändern der Realität.

Spätestens als die ersten Trailer zu "Alice in Wonderland" auftauchten, dachte ich mir: Irgendwie ist mir diese diese Kombination fast zu naheliegend. Tim Burton, der Spezialist für charmante Freakshows made in Hollywood trifft auf Lewis Carroll, den vielleicht bizarrsten unter den Kinderbuchautoren.

Trotzdem packt mich auf dem Weg zum Kino die Vorfreude. Zu hoch ist einfach der Sympathiebonus für den schrulligen alten Grufti unter den Blockbuster-Regisseuren. Und schon bald wird klar: Tim Burton trotzt dem vielfach adaptierten "Alice im Wunderland"-Stoff doch etwas Neues ab.

In seinem Film, der bestenfalls von der berühmten Geschichte inspiriert ist und ganz eigene Wege geht, ist die Titelheldin nicht mehr wiederzuerkennen. Kein naives Mäderl ist diese Alice mehr, kein bloßer Spielball der surrealen Geschehnisse.

Aus der langweiligsten Figur in Lewis Carrolls Universum, die besonders in der bekannten Disney-Zeichentrickverfilmung von 1951 nervt, wurde eine herrlich widerspenstige junge Frau, die sich an die Konventionen der viktorianischen Zeit nicht gewöhnen mag.

Alice In Wonderland - Alice im Wunderland

Bereits 19 Jahre alt ist Alice in Burtons Variante, an die Ereignisse im Wunderland kann sie sich nicht mehr erinnern. Prompt als die blasse Blondine von einem gräßlichen Jungadeligen einen Heiratsantrag bekommt, taucht wieder ein kostümiertes Kaninchen auf. Und in einem Erdloch wartet die Flucht aus der schnöden Realität.

Alice in Wonderland

Der Reihe nach treten sie alle auf, die skurrilen Figuren aus dem Wunderland. Johnny Depp darf sich als verrückter Hutmacher wieder mal dem Overacting hingeben, Helena Bonham Carter, im wirklichen Leben die Herzkönigin des Regisseurs, reißt mit großartig fieser Mimik den Film an sich. Dazwischen wuseln und kriechen und fliegen wundersame Kreaturen von der Festplatte herum.

Die anfängliche Begeisterung über den frischen Zugang zu Lewis Carrolls Welt legt sich bei mir recht schnell. Denn mehr als jemals zuvor verstrickt sich Tim Burton im digitalen Effekt-Hokuspokus.

Und der Regisseur verschenkt dabei tragischerweise auch das psychedelische Potential der Geschichte. Der rauschhafte Background von "Alice in Wonderland", die narrische-Schwammerl-Referenzen, auf die sich viele Bands bezogen, das alles ist gerade einmal angedeutet.

Geblendet von der "Avatar"-Perfektion wirkt auch der 3D-Zauber dieses Films eher zweidimensional. Die echte Sensation bleibt am Ende und nach einem schönen Epilog die großartige Newcomerin Mia Wasikowska. Ihre außenseiterische Alice fasziniert als beinahe feministisches Role Model und Riotgirl des 19. Jahrhunderts.

Alice In Wonderland - Alice im Wunderland

An den psychedelischen Rändern der Realität bewegt sich auch ein anderer US-Film, der gerade bei uns angelaufen ist. Allerdings ist in "The Men Who Stare At Goats" kein Wunderland in Sicht.

In seinem gleichnamigen Buch schreibt der britische Autor Jon Ronson über eine obskure Abteilung der amerikanischen Armee, die sich mit parapsychologischer Forschung beschäftigt. Wer jetzt an Science Fiction denkt, irrt sich aber gewaltig.

Ronson ist einer der sympathischsten und akribischsten Undercover-Journalisten, dem die Verbissenheit eines Michael Moore oder Günter Wallraff fremd ist. Der Brite, der unter anderem für den "Guardian", BBC oder Channel 4 arbeitet, hat sich auf bizarre Verschwörungstheorien und deren sarkastische Enttarnung spezialisiert.

In seinem großartigen Essayband "Them" schildert Jon Ronson allerdings auch, wie er bei seinen Recherchen über diverse globale Fädenzieher scheitert und tief in den Wahnsinn seiner Interviewpartner reingezogen wird. In "The Men Who Stare At Goats" verschwimmt die Distanz zum Thema ebenfalls irgendwann.

George Clooney war von Ronsons Bericht über die parapsychologischen Kämpfertruppe so begeistert, dass er seinen Regiekumpel Grant Heslow kontaktierte. Und dann trommelte Clooney prominente Schauspielerfreunde wie Jeff Bridges, Ewan McGregor oder Kevin Spacey zusammen und schlüpfte selber in eine der Hauptrollen.

The Men Who Stare At Goats - Männer, die auf Ziegen starren

Der gute Mensch von Hollywood, eben noch mit "Up In The Air" in den Kinos, spielt Sergeant Lyn Cassady. Einen Mann, der behauptet, ganz besondere Fähigkeiten zu haben.

Wenn er seinem Gegenüber lange konzentriert in die Augen schaut, sagt dieser Cassady, kann er mit seinem Blick töten. Er schwört, das schon mal probiert zu haben, mit einer Ziege. Menschen würde er nicht verletzen wollen, denn Lyn Cassady ist zwar in der US-Army, aber irgendwie auch ein bisschen ein Hippie.

Der seltsame Sergeant gehört zur sogenannten "New Earth Army", einer geheimen Einheit, die in den 80er Jahren an der Schnittstelle von Esoterik und Kriegsführung experimentierte. Amerikanische Soldaten trainierten damals mit New Age-Gurus auf Staatskosten. Gedankenlesen sollten die Männer lernen oder wie man durch Wände gehen kann.

Eigentlich ist diese Geschichte ein unglaubliches Filmthema. Geworden ist daraus allerdings nur eine etwas überzogene Komödie mit Indie-Touch, wie sie für George Clooney typisch geworden ist. Zwar haben die Darsteller sichtlich ihren Spaß, allen voran Jeff Bridges als verwahrloster Eso-Krieger.

Aber letztlich wirkt "Männer, die auf Ziegen starren" leider zu gefällig inszeniert, um zum ernsthaften Kopfschütteln anzuregen.

The Men Who Stare At Goats - Männer, die auf Ziegen starren

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  • shivaree | vor 707 Tagen, 15 Stunden, 18 Minuten

    ist's böse zu sagen, dass mr. alukapselkaffee ein wenig mehr zeit am comer see zubringen sollte?

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  • johnleehookerelectro | vor 707 Tagen, 16 Stunden, 13 Minuten

    "Ihre außenseiterische Alice fasziniert als beinahe feministisches Role Model und Riotgirl des 19. Jahrhunderts"

    vielmehr soll er neben geilen bildern auch nicht können denk ich mal
    gegen die jetzige alice kann man aufalle fälle neidisch werden wenn man sich eher jämmerliches perrsy jackson und harrypotter zeugs im eskapismus vergleich ansieht

    alice is solides unterhaltsames popcorn kino mit ner frau als extrem überzeugende "hero"...das is schonmal was

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    • christianfuchs | vor 707 Tagen, 14 Stunden, 28 Minuten

      da hast du wieder mal recht.

  • marrry | vor 707 Tagen, 18 Stunden, 52 Minuten

    booaaa!!!

    ist dieses Mädl hübsch. Ich denke, ich könnte sie anschauen bis morgen früh ohne müde zu werden.

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  • meuterer | vor 707 Tagen, 21 Stunden, 42 Minuten

    CGI Seuche

    Diese CGI Animationen waren Anfangs noch ganz toll aber mittlerweile gehts mir auch schon ziemlich auf die Nerven. Weil man erkennt es ja nach wie vor sofort wenn so ein Viech oder Raumschiff animiert ist. Avatar zB war beim erstenmal faszinierend zum anschauen aber beim zweiten Mal schon ziemlich fad. Wenn ich an die alten STARWARS Episoden oder zB die Fliege(der ist echt unglaublich ekelerregend und verdammt gut anzusehen) denke, die machen nach dem 500stenmal noch Spass. Sie könnten heutzutage mit der ganzen Mikrotechnik solche Filme wie Avatar oder Alice im Wunderlandneu locker ohne CGI verwirklichen. Aber mit PC geht’s halt schneller. Ich bin für eigene NO CGI in Moviefilms-Kinos, das könnte den Markt wieder anregen!

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    • feigenbauer | vor 707 Tagen, 9 Stunden, 54 Minuten

      was in meinen augen immer noch extrem realistisch ausschaut sind die dinos.
      vorallem wenn man bedenkt, dass des doch schon ein paar jährchen auf den buckel hat ;)

  • tittietwister | vor 708 Tagen, 1 Stunde, 12 Minuten

    alice in wonderland (1976) ist nach wie vor unschlagbar =)

    http://www.imdb.com/title/tt0074113/

    anyway, plane mir beide filme zu gemüte zu führen. schade, dass sich meine befürchtungen scheinbar bestätigen und die zwei werke nicht grad die brüller sind welche man sich im vorfeld erwartet hätte...

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  • frkula | vor 708 Tagen, 13 Stunden, 26 Minuten

    bislang waren mir spoiler wurscht, aber in einem artikel, in dem ich nicht mal einen vermutet hätte, ist mir der jetzt übel aufgestoßen :(

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    • christianfuchs | vor 708 Tagen, 9 Stunden, 3 Minuten

      aha. und welcher wär der schlimme, den ich nicht bedacht habe?

    • frkula | vor 707 Tagen, 21 Stunden, 18 Minuten

      mir, und auch dem artikel, hätte es gereicht, dass burton den carroll'schen stoff adaptiert. wie genau er das macht, hätt ich lieber im kino erfahren. unter umständen ists wurscht, ich hab mich beim drüberlesen jedenfalls geärgert.

    • christianfuchs | vor 707 Tagen, 21 Stunden, 12 Minuten

      also weniger inhaltsangabe als in diesen paar sätzen wird man zu dem film wohl kaum finden. auf welche weise burton das buch ataptiert, sollte eigentlich gegenstand einer filmkritik sein. nicht bloß die empfehlung "sehenswert" oder "nicht sehenswert".

    • christianfuchs | vor 707 Tagen, 18 Stunden, 7 Minuten

      adaptiert, jössas.

    • melkin | vor 707 Tagen, 10 Stunden, 40 Minuten

      mir sind spoiler generell ganz und gar nicht wurscht aber mir ist im konkreten fall nix störend aufgefallen. wie der herr fuchs richtig anmerkt wird's schwierig wenn man (neben dem "was") auch über das "wie" nicht schreiben darf. da kann man sich die rezension gleich sparen.

  • alabaster | vor 708 Tagen, 17 Stunden, 28 Minuten

    h. bonham-carter

    mal eben nachgeschlagen, und siehe da: sie spielt Königin Elli von Engeland demnächst. Jetzt hat aber bald jede bedeutsame Akteurin unserer Zeit Elisabeth gespielt. . .

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  • nukeduken | vor 709 Tagen, 8 Stunden, 58 Minuten

    The Box

    da ich deine filmkritiken sehr schätze, würde mich deine meinung zu "The Box" interessieren.

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    • qubert | vor 709 Tagen, 6 Stunden, 40 Minuten

      ich war zwar nciht gefragt,

      aber mir hat er gefallen. War positiv überrascht.

    • christianfuchs | vor 708 Tagen, 8 Stunden, 58 Minuten

      hmm. sehr zwiespältig. nach den jenseitigen "southland tales" glaubt man anfangs an eine rückkehr von richard kelly zur "donnie darko"-form. aber dann verzettelt sich der film irgendwie, um am schluss mit platten wendungen nur mehr zu frustrieren.

      ich fand manche szenen großartig, aber war nicht wirklich begeistert.

  • zara666 | vor 709 Tagen, 9 Stunden, 52 Minuten

    sie kann sich schon erinnern,dass sie im wunderland war, nur die wesen aus selbigem verstehen nicht, dass sie gealtert ist, deshalb auch die ganze zeit "sie ist die falsche alice"

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  • blauegiraffe | vor 709 Tagen, 13 Stunden, 36 Minuten

    hm...

    ...für die ziegen kann ich mich erwärmen, aber burtons filme haben mich bisher immer enttäuscht.

    werde mir alice daher nicht geben.

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    • karlll | vor 709 Tagen, 9 Stunden, 30 Minuten

      Hat der Mann gute Filme gemacht? Kenne nur ein paar, die sind eher okayish.

    • nadir | vor 708 Tagen, 22 Stunden, 59 Minuten

      die guten sind "ed wood", "edward scissorhands", "batman returns", "sleepy hollow", "big fish", finde ich. alle anderen sind zumindest anschaubar. wirklich schwach ist nur "planet of the apes".

    • toteraltermann | vor 708 Tagen, 18 Stunden, 32 Minuten

      Sleepy Hollow: Standaufnahmen von einem mechanischen Pferd, im Hintergrund läuft die Waldkulisse vorbei. Oder ist "gut" im relativen Sinn gemeint?

    • harald123 | vor 708 Tagen, 17 Stunden, 50 Minuten

      Sweeney Todd!

    • nadir | vor 708 Tagen, 12 Stunden, 33 Minuten

      "sleepy hollow" hat gluecklicherweise mehr zu bieten als daredevil (immerhin mir chrstopher walken drauf), nicht zuletzt die fabuloesen corman & bava-hommagen & den coolsten samtanzug den johnny depp je getragen hat.

    • karlll | vor 708 Tagen, 11 Stunden, 45 Minuten

      Ok, danke für den Tipp. Bei Bava werde ich hellhörig.

    • jubilee | vor 708 Tagen, 9 Stunden, 18 Minuten

      ahhh! das affige remake, oh nein, das hab ich scho fast verdrängt...wah